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Wie Deos & Co wirkenDie richtige Pflege im IntimbereichFrüchte für Haut und HaarPflegetipps für erschöpfte HautAchtung: Kosmetikprodukte haben ein Ablaufdatum!Wie gesund ist Naturkosmetik?
Natur-Kosmetika und -Pflegeprodukte erfreuen sich steigender Beliebtheit. Doch wer auf die natürlichen Mittel setzt, sollte vorsichtig sein: Denn wo Natur draufsteht ist nicht immer Gesundheit drin. Auch Algen, Kräuter, Öle & Co. lassen viele, die schön sein wollen, ganz gehörig leiden.
Von Mag. Sabine Stehrer
Das Übel kam über Nacht. Abends hatte Gerda F. ein Öl aufgetragen, das ihre Falten mindern sollte. Als sie morgens aufwachte, spürte sie ein Brennen im Gesicht. Im Badezimmerspiegel sah sie sich von kleinen, roten Pusteln übersät. Der Dermatologe diagnostizierte eine Kontakt-Allergie, hervorgerufen durch das Öl, ein kosmetisches Produkt, das nach Angaben des Herstellers ausschließlich aus pflanzlichen Inhaltsstoffen bestand. Gerda F. wusste, dass sie empfindlich ist und hatte deswegen extra zur Naturkosmetik gegriffen. Warum stufte ihre Haut ein natürliches Mittel als gefährlich ein und reagierte allergisch? Ist das normal?, fragte sie sich.
„Vollkommen normal“, sagt Univ. Prof. Dr. Eva- Maria Kokoschka, Dermatologin am Wiener AKH. So wie Frau F. geht es vielen, die sich sicherheitshalber auf Produkte verlassen, die laut Beipacktext „natürlich“, „auf Pflanzenbasis“ und „frei von Konservierungsstoffen“ hergestellt sind.
Cocktails aus bis zu 100 Stoffen
Wer die vermeintlich hautschonenden Mittel verwendet und dies mit Pusteln, juckenden Hautstellen, Schuppenbildung und anderen Beschwerden büßt, erschrickt meist, sagt Prof. Kokoschka. „Die Betroffenen können sich nicht vorstellen, dass auch natürliche Produkte unter Umständen die Haut reizen.“ Doch genauso wie herkömmliche, chemisch-synthetisch hergestellte Mittel bestehen auch die Natur-Kosmetika und -Pflegeprodukte aus einer Mischung sehr vieler verschiedener Substanzen. Oft handelt es sich bei den Cremen und Ölen um Cocktails aus bis zu 100 mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Stoffen. Prof. Kokoschka: „Und prinzipiell ist jede einzelne dieser Substanzen dazu in der Lage, eine Allergie auszulösen.“
Was die Ärztin sagt, macht deutlich: Wo Natur draufsteht, ist noch lang nicht Gesundheit drin. Zwar verzichtet man bei der Herstellung von Natur-Produkten meist auf chemische Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Parfum-Zusätze, doch auch sie sind anfällig für einen Bakterien- und Pilzbefall und müssen haltbar gemacht werden. Dafür werden häufig ätherische Öle verwendet, die nach Schätzungen der Mediziner bei jedem Vierten allergische Reaktionen auslösen.
Weitere Essenzen, die oft zugesetzt werden, sind natürliche Duftstoffe – auch sie können Empfindlichen zu schaffen machen. Tückisch sind Produkte, die so genannte photosensible Inhaltsstoffe enthalten, wie zum Beispiel einen Sellerie- oder Zitronen-Zusatz. Sie können unter Sonnenbestrahlung zu Hautschäden führen. Die Verträglichkeit von Produkten, die auf der Basis von Blättern, Blüten, Früchten, Kräutern oder Meeresalgen hergestellt wurden, hängt nicht nur von zugesetzten Inhaltsstoffen ab, sondern darüber hinaus von Umwelteinflüssen am Ort der Ernte. Prof. Kokoschka: „Es ist ein Unterschied, ob die Algen für ein Produkt aus dem Golf von Neapel geerntet wurden, oder ob sie aus einem unverschmutzten Teil des Atlantik stammen.“ Sensible Haut kann gegen Rückstände von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln rebellieren oder auch gegen Spuren von Auto-Abgasen, die oft selbst in jenen Produkten enthalten sind, die aus kontrolliert-biologischem Anbau kommen.
