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Was tun bei altersbedingter Mangelernährung?
Die Symptome sind so simpel wie augenscheinlich: Die Betroffenen essen weniger oder gar nicht. Sie stochern im Menü herum, rühren Fleischstücke kaum an, nehmen ein paar Löffelchen vom Püree, verweigern das Abendessen, weil sie von Mittag „noch voll“ sind – sie haben keinen Hunger, keinen Appetit, werden dünner und dünner. Wie man helfen kann.
Von Dr. Monika Berthold
Die Symptome sind so simpel wie augenscheinlich: Die Betroffenen essen weniger oder gar nicht. Sie stochern im Menü herum, rühren Fleischstücke kaum an, nehmen ein paar Löffelchen vom Püree, verweigern das Abendessen, weil sie von Mittag „noch voll“ sind – sie haben keinen Hunger, keinen Appetit! Wie ist das möglich? Fasching: „Dafür gibt es eine ganze Liste von Gründen. Sie reicht von Zahnproblemen über Verdauungsstörungen und Bewegungsmangel bis zu Demenz und Einsamkeitsgefühlen. Wer Zahnschmerzen hat, kann beim Schnitzel nicht zubeißen. Wer unter Bauchweh leidet, hat auf das schönste Sandwich keine Lust. Wer verwirrt ist, vergisst sogar aufs Essen, und alten Singles raubt das Alleinsein den Appetit.“
Nicht nur das Zuwenig-Essen ist schuld am oft erschreckend schnellen körperlichen Abbau alter Menschen. Auch einseitige Ernährung kann dazu führen – beispielsweise, wenn nur mehr Palatschinken oder Milchreis gegessen werden, weil das leicht zu kauen ist.
Das Bedrohliche ist auch nicht die Gewichtsabnahme selbst, sondern das, was bei Mangelernährung im Organismus passiert. Mangel an Eiweiß, Vitaminen und Spurenelementen führt zur Schwächung des Immunsystems, zu Gedächtnisstörungen, Sehschwäche, Verlust der Knochendichte und zu erheblichen Verzögerungen bei der Wundheilung.
Wie man helfen kann
Wer Oma jetzt umarmt, spürt nicht nur, dass sie dünner geworden ist. Man hat das Gefühl nur noch Haut und Knochen in der Hand zu halten, die Muskelmasse baut kontinuierlich ab. Oma geht unsicher, wirkt kraftlos, zittert. Eine Erkältung ist für sie eine mittlere Katastrophe. Sie fiebert oft, braucht Wochen, bis sie sich wieder erholt und nimmt naturgemäß noch weiter ab. Auch wenn sie dann gesundet, gelingt es kaum, dass sie wieder zulegt. Doz. Fasching, der seit Jahrzehnten die Ess-Szene von Senioren wissenschaftlich unter die Lupe nimmt: „Ein typisches Charakteristikum älterer Menschen ist das Unvermögen, Gewichtsverluste bei akuten Erkrankungen oder bei psychischen Problemen wie dem Tod des Partners aufzuholen.“
Kann man helfen? Ja, sagt Dr. Fasching. Zum Beispiel durch Veränderungen der bedrückenden Lebenssituation. Oma mit einem netten älteren Herrn verkuppeln? Warum nicht? „Wir würden jedenfalls Augen machen“, sagt der Arzt, „wie sich der Appetit der beiden steigern könnte.“
Weitere Möglichkeit: Oma in den Familienverband aufnehmen. Essen mit der ganzen Schar macht Freude und Hunger. Man hätte gleichzeitig die Seniorin und ihre Essgewohnheiten unter Kontrolle. Wiedergeburt der alten Großfamilie? Das wird sich in den meisten Haushalten kaum verwirklichen lassen. Aber man könnte Oma wenigstens einbinden, indem sie regelmäßig zum Abendessen kommt. Sofern sie noch rüstig ist, könnte sie sogar das Kochen übernehmen. Das bringt Oma nicht nur neue Freude am Essen, sondern auch das Gefühl des Gebrauchtwerdens.
In manchen Fällen hilft sogar die Übersiedlung in ein Seniorenheim – der alte Mensch ist nicht mehr allein, teilt Tisch und Gespräch mit Hausgenossen. Er braucht sich nicht mehr ums Einkaufen und Kochen kümmern, wird bedient wie in einem Hotel. Es gibt gar nicht so wenige ältere Singles, die im Seniorenheim regelrecht aufblühen und wieder Freude am Essen haben.
