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Ärzte erwarten für die nächsten Jahre ein kräftiges Ansteigen von Parkinson. Schon derzeit leiden weltweit 4,1 Millionen Menschen an dieser Krankheit, die zu den häufigsten neurologischen Leiden überhaupt zählt. Diese Zahl wird sich bis 2030 auf 8,7 Millionen erhöhen und somit mehr als verdoppeln. Ein neues „Management-Paket“ soll mithelfen, Betroffene besser als bisher zu betreuen.
Von Dr. Monika Berthold
Um es gleich vorwegzunehmen: Bis heute ist Morbus Parkinson ein medizinisches Rätsel. Weder kennt man die Ursachen, noch ist die Krankheit heilbar. Nun aber soll Parkinson-Patienten mit einem ganzen Management-Programm besser als bisher geholfen werden. Wie Prof. Robert Schlögl vom Gesundheitsministerium vor kurzem anlässlich des Welt-Parkinson-Tages in Wien feststellte, umfasst das Maßnahmen-Paket die exakte neurologische Diagnose und Therapie genauso wie die ständige Betreuung durch den Hausarzt. Einer der wichtigsten Schritte in diese Richtung ist, so Schlögl, die baldige Schaffung des Facharztes für Allgemeinmedizin mit umfassender Kompetenz für „eine tatsächlich integrierte, patientenorientierte Gesundheitsversorgung“.
Integriert bleiben
Schlögl: „Nicht zu unterschätzen ist auch die Rolle der Angehörigen, die nur aufgeklärt und informiert auch den richtigen Umgang mit den Patienten pflegen können.“ Das Management-Programm soll neben der optimalen medikamentösen Versorgung auch Physiotherapie, einen eigenen Ernährungsplan oder spezielle Parkinson-Gymnastik, wo nötig auch eine Logopädie umfassen.
Damit soll es möglich sein, die Symptome zu mildern, beweglich zu bleiben und Sprech- und Schluckprobleme in den Griff zu bekommen. Nur so ist es zu erreichen, dass die Patienten im gesellschaftlichen Leben integriert bleiben, ihren Beruf ausüben oder Auto fahren können.
Völlige geistige Gesundheit
Eines der wichtigsten Ziele ist es, der Öffentlichkeit klar zu machen, dass Parkinson nichts mit „Geistesgestörtheit“ zu tun hat. Peter Taborsky, der Präsident des Dachverbandes Parkinson-Selbsthilfe Österreich gegenüber MEDIZIN populär: „Die typischen Parkinson-Symptome wie Muskelsteifigkeit oder auffälliges Zittern lassen sich nicht verleugnen. Die Betroffenen fallen in der Öffentlichkeit auf, Getuschel und Spott sind keine Seltenheit. Unser Ziel ist, dass Gesunde begreifen, Parkinson-Patienten sind Menschen, die unverschuldet und bei völliger geistiger Gesundheit mit dieser unheilbaren Krankheit leben müssen.“
In Österreich leiden rund 20.000 Menschen an Morbus Parkinson, eine Zahl, die bisher nur geschätzt werden kann. Konkret erfasst sind derzeit in den Parkinson-Ambulanzen an die 8000 Patienten. Das heißt, erklärt der Wiener Neurologe Prim. Dr. Dieter Volc, dass etwa 12.000 Betroffene von Spezialisten nicht einmal gesehen werden. Um gut und richtig zu behandeln, brauchen Ärzte mehr Kenntnisse über diese Patienten.
Das ist auch der Grund, warum Volc sich Parkinson-Register wünscht: „Wir müssen wissen, wo sich die Patienten befinden, wo sie behandelt werden, was ihre genauen Symptome sind, wie und womit sie therapiert werden. Nur so können wir die Betreuung verbessern.“
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Die Krankheit im Überblick:
Was ist Parkinson?
Bei Morbus Parkinson handelt es sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der hauptsächlich willkürliche und unwillkürliche Bewegungsabläufe gestört sind. Die Krankheit entsteht, wenn es in der so genannten schwarzen Substanz im Gehirn zu einem beschleunigten vorzeitigen Absterben von Nervenzellen kommt. Diese Zellen produzieren normalerweise den Botenstoff Dopamin, der dafür sorgt, dass Signale von einer Nervenzelle zur anderen übertragen werden. Sind 70, 80 Prozent der Zellen abgestorben, zeigen sich erste Beschwerden.
Der dadurch auftretende Dopaminmangel führt zu einer Verlangsamung aller Bewegungen bis hin zur Bewegungslosigkeit. Gleichzeitig entsteht ein Ungleichgewicht zu Gunsten anderer Botenstoffe wie Acetylcholin und Glutamat. Auf Konto dieses Übergewichts bucht man das wohlbekannte Zittern und die Muskelsteifigkeit.
Bis heute sind Forscher auf der Suche nach dem eigentlichen Auslöser der Krankheit. Im Verdacht stehen Schadstoffe wie sie etwa in Schädlingsbekämpfungsmitteln vorkommen, Schwermetalle oder körpereigene Gifte, die aus ungeklärter Ursache nicht rechtzeitig abgebaut werden und so die Nervenzellen schädigen.
