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Heiterkeit hält jung

Wo man das Lachen lernen kann

 

Wer Humor hat, lacht dem Älterwerden ins Gesicht. Fröhliche Gelassenheit ist eines der besten Anti aging-Mittel, darüber sind sich Experten einig. Lesen Sie, wie man mit dem „Vitamin“ Heiterkeit länger jung bleibt und wie man das Lachen wieder lernen kann, sollte es einem zwischenzeitlich vergangen sein. Dafür gibt es nämlich jetzt sogar ein eigenes Institut.

 

Von Dr. Monika Berthold

Wer schaut nicht lieber in das lachende, strahlende Gesicht von Heidi Klum als in das düstere, depressive der meisten anderen Models? Und nicht zuletzt deshalb gilt die deutsche Heidi als eine der schönsten. Laut einer amerikanischen Untersuchung werden Menschen mit positiven Charakterzügen – und dazu gehören vor allem jene, die Heiterkeit verbreiten – auch als körperlich attraktiver wahrgenommen. Eine Tatsache, die jeder aus eigener Erfahrung kennt. Von Menschen, die uns die Leichtigkeit des Seins vorexerzieren, fühlen wir uns immer wieder magisch angezogen. Ihre Attraktivität geht weniger von der Ebenmäßigkeit ihrer Züge, als vielmehr von der inneren Heiterkeit aus, die sie ausstrahlen. Ein lachendes Gesicht finden wir schön, auch wenn es noch so viele Falten hat.

Humor als Kosmetikum? „Es gibt zwar keine wissenschaftlichen Hinweise, dass Lachen schön macht. Aber es ist klar, dass Leute, die fröhlich sind, ­attraktiver erscheinen“, bestätigt auch Univ. Prof. Dr. Ilona Papousek vom Institut für Psychologie an der Universität Graz. Das liegt vor allem daran, dass man ganz automatisch selbst auch fröhlicher wird, wenn man mit heiteren Menschen zusammen ist, erklärt die Expertin. Bei Befragungen, was an Menschen besonders anziehend wirkt, stand die Heiterkeit ganz oben. Das funktioniert allerdings nur, wenn der Ausdruck von fröhlicher Stimmung authentisch, also echt ist. Vorgespielte heitere Stimmung oder künstliches Lachen wird blitzschnell als solches erkannt und hat diese Wirkungen nicht.

Wie beim Pawlowschen Hund
Lasst uns also lachen! Wie aber kommt man zur Heiterkeit, wenn sie einem im Laufe des Lebens längst vergangen ist? Man kann sie lernen, sagt Papousek, die erst kürzlich gemeinsam mit einem Team im steirischen Kapfenberg ein eigenes Institut für Heiterkeit geschaffen hat. Wer Lachen lernen, wieder erlangen oder sein humoristisches Ego stärken will, kann das im Kapfenberger Institut tun.
Wie das geht, erinnert ein wenig an den Pawlowschen Hund, der bei der Fütterung immer Glockentöne hörte und schließlich beim Ertönen der Glocke – auch ohne Fressnapf – mit Speichelfluss reagierte. Was das mit dem Heiterkeitstraining zu tun hat, erklärt die Psychologin so: Heitere Stimmung, Humor (im Sinne von etwas witzig finden), Lächeln und Lachen kann man sich als die Komponenten eines Netzwerkes im Gehirn vorstellen, die sich gegenseitig fördern können, sobald eine oder mehrere der Komponenten angeregt sind. Diese Verbindungen kann man durch Training verstärken. So genügt es (nach entsprechender Übung) beispielsweise, den Mund breit zu ziehen, um in Stimmung zu kommen.
Ein richtig herzlicher Lachanfall führt im Gehirn auch zu handfesten messbaren Reaktionen. In einem bestimmten System des Gehirns wird der Botenstoff Dopamin verstärkt ausgeschüttet, was euphorische Gefühle in uns auslöst. Es handelt sich dabei um jenes Hirnareal, in dem auch unsere Süchte entstehen. Papousek: „So ist zu erklären, warum Lachen zur Sucht werden kann. Allerdings zu einer, die nur positive Wirkungen hat.“

Im Lach-Tee rühren statt Trübsal blasen
Das konkrete Training schaut so aus, dass man zunächst in der Gruppe eine Technik lernt und übt, mit der man sich selbst in fröhliche Stimmung bringen kann, und zwar über das eigene Verhalten. Nämlich indem man sich vorstellt, fröhlich zu sein, und (vorerst) absichtlich einen fröhlichen Gesichtsausdruck macht und lacht. Dann wird man dazu angeleitet, sich kleinere persönliche Unzulänglichkeiten, Ärgernisse und Widrigkeiten vorzustellen. Das wird zusätzlich von einfachen, dazupassenden Gesten begleitet.
Beispiel 1: Man stellt sich vor, dass schon die dritte Ampel hintereinander rot wird. Dazu macht man eine kleine Geste, die das Springen des Ampellichts auf Rot darstellt. Beispiel 2: Man stellt sich vor, dass man einsam zu Hause sitzt und in seiner Teetasse rührt. Der imaginäre Löffel wird in einer imaginären Teetasse bewegt.
In beiden Fällen wendet man nun die zuvor gelernte Technik an, sich selbst in heitere Stimmung zu versetzen. Durch viele, viele Wiederholungen werden schließlich die vorgestellten Situationen mit positiver Stimmung verknüpft, sodass mit der Zeit die Vorstellungen von Widrigkeiten, die kleinen Gesten und später dann auch die entsprechenden Situationen im Alltag automatisch heitere und gelassene Stimmung auslösen. Statt sich über rote Ampeln zu ärgern oder mit der einsamen Teetasse trübsinnigen Gedanken nachzuhängen, zaubern das Rühren im Tee und rote Ampeln wie von selbst ein Schmunzeln ins Gesicht.
Es reicht allerdings nicht, hin und wieder einen lustigen Film anzuschauen, einen Lachclub zu besuchen oder über einen Scherz zu schmunzeln. Man muss schon über Wochen oder Monate hinweg Heiterkeit trainieren, um das Niveau des Wohlbefindens nachhaltig in die positive Richtung zu verschieben. Dafür ist ein Training erforderlich, das nach allen Regeln der psychologischen Kunst entwickelt wird und in dem Humor oder Erheiterung gezielt eingesetzt werden, um ganz bestimmte Prozesse in Gang zusetzen.

