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Verdauungsprobleme?

So klappt´s am stillen Örtchen

 

Ob Aniskekse oder Zanderfilet, Apfelsaft oder Zitronenkracherl – was immer wir essen und trinken, hat einen langen Weg vor sich. Fünf bis sechs Meter und zwölf bis 72 Stunden liegen zwischen Esstisch und stillem Örtchen. Eine große Reise also, auf der so manche Panne passieren kann. Primar Univ. Doz. Dr. Werner Weiss erklärt, wie es zu Verdauungsproblemen kommt und was man dagegen tun kann.

 

Von Mag. Karin Kirschbichler

Was nehme ich mit, was packe ich ein? Die Reise der Speise durch unseren Körper will gut vorbereitet sein. Wer sich für die richtigen Lebensmittel entscheidet, legt den Grundstein für eine gut funktionierende Verdauung. Primar Univ. Doz. Dr. Werner Weiss, Facharzt für Gastroenterologie und Vorstand der IV. medizinischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung, fordert: Vielseitige und vor allem ballaststoffreiche Ernährung muss ins „Reisegepäck“. Der Experte dazu: „Die Erfahrung und viele wissenschaftliche Studien beweisen, dass Vollkornprodukte wie Brot, Reis und Nudeln sowie Gemüse und Obst von unschätzbarem Gesundheitswert für Darm und Immunsystem sind. Menschen, die ballaststoffreich essen, leiden nachweislich seltener an Erkrankungen des Verdauungstraktes, des Stoffwechsels und des Gefäßsystems.“

Da tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier oder Käse frei von Ballaststoffen sind, sollten möglichst oft pflanzliche Produkte auf den Tisch. Längst erwiesen ist auch die günstige Wirkung von Joghurtprodukten. Joghurt, Sauermilch, Buttermilch, Acidophilusmilch und Bifidusprodukte sind, sofern keine Unverträglichkeit vorliegt, wertvolle „Reisegefährten“ auf dem Weg zu einer geregelten Verdauung.

Auch Getränke müssen mit auf die Reise! So manches Verdauungsproblem lässt sich ganz einfach beheben, indem man dem Körper mehr Flüssigkeit gönnt. „Neben der ausreichenden Menge von mindestens 1,5 Litern täglich ist aber auch wichtig, was Sie trinken. Ideal ist Wasser, egal ob aus der Leitung oder Flasche, ob mit oder ohne Kohlensäure. Günstig sind auch Fruchtsäfte, Molkegetränke oder Kräutertees. Auf abführende Tees sollten Sie unbedingt verzichten“, rät Primar Weiss. Generell gilt: Finger weg von Abführmitteln! „Sie bringen zwar kurzfristig Erleichterung, belasten den Darm aber zusätzlich und machen ihn langfristig sogar noch träger. Sollten Sie unter echter Verstopfung leiden, also über einen längeren Zeitraum hinweg weniger als drei Stuhlgänge pro Woche verzeichnen, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt“, lautet der Appell von Dr. Weiss.

Keine Reise ohne Fitnessprogramm, denn ein träger Bauch verdaut nicht gern. Selbst wenn Sie kein begeisterter Sportler sind: „Ob Stiegensteigen oder gezielte Bauchmuskelübungen – der Darm freut sich schon über kleine Aktivitäten im Alltag!“ so Primar Weiss. Auch Stress ist unserer Verdauung nicht zuträglich, auf regelmäßige Entspannung ist zu achten. „Bewusstes Genießen der Mahlzeiten und der Freizeit fördern eine geregelte Verdauung.“

Erste Station: Der Mund

Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, kann die Nahrungsreise los gehen. Erste Station ist der Mund, wo intensives Kauen auf dem Programm steht. Wer die Speisen gründlich zerkleinert, jeden Bissen mindestens 30 Mal kaut und gut mit Speichel vermengt, hat schon viel Vorarbeit für den weiteren Verdauungsprozess geleistet. Nun gelangt der Nahrungsbrei über die Speiseröhre in den Magen, wo saurer Magensaft dazugemengt wird. „Dadurch werden die Nahrungsbestandteile für die weitere Verdauung im Darm optimal vorbereitet“, erklärt Dr. Weiss.

Reiseziel: Dünndarm

Jetzt ist der Höhepunkt der Nahrungsreise erreicht, das Zentrum der Verdauung: der Dünndarm. Hier sind Milliarden von Zellen am Werk, die dafür sorgen, dass der Organismus die Nährstoffe aus der Nahrung zugeführt bekommt, die er für seine Energiegewinnung und für alle Stoffwechselfunktionen benötigt. „Damit die Nahrung die Darmwand passieren und ins Blut geschleust werden kann, muss sie in ihre kleinsten Bausteine zerlegt werden“, erklärt Dr. Weiss. Die Aufgabe der Zerlegung übernehmen Verdauungssäfte, für den Transport der Nährstoffe in die Blutbahn sorgen Moleküle. „Unverdauliche Substanzen, die nicht in ihre Einzelbausteine aufgespaltet werden können, landen im Dickdarm.“

Letzter Halt: Dickdarm

In dieser einen Meter langen Endstation der Verdauungsreise wird aus den unverdaulichen Speiseresten der Stuhl produziert. Dr. Weiss: „Bei vielen Menschen kommt es vor, dass dem Stuhl während des langsamen Transportes durch den Dickdarm zu viel Wasser entzogen wird, wodurch er sehr trocken und fest wird. Das muss nicht unbedingt zu Problemen führen. Falls doch Beschwerden auftauchen, so sind ungenügende Ballaststoff- und/oder Flüssigkeitszufuhr, Bewegungsmangel und Stress mögliche Ursachen dafür“, fasst Dr. Weiss zusammen.