Die medizinische Therapie
Die zweifellos wichtigste Hilfe bei Mangelernährung ist jedoch eine medizinische Therapie, mit der dem Körper in Form von Nahrungsergänzungsmitteln das zugeführt wird, was ihm fehlt.
Das sind, wie aus wissenschaftlichen Studien hervorgeht, hauptsächlich Vitamin D, Kalzium, verschiedene B-Vitamine, Vitamin C und E sowie Folsäure.
Fasching: „Auf der Basis von medizinischen Untersuchungen haben wir nun einen ,Seniorendrink‘ entwickelt, der in Apotheken erhältlich ist und alles enthält, was der ältere Mensch braucht: von Eiweiß bis Selen, von Lutein bis Zink.“ Drei Esslöffel täglich können aus einem zitternden Alten wieder einen strammen Senioren machen: Der Gang wird plötzlich sicherer, Gedächtnis und Augen funktionieren besser, Schnupfen, Husten Heiserkeit sind kein Problem, Depressionen verschwinden, der Unternehmungsgeist kehrt zurück – die Lust am Leben kann man schlürfen.
Der „Seniorendrink“ wurde von Univ. Doz. Dr. Peter Fasching in Zusammenarbeit mit einer Pharmafirma entwickelt und ist in Apotheken unter dem Namen Multibionta Lebenstrank erhältlich. Der einzige, insbesondere für Senioren wichtige Nährstoff, der darin nicht in ausreichender Form enthalten ist, ist Kalzium, das im Bedarfsfall in Form von Brausetabletten dem Körper zugeführt werden kann.
Wichtig! Ältere Menschen, bei denen eine Mangelernährung vermutet wird, dürfen nicht mit irgendwelchen Vitaminpillen gefüttert werden. Notwendig ist eine Untersuchung des Ernährungszustandes, bei der Gewicht, Größe, Body Mass Index erhoben, die Ernährungsgewohnheiten erfasst, der körperliche, soziale und geistige Zustand untersucht und vor allem das Blut getestet wird, um festzustellen, woran es dem jeweiligen Patienten mangelt. Erst dann kann eine individuelle Rezeptur zur Nahrungsergänzung erstellt werden.
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Warum Senioren die Lust am Essen verlieren
Je älter man wird, umso weniger verlangt der Körper. Der Grund: Man bewegt sich weniger. Die Muskelmasse und der damit zusammenhängende Energiebedarf nehmen ab.
- Älteren schmeckt es mitunter nicht mehr. Viele leiden unter Mundtrockenheit, wodurch einem der Bissen regelrecht im Mund stecken bleibt. Oft kommen Schluckstörungen und Zahnprobleme dazu, Zähne schmerzen, fallen aus oder die Prothesen sitzen nicht richtig. Dazu kommt eine veränderte Hunger- und Sättigungsregulation. Bei älteren Menschen nimmt nicht nur das Durst-, sondern auch das Hungerempfinden ab.
- Verminderte Magensäureproduktion und Verdauungsstörungen können zu regelrechtem Widerwillen beim Essen führen.
- Auch bestimmte Krankheiten und Medikamente erweisen sich als erhebliche Appetithemmer. Menschen, die an Altersdemenz, an Alzheimer oder akuter Verwirrung leiden, wissen einfach nicht, wann sie essen müssen. Diese Patienten können ohne professionelle Pflege nicht mehr auskommen.
- Als wichtiger Einflussfaktor auf die Nahrungsaufnahme im Alter hat sich die Depression erwiesen. Wer traurig, unglücklich und hoffnungslos ist, hat keine Lust auf Saftbraten & Co.
- Nicht zu vergessen die sozioökonomischen Faktoren: Dazu gehören Einsamkeit genauso wie die finanzielle Situation (geringe Rente etc.) oder die Wohnsituation. Gehbehinderte Senioren, die in den oberen Stockwerken eines Hauses ohne Lift wohnen, verlieren zunehmend die Lust am Einkaufen oder an Restaurantbesuchen.
- Schließlich stellte man fest, dass auch das Bildungsniveau mitbestimmend ist. Geschulte Persönlichkeiten haben bis ins hohe Alter Interesse an Kultur, Natur, Büchern und Reisen, bleiben länger rege, aktiv, halten an gesunden Ernährungsgewohnheiten fest. Menschen aus niedrigeren Bildungsschichten werden im Alter manchmal uninteressiert, teilnahmslos und lassen sich auch beim Essen gehen.



