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Wie der Lebenssaft Klarheit schafft
Man kann es nicht tasten und es tut auch nicht weh. Und trotzdem ist das Blut jener Teil unseres Körpers, an dem wir sehr genau unseren Gesundheitszustand ablesen können. Nicht zufällig steht bei der Suche nach Krankheiten und deren Ursachen die Analyse unseres Bluts ganz am Anfang. Denn das, was die Ärztinnen und Ärzte darin finden, gibt fast immer punktgenaue Hinweise darüber, was uns fehlt. In MEDIZIN populär erklärt Blutspezialistin Univ. Prof. Dr. Sabine Eichinger-Hasenauer von der Abteilung für Hämatologie an der Medizinischen Universität Wien alles Wissenswerte zum Thema Bluttest.
Von Dr. Monika Berthold
Was man selbst erkennt
- Rein vom äußeren Erscheinungsbild her ist gesundes von krankem Blut nicht zu unterscheiden – beides ist rot und rinnt.
- Lediglich Farbnuancen des Blutplasmas (flüssiger Bestandteil) können auf Erkrankungen hinweisen. Ist es sehr gelb, könnte eine Lebererkrankung dahinter stecken. Eine leichte Rotfärbung hingegen kann auf eine Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen) hindeuten.
- Wenn eine Wunde nicht zu bluten aufhört, kann das ein möglicher Hinweis auf Blutgerinnungsstörungen sein.
Auch das kann auf Blutkrankheiten schließen lassen:
Wenn man
- ständig müde ist,
- Atembeschwerden hat,
- immer wieder unter unerklärlichen Kopfschmerzen leidet,
- niedergeschlagen ist,
- zu Blutungen neigt,
- beim geringsten Anstoßen blaue Flecken bekommt,
- oft Nasenbluten hat,
- beim Zähneputzen Zahnfleischbluten beobachtet,
- anfällig für jede Art von Infektionen ist,
- oft hohes Fieber bekommt,
- immer ein sehr blasses (zu wenig rote Blutkörperchen) oder rotes Gesicht hat (zu viele rote Blutkörperchen),
- häufig unter Thrombosen leidet.
Was man nur im Labortest erkennt
Ob
- Sie Zucker im Blut haben und Diabetes-gefährdet sind oder schon Diabetes haben,
- Ihr Cholesterinspiegel zu hoch ist (also zu viel Fett im Blut ist),
- Sie an Eisenmangel leiden,
- Ihre Hormone in Ordnung sind (sichtbar an den Mengen und dem Verhältnis zueinander),
- Ihr Organismus mit genügend Vitaminen versorgt wird,
- Sie an einer Herzkrankheit leiden (zeigt sich durch bestimmte Enzymwerte),
- eine Lebererkrankung vorliegt (ebenfalls erkennbar an Enzymen),
- Ihre Bauchspeicheldrüse gefährdet ist (Enzymwerte),
- Sie an einer Muskelkrankheit leiden (Enzymwerte),
- möglicherweise Krebs vorliegt. Im Blut sind sogar verschiedene Krebsarten wie Leukämie oder Prostatakarzinom erkennbar.
Die Testergebnisse zeigen nicht nur das Vorhandensein verschiedener Stoffe im Blut, sondern auch in welcher Menge sie vorgefunden wurden – und die ist oft entscheidend dafür, ob Sie gesund oder krank sind.
Was passiert bei einer Blutuntersuchung?
Dass ein Blutstropfen so viel über unsere Gesundheit aussagt, verdanken wir den Errungenschaften der Medizintechnik. Univ. Prof. Dr. Sabine Eichinger-Hasenauer: „Wir können heute weit über 100 verschiedene Werte bestimmen. Darunter auch so schwierige Dinge wie den Nachweis von Umweltschadstoffen, Nervengiften oder Hinweise auf psychische Erkrankungen.
„Wir sind in der Lage“, so die Ärztin, „jeden einzelnen Bestandteil des Bluts zu isolieren.“ Das geschieht mit Hilfe einer ganzen Kette von Prozeduren. Zunächst wird die Blutprobe zentrifugiert, das heißt, mit hoher Geschwindigkeit geschleudert. Auf diese Weise trennt man die festen von den flüssigen Bestandteilen. So gewinnt man zum einen die roten und weißen Blutkörperchen sowie die für die Blutgerinnung zuständigen Thrombozyten, zum anderen das flüssige, gelbliche, durchscheinende Blutplasma.
