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Ausgabe 02/2010

 





Was hilft gegen Trockenheitsekzeme?

Tipps für die Hautpflege im Winter

 

Winterkälte und Heizungsluft setzen der Haut zu, trocknen sie aus und schaffen so die besten Bedingungen für das Auftreten von Trockenheitsekzemen. Diese zählen zu den häufigsten Hauterkrankungen, sehen nicht nur unschön aus, sondern sind auch mit Juckreiz verbunden, können sich entzünden und schmerzen – und im schlimmsten Fall zu einem chronischen Leiden werden. MEDIZIN populär erklärt, was man tun kann, um Trockenheitsekzeme wieder loszuwerden bzw. gar nicht erst zu bekommen.

 

Von Mag. Sabine Stehrer

Erst spannt die Haut und fühlt sich trocken an, ein ovaler oder runder roter Fleck entsteht, es juckt. Dann bilden sich Bläschen, die Bläschen nässen, der Fleck verkrustet, schuppt sich, eine Hornschicht bildet sich, schließlich zeigen sich Risse: So sieht der typische Werdegang von Trockenheitsekzemen aus. „Trockenheitsekzeme zählen zu den häufigsten Hauterkrankungen, drei von vier Österreicherinnern und Österreichern sind einmal im Leben davon betroffen“, weiß Dr. Adelheid Stöger, Fachärztin für Dermatologie in Salzburg.
Faktum ist: In der kalten Jahreszeit, wenn die Quecksilbersäule des Thermometers gegen Null und darunter geht, hat das Leiden Hochsaison. Und das aus mehreren Gründen: Sowohl die kalte Luft im Freien, als auch die warme Luft in den geheizten Räumen haben eine geringe Luftfeuchtigkeit, sind also trocken. Stöger: „Und der Aufenthalt in der trockenen Luft trocknet auch die Haut aus.“ Was im Winter die Entstehung von Trockenheitsekzemen außerdem noch begünstigt: Um die Körperkerntemperatur hoch zu halten, ziehen sich in der Kälte die Blutgefäße unter der Haut zusammen, wodurch die Durchfeuchtung der Haut vermindert wird. Zudem produzieren die Talgdrüsen in der Kälte weniger Talg. So wird der Fettfilm auf der Haut dünn, und die Feuchtigkeit auf der Hautoberfläche verdunstet schnell.

Schnell zum Arzt!

Besonders anfällig für die Entwicklung von Trockenheitsekzemen sind Menschen mit trockener, empfindlicher Haut. „Beides haben meist Kinder und ältere Menschen, sie sind am häufigsten von Trockenheitsekzemen betroffen“, sagt Stöger. Aber auch Menschen, die bereits an einer anderen Hauterkrankung wie z. B. Neurodermitis leiden, werden häufig von dem Leiden geplagt, ebenso Allergiker, deren Haut besonders stark auf äußere Reize reagiert. Eine weitere Risikogruppe bilden jene, die berufsbedingt oft in Kontakt mit Wasser kommen oder mit anderen Substanzen, die die Haut austrocknen, wie Friseure oder Reinigungskräfte.
Vorzugsweise bilden sich die zwei bis vier Zentimeter großen juckenden und schuppenden Herde an den Händen, an den Armen, aber auch an den Unterschenkeln und am Oberkörper. Aber egal wo es sich befindet: Ist das Trockenheitsekzem einmal da und beginnt es zu jucken, sollte man eine Hautärztin oder einen Hautarzt aufsuchen. Stöger: „Je eher die Erkrankung behandelt wird, desto größer ist die Chance auf eine rasche Heilung.“ Bleibt ein Trockenheitsekzem unbehandelt, kann es dazu kommen, dass es immer stärker juckt, größer wird, noch mehr schuppt, dass die Haut einreißt und sich entzündet.“ Die Entzündung könne wiederum eine sogenannte Superinfektion zur Folge haben: Dabei pfropft sich eine zweite bakterielle Infektion auf die erste auf. „Das verursacht neben dem Juckreiz dann oft auch starke Schmerzen“, sagt Stöger.

Trockene Haut vermeiden

Wie lang es dauert, bis das Trockenheitsekzem und die trockene Haut ausgeheilt sind, hängt laut Hautärztin Stöger von der Ausprägung der Erkrankung ab. „Ist das Ekzem zu Behandlungsbeginn noch klein und in dem Stadium, in dem es nur juckt, wird es nicht lang dauern, bis es wieder verschwindet.“ Anders verhalte es sich, wenn das Ekzem bereits seit langem besteht und sich bereits Schuppen und Hautrisse gebildet haben. Stöger: „Dann kann es einige Wochen dauern, bis das Ekzem ausgeheilt ist.“
Die beste Vorbeugungsmaßnahme zur Entstehung von Trockenheitsekzemen ist, die Entstehung von trockener Haut zu vermeiden.  Dafür nennt Stöger die zugleich sehr einfachen und sehr wirksamen Tipps: Duschen und Baden mit rückfettenden Ölen, danach Eincremen mit Öl-in-Wasser-Emulsionen.


