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Ausgabe 10/2006

 



Sodbrennen: Jeder Fünfte leidet darunter

Treten die brennenden Schmerzen hinter dem Brustbein nur gelegentlich auf, etwa nach einem opulenten Mahl, so muss man sich keine Sorgen machen. Wer regelmäßig darunter leidet, sollte unbedingt ärztliche Hilfe suchen, denn hinter den Beschwerden könnte sich die so genannte Refluxkrankheit verstecken.

 

Von Mag. Michael Krassnitzer

Der brennende Schmerz hinter dem Brustbein entsteht, wenn Magensäure in die Speiseröhre gedrückt wird. Magensäure ist zehnmal so sauer wie Zitronensaft. Zu schwach, um zum Beispiel auf unserer Haut Verätzungen hervorzurufen, aber stark genug, um auf der empfindlichen Schleimhaut der Speiseröhre ein schmerzhaftes Brennen auszulösen.

Gelegentliches Sodbrennen, vor allem nach opulenten Mahlzeiten, ist ganz normal und kein Grund zur Besorgnis. „Wenn aber Sodbrennen ohne erkennbaren Grund regelmäßig öfter als einmal in der Woche auftritt, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden“, rät Prim. Univ. Doz. Dr. Gerhard Schwab, Vorstand der Abteilung für Chirurgie im Landeskrankenhaus Krems und Leiter des dortigen Kompetenzzentrums für gastroösophageale Funktionsstörungen, das einzige seiner Art in Österreich. Bei regelmäßigem Sodbrennen nämlich ist in den allermeisten Fällen die so genannte Refluxkrankheit Ursache, von Fachleuten auch liebevoll GERD genannt (Gastroesophageal Reflux Disease).

Verirrte Magensäure
Alles, was wir essen, geht durch die Speiseröhre direkt in den Magen. Dort wird die Nahrung von der Magensäure – eigentlich eine Mischung mehrerer verschiedener Säuren – verdaut. Normalerweise verhindert ein Schließmuskelmechanismus den Rückfluss der Nahrung oder der Magensäfte in die Speiseröhre. Dieser Mechanismus besteht aus zwei Muskeln. Der erste befindet sich direkt am Übergang von der Speiseröhre zum Magen. Der zweite Muskel ist das Zwerchfell, das den Brust- vom Bauchraum trennt und bei der Atmung eine wichtige Rolle spielt. Im Zwerchfell befindet sich ein Loch, durch das die Speiseröhre führt. Wenn diese Muskeln nicht richtig funktionieren, kann vermehrt Magensaft in die Speiseröhre fließen und zu den bekannten Beschwerden führen. Auch wenn die Peristaltik der Speiseröhre – also die langsame, wellenartige Muskelbewegung, welche die Nahrung in Richtung Magen befördert – nicht richtig funktioniert oder wenn die Magenentleerung eingeschränkt ist, können Magensäfte vermehrt in die Speiseröhre gelangen.

Gefährliche Folgen
Die meisten Betroffenen klagen neben Sodbrennen über unangenehmes Aufstoßen von Magensaft oder Speiseresten, besonders beim Bücken oder im Liegen. Die Magensäfte können sogar bis in den Mund gelangen – wo sie eine bittere und saure Geschmacksempfindung auslösen – und von dort aus in die Lungen fließen. Chronischer Husten und Heiserkeit, Asthma und wiederkehrende Lungenentzündungen können somit durch die Refluxkrankheit verursacht beziehungsweise verstärkt werden.

Bei regelmäßigen, immer wiederkehrenden Beschwerden kann die Speiseröhre geschädigt werden und es kann zu schweren gesundheitlichen Problemen kommen: zum Beispiel zu Blutungen, einer Verengung der Speiseröhre oder zu einer gefürchteten Veränderung der Speiseröhrenschleimhaut, auf deren Boden sich – wenn auch extrem selten – Speiseröhrenkrebs entwickeln kann. Suchen Sie daher rechtzeitig ärztliche Hilfe! Unter Umständen können auch andere Erkrankungen ähnliche Symptome hervorrufen. Ein Herzinfarkt etwa kann sich mit Brustschmerzen und Sodbrennen ankündigen.

