Körperpflege im Sommer

Juli 2007 | Kosmetik & Pflege

Die ganze Wahrheit rund um die Körperpflege im Sommer
 
Manche Märchen und Mythen über die Schönheits- und Körperpflege in der heißen Jahreszeit halten sich hartnäckig. MEDIZIN populär klärt auf, welche in Grimms Schatzkästlein und welche ins Reich der Wirklichkeit gehören.
 
Von Mag. Petra Hauk

Sommersprossen haben gar nichts mit dem Sommer zu tun.

Falsch.
Denn die Sonne ist dafür verantwortlich, dass die kessen Pünktchen zu „blühen“ beginnen. Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz erklärt, wie Sommersprossen entstehen: „Trifft Sonnenlicht auf die Haut, wird ein Schutschild in den Zellen aktiviert: der braune Farbstoff Melanin, den wir als Bräunung wahrnehmen. Bei manchen Menschen spannt sich dieser körpereigene Sonnenschirm aber nicht gleichmäßig auf. Einige Zellen lagern den dunklen Farbstoff stärker und schneller ein als andere Hautzellen. Die Folge dieser ungleichmäßigen Verteilung bezeichnen wir umgangssprachlich als Sommersprossen.“
Ob man den Pippi-Langstrumpf-Look liebt oder nicht, ist eine Geschmacksfrage. Auf jeden Fall ist er ein Hinweis auf eine besonders lichtempfindliche Haut. Prof. Kopera: „Die Eigenschutzzeit dieser Hauttypen beträgt oft nur zehn Minuten. Das bedeutet: Danach reagiert die ungeschützte Haut mit einem Sonnenbrand. Deshalb sind Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor, die gegen UVA- und UVB-Strahlung wirken, für Menschen mit Sommersprossen besonders wichtig.“
Übrigens: Wer die Pünktchen mit Hausmitteln wie Zitronensaft zum Verschwinden bringen möchte, sollte aufpassen. Die Sommersprossen werden zwar kurzfristig tatsächlich heller, die Haut wird durch die Säure aber langfristig in Mitleidenschaft gezogen. Wer außerdem noch während dieser Behandlung in der Sonne „brutzelt“, muss mit unschönen braunen Flecken rechnen.


Kalte Duschen bringen keine anhaltende Abkühlung.

Richtig.
Wenn es drei Krügerln im Schatten hat und man am liebsten im Kühlschrank übernachten würde, sollte man paradoxerweise warm duschen. Der Grund: Kaltes Wasser bringt zwar einen Kühleffekt – aber der hält nicht lange an, erklärt Prof. Kopera: „Denn durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße der Haut zusammen, die gespeicherte Wärme kann nun viel schlechter an die Umgebung abgegeben werden. Durch eine lauwarme Dusche hingegen erweitern sich die Blutgefäße, die Hitze wird schneller nach außen abgegeben, der Körper kann leichter abkühlen.“


Die Sonnencreme vom Vorjahr darf man nicht mehr verwenden.

Richtig.
Allerdings kommt es darauf an, ob die Packung originalverschlossen oder bereits in Verwendung war. Im ersten Fall, erklärt Dr. Kopera, muss man keine Bedenken haben. Sonnenschutzmittel werden mit Konservierungsstoffen haltbar gemacht, die die Filterwirkung
für längere Zeit erhalten. „Bei offenen Packungen“, so Prof. Kopera, „ist das nicht mehr so sicher. So können Sauerstoff und falsche Lagerung – die Flasche ist etwa lange in der prallen Sonne herumgelegen – den Lichtschutzfaktor vermindern. Hier ist es dem eigenen Hautschutz zuliebe sicherer, neue Produkte zu kaufen.“


Sonnenstrahlen sind gut gegen Hautunreinheiten.

Richtig.
Unser zentrales Himmelsgestirn hat richtig dosiert viele gute Seiten. Eine davon ist, dass der Stoffwechsel angekurbelt wird. Wer unter Wimmerln oder leichter Akne leidet, kann also von kurzen Sonnenbädern profitieren, erklärt Prof. Kopera: „Die entzündeten Hautstellen heilen aufgrund der besseren Durchblutung rascher ab. Allerdings kann es durch die stärkere Verhornung der Oberhaut zu einer vermehrten Mitesserbildung kommen. Bei schweren Akneformen sollte man besser im Schatten bleiben.“ Der Grund: Einige dermatologische Therapien gegen die Verhornungsstörung vertragen sich nicht mit Sonnenlicht, zum Beispiel Vitamin A-Säure oder Antibiotika.
Wichtig: Auch wer unter Wimmerln leidet, darf nicht auf entsprechenden Sonnenschutz verzichten! Denn ein Sonnenbrand ist bei unreiner Haut genauso schädlich wie bei Pfirsichteint. Daher immer auf spezielle Sonnenpflege für unreine Haut achten!


