Mittagsschlaf erhöht die Leistungsfähigkeit

März 2007 | Leben & Arbeiten

Ein Schläfchen in Ehren sollte einem keiner verwehren. Auch nicht zur Mittagszeit, und auch nicht am Arbeitsplatz, sagen Ärztinnen und Ärzte. Eine Wiener Studie zeigt: Ein kurzer Mittagsschlaf erhöht die Leistungsfähigkeit in den darauf folgenden Stunden um beachtliche 25 Prozent. MEDIZIN populär fragte nach, warum das so ist und wie man am besten Siesta hält.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Kennen Sie das? Am späteren Vormittag kündigt ein Gähnen das Mittagstief an, es wird zunehmend schwierig, einen klaren Gedanken zu fassen, und – gähn! – am besten wäre jetzt ein bisschen Schlaf. Doch was in südeuropäischen Ländern – Stichwort „Siesta“ – oder auch in Japan die Normalität ist, wird hierzulande nicht gern gesehen. Und für jene, die mitten im Arbeitsprozess stehen, ist es in den allermeisten Fällen schlicht unmöglich, sich auszuklinken, um dem Schlafbedürfnis nachzugeben, oder auch nur, um ein wenig zu ruhen.

Dabei raten Ärztinnen und Ärzte dringend, allen die Gelegenheit zu einer Siesta zu geben. Warum sie das tun? Univ. Prof. DDr. Michael Lehofer, Vorstand der psychiatrischen Abteilung an der Sigmund-Freud-Klinik in Graz und Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin, sagt: „Wenn wir mittags schlafen, nimmt unsere physische und psychische Leistungskraft zu.“ In einer Studie des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung konnte diese Zunahme sogar beziffert werden. „Wir haben gezeigt, dass jemand, der ein Mittagstief hat und dann einen Mittagsschlaf macht, danach um bis zu 25 Prozent mehr leistet, als wenn er nicht schläft“, sagt Dr. Cornelia Sauter, Klinische und Gesundheitspsychologin an der Universitätsklinik für Neurologie am AKH Wien.
Herausgefunden hat man das an Probandinnen und Probanden, die Geschicklichkeits- und Merkfähigkeitsaufgaben zu bewältigen hatten. Das Schläfchen untertags, so zeigte sich an den Ergebnissen, dient nicht nur dem subjektiven Empfinden nach, sondern auch nach wissenschaftlichen Kriterien der Erholung von Geist und Körper.

Wer braucht wie viel Schlaf?
Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, ob er als Morgen- oder Abendmensch durchs Leben geht, ist von der Natur vorgegeben. Die endgültige persönliche Schlafdauer ist mit dem 20. Lebensjahr festgelegt und bleibt bis ins hohe Alter stabil. Die Bandbreite in Sachen Schlafbedürfnis ist groß: Manche kommen mit vier Stunden aus, andere fühlen sich nur dann wohl, wenn sie zwölf Stunden geschlafen haben. Ab dem 25. Lebensjahr kommt es nach und nach zu einer Vitalitätsabnahme, das Erholungsbedürfnis steigt langsam an. Unter den Über-65-Jährigen schlafen fast zwei Drittel regelmäßig auch zu Mittag. Wer einen Mittagsschlaf gehalten hat, braucht nachts um jene Menge weniger Schlaf, die er tagsüber geschlummert hat.

Schlaf oder Pause
In einer aktuellen Studie, die derzeit unter der Leitung von Dr. Cornelia Sauter am Wiener AKH läuft, wird erforscht, ob ein Mittagsschlaf der Ruhepause von gleicher Dauer tatsächlich überlegen ist, um Körper, Geist und Seele wieder in Schwung zu bringen. Außerdem will man ergründen, wie sich die Dauer der Erholungsphasen auf die Qualität der Erholung auswirkt.
Der Studienablauf umfasst eine Schlafanamnese, also eine genaue Aufzeichnung des Schlafs, und eine Dokumentation des Schlafverhaltens am Tag und in der Nacht. An insgesamt sechs Untersuchungstagen werden vor und nach einem Mittagsschlaf oder einer Ruhepause (je 10, 20, und 30 Minuten Dauer) subjektives Wohlbefinden, Konzentration und Aufmerksamkeitsleistung erhoben.
40 Probandinnen und Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren durchlaufen alle sechs Bedingungen in zufälliger Reihenfolge. Die Ergebnisse werden in den nächsten Monaten erwartet.
   

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