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Mediziner schätzen, dass rund ein Viertel aller Frauen Myome hat. Das sind Wucherungen in der Gebärmutter, die fast immer harmlos sind. Wann aber müssen sie behandelt werden? Und welche Therapieformen gibt es? MEDIZIN populär gibt Antworten und stellt eine weitgehend unbekannte neuartige Operationstechnik vor.
Von Dr. Monika Berthold
Eine Blitzumfrage unter Kolleginnen erbrachte ein klares Ergebnis: Bei der Diagnose „Myom“ würden sich alle vor der Entfernung der Gebärmutter fürchten und davor, „keine ganze Frau“ mehr zu sein. Tatsächlich zählt die Entfernung der Gebärmutter (medizinisch Uterus) zu den häufigsten operativen Eingriffen – vergleichbar mit den Blinddarm- und Mandeloperationen. Laut Statistik werden im benachbarten Deutschland jährlich 130.000 Gebärmutterentfernungen durchgeführt. 70 Prozent davon, also rund 90.000, nach der Diagnose Myome, wobei man unter Myom einen gutartigen Muskeltumor versteht. Für Österreich rechnet man mit etwa zehn Prozent davon. Das heißt, jährlich verlieren an die 9000 Frauen in unserem Land aufgrund von Myomen die Gebärmutter.
Das muss nicht sein, sagt Univ. Prof. Dr. Siegfried Thurnher, der Chef der Radiologischen Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. „Wir verfügen heute über eine Methode, die die Beschwerden machenden Myome entfernt, die Gebärmutter jedoch erhält – die so genannte Embolisation.“
Tumor wird „ausgehungert“
Die Therapie basiert, wie fast jede bahnbrechende Entwicklung, auf einer genialen wie einfachen Idee: auf der Aushungerung des Myoms. Dabei wird die Blutversorgung des gutartigen Gebärmuttertumors unterbunden, das Gewebe stirbt ab und die Beschwerden verschwinden.
Wie die Embolisation funktioniert, erklärt Thurnher so: Unter örtlicher Betäubung wird ein winziger Katheter von nur einem Millimeter Durchmesser in die Leistenarterie eingeführt und in die Gebärmutterarterie vorgeschoben. Durch den Katheter injiziert der Operateur kleine, im Durchmesser etwa einen halben Millimeter große Kunststoffkügelchen in die Arterie, die so platziert werden, dass sie jene Äderchen, die das Myom versorgen, verstopfen. Damit ist die Blutversorgung des Tumors ausgeschaltet. Die gesunde Gebärmutter wird nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Mikropartikel lösen sich übrigens nicht auf, sie bleiben im Körper, haben aber nach den bisherigen Erfahrungen noch nie zu Nebenwirkungen geführt.
Gebärmutter bleibt erhalten
Thurnher: „Der Eingriff selbst ist schmerzlos und dauert nicht länger als eine halbe Stunde. Allerdings stellen sich in den folgenden drei Tagen zum Teil heftige Unterleibsschmerzen ein.“ Dabei handelt es sich um so etwas wie Infarktschmerzen weil das Myom abstirbt. Das ist auch der Grund, warum die Patientinnen im Spital bleiben und eine gezielte Schmerztherapie erhalten – in Form einer schmerzstillenden Infusion und mittels Kreuzstich.
Die Embolisation wird bei Frauen im gebärfähigen Alter mit symptomatischen Myomen empfohlen, das heißt bei Myomen, die zu verstärkter oder schmerzhafter Regelblutung, verstärktem Harndrang oder Druckgefühl im Becken führen. Bei Frauen mit Kinderwunsch sollten primär andere Verfahren wie die laparoskopische Myomentfernung angewandt werden (siehe Kasten). Falls nur eine komplette Gebärmutterentfernung möglich ist, hat sich die organerhaltende Embolisation als gute Alternative erwiesen.
Es hat sich gezeigt, dass nach Uterusentfernungen, egal ob mit 30 oder jenseits der 50, häufig psychosoziale Probleme auftreten: Die Frauen fühlen sich nicht mehr vollwertig, leiden unter Veränderungen in der Sexualität, klagen über Schmerzen und störende Narben.
Prof. Thurnher, der selbst bereits mehr als 100 Embolisationen durchgeführt hat: „Leider ist die Methode, die bereits seit zwei Jahrzehnten mit ausgezeichnetem Erfolg praktiziert wird, bis heute nicht genügend bekannt. Dabei könnte damit Tausenden von Frauen die Gebärmutter erhalten bleiben – und gleichzeitig ihr Selbstwertgefühl.“ Der Radiologe fordert in diesem Zusammenhang eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Gynäkologen.
