Schuppen: Was dagegen hilft

Januar 2007 | Kosmetik & Pflege

Leise rieselt der Schnee… – oder die Schuppen. Können Sie diese Melodie mit Blick auf Ihren Schopf das ganze Jahr über singen? Haben Sie die dunkle Kleidung in Ihrem Schrank bereits in die hinterste Ecke verbannt, weil Ihnen die Schuppen auf den Schultern peinlich sind? Die Dermatologin Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera erklärt, was man gegen das lästige Übel tun kann und wie Kopfhaut und Haare wieder in die richtige Balance kommen.
 
Von Mag Petra Hauk

Auch wenn es für Leidgeprüfte schwer sein mag, zu glauben: Es ist ein Glück, dass wir Schuppen haben! Denn sie sind das Resultat eines wichtigen Vorgangs, der täglich unzählige Male im menschlichen Organismus abläuft, erklärt Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz: „Unsere Haut – und dazu gehört auch die Kopfhaut – erneuert sich ständig. Dabei wandern ‚alte‘ Zellen nach und nach an die Oberfläche, wo sie verhornen. Das dauert im Normalfall etwa 28 Tage. Diesen Prozess nennt man Abschilferung. Normalerweise läuft das unbemerkt ab, denn die Zellen sind so winzig, dass man sie nur unter dem Mikroskop sehen kann. Bei sichtbaren Schuppen ist dieser Abschilferungsprozess angekurbelt und läuft in einem viel kürzeren Zeitraum ab. Das hat zur Folge, dass die Hornschichtzellen nicht richtig ausgereift sind. In diesem unreifen Stadium ist noch eine Art ‚Kleber‘ vorhanden, der die winzigen Einzelzellen zu größeren Klumpen zusammenkittet: Die Schuppen werden dann sichtbar.“

Trockenheit schuppt                                                                                    

Unter dem Zellerneuerungsturbo leiden mehr Menschen, als man glaubt: Experten schätzen, dass die Hälfte der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben davon betroffen ist. Wobei man die Ergebnisse dieser Statistik nicht über einen Kamm scheren darf, meint Prof. Kopera, denn Schuppen sind nicht gleich Schuppen: „Es gibt trockene Kopfschuppen, die sehr klein sind und vom Kopf rieseln, wenn man die Haare schüttelt. Fettige Kopfschuppen dagegen sind relativ groß und meist gelblich. Die beiden Probleme erfordern unterschiedliche Maßnahmen, denn sie haben unterschiedliche Ursachen.“

Trockene Schuppen kommen oft von falscher Haarpflege und übertriebener Reinlichkeit. Wer gerne lange und heiß fönt, mehr Haarstylingprodukte als Kugelschreiber besitzt, die Haare täglich mit einem riesigen Klecks Shampoo wäscht, sie eventuell auch noch regelmäßig färbt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Schuppenproblem bekommen.

„Shampoos haben – das ist ja ihre Aufgabe – eine reinigende, aber leider auch entfettende Wirkung, genauso wie beispielsweise alkoholhältige Schaumfestiger“, erklärt Prof. Kopera. „Wer hier zu viel des Guten tut, hindert die Talgdrüsen daran, genügend Fett bereit zu stellen, um die Kopfhaut zu ‚schmieren‘. Fazit: sie trocknet aus, Schuppen beginnen zu rieseln.“ Im Winter verschlimmern überheizte Räume mit niedriger Luftfeuchtigkeit und häufiges Tragen von Hauben und Hüten das Problem.

Das fettige Übel

Anders liegt die Sache bei fettigen Schuppen und einer entzündeten, juckenden Kopfhaut. Wer darunter leidet, sollte auf keinen Fall mit gängigen Schuppenshampoos und kosmetischen Maßnahmen an sich herumdoktern. Denn die Behandlung gehört in die Hände eines Dermatologen. „Diese Störung in voller Ausprägung nennt man seborrhoisches Ekzem“, erklärt Prof. Kopera. „Dabei beschränkt sich das Problem sehr oft nicht nur auf die Kopfhaut. Regionen, die typischerweise mitbetroffen sind, findet man am Kopf besonders an der Stirnhaargrenze und am Bereich hinter den Ohren. Im Gesicht treten die juckenden Rötungen häufig um die Nasenflügel und in der Augenbrauenregion auf. Auch am Körper können entzündete juckende Stellen auftreten wie etwa über dem Brustbein.“