Mit dem so genannten Ausstrich werden die festen Blutkörperchen im Mikroskop auf Farbe, Form Größe und Anzahl untersucht. Die Ergebnisse vergleicht man mit Normalwerten und genormten Vorlagen. Gesunde rote Blutkörperchen etwa sind scheibenförmig und etwas eingedellt. Bei der Sichelzellenanämie, die hauptsächlich im afrikanischen und asiatischen Raum vorkommt und bei der der Patient nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt wird, zeigen die roten Blutkörperchen die Form von Sicheln. Auch zahlenmäßige Abweichungen können auf Blutkrankheiten hinweisen.
Der zweite Teil des Blutplasmas ist nicht weniger interessant. Er besteht zu 90 Prozent aus Wasser, in dem sich die für den Arzt wichtigen Substanzen wie Zucker, Fette, Hormone, Enzyme und Vitamine befinden. Die Menge dieser Substanzen gibt Aufschluss, ob ein Mensch krank ist oder gesund.
Wann und wie zum Bluttest?
Ein Blutbild wird üblicherweise im Rahmen bestimmter Vorsorgeuntersuchungen oder bei Beschwerden über Anraten des Hausarztes gemacht.
Tipps für die Vorbereitung zur Blutuntersuchung
In den meisten Fällen (speziell für Zucker- und Cholesterintests) muss man nüchtern zur Blutabnahme erscheinen. Das heißt, am Morgen der Untersuchung darf nichts gegessen, Alkolhol, Kaffee, Limonaden etc. dürfen nicht getrunken werden, damit vor allem die Werte von Blutzucker und Blutfetten nicht verfälscht werden. Bei Untersuchungen auf Blutfette ist es ratsam, auch am Vorabend fette Speisen und zu viel Alkohol zu vermeiden. Wasser ist erlaubt. Am Tag vor der Untersuchung sollte man auch extreme Beanspruchungen wie sportliche Eskapaden vermeiden, weil sie das Blutbild verändern können.
Was heißt Blutsenkung?
Diese Form der Blutuntersuchung ist uralt. Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus beobachtete der griechische Arzt Hippokrates, dass Blut, wenn man es stehen lässt, sich durch Senkung in drei Schichten trennt. Die oberste besteht aus einer klaren Flüssigkeit, dem Plasma. Darunter folgt die dünne Lage der weißen Blutzellen. Den schwersten und somit untersten Anteil, 45 Prozent des Gesamtvolumens, machen die roten Blutkörperchen aus.
Prof. Eichinger: „Wir haben Normwerte, in welcher Zeit sich die roten Blutkörperchen absenken. Normalerweise dauert das zwischen vier und 20 Minuten. Bei Männern dauert es kürzer, bei Frauen länger. Senkt sich das Blut deutlich schneller, ist das fast immer ein sicheres Anzeichen für die akute Phase einer Entzündung. Sofern die schlechten Werte über längere Zeit anhalten, muss nach dem Entzündungsherd gesucht werden.“
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Blut-Normwerte
Eine Auswahl aus dem Blutlabor am Wiener AKH
Erythrozyten 4,4 – 5,8 Millionen/µl
Hämoglobin 13,5 – 18 g/dl
Hämatokrit 40 – 52%
Thrombozyten 150.000 – 350.000/µl
Leukozyten 4.000 – 10.000/µl
Glycose (Blutzucker) 76 – 110 mg/dl
Triglyceride 50 – 172 mg/dl
LDL-Cholesterin 130 mg/100ml
HDL-Cholesterin 35 mg/100 ml
Vergleichen Sie Ihre persönlichen Blutwerte. Sofern diese sich innerhalb dieser Normwerte bewegen, sind Sie gesund. Zu beachten: Die Werte können von Labor zu Labor auf Grund der unterschiedlichen Apparateausstattung verschieden sein. Eine entsprechende Erklärung der Testergebnisse wird vom Labor mitgeliefert.
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Die Aufgaben des Bluts
Der vielzitierte rote Saft hat’s wahrlich in sich: Er ist der Lebenssprudel unseres Körpers. Generell gilt Blut als Erfüllungsgehilfe des Kreislaufs. Seine wichtigste Aufgabe: Es trägt den energiespendenden Sauerstoff in alle Gewebe. Unter anderem auch ins Gehirn, das ohne Sauerstoff nicht überleben kann – nach zwei Minuten ohne Sauerstoffversorgung tritt der Gehirntod ein. Darüber hinaus versorgt Blut jede unserer Zellen mit Brennstoffen aus der Nahrung, mit Vitaminen, Hormonen und Wärme. Im Gegenzug transportiert es Stoffwechselprodukte wie Kohlendioxyd und anderen „Müll“ ab. Ohne diese Entsorgung würde unser Organismus an Vergiftung zugrunde gehen. Durch Abführen von zu viel Wärme schützt das Blut den Körper vor lebensbedrohlicher Überhitzung.
