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Ausgabe 10/2007

 



Mundpiercing kann Zähne schädigen

Zahnärzte machen bei Menschen mit Piercings im Mundbereich besorgnisrregende Beobachtungen. Durch jahrelanges Tragen dieser Fremdkörper zeigen sich immer öfter massive Schädigungen an Zähnen und Zahnhalteapparat.

 

Von Dr. Monika Berthold

Sie tragen Piercings an Lippen, Lippenband, Zunge oder Wange, erzählt Dr. Alfred Riesser von Patienten, die ihn in seiner Zahnarztpraxis in Niederösterreich aufsuchen. Die meisten von ihnen leiden im Laufe der Zeit unter Abbrüchen am Zahnschmelz, einem ungleichmäßigen Abkauen der Zähne, unter Entzündungen und einem Rückgang des Zahnfleisches, oft um einige Millimeter, sodass die darunter liegende Zahnwurzel frei liegt. Bei einigen Patienten kam es sogar zur Schädigung des darunter liegenden Knochens.
Besonders bedenklich für die Zähne sind Piercings an der Zunge – je weiter vorne, umso schlechter. Riesser: „Beim Reden, beim Essen, bei jeder Bewegung stößt das Piercing immer an der gleichen Stelle an Zahn und Zahnfleisch.“ Der Arzt warnt vor allem vor Metall-Piercings. Je härter das Material, umso größer die Zahnschäden. Besser: Kunststoff.

Dazu kommt die permanente Infektionsgefahr durch Keime. Piercings im Mundbereich lassen sich nur schwer pflegen. Es setzt ein oft massives Wachstum von Krankheitserregern ein, Ablagerungen und Beläge entstehen, wodurch sich die gesamte Bakterienflora im Mund ändert und Karies blüht. Riesser: „Wenn man schon ein Mundpiercing trägt, dann sollte es täglich herausgenommen und in einer Chlorhexidinlösung desinfiziert werden. Zusätzlich muss die Zunge sorgfältigst gereinigt werden.“

Von Zungenpiercings ist generell abzuraten, weil es sich hier um einen besonders sensiblen Bereich des Körpers handelt. Laut chinesischer Medizin repräsentiert die Zunge den gesamten Körper mit seinen Organen und Meridianen. Der vordere Bereich beispielsweise spiegelt Darm und Magen und seitliche Areale die Leber. Das ist auch der Grund, warum nach dem Setzen eines Zungenpiercings nicht selten Magen-Darmprobleme entstehen. Zusätzlich beobachtet man unangenehme Entzündungen, Schwellungen, Probleme beim Schlucken, Sprechen und Kauen.
Aus medizinischer Sicht ist auch von Unterlippen-Piercings abzuraten – wie eine an der Universität Wien durchgeführte Studie über die langfristigen Auswirkungen auf die Zähne und das Zahnfleisch zeigt. Dazu wurden 100 Personen im Alter von 14 bis 28 Jahren untersucht. Ergebnis: Bei 72 Prozent der Testpatienten zeigte das Zahnfleisch leichte bis massive Schäden und zwar dort, wo der Verschluss des Piercings auf das Zahnfleisch auftraf. Im Vergleich dazu gab es bei lediglich vier Prozent der Kontrollpatienten (ohne Piercing) nur minimale Zahnfleischveränderungen.



         

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