Sonnencreme: Wie funktioniert der Schutz?

Mai 2007 | Kosmetik & Pflege

Enorm, was von einem Sonnenschutzmittel alles verlangt wird: Es soll Sonnenbrand, Hautalterung und Hautkrebs verhindern, soll wasserfest und lange haltbar sein, zudem gut riechen und nicht zuletzt die Haut pflegen.
Für MEDIZIN populär erklärt ein Experte, wie Cremen, Öle & Co ihren vielfältigen Anforderungen gerecht werden.
 
Von Mag. Wolfgang Bauer

Eine Familie beim Badeurlaub am Meer: die Kinder – besonders anfällig für einen Sonnenbrand – benötigen eine Creme, die ihnen das Spielen am Strand ermöglicht, ohne dass der Sand an ihrer Haut kleben bleibt. Mama hingegen möchte ein Produkt, das ein angenehmes Hautgefühl vermittelt und trotzdem wasserfest ist, sie ist nämlich eine leidenschaftliche Schwimmerin. Papa wiederum will keine fetten Öle oder Cremen auf seine behaarten Beine und Arme auftragen. Mit einem Wort: Alle wollen optimalen Sonnenschutz, haben aber unterschiedliche Ansprüche. Das ist heutzutage kein Problem mehr, sagt Dr. Erich Leitner, Geschäftsführer der Gesellschaft Österreichischer Chemiker und Berater der L’Oreal-Gruppe Österreich, die mit zahlreichen Sonnenschutz-Produkten zu den führenden Herstellern zählt. „Dank intensiver Forschung gibt es praktisch für jeden individuellen Wunsch das entsprechende Mittel. Zum Beispiel für Kinder eine Creme mit einem Farbstoff, der zwar während des Auftragens anzeigt, wo schon ,geschmiert‘ wurde, danach aber nicht mehr zu sehen ist. Für Frauen wurden Lotionen entwickelt, die ein angenehmes Hautgefühl bieten. Männer bevorzugen einen Spray, damit sie sich nicht die Hände fett machen“, so der Chemiker.

Ob Cremen, Lotionen, Gels, Sprays oder Öle: Dass man die optimale Wirkung in verschiedenen Darreichungsformen erzielen kann, ist nur eine Errungenschaft der dermatologischen und chemischen Forschung. Besonders intensiv hat man sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Bereichen Lichtschutzfaktor und der Haltbarkeit von Produkten gewidmet.

Forschungsobjekt Lichtschutzfaktor

Auf allen Sonnenschutzprodukten findet man eine Zahl für den so genannten Lichtschutzfaktor. Damit hat es Folgendes auf sich: Die Zeit, nach der die ungeschützte Haut bei Sonneneinstrahlung mit sichtbaren Veränderungen wie Rötungen reagiert, wird Eigenschutzzeit genannt. Sie beträgt ohne Vorbräunung, je nach Hauttyp, wenige bis zirka 45 Minuten, dann stellt sich Sonnenbrand ein. Der Lichtschutzfaktor eines Sonnenschutzmittels gibt an, wie viel länger man sich der Sonne aussetzen kann, als es die Eigenschutzzeit erlaubt. Bei einem Lichtschutzfaktor 10 kann man also bis zum Auftreten eines Sonnenbrandes zehn Mal so lange bräunen wie ohne Sonnenschutz.

Mehr als 20 verschiedene organische (zum Beispiel Mexoryl) oder mineralische Stoffe (zum Beispiel Titanoxid) enthält ein Sonnenschutzmittel, um einen bestimmten Lichtschutzfaktor zu erzielen. Diese Stoffe verhindern, dass die Energie des Sonnenlichts auf die Haut weitergegeben wird. Alle diese Substanzen sind auf der Verpackung deklariert, sie sind außerdem bestens überprüft, was Sicherheit, Effektivität und Photostabilität betrifft. Photostabil ist ein Mittel, das auch nach Sonnenlichtbombardement im Labor keine Veränderung des Schutzverhaltens zeigt. Fällt die Schutzwirkung danach geringer aus als vor der Bestrahlung, ist das Produkt instabil – der versprochene Schutz ist weg. Und auf diesem Gebiet hat eine wissenschaftliche Studie der Wiener Universitätsklinik bei einigen am Markt befindlichen Produkten bedenkliche Lücken nachweisen können. Alle geprüften Produkte boten zwar einen verlässlichen Schutz vor der kurzwelligen UVB-Strahlung, die zu Sonnenbrand führen kann. Aber einige Sonnencremen konnten den am Produkt vermerkten Schutz vor der langwelligen UVA-Strahlung nicht aufrechterhalten. Damit wird vorzeitige Hautalterung provoziert, und in der Folge können sogar Krebserkrankungen der Haut hervorgerufen werden.