Gelassen statt angstvoll
Papousek: „So wie man körperliche Entspannung am einfachsten und effizientesten in einem professionellen Entspannungstrainingskurs und Segeln in einem professionellen Segelkurs lernt, so kann man auch Heiterkeit am besten unter Anleitung von Experten, die etwas davon verstehen, trainieren.“ Wer das nicht möchte oder keine Zeit dazu hat, kann versuchen, verschiedene Elemente selbst zu üben. Das Ziel ist immer das gleiche: Man soll lernen, Missgeschicke, schwierige Situationen und widrige Umstände im Alltag nicht so schwer zu nehmen. Man kann sich dazu verschiedene Situationen ausdenken, die einem Angst und Sorgen machen können, die man aber auch mit einer heiteren Gelassenheit sehen kann. Konkret: Obwohl man eigentlich immer recht geschickt hantiert, verschüttet man eine ganze Dose Zucker auf den Boden, hinter den Küchenkasten – es knirscht und klebt. Das ist schon eine Situation, bei der einem das Heulen kommen kann. Man kann aber auch bewusst den Körper entspannen, herzlich lachen, saugen und feucht aufwischen. Und sich schließlich darüber freuen, dass die Reinigung unter dem Küchenkasten, die man sich schon so lange vorgenommen hat, mit einem Wisch erledigt ist.
Üben kann man fast täglich beim leidigen Gedränge in der U-Bahn. Es wird geschubst und gerempelt. Man kann sich jetzt darüber ärgern und andere zornig anschauen oder den Nachbarn belustigt anlächeln und damit signalisieren, dass man das Drängel-Leid nicht nur mit dem anderen teilt, sondern sich über die oft kuriosen Situationen sogar amüsieren kann.

Sich selbst nicht so ernst nehmen
Das Ziel ist es, aus der humorvollen Betrachtungsweise auf längere Sicht erfolgreiche Strategien zu entwickeln, um mit Belastungen besser zurechtzukommen. Dazu gehört auch der positive Umgang mit anderen Menschen, die Eigenschaft, offen und freundlich auf sie zuzugehen. Wer’s schon einmal ausprobiert hat, kennt das Ergebnis: Ein freundliches Lächeln für die Kassiererin im Supermarkt oder für das gestresste Gegenüber in der Straßenbahn zaubert Freude ins Gesicht des anderen – oft der schönste Lohn des Tages.
Als eines der wichtigsten Elemente des Heiterkeitstrainings nennt Papousek: „Lernen, sich selbst nicht so ernst zu nehmen.“ Wer über sich selbst lachen kann, hat einen psychischen Panzer aufgebaut, der kaum zu durchdringen ist. Es sind jene beneidenswerten Menschen, die mit Beleidigungen genauso gut umgehen können wie mit Tadel oder verbalen Verletzungen. Sie strahlen nicht nur Ruhe und Gelassenheit aus, sondern auch das Flair ewiger Jugend.
Warum Heiterkeit am besten mit professionellen Trainern erlernt werden sollte, zeigt die Tatsache, dass Lachen nicht gleich Lachen ist. Es darf niemals zu einem Auslachen werden. Papousek: „Auf gar keinen Fall darf eine andere Person das Gefühl haben, dass über sie gelacht wird oder Witze auf ihre Kosten gemacht werden. Auslachen und Witze, bei denen feindselige, aggressive oder zynische Töne mitschwingen, haben nie positive, sondern immer nur negative Folgen. Und dieser Humor macht auch nicht schön.“

Heiterkeit ist gesund
Abgesehen vom Schönheitsgewinn – mit Heiterkeit sind verschiedene Dinge verbunden, mit denen ein nachhaltiges Wohlbefinden begünstigt wird, das künftigen Belastungen standhält. Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein robustes seelisches Wohlbefinden auch zur Erhaltung der körperlichen Gesundheit beitragen kann. Das gilt in besonders beeindruckender Weise für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch für funktionelle Beschwerden und das Hintanhalten altersbedingter chronischer Krankheiten. Menschen, die eine dauerhafte heiterere und gelassenere Grundstimmung haben, fühlen sich insgesamt gesünder, sie erholen sich schneller und besser von schweren Erkrankungen, bleiben im hohen Alter länger selbstständig und haben sogar eine höhere Lebenserwartung.

Kontakttipp:
Institut für Heiterkeit, Kapfenberg  www.institutfuerheiterkeit.at


 

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