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Sie kommen durch die Luft und ihre Stiche sind gefürchtet: MEDIZIN populär sagt Ihnen, was Sie tun sollen, wenn Sie von Gelsen, Bremsen, Bienen, Wespen oder Hornissen gestochen werden.
Von Mag. Michael Krassnitzer
So manchen lauen Sommerabend im Freien vergisst man nicht so schnell. Gerötete Beulen, die uns die nächsten Tage mit Juckreiz vermiesen, erinnern uns daran. Genau: Es war ein Rendezvous mit Gelsen. Rund 40 verschieden Arten von Stechmücken gibt es in Österreich. Am liebsten schwärmen die kleinen Blutsauger in der Dämmerung aus und spüren ihre Opfer auf. Es sind die Weibchen, die ihre Saugrüssel in unsere Haut bohren, denn ohne tierisches oder menschliches Blut können ihre Eier, aus denen später Hunderte Plagegeister schlüpfen, nicht heranreifen.
Zwiebelsaft wirkt Wunder
Dass Gelsenstiche unangenehm jucken, liegt zum einen am Speichel der Stechmücken, der die Blutgerinnung verhindert. Doch auch die körpereigene Abwehrreaktion, die Ausschüttung von Histamin, trägt zum Jucken bei. Was kann man dagegen tun? In den meisten Fällen reicht ein kalter Umschlag. Gels, Salben und Cremen können einen gewissen kühlenden Effekt haben. Bei schlimmeren Fällen kann auch ein altes Hausmittel hilfreich sein: die Zwiebel. „Eine frisch aufgeschnittene Zwiebel direkt für einige Minuten auf die Stichstelle gelegt, das kann die Folgereaktion deutlich mindern. Durch verschiedene Inhaltsstoffe wie Flavanoide und schwefelhaltige Substanzen wirkt der Zwiebelsaft auch antimikrobiell“, weiß Univ. Prof. Mag. Dr. Franz F. Reinthaler, Leiter des Parasitologie-Labors am Hygiene-Institut der Medizinischen Universität Graz. Antimikrobiell heißt, der Saft bekämpft Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze.
Brutstätten vermeiden
Das beste Mittel gegen Gelsenstiche ist aber noch immer die Vorbeugung. Es empfiehlt sich helle, dicht gewebte Kleidung, die nicht zu eng auf der Haut liegt. Lange Ärmel und Hosen schützen die Gliedmaßen, die freibleibenden Hautstellen können mit insektenabwehrenden Mitteln (Repellents) eingerieben werden. Einige der erhältlichen Substanzen haben allerdings den Nachteil, dass sie nicht gut verträglich sind. Ätherische Öle sind eher wirkungslos, meint Prof. Reinthaler. Nur Katzenminze (Nepetalacton) kann, so der Experte, laut einer US-Studie Stechmücken effektiv vertreiben.
Gartenbesitzer können sehr viel dazu beitragen, die sommerliche Gelsenplage im Zaum zu halten: Lassen Sie keine Wasserbehälter stehen, stehende Gewässer nämlich dienen den Gelsenlarven als Brutstätten! In Regentonnen, achtlos stehengelassenen Gießkannen oder auch in Autoreifen legen Stechmücken bevorzugt ihre Eier ab.
Wenn‘s höllisch weh tut
Ein anderer geflügelter Plagegeist, der vor allem beim Baden im Freien zuschlägt, ist die Bremse. Auch die Weibchen dieser Unterart der Fliege ernähren sich von Blut. Im Vergleich zu den Stechmücken kann ihr Stich einen deutlich spürbareren Schmerz verursachen, da die wesentlich größeren Mundwerkzeuge beim Zubeißen Nerven verletzen können. Aber auch Bremsen können hierzulande keine Krankheiten übertragen und die juckenden Stiche werden ebenso behandelt wie jene von Gelsen, insbesondere mit kalten Umschlägen.
Auch eine andere Gruppe von geflügelten Insekten kann uns in der warmen Jahreszeit unangenehme, für manche Menschen gefährliche Stiche zufügen: Bienen, Wespen und Hornissen. Bei ihnen handelt es sich allerdings nicht um Parasiten, die sich von menschlichem Blut ernähren, sondern um nützliche Tiere, die sich mit ihrem Giftstachel nur gegen tatsächliche oder vermeintliche Angriffe wehren. Die Stiche verursachen heftige Schmerzen und eine mitunter starke Schwellung, die erst nach einigen Tagen nachlässt. Sofern man nicht allergisch reagiert, ist ein einzelner Stich zwar schmerzhaft, aber ungefährlich. Einzige Ausnahme: Bei Stichen im Mund oder im Rachenraum besteht die Gefahr, dass durch die Schwellung die Atemwege verlegt werden. Normalerweise aber braucht es etwa 40 Stiche, damit es zu schweren Folgen kommt. Erst mehrere 100 Stiche sind tödlich.
