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Die überlastete Hand

Karpaltunnel-Syndrom: Wie wird behandelt?

 

Geht es nach jüngsten Medienberichten, so sind in der Computergesellschaft die Hände besonders gefährdet. Wer täglich vor dem Bildschirm sitzt und stundenlang die Tastatur betätigt, kann an einem so genannten Karpaltunnel-Syndrom (CTS) erkranken. Dabei handelt es sich um die Schädigung eines der wichtigen Nerven der Hand, des Nervus medianus – die Finger werden taub, Schmerzen stellen sich ein, Gegenstände fallen einfach aus der Hand. In den USA spricht man beim Karpaltunnel-Syndrom bereits von einer Berufskrankheit der Programmierer und EDV-Arbeiter.

 

Von Dr. Monika Berthold

Wie der Wiener Orthopäde Dr. Alexander Lehner feststellt, kann es nicht nur bei der Arbeit am Computer zur Entwicklung eines CTS kommen. Generell können alle mechanischen Überlastungen im Handgelenksbereich zu Gewebeschwellung und zu den genannten Beschwerden führen. Gefährdet sind Sportler und Berufsgruppen mit schwerer Belastung des Handgelenks (z. B. Arbeiten mit Presslufthammern) ebenso wie Heimwerker und emsige Gartenliebhaber.

Nerv wird „abgewürgt“
Bei all diesen Tätigkeiten kann es zu einer Einengung des Nervus medianus kommen, der langsam, aber sicher „abgewürgt“ wird. Der Grund: Die Handwurzelknochen bilden im Bereich des Handgelenks eine Rinne, die durch eine Bindegewebsplatte (Retinaculum flexorum) verschlossen ist. Durch diese tunnelartige Röhre (Karpaltunnel) laufen nicht nur die Beugesehnen, sondern auch der Nervus medianus, für den es infolge der Gewebeschwellungen enger und enger wird. Dieser wichtige Nerv, der Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und den halben Ringfinger versorgt, kann dann seine Aufgabe nicht mehr in vollem Umfang erfüllen: Die Finger werden gefühllos und schlafen ein. Nach kräftiger Tätigkeit oder in der Nacht können zusätzlich heftige Schmerzen auftreten.
Lässt man die Beschwerden anstehen, kann es zu einer nicht mehr oder nur zum Teil heilbaren Schädigung des Nervs und auch zum Muskelabbau im Daumenballen kommen. Dr. Lehner: „Das CTS ist fast immer eine chronische Erkrankung, oft die Folge von Langzeit-Belastungen oder Überlastungen des Handgelenks. Auch können während der Schwangerschaft, nach Verletzungen im Handgelenksbereich oder bei Erkrankungen wie Diabetes und Rheuma Beschwerden auftreten. Die Symptome beginnen meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren und häufiger zuerst an der Arbeitshand. Übrigens sind Frauen zirka dreimal so häufig betroffen wie Männer.“

Was hilft?
Die gute Nachricht: Das CTS kann gut behandelt werden. Dr. Lehner nennt dazu eine ganze Reihe von Therapiemöglichkeiten:

  • Sind die Schädigungen noch nicht weit fortgeschritten, kann schon eine spezielle Unterarm-Schiene, die in der Nacht getragen wird, Erleich­terung bringen. Sie hält das Handgelenk in einer den Nerv schonenden Position.
  • Belastungen der Hände – anstrengende Arbeiten – sollen tunlichst vermieden werden.
  • Kortisoninjektionen in den verengten Nervenkanal können zumindest für einige Zeit Linderung bringen.


Letzter Ausweg: Operation
Ist die Krankheit  zu weit fortgeschritten, hilft nur noch ein chirurgischer Eingriff. Wie Lehner, der im Orthopädischen Spital in Wien-Speising diese Operation durchführt, erklärt, zählt diese Behandlung heute zu den Routineeingriffen. Dabei wird im Bereich des Handgelenks das den Nerv ein­engende Band durchtrennt, um mehr Platz zu schaffen. Der Nervus medianus kann sich erholen und die Sensibilität der betroffenen Finger sowie die Kraft der Daumenmuskulatur kann sich wieder bessern.
Die Operationsergebnisse, so Lehner, sind fast immer gut. Allerdings muss man, falls das CTS über lange Zeit existent war, Geduld haben, da dann die Regeneration der einzelnen Nervenfasern des Nervus medianus nur langsam und manchmal nicht mehr vollständig erfolgt.
Nach dem chirurgischen Eingriff sollte man, um Schwellung und Schmerzen zu verhindern, den Arm höher lagern. Durch ein bestimmtes Übungsprogramm (Beugen und Strecken der Finger, Schließen der Faust, mit dem Daumen die Fingerkuppen der anderen Finger berühren, etc.) schreitet der Heilungsprozess schneller voran und Verklebungen von Nerv und Sehnen werden verhindert. Zur Verringerung des Wundschmerzes und zur besseren Wundheilung kann in den ersten Tagen auch eine Unterarmgipsschiene angelegt werden. In den meisten Fällen ist dies jedoch nicht nötig. Die Nahtentfernung erfolgt zirka zehn Tage nach der Operation.

Wie erkennt man ein Karpaltunnel-Syndrom?
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Nervus medianus, der langsam, aber sicher „abgewürgt“ wird. Dieser wichtige Nerv, der Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und den halben Ringfinger versorgt, kann seine Aufgabe nicht mehr in vollem Umfang erfüllen: Die Finger werden gefühllos und schlafen ein.

