Akupunktur – Die Heilkraft der Nadeln

Januar 2007 | Medizin & Trends

Schon vor rund 20 Jahren wurde die Akupunktur im Westen als wissenschaftliche Methode anerkannt und übt nach wie vor eine große Faszination aus. Zu Recht, denn die Therapie aus dem alten China hat vor allem bei modernen Zivilisationskrankheiten beachtliche Erfolge aufzuweisen.
 
Mag. Wolfgang Bauer

Dass die Akupunktur vor rund zwei Jahrzehnten auch in Österreich als wissenschaftlich begründete Heilmethode anerkannt wurde, hat weniger mit der Besonderheit der chinesischen Philosophie zu tun als vielmehr mit harten Fakten. So faszinierend die Konzepte von Yin und Yang, der Lebensenergie Qi und der Lehre von den fünf Elementen auch sein mögen, so fremdartig erscheinen sie in den Augen der westlichen Schulmedizin. Vielmehr waren für die Anerkennung der Akupunktur Tatsachen verantwortlich, die den Kriterien der naturwissenschaftlich orientierten Medizin standhielten. Einen wesentlichen Grundstein dafür lieferte die Aufsehen erregende Mandeloperation zu Beginn der 1970er Jahre an einer Wiener Klinik. Der Patient bekam dabei keine Narkose. Es waren die wenigen Nadeln, die in seinem Handrücken steckten, die die Schmerzfreiheit während des Eingriffs bewirkten.

Punktgenaue Stiche
Damit die Nadeln ihre Wirkung entfalten können, werden sie an genau definierten Punkten des Körpers, den so genannten Akupunkturpunkten, gestochen. Diese Punkte liegen auf Meridianen, das sind aus der Sicht der chinesischen Medizin Energie- oder Leitbahnen, die sich über den ganzen Körper ziehen und mit den inneren Organen in Verbindung stehen. Die Meridiane tragen sogar die Namen der entsprechenden Organe, zum Beispiel Dickdarm- oder Milzmeridian. Dabei muss man wissen, dass zum Beispiel mit Milz keineswegs nur das eigentliche Organ gemeint ist. Die Milz symbolisiert vielmehr die Verdauung insgesamt und somit einen Teil von unserem Qi, nämlich das so genannte Nahrungs-Qi.

Lebensenergie wird angeregt
Ebenfalls der chinesischen Sichtweise entstammt der Gedanke, dass durch die Nadelung bestimmter Punkte auf dem Meridian-Leitsystem die Lebensenergie Qi in Fluss gebracht wird. Qi ist die Basis allen Lebens, es bedeutet physiologische Aktivität und Vitalität des Organismus. Wenn das „Qi fließt“, so heißt das, dass die Mechanismen des Lebens funktionieren. Das ist jedoch bei Krankheit nicht ausreichend der Fall. „Bei einer Krankheit ist der Organismus aus dem Gleichgewicht, Energieströme können blockiert sein. Mit der Methode der Akupunktur können wir den Körper wieder in Balance bringen, so dass die Lebensenergie Qi ungehindert fließen kann. Darum nennt man die Akupunktur auch Regulationstherapie, weil sie gestörte Funktionen wieder ins Lot bringen kann“, sagt Dr. Daniela Stockenhuber von der Akupunkturambulanz im Kaiserin Elisabeth-Spital in Wien und Ausbildungsreferentin der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur.
Übertragen in das Weltbild der Naturwissenschaft heißt das: „An jenen Stellen an der Haut, die für die chinesische Medizin Akupunkturpunkte bilden, konnte die westliche Schulmedizin eine Bündelung von Gefäßen und Nervenenden feststellen, so dass man tatsächlich von einer Verbindung der Körperoberfläche mit tieferen Körperregionen sprechen kann. Werden diese Punkte an der Haut genadelt, können sich zum Beispiel Muskeln entspannen, wodurch Verspannungsschmerzen gelindert werden.
Außerdem werden durch die Nadelung Endorphine und ähnliche Substanzen ausgeschüttet, die Schmerzen hemmen oder gar betäuben. Und auch die Cortisolproduktion des Organismus wird dadurch angekurbelt. Das erklärt die ausgezeichnete Wirksamkeit der Akupunktur, etwa bei Schmerzen am Bewegungsapparat oder bei Asthma“, so Dr. Stockenhuber.

Bei akuten und chronischen Beschwerden
Zu Ärztinnen und Ärzten mit der Spezialausbildung in Akupunktur kommen häufig Menschen, die eine lange – meist jahrelange – Leidensgeschichte hinter sich haben. „Je länger Beschwerden bestehen, desto langwieriger ist die Therapie, aber in vielen Fällen erreichen wir zumindest eine deutliche Linderung der Beschwerden bzw. Beschwerdefreiheit für einen gewissen Zeitraum, was für die Betroffenen einen enormen Gewinn an Lebensqualität bedeutet“, sagt die Akupunkturspezialistin.
Auch bei akuten Beschwerden hilft Akupunktur: Wenn jemand etwa einen akuten Schmerz im Bereich des Bewegungsapparates verspürt, kann man durch das Stechen bestimmter Punkte wirkungsvoll den Schmerz nehmen. Kommt ein Betroffener mit dem Akutfall erstmals zur Behandlung, so ist aber die Beschwerde zunächst schulmedizinisch abzuklären.

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Die häufigsten Einsatzgebiete der Akupunktur

  • Schmerzen am Bewegungsapparat, zum Beispiel im Bereich der Halswirbelsäule (Zervikalsyndrom) oder der Lendenwirbelsäule (Lumbalgie)
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Allergien
  • Asthma
  • Tinnitus (Ohrensausen)
  • Schwindel
  • Schlafstörungen

 

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Die häufigsten Methoden der Akupunktur

  • Nadelakupunktur: Die Nadeln werden an genau definierten Punkten gestochen.
  • Ohrakupunktur: Wie die Füße bei der Fußreflexzonenmassage, so repräsentiert in der Akupunktur das Ohr den gesamten menschlichen Organismus. Daher kann man durch Nadelung bestimmter Punkte am Ohr oben genannte Beschwerden lindern.
  • Laser-Akupunktur: Die Akupunkturpunkte werden statt mit Nadeln durch Laserstrahlen stimuliert, was vor allem bei Kindern angewendet wird, die Angst vor den Nadeln haben.
  • Akupressur: Die Akupunkturpunkte werden durch den Druck der Finger oder spitzer Gegenstände gereizt.

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Akupunktur in Österreich
Akupunktur-Ärztinnen und -Ärzte in Ihrer Nähe finden Sie unter dem Link „Ärztelisten“ auf www.akupunktur.at 

BuchTipp
Gertrude Kubiena
Akupunktur & Akupressur Chancen und Grenzen
Verlagshaus der Ärzte, € 14,90
136 Seiten, ISBN 978-3-901488-28-3

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