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Was tun nach einem Bienen-, Wespen- oder Hornissenstich?
Parasitologe Reinthaler rät:
- Giftdrüse entfernen, den Stachel mit einer Pinzette herausziehen;
- Einstichwunde nicht ausdrücken;
- kalte Umschläge oder die Stichstelle mit einer aufgeschnittenen Küchenzwiebel bedecken;
- bei einem Stich im Rachenraum sofort kühlen (Eis lutschen, kalte Umschläge), Rettung verständigen oder umgehend einen Arzt aufsuchen!
- in schwierigeren Fällen und beim Auftreten von Allergien sollten Antihistaminika, Kortikosteroide und ähnliche Heilsubstanzen angewandt werden.
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Auch bei Bienen, Wespen und Hornissen gilt:
Man kann einiges dazu tun, um Stichen vorzubeugen
- Vorsicht beim Essen im Freien;
- Fallobst und Müll meiden;
- Verzicht auf stark riechende Kosmetika;
- sich in der Nähe von Nestern nur ruhig bewegen;
- sind die Plagegeister im Anflug: keine heftigen Bewegungen und nicht nach umherfliegenden Wespen oder Bienen schlagen;
- keine Wespen oder Bienen mit der Hand einfangen;
- beim Trinken (zum Beispiel aus der Dose) darauf achten, dass kein Insekt in den Mund gelangt. Besonders für Kinder besteht Erstickungsgefahr!
- insektenvertreibende Repellents sind gegen Bienen und Wespen nutzlos.
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Das Ausräuchern oder Vernichten von Wespen- und Hornissennestern ist nicht angebracht. Denn die furchterregend wirkenden Insekten sind so wie auch Honigbienen nützliche Tiere! Wespen vertilgen schädliche Insekten, verachten aber auch den Blütennektar nicht. Daher erfüllen sie auch eine wichtige Aufgabe bei der Bestäubung von Blüten; im Gegensatz zu den Bienen nämlich fliegen sie auch bei kühlem Wetter sowie bei Wind und Regen.
Achtung bei Allergien!
Gefährlich kann es nach einem Bienen-, Wespen- oder Hornissenstich dann werden, wenn eine Allergie gegen Insektenstiche besteht. Ein Zehntel der Insektenstichallergiker zeigt nicht nur eine lokale Reaktion, meist eine besonders starke Schwellung, sondern auch eine systemische Reaktion, das heißt eine über die gestochene Region hinausgehende Allgemeinreaktion. Diese kann sich in heftigem Juckreiz an Kopfhaut und Zunge, großflächiger Hautrötung, Atemnot, Erbrechen, Stuhlabgang, Schweißausbruch, raschem Puls bis hin zu Bewusstlosigkeit äußern. Für fast ein Drittel dieser Reaktionen sind Honigbienen verantwortlich, erklärt Prof. Reinthaler. Er empfiehlt allen Allergikern, bei Ausflügen ins Freie immer ein Notfallset mit einem Antihistaminikum und einem Kortikosteroid dabeizuhaben.
Gelegentlich können allergische Reaktionen auch nach Gelsen- und Bremsenstichen auftreten. Während es bei Bremsenstichen durchaus zu systemischen Reaktionen kommen kann, sind diese bei Stechmücken äußerst selten, am ehesten kommen sie bei Kindern vor, die gleich mehrfach gestochen wurden.
Keine Angst vor Hornissen!
Aufgrund ihrer Größe gilt die Hornisse zu Unrecht als besonders gefährlich und giftig. Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, fünf ein Pferd – diese Volksweisheit ist Unsinn! Ein Hornissenstich ist nicht giftiger als ein Bienen- oder Wespenstich. Weil das Hornissengift Substanzen enthält, die stark schmerzerzeugend sind (zum Beispiel Acetylcholin), und weil auch der Stachel länger ist und tiefer in die Haut eindringt, wird der Stich aber als deutlich schmerzhafter empfunden als ein Bienen- oder Wespenstich. Hornissen sind ausgesprochen nützliche Tiere, auch sie fangen täglich eine große Menge an schädlichen Insekten, um ihre Larven damit zu füttern.



