Karlheinz Hackl

Juni 2006 | Prominente & Gesundheit

„Auf der Bühne sterben will ich sicher nicht!“
 
Vor wenigen Wochen durfte der unverbesserliche Workaholic Karlheinz Hackl die frohe Botschaft entgegen nehmen: Sie sind gesund! MEDIZIN populär fragte den 57-Jährigen Schauspieler und Regisseur, wie er es schaffte, die schwere Zeit der Krankheit, Operation und Behandlung zu überstehen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär:
Herr Hackl, wie geht es Ihnen?

Karlheinz Hackl:
Danke, mir geht es jetzt sehr gut. Denn vor wenigen Wochen erst haben mir die Ärzte gesagt, dass ich geheilt bin.

Sie hatten einen Gehirntumor und mussten sich einer schweren Operation und einer langen Behandlung unterziehen. Wie haben Sie es geschafft, das alles durchzustehen?

Dass das Geschwür im Gehirn, das mir entfernt werden sollte, ein bösartiger Tumor war, hat sich erst nach der Operation herausgestellt, und da habe ich lange Zeit selbst nicht gemerkt, in welchem Zustand ich mich befinde. Ich war zehn Wochen ohne Bewusstsein, ich war quasi tot, die meisten Leute hatten mich schon abgeschrieben. Als ich dann aufgewacht bin, habe ich gedacht, ich liege jetzt da, und die Ärzte um mich werden schon wissen, was sie mit mir machen. Ich habe ihnen vertraut, ich habe mich sicher gefühlt. Später ist mir erzählt worden, dass ich in dieser Zeit ziemlich aggressiv war und nicht einmal meine Töchter erkannt habe.

Wann und wie haben Sie bemerkt, dass mit Ihrer Gesundheit etwas nicht in Ordnung war?

Das war Ende 2002, Anfang 2003. Mir war immer so schlecht, ich habe aber gedacht, das ist ein Problem, das von selber vorübergeht. Ich habe die Übelkeit auf die anstrengende Rolle zurückgeführt, die ich grad gespielt hab’, das war der Lips in Nestroys Zerrissenem. Irgendwann habe ich mich dann doch untersuchen lassen, da ist auch eine Computer-Tomographie gemacht worden, und man hat das Geschwür entdeckt. Drei Tage später wurde ich operiert.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus haben Sie sich gleich so gut gefühlt, dass Sie wieder auf die Bühne wollten?

Nein, mir ist es lange Zeit sehr schlecht gegangen. Ich war nach dem Krankenhaus noch zwei Monate lang auf Rehabilitation. Ich hatte extreme Koordinierungsschwierigkeiten und noch bis vor einem Jahr ständig so einen Linksdrall. Psychisch hatte ich auch Probleme. Als ich heimgekommen bin, hat meine kleine Tochter nicht mehr gewusst, wer ich bin, und ich war furchtbar eifersüchtig auf meine Frau. Außerhalb der Familie und des Freundeskreises hat man gesagt, von dem muss man die Finger lassen, der ist ja krank. Trotzdem haben mir alle auf die Schulter geklopft. Dann wollte ich unbedingt eine Lesung machen, und da haben sie gesagt, wenn er das möchte, geben wir ihm halt eine Chance.

Das war „Amüsantes Amouröses“ …

Dafür brauchte ich nur da sitzen und lesen. Da konnte ich gut verstecken, dass ich diesen Linksdrall hatte. Das Verbeugen musste ich allerdings lang üben.

Wenig später sind Sie aber wieder als „Herr Lips“ auf der Bühne gestanden …

Ich habe wieder die anstrengede Rolle gespielt, die mich krank gemacht hat, das ist schon paradox.

Hat sich Ihre Lebenseinstellung durch die Krankheit geändert?

Früher habe ich immer gedacht, mir vergeht die Zeit zu langsam. Das ist nun anders. Ich möchte jetzt noch möglichst lang leben. Ich mache auch eine Psychotherapie, die tut mir sehr gut.

Ernähren Sie sich gesünder, betreiben Sie mehr Sport?

Ich mache Nordic Walking und physiotherapeutische Übungen. Außerdem nehme ich kinesiologische Mittel und tibetische Kräuter, trinke nicht mehr so viel Kaffee wie früher, sondern stattdessen mehr Wasser und statt zwei Viertel Wein zwei Achtel.

Bei der Arbeit schränken Sie sich offenbar nicht ein.

Nein, ich war vor der Krankheit ein Workaholic, und das bin ich jetzt auch noch.

Sie stellen sich häufig in den Dienst von Initiativen, die Krebskranken und ihren Angehörigen Mut machen.

Ich erzähle ihnen, wie ich die Krankheit und die Folgen erlebt habe, und das hilft ihnen. Darum mache ich das gern und werde es auch weiterhin tun.

Welche Ziele haben Sie für Ihr Leben abseits der Öffentlichkeit? Vielleicht eine schöne Reise?

Meine nächste Reise geht nach Zakynthos, da werde ich diesen Sommer zwei Wochen Urlaub machen. Ansonsten weiß ich: Auf der Bühne sterben will ich sicher nicht. Wenn ich spüre, dass die Zeit dafür gekommen ist, mache ich dort Platz für andere.

Zur Person
Karlheinz Hackl wurde am 16. Mai 1949 in Wien geboren. Nach der Matura studiert er Betriebswirtschaft und absolviert eine Schauspielschule. Danach erhält er diverse Theater-Engagements und wird 1978 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. 1988 feiert er mit Neil Simons „Brooklyn Memoiren“ sein Regiedebüt. Er erfreut sich zahlreicher Musicalerfolge und wirkt auch in TV- und Kinofilmproduktionen mit. Ab 1996 unterrichtet „Kammerschauspieler“ Hackl als Professor am Wiener Reinhardt-Seminar. 2003 wird bei ihm ein Gehirntumor entdeckt. Krankheit, Operation und Behandlung zwingen ihn fast zwei Jahre lang zu pausieren, ehe er Anfang 2005 auf die Wiener Bühnen zurückkehrt. Seit 1997 ist Hackl in zweiter Ehe mit der um 25 Jahre jüngeren Schauspielerin Maria Köstlinger verheiratet, mit der er Tochter Melanie, 4, hat. Aus erster Ehe stammen zwei erwachsene Töchter.

Ausgabe 06/2006

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