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Ausgabe 10/2011

 



Grippeimpfung

Die stichhaltigste Vorsorgemaßnahme

 

Warum die Weltgesundheitsorganisation Grippepatienten auf der ganzen Welt überwacht, wie das jährliche „Rezept“ für den Impfstoff entsteht, und warum jetzt der beste Zeitpunkt für den schützenden Nadelstich ist.

 

Von Mag. Alexandra Wimmer

Mit den kühleren Temperaturen stehen nicht nur Maroni und Gewürztee hoch im Kurs, auch die Grippe (Influenza) hat bald wieder Saison: Jahr für Jahr erreicht die Grippewelle in den Wintermonaten auch Österreich – den einzig effektiven vorbeugenden Schutz bietet die Grippeimpfung. Doch wie kann man im Voraus wissen, welche Grippeviren uns in der kommenden Saison gefährlich werden könnten?
„Das ergibt sich aus den weltweiten Überwachungsdaten der Weltgesundheitsorganisation“, erklärt Univ. Prof. Dr. Theresia Popow-Kraupp, Virologin und Leiterin des Referenzzentrums für Influenza in Österreich „Die WHO hat ein Netzwerk von mehr als 100 Referenzlabors über die ganze Welt gespannt.“ In diesen Labors versucht man das ganze Jahr über, bei Patienten mit Verdacht auf Grippe das Virus nachzuweisen und genauestens zu charakterisieren. „Aufgrund dieser Überwachungstätigkeit weiß man beispielsweise, welche Viren derzeit in der südlichen Hemisphäre, etwa in Australien, Korea oder Vietnam, zirkulieren“, verdeutlicht die Virologin. „Ebenso kennt man die in der nördlichen Hemisphäre, also in allen Gebieten Europas und Russlands, zirkulierenden Virusstämme.“  Alle Daten werden in fünf Top-Zentren gesammelt und bei zwei jährlichen Sitzungen ausgewertet: Hat es im Vergleich zum Vorjahr Veränderungen bei den zirkulierenden Virusstämmen gegeben? Oder hat sich nichts verändert, sodass die gleichen Impfstämme im Impfstoff enthalten bleiben können? Dabei lassen sich durchaus Rückschlüsse von der Süd- auf die Nordhalbkugel ziehen: „Grobe Veränderungen bei den Viren haben sich in den letzten Jahren schon in der Influenzasaison der südlichen Hemisphäre abgezeichnet, sodass man in der Regel weiß, welche veränderten Stämme auf der nördlichen Hemisphäre zirkulieren werden“, berichtet Popow-Kraupp.
Auf Basis der Auswertungen wird die Zusammensetzung des Grippeimpfstoffs für die kommende Saison festgesetzt – für unsere Breiten liegt das „Impfstoff-Rezept“ Ende Februar vor. „Dann findet nämlich die Sitzung für die nördliche Hemisphäre statt, Ende September jene für die südliche“, berichtet Popow-Kraupp. Gleich danach wird mit der Produktion begonnen, sodass der Impfstoff bei uns ab September zur Verfügung stehen kann.

Der beste Zeitpunkt

Mit dem Impfen sollte man sich dann noch etwas Zeit lassen – am besten bis Mitte bzw. Ende Oktober. Denn damit der Impfstoff optimal wirkt, sollte man zeitlich mit der Impfung möglichst nah an der tatsächlichen Influenzasaison sein, die bei uns Mitte November beginnt und bis Mitte oder Ende März dauert. „Bei bestimmten Personengruppen, etwa bei älteren Menschen, deren Immunsystem nicht mehr so fit ist, ist diese Maßnahme besonders sinnvoll“, erklärt die Medizinerin. Der Hintergrund: Je weniger Zeit zwischen Impfung und Ausbruch der Grippewelle liegt, umso besser ist man mit Antikörpern ausgestattet. „Direkt nach der Impfung werden Antikörper in hohen Konzentrationen produziert, sie nehmen im Lauf der Zeit etwas ab.“ Wenn man zu lange gewartet hat und bereits an Grippe erkrankt ist, hat die Impfung keinen Sinn mehr.

Bitte Vorsicht

Generell gilt: Impfen lässt man sich am besten dann, wenn man fit und das Immunsystem stark ist und nicht, wenn die Immunabwehr  z. B. wegen einer fieberhaften Verkühlung quasi anderweitig gefordert ist. Popow-Kraupp: „Schließlich braucht man ein gutes Abwehrsystem, um Antikörper gegen die zugeführten Influenzaproteine produzieren zu können.“
Aus diesem Grund sollten sich auch Menschen, deren Immunsystem beispielsweise nach einer Transplantation stark beeinträchtigt ist, vorerst nicht impfen lassen.
Vorsicht ist auch geboten, wenn man allergisch auf Eibestandteile reagiert. Da einige der Grippeimpfstoffe auf Ei-Basis hergestellt werden, sollten Ei-Allergiker sich von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin beraten lassen. „Es gibt mittlerweile auch Impfstoffe, bei denen das Virus nicht in Eiern gezüchtet wird. Mit diesen können Allergiker geimpft werden“, sagt die Medizinerin. Ansonsten werde der Grippeimpfstoff sehr gut vertragen.
„Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen Totimpfstoff, was bedeutet, dass er kein vermehrungsfähiges Virus enthält, sondern entweder abgetötete Ganzviren oder Spaltprodukte von abgetöteten Viren“, erklärt die Virologin. „Der Körper erkennt die fremden, virusspezifischen Proteine und bildet im Rahmen seiner Abwehrmechanismen entsprechende Antikörper.“

