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Was Frauen und Männern über 50 den Schlaf raubt
Sie tun sich schwer mit dem Einschlafen, wachen nachts öfter auf oder morgens zu früh: Schlafgestörte ab der Lebensmitte. Während Schlafstörungen in jungen Jahren oft seelische Ursachen haben, werden sie ab 50 auch durch altersbedingte körperliche Veränderungen ausgelöst. Lesen Sie, welche das sind, und was man dagegen tun kann.
Von Mag. Sabine Stehrer
Durchschnittsmenschen ohne Schlafprobleme gehen zwischen 22 Uhr und Mitternacht ins Bett, schlafen fünf bis zehn Minuten später ein und anschließend sechs bis zehn Stunden durch – wobei laut einer deutschen Schlafstudie die meisten Menschen auf 6 Stunden und 59 Minuten Schlaf kommen. Auch wenn sie in ihrem bisherigen Leben solche Durchschnittsschläfer waren, beginnen Frauen und Männer ab der Lebensmitte oft zunehmend schlechter zu schlafen. Univ. Prof. Dr. Bernd Saletu, Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und Klinische Pharmakologie sowie Leiter des Schlaflabors im Wiener Rudolfinerhaus: „In Österreich haben 42 Prozent der Über-50-Jährigen Schlafstörungen, wobei etwas mehr Frauen als Männer Probleme mit dem Schlafen haben.“ Die Betroffenen brauchen am Abend länger als in jungen Jahren, um einschlafen zu können, nachts schlafen sie nicht mehr so tief wie früher und wachen öfter auf. Oder sie haben Schwierigkeiten damit, auszuschlafen und werden unfreiwillig zu Frühaufstehern. „Frauen können eher nicht einschlafen und nicht ausschlafen und haben deswegen einen Schlafmangel, und bei Männern ist es eher so, dass sie nachts öfter aufwachen, mehr leichten Schlaf und weniger Tiefschlaf haben“, weiß Saletu. Ob männer- oder frauentypisch: Die Schlafprobleme machen jedenfalls tagsüber müde, die alltäglichen Erledigungen fallen schwer, mit der Zeit schwächt die andauernde Müdigkeit die Abwehrkräfte, wodurch man anfälliger für verschiedene Krankheiten wird, und nicht zuletzt macht die Müdigkeit noch schlechte Laune. Saletu: „Deswegen sollten die Betroffenen ihre Schlafprobleme nicht einfach so hinnehmen, sondern etwas dagegen unternehmen, also ärztliche Hilfe suchen.“
Schlafräuber Schnarchen und Restless-Legs-Syndrom
Was unternommen werden kann, um zum Durchschnittsschlaf zurückzufinden, richtet sich nach der Ursache für die Schlafprobleme. Während in jungen Jahren oft seelische Probleme beim Schlafen stören, werden ab der Lebensmitte zunehmend auch physische Probleme zu Schlafräubern. So können vielfach rein altersbedingte körperliche Ursachen dazu führen, dass Menschen über 50 nicht mehr so gut wie früher einschlafen, durchschlafen und ausschlafen können.
Saletu über häufige physische Veränderungen bei älteren Männern, die Schlafprobleme bereiten: „Bei den Männern ist sehr oft die altersbedingte oder auf erhöhten Alkoholkonsum zurückgehende Erschlaffung der Schlundmuskulatur daran schuld, dass sie schnarchen bzw. beim Schnarchen immer wieder mit dem Atmen aussetzen.“ Neben dem Meiden von Alkohol können den Betroffenen Operationen helfen, bei denen z. B. ein schlaffes Gaumensegel gestrafft wird. Oder spezielle Atemmasken oder Schnarchschienen bringen Erleichterung, die – über Nacht getragen – die Atemaussetzer reduzieren.
„Den Schlaf älterer Frauen“, so Saletu, „stören häufig periodisch rhythmisch wiederkehrende unwillkürliche Bewegungen der Arme und Beine oder das sogenannte Restless-Legs-Syndrom, bei dem diese motorischen Störungen auch mit Missempfindungen einhergehen.“ Beide Leiden gehen auf Störungen des Hirnstoffwechsels oder einen Nährstoffmangel zurück – und sind mit entsprechenden Medikamenten gut behandelbar.
Körpereigene „Schlafmittel“ werden weniger
Die genannten altersbedingten Veränderungen sind aber nicht die einzigen Ursachen für Schlafstörungen bei Über-50-Jährigen. Auch andere, in späteren Jahren häufiger als in jungen Jahren auftretende physische Faktoren können das Einschlaf-, Durchschlaf- und Ausschlafvermögen gehörig stören. Bei Frauen kommt es mit dem Eintritt in die Wechseljahre zu einer ausgeprägten Drosselung der Produktion von Hormonen aus der Östrogen- und Gestagengruppe – und zu den damit verbundenen Wechseljahresbeschwerden können auch Schlafstörungen zählen. Bei Frauen wie bei gleichaltrigen Männern, bei denen der Testosteronspiegel leicht sinkt, wird dann auch die Menge der sogenannten Neurotransmitter immer kleiner. Das sind chemische Botenstoffe, die im Gehirn für die Weiterleitung von Botschaften notwendig sind und dafür sorgen, dass der Mensch rhythmisch wiederkehrend gut schläft und wieder wacht. Auch allein durch die Verringerung der Botenstoffe kann es ab einem gewissen Alter zu einer Veränderung von Schlafarchitektur (siehe Schlafarchitektur unten) und Schlaf-Wach-Rhythmus kommen.
