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Ausgabe 12/2007

 



Putzen ohne Pannen

Mehr Sicherheit beim Saubermachen

 

Sauberkeit mit Kehrseite: Putzen fordert viele Opfer. Die Schäden, die sich die Putzwütigen zuziehen, sind keineswegs nur kleine Abschürfungen – sie reichen von tiefen Schnittwunden über Bandscheibenvorfall und Knochenbruch bis zum Sturz mit Todesfolge. MEDIZIN populär gibt Sicherheitstipps.

 

Von Dr. Monika Berthold

Das ist beim Hausputz schon zum Ritual geworden: Das Staubsaugen kommt zum Schluss, wird hinausgeschoben, so lange es geht. Kein Wunder, denn schon nach fünf Minuten schwitzt man wie in der Sauna, starke Rückenschmerzen stellen sich ein. Warum? „Weil die meisten Hausfrauen – natürlich auch so mancher Hausmann – so viel falsch machen“, erklärt die Wiener Arbeitsmedizinerin Dr. Sigrid Klufa.

Staubsaugen – aber richtig!
Die Ärztin hat beobachtet, dass die Staubsaugerstangen meist zu kurz sind. Man arbeitet dadurch stets vorgebeugt, was direkt ins Kreuz geht. Wird in dieser Haltung dann noch eine Drehung des Oberkörpers und somit auch in der Lendenwirbelsäule durchgeführt, besteht die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls: Der Faserring der Bandscheibe reißt und der gallertige Kern wird herausgedrückt. Dr. Klufa hat sich auch die Pulsfrequenz beim Staubsaugen angeschaut: „Dabei ergibt sich mit durchschnittlich 113 Schlägen pro Minute eine Herz-Kreislaufbelastung wie beim sportlichen Walken. Kein Wunder, dass man dabei ins Schwitzen kommt.“

Dr. Klufa, die seit Jahren ähnliche Tätigkeiten und Bewegungen in Firmen untersucht, hat einen ganzen Katalog von Tipps zusammengestellt, wie man richtig Staub saugt und dabei die Wirbelsäule schont:

  • Gesundes Arbeiten beginnt mit der richtigen Anschaffung. Das Gerät muss körpergerecht sein. Die Staubsaugerstange muss so lang sein, dass man beim Arbeiten aufrecht stehen kann und keine gebückte Haltung einnehmen muss. Für große Menschen: Es gibt Teleskopstangen, die ausgefahren werden können. Was das Modell anlangt, rät die Ärztin zu Geräten zum Nachziehen.
  • Das Wichtigste: die richtige Körperhaltung. Man sollte niemals gebeugt stehen, sondern aufrecht in leichter Schrittstellung, um die Körperstabilität zu erhöhen. Bauch- und Gesäßmuskeln müssen angespannt sein, Drehungen vermieden werden. Besser: beim Wenden einen Schritt zur Seite tun.
  • Muss das Gerät über Stufen getragen werden, sollte man beim Anheben in die Knie gehen und mit geradem Rücken aus den Beinen hochgehen. Niemals aus dem Kreuz heben. Der Staubsauger muss möglichst körpernah getragen werden, je weiter weg, umso stärker die Hebelwirkung, die Last wird vervielfacht und die Wirbelsäule enorm strapaziert.
  • Als besondere Gefahren bezeichnet die Ärztin Sturz und Fall. Man passt nicht auf, stolpert über das Gerät, verfängt sich im Kabel und schon ist es passiert.
  • Damit der Staub selbst – vor allem für Allergiker – nicht zum Problem wird, empfiehlt die Arbeitsmedizinerin Staubsauger mit speziellen Mikrofiltern. Überdies gibt es antiallergische Geräte, bei denen es durch den Luftstrom zum leichten Klopfen des Teppichs kommt – gleichzeitig werden die Milben abgesaugt.
  • Übrigens sollten von Zeit zu Zeit die Kabel kontrolliert werden, ob sie an bestimmten Stellen durchgescheuert sind, Schadstellen können zur tödlichen Falle werden.