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Wie erkennt man Parkinson?
- Meist beginnt die Krankheit mit einseitigem Zittern der Hand.
- Man beobachtet, dass bestimmte Muskeln ständig verspannt sind (Muskelsteifigkeit), was sowohl vom Patienten als auch vom Arzt gut ertastbar ist.
- Typisch ist auch ein häufiger werdender Trend zur Bewegungsarmut.
- Die Bewegungen selbst sind verlangsamt.
- Im weiteren Verlauf kommt es zu Muskelschmerzen und zu Sturzneigung.
- Zusätzliche Anzeichen: Verstopfung, Potenzprobleme, Kreislaufschwankungen, Harninkontinenz und Speichelfluss. Rebhandl: „Kommen zu diesen Anzeichen noch das typische Alter zwischen 50 und 70 Jahren, das so genannte Salbengesicht, also eine fettig-glänzende Gesichtshaut mit eingeschränkter Mimik und in vielen Fällen auch noch Depressionen dazu, dann ist die Diagnose Parkinson ziemlich sicher.“
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Wie geht die Untersuchung vor sich?
Die Untersuchung durch den Arzt, sagt der Neurologe Prim. Dr. Dieter Volc, tut weder weh, noch dauert sie lange. Überprüft werden:
- Die Motorik (Bewegungsabläufe) im Seitenvergleich: Man stellt fest, ob sie gleichmäßig oder ungleichmäßig funktioniert. Dabei werden die Hände gedreht, Daumen und Zeigefinger gegeneinander und die Fersen auf den Boden getippt. Der Arzt schaut auf Schnelligkeit, Gleichmäßigkeit und Symmetrie der Bewegungen. Anschließend muss der Patient aufstehen, herumgehen, sich umwenden.
- Der Gleichgewichtssinn: Stehen mit geschlossenen Beinen und geschlossenen Augen.
- Der so genannte Zugtest: Dabei zieht der Arzt die Schultern nach hinten, um eventuelle Haltungsstörungen zu überprüfen.
- Die aktive Geschwindigkeit: Der Patient bewegt sich vor dem Arzt rasch auf und ab, wobei die Bewegungsverminderung sowie die Bewegungsverlangsamung kontrolliert werden.
Zum Krankheitsbild des Parkinson gehört es auch, dass die Handgelenke oder Ellenbogen im passiven, hängenden Zustand steif und unbeweglich sind. Der Arzt fühlt bei der Untersuchung einen Widerstand wie bei einem Zahnrad.
Weitere Anzeichen für den Arzt sind: dass an der betroffenen Seite der Arm beim Gehen nicht mitpendelt, dass ein Fuß beim Gehen am Boden schleift, der Patient sich in kleinen Schritten fortbewegt und dass im Ruhezustand das berühmte Zittern (meist an einer Hand) einsetzt.
Zusätzlich erfolgen meist weitere Untersuchungen durch technische Geräte, wie zum Beispiel Kernspintomographie.
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Appell eines Betroffenen:
Niemals nachlassen!
Das ist Dir. Peter Taborskys wichtigster Tipp für alle, die an Morbus Parkinson leiden. Und er, der heute Präsident des Dachverbandes Parkinson Selbsthilfe Österreich ist, weiß, wovon er spricht: Er ist selbst Parkinson-Patient und führt seit nunmehr acht Jahren ein fast normales Leben. Das war nicht immer so.
Der Anfang seines Leidens gestaltete sich dramatisch. „Es begann mit dem Zittern einer Hand und mit unangenehmer Muskelsteifigkeit.“ Sein Leidensweg führte ihn zu Ärzten und in Spezialkliniken – mit dem Resultat, dass es immer schlechter wurde: „Schließlich konnte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben, musste selbst nach Spaziergängen mit dem Taxi nach Hause fahren, konnte nicht mehr stehen und erreichte das WC nur mehr auf allen Vieren. Zuletzt schluckte ich 29 ,Pulverln‘ am Tag. Das alles passierte in nur zwei Jahren.“
Zu seinem Glück, so Taborsky, geriet er an den Neurologen Dr. Dieter Volc, der nach eingehenden Untersuchungen zu einer Operation riet, da alle anderen Therapien nicht mehr geholfen hatten. Taborsky wurde eine Gehirnsonde („Hirnschrittmacher“) eingesetzt, die über ein Gerät unter der Haut am Schulterblatt die kranken Areale im Kopf steuert und stimuliert. Jedes Jahr begibt sich der Patient zur Kontrolle und Neueinstellung des Steuerungsgerätes. Taborsky: „Bei dieser Behandlungsmethode gibt es keine Nebenwirkungen. Ich brauche nur noch drei Medikamente und führe ein ganz normales Leben.“ Er kann Auto fahren, seinen Beruf ausüben, geht Schwimmen, Tanzen, Radfahren und fühlt sich nach eigenen Worten wie neu geboren. Seine Botschaft an alle Parkinson-Patienten: „Niemals nachlassen. Das hilft.“