Offenes Schuhwerk beugt Schweißfüßen vor.

Richtig. Denn in Sandalen kann der entstehende Schweiß verdunsten, die Füße bleiben trocken und Bakterien haben es erheblich schwerer sich anzusiedeln. Somit können üble Gerüche erst gar nicht entstehen. Freilich: Zum Verschwinden bringt leichtes Schuhwerk das Problem leider nicht, erklärt Prof. Kopera: „Wer eine Veranlagung zu verstärkter Schweißbildung hat, wird diese auch durch Sandalen nicht los. Aber zumindest lässt sich durch diese und zahlreiche andere Maßnahmen die Symptomatik mildern.“

Sonne und Parfüm vertragen sich nicht.

Richtig. Parfüms enthalten ätherische Öle, synthetische Duftstoffe und oftmals Alkohol zur Konservierung. Auf der Haut können diese Inhaltsstoffe mit Sonnenlicht reagieren und zu unschönen Pigmentflecken führen. Wer an Strand und See trotzdem nicht auf seinen Lieblingsduft verzichten will, sollte in der Parfümerie nachfragen: Viele Hersteller bieten im Sommer Versionen ihrer Duftlinien an, die ausdrücklich sonnentauglich sind.


Helle Augen sind lichtempfindlicher als dunkle.

Richtig.
Wie die Blende einer Kamera regelt der farbige Teil des Auges, die so genannte Regenbogenhaut oder Iris, den Lichteinfall ins Auge. Je heller die Augenfarbe, umso weniger Farbpigmente befinden sich in den Zellen und umso leichter dringt das Licht durch.
Für Menschen mit blauen, grauen oder hellgrünen Augen ist eine qualitativ hochwertige Sonnenbrille im Sommer daher Pflicht. Denn UV-Strahlen können Schäden am Auge wie eine Binde- oder Hornhautentzündung verursachen. Übrigens: Wer am Meer oder im Gebirge unterwegs ist, sollte die Sonnenbrille auch an trüben Tagen tragen, weil die UV-Strahlen hier aggressiver sind.


Auch auf den Lippen kann man einen Sonnenbrand bekommen.

Falsch.
Denn in der Lippenhaut sitzen keine Pigmentzellen, die unter Sonnenlicht einen braunen Farbstoff produzieren würden. Das heißt aber nicht, dass die Sonne an dieser Körperpartie keinen Schaden anrichten kann. Denn den Lippen fehlen viele Schutzfunktionen, die die übrige Haut hat: So gibt es hier keine fettenden Talg- oder Schweiß-Drüsen.
Außerdem ist die oberste Schicht der Lippen extrem dünn: Sie besteht lediglich aus drei bis fünf Zellschichten, während die übrige Gesichtshaut etwa viermal so dick ist. Daher können hohe (und natürlich auch tiefe) Temperaturen der dünnen Hornschicht ordentlich zusetzen. Die Folge: Die Lippen werden rissig und trocken. Wer sich vor der Sonne schützen will, sollte also spezielle Lippen-Sonnenschutzstifte mit UV-Filter benutzen.


Sonnencreme wirkt nicht, wenn man Make-up darüber aufträgt.

Falsch.
Und selbst wenn es so wäre: Die allermeisten Make-ups besitzen einen „eingebauten“ UV-Filter. Das macht Sonnenschutz aber nicht überflüssig, denn die Lichtschutzfaktoren in Foundations sind selten besonders hoch und schützen daher auch nicht vor starker Sonneneinstrahlung. Wer ein Sonnenbad genießen will, sollte aber auf zu viele Schichten verzichten und besser nur eine Sonnencreme mit höherem Schutzfaktor verwenden.


Deos verhindern das Schwitzen.

Falsch.
Denn Deos haben vor allem eine Aufgabe: Sie sollen für Wohlgeruch sorgen. Einfluss auf die Schweißbildung haben sie keinen. Das schaffen nur so genannte Antitranspirante, erklärt Prof. Kopera: „Antitranspirante enthalten Wirkstoffe, die die Ausgänge der Schweißdrüsen verengen, meistens handelt es sich bei diesen Stoffen um Aluminiumsalze. So gelangt weniger Schweiß an die Oberfläche.“ Weniger heißt: Die Schweißmenge wird etwa um 20 bis 50 Prozent reduziert. Der Nachteil dieser Produkte: Hin und wieder kommt es zu Hautirritationen oder Juckreiz.
   

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