Wieso diese Methode von Radiologen durchgeführt wird? Weil die Embolisation von Radiologen entwickelt wurde und diese Strahlenexperten die größte Erfahrung mit röntgengesteuerten Katheterbehandlungen haben. Außerdem bedarf es eines rund eine Million Euro teuren (Angiografie-)Gerätes, über das nur bestimmte radiologische Kliniken verfügen.
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Myom:
Was ist das?
Myome sind grundsätzlich gutartige Tumore, die sich aus einzelnen glatten Muskelzellen der Gebärmutter entwickeln, erklärt Univ. Prof. Dr. Christine Kurz von der Universitäts-Frauenklinik in Wien. Sie sind meist kugelig rund, derb und von der umgebenden Muskulatur der Gebärmutter gut abgrenzbar. Die genaue Ursache für die Entstehung von Myomen ist bis heute weitgehend unbekannt. „Wir wissen nur so viel“, erklärt die Ärztin, „dass das Wachstum der Myome in erster Linie hormonell gesteuert wird, und zwar beeinflusst durch das Hormon Östrogen.“ Daher entstehen diese Tumore nur im gebärfähigen Alter, also in der Zeit zwischen der ersten und der letzten Menstruation. Mädchen und Frauen in der Menopause können keine Myome bekommen. Im Gegenteil, in den Wechseljahren schrumpfen oft bestehende Myome.
Wann muss behandelt werden?
25 Prozent aller Frauen sind von Myomen betroffen, aber nur ein Viertel von ihnen hat Beschwerden wie:
- massiv verstärkte oder übermäßig lange Regelblutungen, die zu Blutarmut (Anämie) führen können.
- Schmerzen und unangenehmes Druckgefühl im Unterleib.
- Stuhlverstopfung.
- Beschwerden beim Urinieren – von der Dysurie (schmerzhafte Harnabflussbehinderung) bis hin zur Inkontinenz.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
- Bei großen Tumoren Kreuzschmerzen und Nervenschmerzen in den Beinen die durch den Druck auf den Ischiasnerv bedingt sind.
- Sterilität: Myome sind nur selten Ursache für eine Unfruchtbarkeit. Allerdings können während der Schwangerschaft verschiedene Probleme wie Schmerzen im Bereich des Myoms, Unterbauchkrämpfe sowie vorzeitige Wehentätigkeit auftreten. Es kann aber auch zu Fehlgeburten und Frühgeburten kommen.
Welche Behandlungsformen gibt es?
Berichten Frauen über derartige Symptome, muss behandelt werden, betont Prof. Kurz. Dafür gibt es – abgesehen von der genannten Myom-Embolisation – drei Behandlungsmöglichkeiten:
- Die medikamentöse hormonelle Therapie mit nieder dosierten Pillenpräparaten, die den Eisprung verhindern, oder mit Hormonen, die sozusagen eine künstliche Menopause hervorrufen und somit die Myome schrumpfen lassen.
- Als experimentelle Methode gibt es die Ultraschallerwärmung. Dabei werden Ultraschallwellen mit hoher Energie durch die Haut der Patientin punktgenau auf eine Stelle im Myom gerichtet. In Sekundenschnelle erwärmt sich der „beschossene“ Bereich auf bis zu 80 Grad. Gewebe und Blutgefäße des Tumors werden durch die Hitze zerstört. Allerdings können damit bisher lediglich kleine Myome behandelt werden. Diese Methode steht in Österreich derzeit noch nicht zur Verfügung.
- Und schließlich die häufigste und wichtigste Therapie, die operative Methode, bei der je nach Lage, Anzahl und Größe der Myome mittels Bauchschnitt die Myome entfernt werden können. Immer öfter kommt dabei die so genannte Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie) zum Einsatz. Liegt der Myomknoten in der Gebärmutterhöhle kann er mittels einer Gebärmutterspiegelung herausgeschnitten werden.
Wie wird operiert?
„Die Betroffenen wollen weder die Gebärmutter verlieren noch einen Bauchschnitt haben“, weiß Gynäkologin Kurz, an deren Klinik jährlich etwa 70 Myomoperationen durchgeführt werden. Die operierenden Ärzte vollbringen bei der Ausschälung von Myomen oft wahre Kunststücke. Dabei werden zwei kleine Schnitte von fünf Millimeter bis zwei Zentimeter in die Bauchdecke gemacht, durch die die Instrumente in den Bauchraum bis zum Myomknoten vorgeschoben werden. Größere Geschwülste zerkleinert man mit einem speziellen Gerät im Bauchraum und entfernt die Stücke über die Einstiche aus dem Körperinneren. Heute gelingt es, einzelne Myome von einem Durchmesser von bis zu zwölf Zentimetern mittels Schlüssellochchirurgie zu entfernen.
KONTAKTTIPP: Kliniken, an denen die Embolisation durchgeführt wird, finden Sie unter www.myomembolisation.org (Klinikfinder)