Zu viel Druck im Bauch
„Reflux-Patientinnen und -Patienten sollten gewisse Allgemeinmaßnahmen befolgen, denen allen ein Prinzip zugrunde liegt“, erklärt Dr. Schwab: „die Verminderung des Druckes im Bauchraum.“ Denn durch Druck in der Bauchhöhle wird der Magensaft in die Speiseröhre hinaufgepresst. Ein Effekt, den auch Schwangere zu spüren bekommen, wenn die vergrößerte Gebärmutter gegen den Magen drückt. Etwa die Hälfte aller werdenden Mütter leidet unter Sodbrennen, insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft.

Ernährung & Lebensstil
Ans Herz gelegt wird allen von Sodbrennen Geplagten eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils. Dazu gehört in erster Linie das Meiden von Kaffee, fettreichen Speisen, Alkohol und Tabak.

Auch Stressabbau ist wichtig, wenn eine Refluxkrankheit vorliegt. Zwar hat Stress keinen Einfluss auf die Entstehung der Krankheit, doch bei Stress wird mehr Magensäure produziert. Daher verspüren Refluxkranke in Stresssituationen manchmal vermehrt Sodbrennen. Zur weiteren Verbesserung der Lebensqualität kann auch das Liegen mit erhöhtem Oberkörper beitragen. Für manche macht es auch einen Unterschied, auf welcher Seite sie liegen. Denn der Mageneingang befindet sich rechts, so dass der Magensaft unter Umständen leichter in die Speiseröhre rinnen kann, wenn man auf der rechten Seite liegt.

Hausmittel Natron
Ein altbewährtes Hausmittel gegen Sodbrennen ist Speisesoda, auch Natron oder doppeltkohlensaures Natron genannt. Das alkalische Speisesoda neutralisiert die Magensäure und führt daher oft unmittelbar zu Symptomfreiheit. „Es ist ein gutes Zusatzmittel, wenn Schmerzspitzen auftreten, sollte aber nicht als alleinige Therapie genommen werden, da es nur Symptome lindert, nicht aber die Entzündung heilt“, erklärt Dr. Schwab.

Weitere Therapien
Helfen die von Dr. Schwab formulierten „10 Gebote der Refluxtherapie“ nichts, so wird das Sodbrennen medikamentös behandelt. Die entsprechenden Tabletten vermindern die Säurekonzentration im Magensaft und reduzieren das Magensaftvolumen. Es kommt zwar weiterhin zum Zurückfließen von Magensaft in die Speiseröhre, dieser verursacht aber keine bzw. eine schwächere Reaktion in der Speiseröhre, weil er weniger aggressiv ist. „In 90 Prozent der Fälle kann mit Medikamenten eine Abheilung der Refluxkrankheit und Beschwerdefreiheit erreicht werden“, tröstet Schwab die Betroffenen. Allerdings müssen die meisten Patienten die Medikamente permanent einnehmen. Führt die medikamentöse Therapie zu keinem Erfolg, besteht die Möglichkeit einer Operation. Ziel des chirurgischen Eingriffs ist die Wiederherstellung der Antirefluxbarriere, also eine Verbesserung der gestörten Funktion des Speiseröhrenschließmuskels. Dabei wird aus Teilen des Magens operativ eine Manschette gebildet, die wie ein Schal um die Speiseröhre geschlungen wird. Dadurch kann der Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre vermindert werden. Zugleich kann ein – zumeist vorhandener – Zwerchfellbruch repariert werden.