„Am besten haben Produkte von Unternehmen abgeschnitten, die eigene Forschung auf diesem Sektor betreiben. Mängel wiesen vor allem so genannte Nachbauprodukte auf“, sagt Frank Kollmar, der Marketingdirektor der L’Oreal-Gruppe Österreich. Nicht ohne Stolz verweist er auf die rege Forschungstätigkeit seines Konzerns, der eigene Filtersysteme entwickelt hat. Sie kommen in allen Sonnenschutzprodukten des Hauses zum Einsatz, seit einiger Zeit auch in Tagescremen, um der Hautalterung durch UVA-Strahlung vorzubeugen.

Sonnenschutz aus dem Labor                                                                       

Wird ein neues Sonnenschutzmittel entwickelt, so wird im Labor ein Hautareal ohne Vorbräunung eine Zeit lang bestrahlt, bis man an der Farbe und der Pigmentierung eine Veränderung feststellt, bis also der Eigenschutz der Haut nicht mehr ausreicht. Dann wird die Mixtur im Versuchsstadium auf eine andere Hautstelle aufgetragen, die abermals bestrahlt wird. Nun misst man, um wie viel länger der Schutz bis zur Hautveränderung gegeben ist. Daraus gewinnt man eine bestimmte Maßzahl: den Lichtschutzfaktor. „Diese Tests werden am Menschen durchgeführt. In Zukunft wird dies auch an Zellkulturen möglich sein“, prognostiziert Dr. Erich Leitner. Übrigens: Tierversuche finden in der Entwicklung von Sonnenschutzmitteln seit 1995 nicht mehr statt.

Auch an den pflegenden Eigenschaften von Sonnenschutzmitteln wird intensiv gearbeitet. Schließlich soll ein Produkt nicht nur vor der Sonneneinstrahlung schützen, sondern auch gut riechen, ein angenehmes Gefühl auf der Haut vermitteln und pflegend wirken. Dazu werden Pflanzeninhaltsstoffe, Lipide und andere Substanzen verwendet, die längst abgetestet sind und sich in anderen Kosmetika seit langem bewährt haben.

Was die Haltbarkeit betrifft, so ist auf den Tuben entweder ein Ablaufdatum aufgedruckt oder ein Tiegel mit einer Zahl – das ist die Anzahl der Haltbarkeitsmonate nach dem Öffnen des Produktes. Denn ein Sonnenschutzmittel ist nur begrenzt haltbar. Um die Haltbarkeit zu eruieren, wird das Produkt einem speziellen Test unterzogen, dem so genannten „Schaukeltest“. Dabei wird das Mittel in einem abgeschlossenen Behältnis in ständigem Wechsel unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt. Dann wird die Zeit bestimmt, während der keine Beeinträchtigung der Probe auftritt. Daraus ergibt sich die Dauer der Haltbarkeit.
„Die Überprüfung der Komponenten Lichtschutz, Hautpflege und Haltbarkeit sind nur einige der vielen Tests, die auf dem Weg zu einem fertigen Produkt gemeistert werden müssen. Bis ein neues Sonnenschutzmittel am Markt ist, vergehen in den günstigsten Fällen fünf bis acht Jahre. Für manche Produkte benötigt man allerdings auch 20 Jahre, bis alle Erkenntnisse in die Entwicklung eingeflossen sind“, sagt Dr. Leitner.
        

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