Reiten: Gesund und glücklich im Galopp

Juli 2006 | Fitness & Entspannung

Warum ein Reiturlaub Balsam für Körper und Seele ist
 
Haben Sie auch schon einmal davon geträumt, auf dem Rücken eines Pferdes an einem Seeufer entlangzugaloppieren? Oder lässig wie ein Cowboy in der Abenddämmerung durch die Weiten der pannonischen Tiefebene zu traben? Dann erfüllen Sie sich diesen Traum und buchen Sie einen Reiturlaub! Schon bei den ersten Versuchen werden Sie merken, wie gut das tut.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Zugegeben: Anfänger müssen ein wenig Geduld aufbringen, bis sie das sprichwörtlich größte Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde erleben können. Reiten sieht zwar einfach aus, ist es aber nicht. Zuerst muss die Angst vor dem Pferd und dem Hinunterfallen überwunden werden. Außerdem darf man die Anstrengung nicht scheuen. Denn Reiten beansprucht den Körper ganz gehörig, und konzentrieren muss man sich auch, vor allem als Neuling, wenn man noch nicht ganz Herr der Lage ist. Doch der Weg vom Anfänger zum Fortgeschrittenen ist binnen einer Urlaubswoche zu schaffen. Vorausgesetzt, man entscheidet sich für das richtige Programm zum Beispiel in einem der Reitzentren in Österreich, die sich zur Angebotsgruppe „Reitarena“ zusammengeschlossen haben.

Am Ende der Grundausbildung kann man meist bereits einen kurzen Ausritt wagen – und die Natur aus einem völlig neuen Blickwinkel erleben. Wer höhere Ambitionen hegt und wie ein Cowboy durch die Landschaft reiten will, braucht schon etwas länger. Nach zirka 50 Stunden Unterricht sollte man aber am Ziel seiner Träume sein.

Reiten macht den Rücken stark
Die Mühe lohnt sich allemal, denn die Bewegung mit dem Pferd macht erwiesenermaßen fit und gesund. Das wusste bereits Hippokrates, der seinen Zeitgenossen in der Antike dazu riet, sich durch Gehen, Gymnastik und Reiten körperlich zu ertüchtigen. Und das weiß auch der Grazer Sportmediziner und Unfallchirurg Dr. Peter Panzenböck. „Allen, die nicht gerade einen Bandscheibenvorfall, einen Herzinfarkt oder einen Knochenbruch hinter sich haben, ist das Reiten zu empfehlen.“

Warum? Reiten steigert die Beweglichkeit, es trainiert den Gleichgewichtssinn, erhöht die Koordinationsfähigkeit, verbessert die Ausdauer und kräftigt die Muskeln des gesamten Körpers. Besonders gut tut der Sport dem Rücken. „Beim Reiten wird der Rücken richtig durchgearbeitet“, sagt Dr. Panzenböck. „Das beugt Bandscheibenvorfällen und Haltungsschäden vor und kann sogar bestehende Haltungsschäden zum Verschwinden bringen.“ Auch die Beckenbodenmuskulatur profitiert von der Bewegung mit dem Pferd, sie wird durch das häufige Kippen der Hüfte gekräftigt, was Inkontinenz vermeiden hilft.

Nach einer soliden Ausbildung, die die Gefahren des Sportes mindert, macht sich langsam, aber sicher noch eines bemerkbar, sagt der Mediziner, der selbst ein erfahrener Reitsportler ist: die wohltuende Wirkung auf die Psyche. Dr. Panzenböck: „Wenn man reiten kann, ist das Pferd wie ein Spiegel, es bewegt sich, man bewegt sich mit, man wird ruhig, schaltet ab, Stressgefühle verflüchtigen sich.“ Und von da an ist es nicht mehr weit bis zum legendären Glücksgefühl.

Gut gerüstet aufs Pferd
Wer sich für einen Reiturlaub entscheidet, sollte sich richtig auf die neue Herausforderung vorbereiten. Dr. Panzenböck empfiehlt ein Ausdauertraining, zum Beispiel auf einem Laufband, sowie die Kräftigung des Körpers durch Gymnastik oder Hanteltraining. Und unmittelbar bevor man aufs Pferd steigt, sollte man sich aufwärmen, „am besten durch Hampelmannübungen“, und die Muskeln dehnen.

Absolutes Muss ist ein gut sitzender Reithelm, den man in guten Reitzentren ausleihen kann. Frauen wird das Tragen eines Sport-BHs empfohlen, der die Erschütterungen auffängt, Männer sollten zum Schutz der Hoden eng anliegende Unterhosen anziehen. Anfangs kommt man ansonsten mit Jeans und Turnschuhen aus. Wer vorhat, beim Reiten zu bleiben, ist mit der Anschaffung von Reitstiefeln gut beraten, die den Fuß schützen und einen besseren Halt in den Steigbügeln geben. Auch Reithosen sind zu empfehlen, die Lederflecken sorgen für mehr Haftung im Sattel. Reithandschuhe zum Schutz vor Blasen und eine Schutzweste, die beim Sturz vom Pferd zum Beispiel Rippenbrüche verhindern kann, machen die Ausstattung eines Reiters komplett.

50 Stunden bis zum Genuss
„Wer reiten lernen will, der lernt es, und den macht es nach einiger Zeit garantiert auch glücklich.“ Das sagt einer, der es wissen muss: Siegfried Schneider, der seit 29 Jahren Reitlehrer ist. In dieser langen Zeit hat er naturgemäß viel Erfahrung mit Anfängern gemacht. Schneider über die größten Schwierigkeiten beim ersten Mal: „Am Anfang steht die Angst. Die hat jeder. Ihr muss man sich stellen, um sie zu verlieren.“ Ist die erste Annährung an das Pferd geglückt, muss der Sattel erobert werden. Wer es aus eigener Kraft nicht schafft, kann ein Stockerl als Aufstiegshilfe benutzen. Und nun heißt es geduldig sein. Und zwar so lange, bis sich in der Bewegung mit dem Pferd das richtige Balancegefühl entwickelt hat.

Bei Schneider, der derzeit im Landhotel Kleebauer in Altenfelden im Mühlviertel unterrichtet, werden die Pferde mit den Anfängern auf dem Rücken zunächst an der Longe geführt. Erst wenn die Reiter die drei Grundschrittarten Schritt, Trab und Galopp in Harmonie mit dem Pferd mitmachen können, dürfen sie ohne Hilfe reiten. Wie lang es dauert, bis es so weit ist? Nach den Erfahrungen des Reitlehrers zehn bis 15 Stunden bei Erwachsenen und fünf bis sieben Stunden bei Kindern. Die Knirpse haben es deswegen leichter, weil sie sich ohne viele Gedanken an die Bewegung des Tieres anpassen. Um das Reiten in vollen Züge(l)n genießen zu können, braucht man allerdings mehr als 15 Stunden, sagt Schneider. „Das ist von Mensch zu Mensch verschieden, aber ich denke, das sind durchschnittlich so 50 Stunden.“

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Kontakttipp
Reitarena Austria, Zusammenschluss aller österreichischen Reitsporthotels, die maßgeschneiderte Urlaubsprogramme mit Spezialkursen für Reiteinsteiger und Programme für Fortgeschrittene in den Disziplinen Dressur, Springen, Fahren, Vielseitigkeit, Voltigieren, Westernreiten bieten. Telefon: 07282/59 92,
Internet: www.reitarena.at 
E-Mail: reitarenano@sonicht.upperaustria.or.at

   

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