In der Armbeuge ausprobieren
Allen, die empfindlich sind, rät Prof. Kokoschka zu einer simplen Vorsichtsmaßnahme: „Man sollte ein Produkt testen, ehe es im Gesicht oder großflächig am Körper aufgetragen wird.“ Und das geht so: Eine kleine Portion in die Armbeuge geben und ein paar Stunden einwirken lassen. Wenn die Stelle rot wird, zu brennen oder zu jucken beginnt: Weg mit dem Mittel! Wenn nichts passiert, den Test am nächsten Tag wiederholen. Erst wenn das Immunsystem auch beim zweiten Kontakt Ruhe gibt, ist das Mittel – höchstwahrscheinlich – gut verträglich. Nur: Eine endgültige Garantie gibt es nicht. Manchmal entwickeln sich Allergien auf bestimmte Produkte auch erst nach wochen-, monate-, oder sogar jahrelanger folgenloser Verwendung.
Bei Reaktionen bitte zum Arzt!
Brennt die Haut oder zeigen sich rote Flecken, gilt: Je schneller zum Arzt, desto besser. Behandelt werden Kontakt-Allergien mit Salben, manchmal auch mit Tabletten. Wer gegen die Hauptsubstanz eines Produkts allergisch ist und beispielsweise Teebaumöl oder Ringelblumen per se nicht verträgt, hat es vergleichsweise leicht, da das Problem genauso schnell zu erkennen wie zu beseitigen ist. Prof. Kokoschka: „Hier kann ich gezielt gegen den Allergie-Auslöser vorgehen, und die Patientin kann allergische Reaktionen in Zukunft ganz einfach vermeiden, indem sie Produkte nicht mehr verwendet, die die Allergie-auslösende Substanz enthalten.“
Schwieriger wird es, wenn die Haut auf Zusätze zu Öl, Creme & Co. reagiert, die nicht der Deklarierungspflicht unterliegen und deswegen auch oft nicht als Inhaltsstoff angegeben sind. „Wenn ich nicht weiß, was in dem Mittel drin ist, und daher den Allergie-Auslöser nicht identifizieren kann, tue ich mir bei der Behandlung schwer und muss nach dem Gießkannenprinzip vorgehen“, sagt Prof. Kokoschka. Eine strengere als die geltende Deklarierungspflicht für Natur-Kosmetika und -Pflegeprodukte ist eine Forderung der Mediziner an die Gesetzgeber. Bis so eine Pflicht kommt, kann aber noch einige Zeit vergehen.
Gütesiegel bestenfalls Orientierungshilfe
Naturkosmetik – gut oder schlecht? Bevor man sich in dieser Frage auf Qualitätsnachweise wie Gütesiegel, Prüfzeichen oder Zertifikate verlässt, sollte man eines wissen, sagt Dr. Erich Leitner, Geschäftsführer der Gesellschaft Österreichischer Chemiker (GÖCH): „Da es keine wissenschaftlich schlüssige, gültige Legaldefinition von Naturkosmetik gibt, existiert auch kein allgemein anerkanntes Gütesiegel.“ Jene Qualitätsnachweise, die von meist auf Vereinsbasis organisierten Herstellern und Interessenten geschaffen wurden, seien „als Orientierungsangebot zu begrüßen“. Das allerdings nur dann, wenn ersichtlich ist, nach welchen Kriterien die
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Milch und Gurke – ja oder nein?
Was für Natur-Kosmetika und -Pflegeprodukte gilt, gilt auch für die Natur pur, wie für Gemüse, Obst und Milchprodukte.
- Wer zum Beispiel eine Eiweiß-Allergie hat, sollte sicherheitshalber nicht Kleopatras Beispiel folgen und in Esels- oder anderer Milch baden. Statt samtweicher Haut drohen Flecken, Pusteln & Co.
- Die berühmten Gurkenscheiben auf den Augen und im Gesicht enthalten unter anderem Aminosäuren, die nicht nur die Haut straffen, sondern bei Empfindlichen darüber hinaus rote Flecken erzeugen können.
- Joghurt oder Topfen im Gesicht mögen regenerierend wirken, aber sie führen wegen der Säurewirksamkeit in manchen Fällen auch zu Hautirritationen.
- Ähnlich unliebsame Überraschungen drohen je nach individueller Sensibilität beim Auflegen von Brombeeren gegen unreine Haut, wenn Äpfel gegen das müde Gesicht zum Einsatz kommen, oder wenn Gesichtsdampfbäder mit Kräuterzusätzen genommen werden.



