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So verbessern Sie Ihr Arbeitsklima
Eigentlich keimt in Ihnen schon lange die Idee, sich’s im Büro richtig gemütlich zu machen. Setzen Sie das um. Tauschen Sie das tägliche Unbehagen am Weg zum Schreibtisch gegen Freude. Das ist gar nicht so schwer, sagen Arbeitsmediziner. Lesen Sie, wie’s geht.
Von Mag. Wolfgang Bauer
Was haben partnerschaftliche Umgangsformen und stressfreies Miteinander mit frischer Luft und einem Mittagsschläfchen zu tun? Ganz einfach: es handelt sich um wertvolle und lieb gewordene Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die Sie deswegen pflegen, weil sie Ihnen gut tun. Und was einem zu Hause gut tut, ist auch gesund fürs Büro. Nehmen Sie also Ihre gesunde Lebensweise genau so mit zur Arbeit wie den Terminkalender oder das Handy.
Die moderne Arbeitswelt bringt es mit sich, dass Beruf und Freizeit immer schwieriger von einander zu trennen sind. Man nimmt sich stapelweise Bürokram mit nach Hause, um am Wochenende daran arbeiten zu können, ist abends am Handy noch für den Chef erreichbar oder nimmt auf dem Weg ins Wochenende noch rasch einen Kundenkontakt wahr. Was spricht also dagegen, wenn man umgekehrt private Gewohnheiten mit ins Büro nimmt, vor allem, wenn sie die Gesundheit fördern? Freilich – wenn der Chef nicht will, dann nutzen auch die gesündesten Vorsätze nichts. Doch kluge Chefs lassen die gesunden Marotten ihrer Mitarbeiter nicht nur zu, sie fördern diese sogar. Indem sie etwa spezielle Gesundheitsprojekte in den Betrieben anbieten. In betrieblichen Gesundheitszirkeln lernen die Mitarbeiter ergonomisches Sitzen, richtiges Heben und Tragen von Lasten.
Es gibt Ernährungsberatung, die Vermittlung von Entspannungstechniken oder Kommunikationsseminare. Solche Projekte heben die Arbeitsmoral und die gute Stimmung im Betrieb. Sie verbessern aber auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer und senken die Krankenstandstage.
Leistungssteigender Büroschlaf
Entspannungstechniken müssen nicht schwer zu erlernen sein. Die einfachste Methode zur Entspannung im Büro ist zum Beispiel das sogenannte Power-Napping, das ist nichts anderes als ein zehn- bis 30-minütiger Kurzschlaf am Schreibtisch. Er bietet sich in den frühen Nachmittagsstunden an, wenn sich das natürliche Leistungstief einstellt.
Sie kennen das sicherlich: Zwischen 13 und 15 Uhr wird man müde und unkonzentriert, egal, ob man zu Mittag etwas gegessen hat oder nicht, ob das Essen zu üppig war oder nicht. Es handelt sich um einen natürlichen Einknick in unserer täglichen Leistungskurve. Am Wochenende legen Sie sich um diese Zeit gerne mal zum Dösen auf die Couch. In diesem Zeitraum sollte man im Berufsalltag keine Besprechungen abhalten, empfiehlt Dr. Gerhard Wäger vom Arbeitsmedizinischen Dienst Salzburg. Den Leuten fehlt die nötige Aufmerksamkeit. Auch wichtige Arbeiten erledigt man besser in den schöpferischen Phasen. Diese sieht unser Biorhythmus zwischen acht und elf Uhr vormittags sowie zwischen 16 und 17 Uhr vor. Für die Bewältigung des Leistungstiefs am frühen Nachmittag bringt ein Schläfchen wesentlich mehr als einige Tassen Kaffee. Es sollte regelmäßig gehalten werden, denn Studien haben erwiesen: Wer nur gelegentlich mal döst, hat danach Anlaufschwierigkeiten und wird die Müdigkeit nur schwer wieder los. Bei regelmäßigem Schlafen hingegen erholt sich das Gedächtnis und wird wieder aufnahmebereit. In amerikanischen und japanischen Büros schlummert man bereits mit Begeisterung (es gibt dort sogar eigene Schlafkojen).
Entspannung am Schreibtisch
Ohne Unterbrechung durchzuarbeiten, mag zwar vielleicht den Chef beeindrucken, bringt aber im Endeffekt nicht die gewünschte oder erwartete Leistung. Auf Anspannung muss immer auch Entspannung folgen. Und zwar nicht erst in der Freizeit, sondern bereits im Büro. Denn nach eineinhalb bis zwei Stunden konzentrierter Arbeit sinkt die Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft. Drehbuchautoren und Regisseure wissen das. Darum dauern Spielfilme meistens zwischen 90 und 120 Minuten und können sich damit der vollen Aufmerksamkeit der Zuseher erfreuen.
Probieren Sie es: Ein probates Mittel zur Entspannung sind zum Beispiel die Muskelübungen nach Jacobson, einem amerikanischen Arzt und Physiologen (gest. 1976). Sie sind unter fachkundiger Anleitung in kurzer Zeit erlernbar und einfach im Büro durchzuführen. Einige Sekunden lang werden verschiedene Muskelpartien angespannt. Dann wird die Anspannung wieder losgelassen. Bewusstes Atmen begleitet diese Technik.