Sodbrennen & Asthma
Zwischen Asthma und Sodbrennen besteht oft ein Zusammenhang. „Bei etwa 50 Prozent der erwachsenen Asthmapatientinnen und -patienten ist eine Refluxkrankheit entweder die Ursache des Asthma bronchiale, oder sie verstärkt zumindest die Symptome“, erklärt Prim. Univ. Doz. Dr. Gerhard Schwab, Leiter des Kompetenzzentrums für gastroösophageale Funktionsstörungen am Landeskrankenhaus Krems. Wird bei diesen Asthma-Patienten das Sodbrennen behandelt, dann bessert sich in aller Regel auch die Asthma-Symptomatik. „Das Problem dabei: Viele Ärztinnen und Ärzte denken nicht an Reflux als mögliche Asthma-Ursache“, bedauert der Experte.

Wie es zu diesem Zusammenspiel zwischen Rückfluss sauren Mageninhalts und entzündlicher Reaktion der Atemwege kommt, ist noch nicht restlos geklärt. Das Einatmen kleiner Mengen von Magensäure – vor allem im Schlaf – wird als eine Möglichkeit genannt. Vermutet wird auch, dass das Sodbrennen den Vagusnerv reizt, so dass dieser wichtige Nerv, der an der Regulation fast aller innerer Organe beteiligt ist, das für Asthma typische Zusammenziehen der Lungengefäße auslöst.

Sodbrennen & Zwerchfellbruch
Oft ist ein Zwerchfellbruch Ursache des Eindringens von Magensäften in die Speiseröhre. Ein „Bruch“ des wichtigsten Atemmuskels, der dafür sorgt, dass sich die Lunge mit Luft füllt und wieder leert. Das klingt bedrohlich, ist es aber nicht: „Jeder zweite Erwachsene hat einen Zwerchfellbruch“, bekräftigt Prim. Univ. Doz. Dr. Gerhard Schwab. Die meisten Menschen bemerken die schlitzförmigen Lücken im Zwerchfell gar nicht, daher gilt dieser Bruch vorderhand auch nicht als Erkrankung. Im Falle einer Refluxkrankheit kann ein Zwerchfellbruch allerdings die Symptomatik verstärken. Wenn die entstandene Lücke im Zwerchfell groß genug ist, kann der obere Teil des Magens vom Bauch- in den Brustraum rutschen. Weil im Brustraum Unterdruck und im Bauchraum Überdruck herrscht, wird der Mageninhalt regelrecht in die Speiseröhre gepresst. Wenn ohnedies wegen einer schweren Refluxkrankheit ein operativer Eingriff durchgeführt wird, wird zugleich auch der Zwerchfellbruch repariert. Aber nur, wenn diese Hernie, wie der Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle genannt wird, mehr als fünf Zentimeter misst.

Wie Sodbrennen entstehen kann
Alles, was wir essen, geht durch die Speiseröhre, in der Fachsprache Ösophagus genannt, direkt in den Magen. Dort wird die Nahrung von der Magensäure verdaut. Normalerweise verhindert ein Schließmuskelmechanismus den Rückfluss der Nahrung oder der Magensäfte in die Speiseröhre. Einer der beteiligten Muskeln ist das Zwerchfell, in dem sich eine Lücke befindet, durch die die Speiseröhre führt. Wenn dieser Muskel nicht richtig funktioniert, kann vermehrt Magensaft in die Speiseröhre fließen und zu Sodbrennen führen.

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Die 10 Gebote der Refluxtherapie

1. Gewichtsreduktion
2. mit erhöhtem Oberkörper schlafen
3. zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts essen
4. mehrere kleine, statt wenige große Mahlzeiten täglich
5. kein Nikotin
6. kein Alkohol
7. eiweißreiche, fett- und kohlenhydratarme Ernährung
8. keine engen Kleider
9. Stress vermeiden
10. regelmäßiger Stuhlgang, Vermeidung von Verstopfungen



BuchTipp
Gruber, Gschwantler, Weiss:
Schluss mit Sodbrennen, Reflux, Gastritis, Magengeschwüre & Reizmagen.
Verlagshaus der Ärzte, € 9,90, 112 Seiten, ISBN 3-901488-70-7
 

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