Sicher auf der Leiter
Ob man’s glaubt oder nicht – die Leiter, sagt der Wiener Orthopäde Dr. Fritz Heckl, zählt zu den gefährlichsten Geräten im Haushalt. „Zur Putzsaison sind die Unfallstationen voll mit Patienten nach einem Leitersturz.“ Interessanterweise sind diese Verletzungen eine weibliche Domäne. Fensterputzen, Vorhänge aufhängen, Luster waschen ist nach wie vor keine Männersache. Betroffen sind in der überwiegenden Mehrzahl ältere Frauen, wobei weniger das falsche Schuhwerk oder die nachlassende Trittsicherheit schuld sind. Was letztendlich zum Sturz führt, ist das Über-Kopf-Arbeiten. Heckl: „Beim Vorhang aufhängen oder Lusterputzen beugt man den Kopf nach hinten. Dabei werden zwei wichtige Blutgefäße in den knöchernen Kanälen im Nacken, die das Gehirn versorgen, abgeknickt und die Versorgung vermindert oder gar unterbrochen.“ Es genügt schon eine Ein­engung von Zehntelmillimetern. Das Resultat ist Schwindel und Verlust des Gleichgewichts. Übrigens haben Schwindel und Umkippen einen Sinn. Der Organismus bringt damit lebenserhaltende Mechanismen in Gang. Der Körper wird – sobald er Probleme mit der Versorgung spürt – flach gelegt, weil das Pumpen des Blutstroms in der Waagrechten erleichtert wird.
„Wir können vor Stürzen im Haushalt nicht genug warnen“, meint Orthopäde Heckl. Nicht nur, dass bei älteren Leuten Schenkelhalsbrüche zum Tod führen können, gestalten sich Diagnose und Therapie von Knochenbrüchen oft kompliziert. Denn es gibt Wirbelbrüche oder Schambeinbrüche, die an den Unfallambulanzen im Röntgen gar nicht sichtbar sind. „Erst wenn die Patientinnen und Patienten aufgrund nicht nachlassender Schmerzen zu uns kommen und wir ein Kontroll-Röntgen oder eine Magnetresonanz-Untersuchung durchführen lassen, wird der Bruch sichtbar.“

Haltung bewahren
Ob beim Kochen, Betten machen, Geschirr waschen: Auch auf die richtige „Haushaltung“ kommt es an, erklärt der Orthopäde. Das ewig vorgebeugte Stehen wirkt sich extrem schlecht auf die Wirbelsäule aus. Früher oder später kommt es zu einer Bandscheibenvorwölbung. Richtig: aufrecht stehen und die Knie ein wenig beugen, das schont das gesamte Skelett und gibt Standfestigkeit. Tipp: eine höhere Arbeitsfläche erleichtert das aufrechte Stehen beim Hantieren. Das Gleiche gilt fürs Bügeln, das man übrigens auch im Sitzen machen kann.
Bierkisten schleppen, Sektkartons und Mineralwassergebinde nach Hause bringen, ist meist starke Herrensache. Doch auch der männliche Stützapparat ist dankbar für die richtige Haltung: Heben (wie beim Staubsaugertragen) nie aus dem Kreuz, sondern immer aus den Knien. Vorsicht bei Drehbewegungen mit diesen schweren Lasten – die Scheuerkräfte besonders bei schon abgenützten Gelenken pressen unweigerlich die Bandscheiben heraus. Daher mit Lasten den Körper nicht drehen, sondern kleine Schritte in die richtige Richtung machen.

Hände trocken halten
Viele wissen nicht, so der Wiener Orthopäde Dr. Fritz Heckl, dass Nässe zum Problem werden kann. „Mein Rat in der kalten Jahreszeit: Hände immer trocken halten. Durch die Nässe entsteht Verdunstungskälte und massiver Wärmeentzug. Es kommt zu einer ständigen Reizung in den Gelenken und in der Folge zu schmerzhafter Arthritis und Arthrose.“ Tipp für die Hände: Bei Arbeiten mit nassen Gegenständen nie ohne wasserdichte (Gummi-) Handschuhe hantieren. Das hält warm, trocken und schützt die Hände vor Gelenkserkrankungen. Das Putz- und Waschwasser sollte immer gut temperiert sein. Überhaupt sollte man bei Außentemperaturen unter 15 Grad immer Handschuhe tragen, um die berüchtigten arthritischen „Wäscherinnenhände“ zu vermeiden.
   

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