Spröde Lippen, Fieberblasen & Co

November 2007 | Kosmetik & Pflege

Pflegetipps für gesunde Lippen
 
Trockene, spröde Haut, eingerissene Mundwinkel, Fieberblasen – vor allem in der kalten Jahreszeit brauchen die empfindlichen Lippen viel Pflege, damit sie gesund und schön bleiben. MEDIZIN populär hat bei der Dermatologin Dr. Regina Lindlbauer für Sie nachgefragt, wie Sie zu einem verführerischen Kussmund kommen.
 
Von Mag. Andrea Bauer

Der Mund steht nicht nur beim Sprechen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – ein schöner, voller Mund mit prallen Lippen gilt seit jeher als Symbol für Sinnlichkeit und erotische Anziehung. Vor allem Frauen sind deshalb stets darauf bedacht, ihre Lippen bei jeder Gelegenheit ins rechte Licht zu rücken und den sinnlichen Mund durch die richtige Farbe und den entsprechenden Glanz angemessen in Szene zu setzen. Doch selbst der Einsatz von Lippenstift & Co trifft auf seine Grenzen – nämlich dann, wenn die Lippen krank sind.

Lippen in der Winterdepression
Vor allem die kalte Jahreszeit kann der empfindlichen ­Lippenhaut stark zusetzen. Trockene, spröde Lippen, eingerissene Mundwinkel und Fieberblasen sind die Folge. Dermatologin Dr. Regina Lindlbauer (Bild) weiß, warum:
„Die Lippen haben eine sehr dünne, aber gut durchblutete Haut, die nur am Lippenrand Talgdrüsen enthält, die die Haut mit Fett und Feuchtigkeit versorgen können. Deshalb ist die Hautpartie zwischen äußerer Haut und Mundschleimhaut grundsätzlich trocken und hat gegenüber Witterungseinflüssen wie Wind und Kälte keinen geeigneten Selbstschutz.“
Außerdem besteht kein Schutz gegen UV-Strahlen, da in der Lippenhaut keine pigmentbildenden Zellen vorhanden sind.

Erste Hilfe bei trockenen und spröden Lippen
Ohne den nötigen Eigenschutz trocknen die Lippen aus, werden spröde und bekommen Risse. Unwillkürlich ist man versucht, die Lippen zu befeuchten und leckt sich automatisch mit der Zunge darüber, wodurch die zarte Haut noch trockener und angreifbarer wird. Damit die Lippen nicht noch mehr geschädigt werden, empfiehlt es sich, immer einen Pflegestift dabei zu haben. Wenn man spürt, dass die Lippen zu spannen beginnen, kann man entsprechend schnell handeln. „Zur Not tut allerdings auch einfache Vase­line gute Dienste, die die Lippen besonders vor dem Essen von scharf-sauren Speisen ausreichend schützt“, erklärt Dr. Regina Lindlbauer.

Problem: Eingerissene Mundwinkel
Wenn die Lippen austrocknen, sind vor allem die empfindlichen Mundwinkel betroffen und machen Probleme. Die Mundwinkel können reißen und entzünden sich leicht, weil sie durch die ständige Bewegung beim Sprechen oder Essen immer wieder aufs Neue aufplatzen und schlecht heilen. Sind eingerissene Mundwinkel keine Seltenheit, sondern treten immer wieder ohne erkennbaren Anlass auf, können mehrere Ursachen dahinter stecken. Sie entstehen zum Beispiel oft bei Vitamin- (B2)- und Eisenmangel. Auch eine Nickelallergie kann hinter trockenen, spröden Lippen und eingerissenen Mundwinkeln stecken. Verkrustende Risse mit weißlichem Belag sprechen dafür, dass sich die Haut aufgrund eines Hefepilzes (Candida albicans) entzündet hat, was vor allem bei Naschkatzen und Diabetikern nicht selten vorkommen kann. Bei gelbbräunlichen verkrusteten Bläschen und Pusteln im Mundwinkel spricht viel für eine so genannte Grindflechte, verursacht durch Bakterien (Staphylokokken oder Streptokokken).

Vorsicht vor der Wintersonne
Die Wirkung der Wintersonne – besonders in höheren Lagen beim Schifahren oder bei Bergwanderungen – sollte man nicht unterschätzen. Ihre aggressiven Sonnenstrahlen, die besonders die schutzlosen und exponierten Lippen angreifen, sind dafür verantwortlich, dass vor allem im Winterurlaub Fieberblasen lästig werden – und zwar oft ohne dass man sich krank fühlt. Bevor man bemerkt, dass sich eine Fieberblase anbahnt, ist sie auch schon da und zeigt sich als unattraktiver Fleck mitten im Gesicht. Doch es gibt Warnzeichen: Schon einige Tage bevor sich Fieberblasen zeigen, werden die betroffenen Hautstellen empfindlich, schmerzen und jucken manchmal.