So diagnostiziert es der Arzt

  • Bei klinischen Tests wird festgestellt, ob Sensibilitätsstörungen (also Störungen des Fingergefühls) an Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und dem halben Ringfinger bestehen. Durch Druck auf den Karpalkanal können diese Beschwerden verstärkt werden.
  • Zu ähnlichen Resultaten kommt der Arzt auch durch Klopftests, bei denen er den Nervus medianus im Karpalkanal abklopft.
  • Die wichtigste Diagnosemethode ist jedoch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, die in speziellen Labors durchgeführt wird. Sie gibt darüber Auskunft, ob und in welchem Ausmaß der Nerv geschädigt ist.


So kann man selbst testen

  • Schlafen in der Nacht Daumen, Zeige- und Mittelfinger ein, so kann die Ursache eine Einengung des Nervus medianus im Handgelenksbereich sein.
  • Zunehmende Ungeschicklichkeit und Sensibilitätstörungen der ersten drei Finger sind ein weiterer Hinweis.
  • Wenn die Muskulatur des Daumenballens schwindet, kann es sich ebenfalls um ein fortgeschrittenes CTS handeln.

Der Gang zum Arzt ist aber unbedingt notwendig, weil eine exakte Diagnose nur von ihm gestellt werden kann und Probleme mit den Händen unter anderem auch von der Hals­wirbelsäule ausgehen können. Eine rechtzeitige Therapie ist empfehlenswert, da langjährige Nichtbehandlung zum Absterben einzelner Nervenfasern des Nervus medianus und zu bleibenden Gefühlsstörungen der Finger führen kann.


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Wie bleiben die Hände gesund?
Vermeiden Sie übermäßige Anstrengungen durch harte Arbeit mit den Händen. Sobald Sie merken, dass die Hände empfindlich reagieren, sollten Sie zurückschalten. Jede Belas­tung, welche die Sehnen im Hand­gelenks­bereich reizt, ist schädlich.

Wer sich oft und intensiv als Handwerker betätigt, sollte sich bei Profis oder in Kursen Tipps über den richtigen Umgang mit Werkzeug geben lassen. Falsche Handhabung kann zu einem Karpaltunnel-Syndrom führen. Gleiches gilt für Sportler – Beratung und Schulung durch Fachleute sind von großer Wichtigkeit.

Beim Arbeiten am Computer kann eine ergonomische Handballenauflage eine falsche Haltung beim Tippen und somit eine Überlastung im Handgelenksbereich verhindern. Schaffen Sie zusätzlich Ausgleich zur Belastung durch spezielle Turnübungen.

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Sulcus ulnaris-Syndrom:
Auch die „KLEINEN“ sind gefährdet

Während das Karpaltunnel-Syndrom vor allem Daumen, Zeige- und Mittelfinger betrifft, hat sich die Natur für den Ring- und den kleinen Finger etwas anderes ausgedacht. Die Erkrankung der beiden „Kleinen“ an der Hand kündigt sich nicht selten mit höchst unangenehmen elektrisierenden Schmerzen im Bereich des Ellenbogens an. Der Volksmund spricht vom „narrischen Bein“, „elektrischen Knochen“ oder „Musikantenknochen“, weil das plötzliche Auftreten der Schmerzen so durchdringend und heftig ist, dass man jodeln könnte.
Allerdings, so erklärt Dr. Lehner, ist das Sulcus ulnaris-Syndrom – wie die Erkrankung der beiden kleinen Finger in der medizinischen Fachsprache heißt – nicht nur wesentlich seltener als das Karpaltunnel-Syndrom, sondern hat auch ganz andere Ursachen.
Es handelt sich um eine Druckschädigung des Ellennerven (Nervus ulnaris). Dieser Nerv, der Ring- und kleinen Finger mit Gefühl versorgt, verläuft in einer engen Rinne innen am Ellbogen. Durch Knochenbrüche oder mechanische Belastungen kann es in seltenen Fällen zu einer Druckschädigung dieses Nervs kommen. Aus der medizinischen Praxis weiß man, dass schon geringe, aber andauernde Belastungen zu Problemen führen können. Dazu zählt bereits das ständige Aufstützen des Ellenbogens auf eine harte Unterlage. Bei bettlägerigen Langzeit-Patienten genügt manchmal schon der Druck auf die Liegefläche.
Ist der Ellennerv einmal geschädigt, kann er – wie der Nervus medianus bei den ersten dreieinhalb Fingern – den halben Ring- und den kleinen Finger nicht mehr richtig versorgen. Die ersten Symptome sind, abgesehen von den elektrisierenden akuten Schmerzen, Taubheitsgefühl und unangenehme Empfindungen an beiden Fingern, am Kleinfingerballen, oft bis hinauf zum Ellenbogen – zuerst nur beim Auflegen oder Belasten des Arms, später als Dauerzustand. Schließlich kommt es zu motorischen Störungen, die Finger sind nicht mehr so beweglich und man hat das Gefühl, keine Kraft mehr in den Händen zu haben. Bei voll ausgeprägter Lähmung bilden sich die Muskeln zwischen den fächerförmigen Knochen am Handrücken zurück. Die Finger sind dann im Grundgelenk überstreckt und in den Mittel- und Endgelenken gebeugt. Man spricht von einer Krallenhand.
         

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