Die roten Blutkörperchen sind bei weitem die häufigsten Bestandteile des Bluts. Der Körper enthält rund 25 Billionen davon. Sie sind für den bereits genannten Sauerstofftransport zuständig. Wie medizinische Forschungen zeigten, sind die Erythrozyten regelrechte Schwerarbeiter. Sie kreisen etwa 150.000 Mal durch den Körper, bevor sie nach etwa 100 Tagen abgebaut werden. Pro Sekunde werden vom Knochenmark etwa drei Millionen erzeugt und in den Blutkreislauf eingespeist.
Die weißen Blutkörperchen hingegen haben die Aufgabe, uns gegen Bakterien und andere Eindringlinge zu verteidigen. Trotz ihrer lebenswichtigen Funktion ist ihre Zahl im Vergleich zu ihren roten Brüdern eher gering: Sie beträgt 37,5 Milliarden. Auf etwa 650 rote Blutkörperchen kommt also nur ein weißes. Gebildet werden die Leukozytn im Knochenmark. Ihre Lebensdauer ist liegt zwischen wenigen Stunden und einigen 100 Tagen und hängt davon ab, wie stark sie beansprucht werden.
Ein mittelgroßer Erwachsener verfügt über 4,5 bis sechs Liter Blut. Dieser kostbare Körpersaft jagt ständig durch die Tausende Kilometer langen Blutgefäße und verbleibt in einer endlosen Schleife im Kreislauf. Das Ende des Blutstroms ist gleichzeitig das Ende unseres Lebens.
Übrigens: Weder ist das Blut von Chinesen gelber, noch jenes von Schwarzafrikanern dunkler. Abgesehen davon, dass bei manchen Menschengruppen verschiedene Blutkrankheiten genetisch bedingt gehäuft auftreten, gibt es keine Blutunterschiede.
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Blut verrät auch Allergien
Mit einer Blutprobe kann man auch überprüfen, ob man allergisch ist. Wieso das möglich ist, erklärt der Chef des größten ein-
schlägigen Instituts in Europa, des Allergie-Zentrums Wien West, Univ. Prof. Dr. Friedrich Horak, so: „Allergien sind Erkrankungen des Immunsystems und erfassen nicht nur Augen, Lunge oder Haut, sondern den ganzen Körper. Daher sind Veränderungen auch im Blut zu sehen.“
Konkret zeigen sich Allergien durch eine deutlich vermehrte Anzahl von bestimmten weißen Blutkörperchen und durch einen erhöhten Immunglobulin-E-Spiegel. Dieser Spiegel zeigt nichts anderes an, als dass sich eine ganze Armada von Antikörpern bereit zum Krieg gegen irgendwelche Erreger befindet. Horak: „Damit wissen wir nur, im Körper ist was los, aber nicht genau was. Dank der immer genauer werdenden Untersuchungstechnik sind wir aber in der Lage, sozusagen in die Immunglobuline hineinzuschauen und herauszubekommen, ob der Patient beispielsweise an einer parasitären Erkrankung leidet oder an einer Allergie.“
Und man kann noch mehr: Über die Blutanalyse lässt sich feststellen, um welchen Typ von Allergien es sich handelt und ob der Patient etwa gegen Tierhaare, Penizillin oder Birkenpollen allergisch ist. „Damit sind wir immer noch nicht am Ende“, erklärt der Arzt.
Angenommen der Mensch leidet an einer Birkenpollenallergie, dann ist er ja nicht gegen die Birke, sondern nur gegen das Pollenkorn allergisch und zwar gegen darin vorhandene Eiweißkörper. Aber auch nicht gegen den ganzen Eiweißkörper, sondern gegen ganz bestimmte Kettenglieder des Eiweißmoleküls. Und diese Kettenglieder können mit Hilfe modernster hochspezifischer Geräte praktisch aus einem Blutstropfen ausgeforscht werden. Damit, so Prof. Horak, in dessen Zentrum täglich an die 1400 Blutproben getestet werden, ist es möglich, dem Patienten mit einer ganz gezielten, nur auf bestimmte Kettenglieder ausgerichteten Impfung zu helfen.