Aktueller Impfstoff

Und mit welchen Grippeviren haben wir konkret in der bevorstehenden Saison zu rechnen? „Da sich bis dato die Impfstämme nicht geändert haben, kann die Impfstoffempfehlung vom vorigen Jahr unverändert beibehalten werden“, sagt Popow-Kraupp. Der Impfstoff setzt sich aus jeweils drei Komponenten zusammen – man injiziert die Stämme der drei wichtigsten Influenzaviren. „Wie bereits im Vorjahr ist auch heuer eine der Komponenten das H1N1-Virus 2009, also das Schweinegrippe-Virus. Es wurde von einem pandemischen Virus zu einem saisonal zirkulierenden Virus zurückgestuft“, berichtet Popow-Kraupp.

Neue Pandemiegefahr?

Trotzdem: Die Gefahr einer Pandemie – also die örtlich unbegrenzte Ausbreitung z. B. von Influenza – ist nie ganz auszuschließen. „Es besteht immer die Möglichkeit, dass neue pandemische Viren entstehen“, betont die Virologin. So könnten durch eine neue Kombination aus Schweine- oder Vogelgrippeviren und durch viele weitere tierische Influenzaviren neue, für uns gefährliche Viren entstehen. „Aus diesem Grund ist es extrem wichtig, dass die zirkulierenden Viren permanent überwacht werden, damit man neue Varianten, die ein pandemisches Potenzial für den Menschen haben, rechtzeitig erfasst und ihnen gegensteuern kann.“

Grippe oder Verkühlung?

Wie viele Menschen pro Influenzasaison grippebedingt das Bett hüten müssen oder sogar schwer daran erkranken, ist nicht bekannt – das variiere je nach Altersgruppe und den jeweils zirkulierenden Virenstämmen, sagt die Expertin. „Man weiß aber, dass bei Auftreten der charakteristischen Influenzasymptome wie hohes Fieber, plötzlicher Krankheitsbeginn, starke Halsschmerzen und Husten während einer Influenzawelle in 80 Prozent der Fälle das Grippevirus im Zuge einer Untersuchung nachgewiesen werden kann.“ Das bedeutet: 80 Prozent jener, die unter den genannten Symptomen leiden, haben auch tatsächlich eine Grippe. Die Symptome müssen aber nicht immer grippebedingt sein – auch eine Verkühlung oder eine Atemwegserkrankung könnte die Beschwerden verursachen. „Wenn aber sehr viele Menschen von den charakteristischen Symptomen betroffen sind und es zu einem starken, epidemischen Ausbruch kommt, noch dazu in der kalten Jahreszeit, so ist die Erkrankung in den allermeisten Fällen durch Influenzaviren bedingt“, berichtet Popow-Kraupp.

Impfmuffel trotz Lebensgefahr

Und dann ist Vorsicht geboten, denn jede Grippesaison fordert auch in Österreich Menschenleben: „Unseren Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Todesfälle, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Grippe im Zusammenhang stehen, bei 1000 bis 1400 pro Saison.“ Trotz dieser Risken verzichtet die große Mehrheit hierzulande auf den Grippe-Impfschutz, die Österreicherinnen und Österreicher sind – auch im Europavergleich – Impfmuffel. „Nur rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung lassen sich impfen“, weiß die Virologin. „Bei den älteren Personen ab 60 Jahren liegt die Durchimpfungsrate immerhin bei ungefähr zwölf Prozent.“

    
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Händewaschen schützt

Neben der Impfung bietet Hygiene einen besonders effektiven Schutz vor Grippeviren. Das gründliche Händewaschen zählt dabei zu den wichtigsten Maßnahmen.
Und so geht’s: Nach dem Abnehmen von Uhr und Schmuck alle Teile der Hand – Handgelenke, Fingerzwischenräume – gründlich mit Wasser und Seife waschen und einmal täglich den Bereich unter den Fingernägeln mit einer Nagelbürste reinigen. Die Prozedur muss in Grippezeiten zudem häufiger als sonst erfolgen: Schließlich überleben Viren in der kühlen Jahreszeit besser, sodass es noch leichter ist, sich die Erreger über Türschnallen oder Straßenbahn-Haltegriffe einzufangen. Das Ansteckungsrisiko minimiert außerdem, wer jetzt Menschenansammlungen – die voll besetzte U-Bahn, das Rockkonzert – meidet. „Auch sollte man den Kontakt mit Erkrankten möglichst vermeiden“, ergänzt die Wiener Virologin Univ. Prof. Dr. Theresia Popow-Kraupp. „Wenn man selbst erkrankt ist, sollte man sich in freiwillige Quarantäne begeben und zuhause auskurieren.“

















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