Bauchspeicheldrüsenkrebs

November 2007 | Medizin & Trends

Still, tückisch & gefährlich
 
Der Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten Krebsarten, trotz beachtlicher Fortschritte in der Behandlung endet die Krankheit meist tödlich. Prominentestes Opfer im heurigen Jahr: Startenor Luciano Pavarotti.
 
Von Dr. Kurt Markaritzer

Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch, in Nachbarschaft von Leber, Magen, Milz, Gallenblase und Zwölf­fingerdarm, sie hat eine für den Körper wichtige Doppelfunktion. Einerseits produziert sie Verdauungssäfte wie Amylase zur Verdauung der Kohlehydrate, Lipase für die Fettverdauung oder Proteasen zur Eiweißverdauung, andererseits bildet sie Hormone, die den Blutzuckerspiegel regulieren, nämlich Glukagon und das bekannte Insulin.

So prominent wie Herz und Lunge ist die 15 bis 20 Zentimeter lange Bauchspeicheldrüse (Fachbezeichnung: Pankreas) nicht, aber sie ist lebenswichtig. Wenn der Darm nicht mit Verdauungssäften aus dem Pankreas versorgt wird, kann er die Nahrungsmittel nicht verwerten, der Patient leidet an Unterernährung. Und wenn die Insulinproduktion ausfällt, erkranken die Betroffenen an Diabetes.
Noch gefährlicher als diese Folgererkrankungen ist ein Tumor der Bauchspeicheldrüse. Univ. Prof. Dr. Rudolf Roka, Leiter der Chirurgischen Abteilung an der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien: „Die Statistik zeigt, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs bei der Häufigkeit unter allen Krebsarten an elfter Stelle liegt, er ist also relativ selten. Bei den Todesfällen, die durch Krebs verursacht werden, nimmt das Pankreaskarzinom aber den vierten Platz ein, ein eindeutiges Zeichen für die enorme Aggressivität dieses Tumors!“

Keine Frühsymptome
Tückischerweise kündigt sich der Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht an, es treten keine Frühsymptome auf. Es gibt allerdings Warnsignale wie verstärktes Durstgefühl, Gewichtsverlust, reduzierte Leistungsfähigkeit, häufige Blähungen, Aufstoßen oder Appetitlosigkeit. Wenn der Tumor stärker ausgebildet ist, sind die Anzeichen zu sehen und zu spüren. Zu sehen, weil zugleich mit dem Krebs auch Gelbsucht auftritt, wenn der Tumor so liegt, dass er die Gallenwege blockiert. Und zu spüren, weil der Tumor starke Schmerzen im Bauch oder, wenn er nahe der Wirbelsäule liegt, im Rücken verursacht.
Beschwerden dieser Art sind natürlich nicht in jedem Fall Anzeichen von Bauchspeicheldrüsenkrebs, sie können viel harmlosere Ursachen haben. Dennoch warnt Prof. Roka: „Unterschätzen darf man die Symptome nicht. Besonders ernst nehmen sollten sie alle Risikopatienten. Das sind in erster Linie ältere Leute und dabei vor allem Männer, Personen, in deren Familie Bauchspeicheldrüsenkrebs vorgekommen ist, Raucher sowie Patienten mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung, der Pankreatitis.“

Schwierige Diagnose
Gerade weil die Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse am Beginn keine typischen Merkmale aufweist, sind intensive Untersuchungen der Patienten notwendig, um die richtige Diagnose stellen zu können. Das kann lebensrettend sein: Zwei Drittel der Patienten mit einem Pankreaskarzinom haben beste Chancen, mindestens fünf Jahre zu überleben, wenn die Therapie in den Krankheitsstadien I und II einsetzt, also sehr frühzeitig. Beginnt die Behandlung dagegen erst in den Stadien III und IV, so leben nur 15 Prozent der Betroffenen länger als fünf Jahre. Wenn der Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits auf Leber, Lunge oder Milz übergegriffen hat, ist die ärztliche Kunst am Ende: Diese Patienten sterben innerhalb weniger Monate.
Kein Wunder, dass bei den Untersuchungen das gesamte Arsenal eingesetzt wird, über das die moderne Medizin verfügt. Dazu zählen Ultraschall- und Laboruntersuchungen, Computertomografie, Szintigrafie, Magnetresonanzuntersuchungen, endoskopische Untersuchungen des Gallengangsystems und des Bauchspeicheldrüsenganges, Entnahme von Gewebeproben zur histologischen Untersuchung, eventuell eine Magen-Darm-Spiegelung oder auch Ultraschallsonden, die in den Magen eingeführt werden, um die Drüse aus der Nähe zu betrachten.
Natürlich muss nicht jeder Patient das volle Programm über sich ergehen lassen. Welche Methode eingesetzt wird, hängt von den individuellen Voraussetzungen ab. Ebenso individuell wie die Erstellung der Diagnose verläuft die Behandlung der Patientinnen und Patienten.

Die Therapiemöglichkeiten
Bei einer Operation versuchen die Chirurgen, nach Möglichkeit den kompletten Tumor inklusive einer „Sicherheitszone“ von (noch) gesundem Gewebe und Lymphknoten, unter Umständen auch mit Teilen des Magens, des Darms oder der Milz zu entfernen. Wenn eine Operation nicht möglich ist, weil der Tumor bereits zu weit fortgeschritten ist, Darmgefäße erfasst oder Metastasen gebildet hat, erhalten die Patienten eine Strahlentherapie, eine Chemotherapie oder eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern. Die Verfahren können auch miteinander kombiniert werden.

Das modernste Verfahren
Die Therapie mit monoklonalen Antikörpern ist das modernste Verfahren zur Krebsbekämpfung. Dabei werden Eiweißmoleküle eingesetzt, die Teil des menschlichen Immunsystems sind. Die Methode heißt „targeted therapy“ (engl. „zielgerichtete Therapie“), denn diese Antikörper attackieren gezielt die Tumorzellen – nur sie und kein ge­sundes Gewebe. Sie verhindern das Wachstum der Krebszellen, die Neubildung von Gefäßen in den Tumorzellen und auch das Einwachsen des Karzinoms in Nachbarorgane der Bauchspeicheldrüse.

Wer ist gefährdet?
Besonders bedroht von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind Personen, die einen oder mehrere Risikofaktoren aufweisen. Dazu zählen vor allem:

  • Hohes Alter
    Als risikoreichstes Alter erweist sich laut Statistik in Österreich die Gruppe der Über-85-jährigen.
  • Familiäre Häufung
    Eine erbliche Ursache ist selten, kommt aber vor.
  • Männliches Geschlecht
    Laut österreichischer Krebsstatistik ist das Risiko der Männer, an einem Pankreaskarzinom zu erkranken, 1,3 Mal höher als bei Frauen und das Risiko, daran zu sterben, sogar 1,4 Mal höher.
  • Chronische Entzündung
    Eine langjährige chronische Pankreatitis führt oft zur Ausbildung eines Karzinoms.
  • Rauchen
    Der Zusammenhang ist wissenschaftlich nicht geklärt, aber der Glimmstängel erhöht das Krebsrisiko markant.
  • Falsche Ernährung
    Insbesondere der erhöhte Konsum von tierischen Fetten kann ein Auslöser von Bauchspeicheldrüsenkrebs sein.

   

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