Verursacht werden Fieberblasen von Viren, die zur großen Gruppe der Herpes-Viren gehören. Die Symptome beginnen mit einem Brennen und Spannen – typischerweise immer an derselben Stelle: an den Lippen, um den oder im Mund und um die oder in der Nase. Innerhalb weniger Stunden bilden sich Bläschen, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind. Diese Bläschen platzen nach einigen Tagen auf, sind dann eine schmerzhafte und empfindliche Wunde, verkrusten aber relativ rasch. Die Beschwerden klingen aber nach sieben bis zehn Tagen von selbst ab, und es bleiben keine Narben zurück. Um dem natürlichen Heilungsprozess nicht im Wege zu stehen, sollte man aufgeplatzte Fieberblasen jedoch nicht berühren, da sich die Stellen durch den zusätzlichen Reiz entzünden können.

Wann Fieberblasen gefährlich werden
Für gewöhnlich sind die Krankheitszeichen einer Fieberblase – vor allem dann, wenn sie auf Lippen oder Nase beschränkt bleiben – harmlos, wenn auch unangenehm. In manchen Fällen kann die Krankheit jedoch gefährlich werden: Etwa bei Neugeborenen (es kann zu einer Herpesentzündung des Gehirns kommen) oder bei Neurodermitis-Kranken (bei ihnen kann es zum so genannten Ekzema herpeticatum mit hohem Fieber und Herpesherden über große Hautareale führen). Auch Erwachsene, die das erste Mal mit dem Virus in Kontakt kommen, können es schwer haben – hier kann ein direkter exzessiver Befall durch die Bläschen entstehen.

Am Besten schon beim ersten Kribbeln handeln
In akuten Fällen helfen Salben, die lokal auf die Fieberblase aufgetragen werden. Die Einnahme von Tabletten ist nur in hartnäckigen Fällen vorgesehen. „Eine solche Therapie ist aber nur dann angezeigt, wenn die Herpesinfektion schwer verläuft oder die Gefahr besteht, dass sich das Virus weiter ausbreitet“, so Dr. Regina Lindlbauer. Auch bei starken, häufig wiederkehrenden Symptomen ist eine Therapie mit antiviralen innerlichen Medikamenten, die über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten eingenommen werden müssen, sinnvoll.
Bevor man jedoch nachher behandeln, cremen und Tabletten schlucken muss, sollte man lieber vorher die richtigen Präventionsmaßnahmen treffen. Da die Haut und insbesondere die empfindlichen Lippen im Winter mehr Pflege beanspruchen, sollte man sich rechtzeitig darauf einstellen, schon beim ersten Spannen und Kribbeln handeln und den Lippen das geben, was sie fordern: Schutz! Damit der Kussmund auch in der kalten Jahreszeit zum Küssen einlädt!

Was hilft bei…

… trockenen, spröden Lippen?
Besonders empfehlenswert ist Lippenbalsam (als Stift oder als Creme), der Sheabutter enthält. Pflegestifte mit entzündungshemmenden, hautfreundlichen oder regenerierenden Wirkstoffen wie Kamille, Dexpanthenol oder Fettstoff-Komplexen lindern Blessuren besonders gut. Auch einfache Vaseline ist ein gutes Hausmittel.

… eingerissenen Mundwinkeln?
Diesem Problem kann man vorbeugen, indem man die Lippen mit Pflegestiften geschmeidig hält. Treten die lästigen Blessuren regelmäßig auf, sollte man ihre Ursache jedoch vom Arzt abklären lassen – eventuell stecken ­
ein Mangel, Pilze oder Bakterien dahinter.

… Fieberblasen?
Eine symptomlindernde Wirkung haben Cremes mit Zinksulfat. Sie trocknen die Bläschen aus und fördern damit die Abheilung. Wirkung auf die Fieberblasen-verursachenden Viren haben die Cremes allerdings nicht. Das Virus bekämpfen können nur antivirale Mittel. Diese können – bei schweren und hartnäckigen Fällen – als Saft oder Tabletten eingenommen oder als Kurzinfusionen verabreicht werden, die die Virusvermehrung blockieren und die Heilungsdauer verkürzen.
         

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