Auch eine Atemübung erfrischt und pumpt wieder Sauerstoff ins Gehirn: Atmen Sie ein und zählen Sie dabei bis acht. Halten Sie den Atem an und zählen Sie bis zwölf. Atmen Sie dann langsam aus und zählen Sie dabei bis zehn.
Persönliche Utensilien am Schreibtisch können ebenfalls Entspannung fördern. So spricht nichts dagegen, den Arbeitsplatz mit Bildern, Photos oder Pflanzen auszustatten. Viele können zwischendurch relaxen, wenn sie auf das Urlaubsphoto vor sich starren und dabei versuchen, ruhig zu atmen. Dann empfinden Sie vielleicht des öfteren Job wirklich wie Urlaub und Sie schöpfen wieder Kraft für weitere Aufgaben.
Außerdem schaffen Trennwände in Räumen mit mehreren Mitarbeitern und vor allem in Großraumbüros die so wichtige private Sphäre. Allerdings sollten sie nach Ansicht von Dr. Wäger nicht höher sein als 1,50 Meter. Das genügt, damit der Bürolärm geschluckt wird und ermöglicht dennoch den Sichtkontakt zu den Mitarbeitern, wenn man aufsteht. Zusätzlich können Geräusche von schallschluckenden Teppichen und Deckenverkleidungen erheblich eingedämmt werden. Wenn Sie unter „Bürogedränge“ und nervendem Lärmpegel leiden, reden Sie einmal mit Ihrem Chef. Vielleicht investiert er in ein paar die Atmosphäre verbessernde Equipments.
Apropos Lärm: Zu einer guten Unternehmenskultur gehört es, wenn nicht quer durch den Raum geredet oder gar gerufen wird. Man begibt sich stattdessen zum Arbeitsplatz des Kollegen und spricht mit diesem entsprechend leise. So stört man die anderen nicht und hat außerdem die nötige Bewegung.
Bewegtes Büro
Der optimale Arbeitsplatz bietet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sitzen, Gehen und Stehen. „Die meisten Büromitarbeiter verbringen 90 Prozent ihrer Tätigkeit im Sitzen“, beklagt Dr. Wäger. Dabei wäre es so einfach, etwas mehr Bewegung ins Büro zu bringen: Man geht zu Fuß zur Kollegin die zwei Etagen im Haus und benutzt nicht den Lift, Akten studieren und Besprechungen abhalten kann man ebenso gut an einem Stehpult. Man streckt mehrmals täglich den Körper durch (doch Vorsicht: wer gezielt Dehnungsübungen machen will, sollte diese unter fachkundiger Anleitung lernen! Die Gefahr ist nämlich groß, sich falsche Bewegungsmuster einzuprägen). Ein täglicher Fußweg ins Büro bringt ebenfalls enorm viel. Wer kann, fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Überhaupt tun Chefs und Führungskräfte gut daran, wenn sie bei der Gestaltung oder Neukonzeption der Büroräume die dort Beschäftigten so weit wie möglich mit einbinden und die wesentlichen Entscheidungen nicht nur an Architekten und Planer delegieren. Denn diejenigen, die dort Tag für Tag arbeiten müssen, haben oft instinktiv das richtige Gespür für das, was ihnen gut tut.
Licht & Luft
Sie brauchen zum Beispiel ausreichend Licht und Luft. Und zwar Tageslicht und Frischluft, sagt Dr. Wäger. Das natürliche Sonnenlicht ist ungleich wichtiger als das Kunstlicht, selbst an einem trüben Herbsttag erzielt es ein Vielfaches an Lichtstärke als eine Schreibtischlampe. Daher macht es auch keinen Sinn, das Büro mit Jalousien zu verdunkeln. Auch nicht bei intensiver Sonneneinstrahlung. In diesem Fall wäre es besser, eine große Pflanze vor das Fenster zu schieben, um die störenden Strahlen abzuschwächen.
Wird Kunstlicht benötigt, so empfiehlt Dr. Wäger, dass es möglichst indirekt einfällt und das Büro gleichmäßig ausleuchtet. Moderne Halogenlampen erhellen meist nur eine kleine Fläche, während es rundherum dunkel ist. So etwas mag das Auge nicht.
Was das Raumklima betrifft, so ist die Empfehlung des Arbeitsmediziners klar: keine permanente Zugluft, sondern mehrmals täglich eine Stoßlüftung. In größeren Räumen bewährt sich eine sogenannte Querlüftung, das heißt, man lässt es kurz durchziehen.
Luftbefeuchter sind aus arbeitsmedizinischer Sicht problematisch. Sie werden nämlich mit der Zeit von Schimmelpilzen und Bakterien besiedelt und fungieren dann hauptsächlich als Verteiler von Krankheitskeimen. Statt dessen können Pflanzen aufgestellt werden. Sie sorgen für ein gutes Raumklima und heben außerdem die Stimmung.



