Wandern mit Schneeschuhen

Januar 2006 | Fitness & Entspannung

Alter Sport im neuen Kleid
 
Haben Sie nicht auch schon öfter Lust verspürt, sich abseits ausgetretener Pfade und Wanderwege durch die zauberhafte Winterlandschaft zu bewegen? Dann versuchen Sie es einmal mit Schneeschuhwandern. Diese altbewährten Fortbewegungsmittel verschaffen Ihnen unvergleichliche Naturerlebnisse und sind obendrein gesund.
 
Von Mag. Wolfgang Bauer

Naturverbunden war der Innsbrucker Walter F. (34) schon immer. Und so ließ er sich auch von einer dicken Neuschneedecke nicht von einem Spaziergang im freien Gelände abhalten – aber das bereute er bald. Beim Fußmarsch über eine Wiese sank er immer wieder bis zu den Knien im nahezu meterhohen Schnee ein. Innerhalb kürzester Zeit war er erschöpft und jeder Schritt wurde zur Qual.

Kein tiefes Einsinken möglich
Freunde machten Walter F. auf eine andere Möglichkeit aufmerksam, seine gewohnten Naturerlebnisse zu genießen und diese Chance ließ er sich nicht entgehen. Er besorgte sich Schneeschuhe und stapfte mit diesen Sportgeräten an den Füßen über die selbe Wiese – diesmal aber, ohne einzusinken, er kam relativ flott voran und ist seither ein begeisterter Schneeschuhwanderer. Kein Wunder. Diese einfachen Geräte aus Holz, Aluminium oder Plastik mit einer Größe zwischen einem Tennisschläger und einem Kurzski und einem Gewicht bis zu 2,5 Kilogramm verfügen über die geniale Eigenschaft, dass sie das Gewicht des Wanderers auf eine größere Fläche verteilen und so ein stärkeres Einsinken verhindern. Messungen haben ergeben, dass die punktuelle Belastung der Schneedecke bei einer Person mit Schneeschuhen fast vier Mal geringer ist als mit Bergschuhen. Schneeschuhwandern ist also im tiefen Schnee ökonomischer als Zu-Fuß-Gehen. Man muss sich lediglich an ein etwas anderes Gehen gewöhnen, etwas breitbeiniger stapfen und dabei die Füße  etwas mehr anheben als beim Gehen auf der Straße.

Ungefährlich und gesund
Die Belohnung für diese Art der Fortbewegung folgt auf des Wanderers Fuß. „Schneeschuhwandern ist ein ausgezeichnetes Ausdauertraining mit positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem. Es ist eine ungefährliche Sportart, die jeder in wenigen Stunden erlernen kann“, sagt Univ. Prof. Dr. Wolfgang Domej von der Abteilung für Pulmologie an der Medizinuniversität Graz. „Durch die gleichmäßige Schrittfolge kommt es zu einer ausgewogenen Belastung, die man in dieser Konstanz sonst nur am Ergometer erreichen kann“, so der Alpinmediziner.

Alu oder Plastik?
Was die Wahl der Schneeschuhe betrifft, so verweist der Wander- und Schneeschuhexperte Mag. Csaba Szepfalusi aus Wien auf die Beratung im gut sortierten Sportartikelhandel:   

„Ob Sie etwas längere Geräte aus Aluminium oder die breiteren aus Plastik benötigen, hängt von Ihrem Körpergewicht und vom Einsatzgebiet ab. Nebenbei bemerkt: Die beliebtesten Touren der Schneeschuhwanderer führen durch nicht zu steiles, leicht kupiertes Gelände. Lange Anstiege mit vielen Höhenmetern sollten hingegen für konditionsstarke Skitourengeher vorbehalten bleiben.“

Krallen und Stöcke
Schneeschuhe haben einfache Bindungen, in die man mit jedem Schuh einsteigen kann. Am besten geeignet sind wasserdichte Bergschuhe, darüber eventuell Gamaschen, damit die Füße nicht schneenass werden. Harscheisen oder Krallen verhindern bei hartem Schnee ein Abrutschen, Teleskopskistöcke erleichtern die Fortbewegung.

„Wie alle Wintersportler sollten auch Schneeschuhwanderer eine funktionelle Bekleidung tragen, also eine Unterwäsche, die den Schweiß von der Haut wegtransportiert. Die Außenbekleidung wiederum soll wind- und wasserdicht sein“, sagt Prof. Domej. Dazu im Rucksack eine Thermoskanne mit leicht gesüßtem Tee und ein paar Müsliriegel – und die Ausrüstung ist perfekt. Wer dann noch eine lawinensichere Route wählt, der hat die besten Voraussetzungen für ein unvergleichliches Naturerlebnis geschaffen.

ACHTUNG LAWINENGEFAHR
In steilem alpinen Gelände ist auch mit Lawinengefahr zu rechnen und deshalb sollte man eine entsprechende Ausrüstung mitnehmen. Dazu gehören: ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät („Piepserl“, das man stets am Körper trägt), eine zerlegbare Stabsonde sowie eine zerlegbare Lawinenschaufel.

Woher kommt der Schneeschuh?
Ursprung und Alter der Schneeschuhe sind unbekannt. Einen frühen Beleg für ihre Benutzung liefert der griechische Historiker und Philosoph Strabo, der zur Zeit von Christi Geburt festhielt, dass die Bewohner des Kaukasus-Gebietes flache Lederflächen benutzten, um nicht im Schnee zu versinken.

Vor allem bei den indigenen Stämmen Nordamerikas war der Schneeschuh seit alters her gang und gäbe. Die einen hatten kurze dreieckige Holzgeräte, bei anderen – wie dem Indianervolk der Cree – waren die Schneeschuhe so lang wie moderne Skier. Schneeschuhe wurden allmählich auch von den Europäern in Nordamerika übernommen. Holzfäller, Fährtensucher, Jäger und alle Abenteurer, die in den langen schneereichen Wintern in der Wildnis unterwegs waren, schworen auf diese praktischen Fortbewegungsmittel. Seit einigen Jahren werden sie in unseren Breiten als Sportgerät verwendet.

Richtige Gehtaktik
Spuren anlegen: Schneeschuhwandern ist nicht schwer. Doch hat immer derjenige, der die Spur anlegt, die meiste „Arbeit“ zu leisten. Daher: In der Gruppe sollte alle zehn bis 15 Minuten jemand anderer die Spurarbeit übernehmen.

  • Bergauf gehen: Da Querungen mit Schneeschuhen unangenehm sind (seitliches Abrutschen), geht man am besten in Falllinie aufwärts. Sollte man in steilerem Gelände zurückrutschen, empfiehlt sich der „Entengang“ mit der V-Stellung der Schneeschuhe (Abbildung 1).
  • Bergab gehen: Auch runter geht man am besten in Falllinie (Abbildung 2).
  • Bewährt hat sich – vor allem in steilerem Gelände – ein weiter Ausfallschritt.

Achtung: Wenn es zu steil wird, besteht – vor allem bei hartem Schnee – die Gefahr, auszurutschen – und dann wird es haarig, denn Bremsen ist mit Schneeschuhen kaum möglich.   

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