Schuld an der Misere sind die Talgdrüsen. Sie liefern zu viel Fett, das sich mit den abgeschilferten Hautzellen verbindet. So entstehen die größeren, fettigen Schuppen. Am Übel beteiligt ist ein winziger, eigentlich harmloser Körperbewohner: ein Hautpilz namens Pityrosporum ovale, dessen Lieblingsspeise menschliches Talgdrüsenfett ist. Bei seiner Verdauung sondert er Substanzen ab, die einen lästigen Juckreiz zur Folge haben. Wer dann kräftig kratzt, macht nicht nur die Haut noch empfindlicher für Infektionen und Entzündungen, sondern regt zusätzlich die Bildung neuer Zellen an.
Warum die Talgproduktion bei manchen auf Hochtouren läuft, ist noch nicht ganz geklärt, meint Prof. Kopera. „Tatsache ist, dass erbliche Veranlagung, Hormonschwankungen, das Klima, aber auch psychischer Stress eine Rolle dabei spielen können. Besonders häufig betroffen sind Männer im mittleren Alter. Man weiß, dass die Androgene, also die männlichen Geschlechtshormone, mitverantwortlich für die verstärkte Fettproduktion sind.“

Prof. Kopera erklärt die Therapie fettiger Schuppen durch die Hautärztin oder den Hautarzt: „Das Ziel der Behandlung ist einerseits Schuppen abzulösen und andererseits die Überproduktion von Hornzellen zu vermindern. Zur Ablösung hartnäckiger Schuppen verschreibt der Hautarzt vor allem salicylsäurehaltige Öle, Lösungen oder Gels. Verstärken lässt sich der Effekt, wenn man beim Einwirken eine Folie um den Kopf wickelt. Dazu kommen Antipilz-Lösungen oder Shampoos. Unterstützend haben sich Selendisulfid- oder zinkhaltige Präparate und Schieferölmittel bewährt. Diese normalisieren die übersteigerte Bildung von Hornzellen, regulieren den vermehrten Talgfluss und wirken einer Besiedelung der Kopfhaut mit Bakterien und Pilzen entgegen. Manchmal sind auch diese Maßnahmen nicht genug. Dann ist eine Behandlung mit cortisonhaltigen Cremes oder Lösungen sinnvoll. Auch das Teerprodukt Dithranol, eine äußerlich anzuwendende Substanz aus der Therapie der Schuppenflechte, wird vereinzelt eingesetzt.“

Eines sollte man als Betroffener auf alle Fälle wissen: Ganz los wird man das seborrhoische Kopfekzem in der Regel nicht. „Denn einerseits kann man die Veranlagung zur Talgproduktion nicht wirklich verändern und andererseits ist der verantwortliche Hautpilz ein normaler Besiedlungskeim auf der Haut und somit immer vorhanden“, meint Dr. Kopera.

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Schuppen: So wird man sie los

Im Handel gibt es eine große Auswahl an Spezialshampoos – welches soll man nehmen? „Am besten verwendet man ein ph-neutrales, mildes Shampoo“, rät Prof. Kopera, „und achtet zusätzlich auf Maßnahmen, die die Schuppenbildung reduzieren. Das heißt: alle Fett entziehenden Präparate wie Spülungen, Festiger, Gels oder Sprays sind tabu, ebenso häufiges Waschen.“

Achten Sie außerdem auf:

  • die Wassertemperatur beim Haarewaschen: Lauwarm ist am besten, heißes Wasser entzieht Fett!
  • die Shampoomenge: Man braucht weniger als man glaubt. Spülen Sie besonders gründlich nach. Und in den meisten Fällen reicht einmal einshampoonieren.
  • die richtige Temperatur beim Fönen: Heißes Fönen reizt die Kopfhaut. Lufttrocknen ist gesünder. Auch wenn das nicht immer möglich ist: Versuchen Sie es, so oft es geht!
  • sanftes Kämmen und Bürsten: Verbannen Sie Metall und spitze Borsten aus dem Badezimmer!

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Natürlich gegen Schuppen

Brennnesseln sind seit jeher ein bewährtes Mittel gegen Kopfschuppen, die man als Tinktur äußerlich anwenden kann: Für eine Tinktur werden 250 Gramm fein geschnittenes Brennnesselkraut in einer Mischung aus einem halben Liter Weinessig und einem Liter Wasser eine Stunde lang gekocht. Ein- bis zweimal wöchentlich die Haare damit waschen und die Kopfhaut anschließend sanft mit einem Pflegeöl einreiben.
 

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