Angst vor dem Nicht-schlafen-Können kommt dazu
Halten die körperlich bedingten Schlafstörungen an, so verschlimmert bei vielen Betroffenen die Angst, nicht einschlafen, durchschlafen oder ausschlafen zu können, das Problem. „Das macht Frauen wie Männern genauso zu schaffen, und mit der Zeit kann sich bei beiden Geschlechtern aus dieser Angst heraus eine erlernte chronische Schlafstörung entwickeln“, sagt Saletu. So kommt zur körperlichen Ursache für die Schlafstörung eine psychische hinzu. Dann helfen den Betroffenen eine Psychotherapie und/oder Medikamente.
Nicht selten geht bei Menschen über 50 die Schlafstörung auch darauf zurück, dass sich etwas in ihrem Leben verändert hat, sei es die Wohnumgebung, das Berufs- oder Beziehungsleben. „Dass man in neuen Lebenssituationen für einige Zeit lang schlechter schläft als davor, ist normal, aber wenn die Schlafstörung länger als drei Wochen andauert, kann sich nicht nur eine Schlafstörung, sondern auch eine Anpassungsstörung mit Angstgefühlen entwickeln, und die sollte man behandeln lassen“, so Saletu. Das Mittel der Wahl ist dann meistens eine Kombination aus einer Medikamenten- und Psychotherapie. Nicht selten sind es auch Depressionen, die Menschen ab der Lebensmitte den Schlaf rauben. Saletu: „Werden die Depressionen als Grunderkrankung erkannt und durch eine Therapie gelindert, vergehen oft auch die Schlafstörungen.“
Maßgeschneiderte Therapie aus dem Schlaflabor
Sehr oft gibt es bei Frauen und Männern über 50 aber nicht nur eine einzige Ursache für die Schlafprobleme, sondern ein Bündel aus seelischen und körperlichen Ursachen. Um eine maßgeschneiderte Therapie gegen anhaltendes schlechtes Einschlafen, Durchschlafen und Ausschlafen zu bekommen, empfiehlt Experte Saletu Betroffenen den Gang zum Arzt oder, noch besser, drei Nächte im Schlaflabor. Dort dienen die erste und zweite Nacht der Diagnose der Schlafstörung und die dritte zur Kontrolle der Wirksamkeit der therapeutischen Maßnahmen.
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Schlafarchitektur: Die Bausteine von gesundem Schlaf
Als gut gilt Schlaf dann, wenn er eine regelrechte Architektur aufweist, wenn jedes Schlafstadium zu einem bestimmten prozentuellen Anteil gegeben ist. Von der Zeit, in der ein Mensch schläft, werden zirka fünf Prozent im Dämmerschlaf verbracht, 55 Prozent im mitteltiefen Schlaf, 20 Prozent in der sogenannten REM-Phase, wobei REM für Rapid Eye Movement steht, weil es in dieser Phase zu schnellen Augenbewegungen kommt und sie mit bunten oft bizarren Träumen gekoppelt ist. Nur weitere 20 Prozent, also ein Fünftel der Schlafenszeit, werden im Tiefschlaf verbracht.
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10 Gebote für einen guten Schlaf
Das rät Schlafmediziner Univ. Prof. Dr. Bernd Saletu
- Du sollst deinen täglichen Schlafbedarf decken.
- Du sollst einen möglichst regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einhalten.
- Du sollst deine Schlafstätte optimieren.
- Du sollst eine angenehme Schlafumgebung schaffen (z. B. die Raumtemperatur so regeln, dass dir weder zu heiß noch zu kalt ist, oder das Fenster schließen, um von etwaigem Straßenlärm verschont zu bleiben).
- Du sollst Übergewicht abbauen – zu viele Kilos sind ein Risikofaktor für Schlafapnoe (Atemaussetzer).
- Du sollst vor dem Schlafengehen keine Substanzen zu dir nehmen, die den Schlaf stören können, wie Kaffee, anregenden Tee, Nikotin oder ein Übermaß an Alkohol.
- Du sollst Stress vermeiden.
- Du sollst anstrengende körperliche Tätigkeiten bzw. anstrengenden Sport kurz vor dem Schlafengehen vermeiden.
- Du sollst während des Tages wach bleiben.
- Du sollst ärztliche Hilfe suchen, wenn du mehr als dreimal pro Woche und das länger als einen Monat schlecht ein-, durch- oder ausschläfst.
Webtipp:
Eine Liste mit den Adressen von Schlaflabors in Österreich findet sich im Internet unter www.schlafmedizin.at