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Drei Wege der Behandlung

Als Therapie der Trockenheitsekzeme kommen für Dr. Adelheid Stöger, die auch ein Diplom für die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur hat, drei Wege in Frage:

Schulmedizin
Cremen und Salben

Um Trockenheitsekzeme nach den Regeln der Schulmedizin wieder loszuwerden, empfiehlt Stöger, beim Waschen, Duschen oder Baden Reinigungsprodukte, die rückfettende Öle oder Harnstoff enthalten, zu verwenden. „Bei der anschließenden Pflege der Haut sollte man ebenfalls harnstoffhältige Produkte verwenden und auf herkömmliche Mittel verzichten.“ Der Grund: Herkömmliche Pflegeprodukte werden oft cremig gemacht, indem ihnen Wasser entzogen wird. Das holen sie sich aus der Haut und trocknen diese dadurch noch mehr aus.
Das Ekzem wird bei stärkerer Ausprägung mit kortisonhältigen und entzündungshemmenden Salben eingecremt. In seltenen Fällen werden Antihistaminika gegen den Juckreiz gegeben.

Phytotherapie
Hilfe aus der Pflanzenwelt

Zu den phythotherapeutischen Maßnahmen, die gegen Trockenheitsekzeme helfen, zählen laut Stöger: „Körperbäder mit  Jojoba- oder Kamillenöl, Weizenkleie oder im sogenannten Befelka-Öl, das ist eine Mischung aus Ringelblumen, Johanniskraut und Stiefmütterchenkraut.“ Und zum Einnehmen täglich 10 bis 20 Gramm Maulbeermistelästchen, die man 20 Minuten kocht und mit einem Hühnerei und braunem Zucker vermengt. Das alles ist in Apotheken erhältlich.

TCM
Akupunktur, Ernährung & Co

Stöger: „Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin müssen beim Auftreten von Trockenheitsekzemen Körpersäfte erzeugt und es muss das sogenannte „Wei-Qi“ gestärkt werden, das sind die Abwehrkräfte.“
Dies erfolgt erstens durch die Einnahme chinesischer Arzneimittel, die aus verschiedenen Substanzen zusammengemengt werden und auf den Bedarf der Betroffenen abgestimmt sind.
Zudem wird mit  Akupunktur therapiert, indem Punkte aktiviert werden, die das Blut stärken, Feuchte sowie Hitze aus dem Blut vertreiben und die Milz stärken. Als dritte Maßnahme, die nach der TCM gegen Trockenheitsekzeme hilft, gilt es in der Ernährung einiges zu beachten. Stöger: „Die Betroffenen sollten energetisch heiße Lebensmittel meiden.“ Das sind z. B. Cayennepfeffer, Forellen, Ingwer, Knoblauch, Lammfleisch, schwarzer Pfeffer und Sojaöl.
Außerdem gemieden werden sollte schleimbildende Nahrung wie Fleisch, Hefe, Lebensmittel aus der Konserve, Milchprodukte oder Zucker. Zu empfehlen sind hingegen stärkende, Körperflüssigkeiten erzeugende Nahrungsmittel wie Äpfel, Birnen, Mandarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Wassermelonen, Pfefferminztee, Bohnen, Brunnenkresse, Buchweizen, Gurken, Kartoffeln, Mandeln, Oliven, rote Rüben, Spargel, Spinat, Tofu, Tomaten.


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Handschuhe gegen Ekzeme
Neue Studie belegt Wirkung

Sie weisen Allergene, andere Reizstoffe und Wasser ab und wirken darüber hinaus antibakteriell: Zwei dünne Spezialhandschuhe, acht Stunden am Tag übereinander getragen, verbessern das Hautbild bei Patienten mit Handekzemen um 43 Prozent, während die Standardtherapie (Eincremen mit Kortison-Salbe oder Einnehmen von Kortison-Tabletten)  die Beschwerden lediglich um 34 Prozent lindert. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die mit 67 Probanden (Handschuhträgern und einer Vergleichsgruppe mit Kortison-Standardtherapie) an der Allergie-Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie am Wiener AKH unter der Leitung von Ass. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan durchgeführt wird. Kinaciyan: „Wir wissen inzwischen, dass uns mit dem Einsatz der Spezialhandschuhe jetzt eine gute Therapie zur Verfügung steht, die völlig nebenwirkungsfrei ist.“ In einer zweiten Studienphase soll getestet werden, ob die Handschuhe auch dem Entstehen von trockener Haut, Trockenheitsekzemen und anderen Ekzemen vorbeugen können.

Webtipp: Informationen und Bestellung im Internet auf www.dermasilk.at

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