Darmträgheit & Verstopfung

„Bleiben Sie gelassen!“ rät Dr. Weiss. „Täglicher Stuhlgang muss nicht unbedingt sein. Echte Verdauungsprobleme bestehen erst, wenn der Stuhl über längere Zeit zu selten, also seltener als drei Mal wöchentlich, zu hart oder trotz normaler Nahrungszufuhr zu wenig ausfällt.“ Im Idealfall wird man die letzten Verdauungsreste ohne große Pressanstrengung mindestens jeden zweiten Tag los. Ist das nicht der Fall, kann’s am stillen Örtchen anstrengend und schmerzhaft werden. Darmträgheit bzw. Verstopfung ist in den meisten Fällen durch Eigeninitiative in den Griff zu bekommen, also durch richtige Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr, mehr Bewegung und weniger Stress. „Bei jedem fünften bis zehnten Fall liegen allerdings organische Ursachen vor, die einer Abklärung durch den Arzt bedürfen“, klärt Primar Weiss auf. Wichtig: Halten Sie den Stuhlgang nicht unnötig lang zurück, sondern geben Sie ihm nach. Und: „Erpressen“ Sie ihn nicht, entspannt und gelassen geht auch hier vieles leichter!

Durchfall

Kurzzeitige Durchfallattacken können immer wieder auftreten. Sie sind meist auf verdorbenes oder unverträgliches Essen zurückzuführen oder Nebenwirkung bestimmter Medikamente. „Durchfall liegt medizinisch dann vor, wenn der in seiner Konsistenz verflüssigte Stuhl mehr als drei Mal pro Tag und in größeren Mengen als normal ausgeschieden werden muss. Dauert er über Wochen an, ist ärztliche Abklärung nötig“, sagt Primar Weiss.

Reizdarm – reine Nervensache?

Zehn bis 20 Prozent der Österreicher, vorwiegend Frauen, leiden unter dem sogenannten Reizdarmsyndrom. Es ist oftmals gekennzeichnet durch einen Wechsel von Durchfall und Verstopfung, dazu gesellen sich weitere Unannehmlichkeiten wie Bauchschmerzen, Blähungen, aber auch Unverträglichkeiten gegen bestimmte Speisen und Getränke. Über die Ursachen dieses Beschwerdebildes rätselt die Wissenschaft bis heute. Dr. Weiss: „Ängste, Stress und Probleme aller Art, die der Betroffene nicht ,verdauen‘ kann, zeigen sich mitunter in der Reizdarmsymptomatik.“ Nach jüngsten Erkenntnissen können Präparate mit Pfefferminzöl, das beruhigend und entkrampfend wirkt, dieses Leiden lindern.

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Verdauungsfreundlich esen

Bitte wählen Sie! Sicher ist auch für Ihren Geschmack etwas dabei: MEDIZIN populär bietet Ihnen drei Menüvarianten für einen darmfreundlichen Tag, zusammengestellt von Susanne Schilling, leitende Diätologin an der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien.

Variante 1

Frühstück:
Müsli mit Himbeeren
Vormittag: 2 Scheiben Vollkornbrot mit Hüttenkäse und 1/2 Paprika (rot oder gelb) Mittag: Gemüsesuppe Dinkelauflauf mit Salat 1 Apfel Jause: 1 Becher Joghurt
Abend: kleine Portion Vollkornteigwaren mit Gemüsesugo

Variante 2

Frühstück:
1 Kornspitz mit Butter und Käse, 1 Paradeiser
Vormittag: 1 Becher Joghurt mit frischen Erdbeeren und Leinsamen
Mittag: gebratener Viktoriabarsch, mit Wokgemüse (Zucchini, Sojakeimlinge, Karotten, Erbsenschoten, Porree, Champignons) und Naturreis, 1 reife Birne Jause: 1 Apfel
Abend: Heurige Erdäpfel mit Butter, saure Milch

Variante 3

Frühstück:
2 Scheiben Dinkelbrot, Butter, Schinken, Paprika, Gurkenscheiben Vormittag: 1 Apfel
Mittag: gebratener Lammschlögel mit Fenchelgemüse und Maisschnitte, frische Ananas Jause: Topfencreme mit Leinsamen und getrockneten Feigen
Abend: frischer österreichischer Schafmischkäse mit Kernöl, Balsamicoessig, Sonnenblumenkernen und Cocktailparadeisern, 1 Kürbiskernweckerl


Buchtipp

Unger, Viernstein:
Florale Gesundheit Mehr Lebensqualität und Wohlbefinden durch eine gesunde Bakterienflora
Verlagshaus der Ärzte
ISBN 3-901488-54-5
Eur 12,90 

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