Der Busen als Last

September 2007 | Medizin & Trends

Operative Brustverkleinerung als Ausweg
 
Frauen mit grossen Brüsten haben es schwer: Viele von ihnen leiden nicht nur unter den unverhohlenen Blicken auf ihre Oberweite, sondern auch unter chronischen Nackenschmerzen, Veränderungen der Wirbelsäule und oft auch Depressionen, wie eine aktuelle Studie belegt. Eine operative Brustverkleinerung kann Erleichterung bringen. Eine Expertin erklärt für MEDIZIN populär, wie der Eingriff vor sich geht und unter welchen Bedingungen die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.
 
Von Mag. Andrea Fallent

So genannte Busenwunder wie Pamela Anderson oder Dolly Buster gelten als Inbegriff der Weiblichkeit. Ihre Brüste – in diesem Fall künstlich aufgepolstert – sind hoch versicherte Markenzeichen und der Stoff, aus dem viele Männerträume sind. Frauen, die von der Natur mit einem großen Busen ausgestattet wurden, sehen ihren Status als „Sexsymbol“ erfahrungsgemäß differenzierter und empfinden diesen nicht selten als körperliche Bürde: „Der Leidensdruck beginnt häufig bereits in der Pubertät. Viele junge Frauen mit großem Busen verzichten freiwillig auf modisch enge Kleidung und Sport, um unangenehme Blicke zu vermeiden“, erzählt Prim. Univ. Prof. Dr. Maria Deutinger, Vorstand der Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie in der Wiener Rudolfstiftung. Zur schlechten Haltung, die eingenommen wird, um den großen Busen zu kaschieren, kommen in der Folge auch noch Beschwerden wie Nacken- und Schulterschmerzen: „In jungen Jahren kann man die Wirbelsäule noch durch Rückengymnastik stärken. Im fortgeschrittenen Alter, wenn Osteoporose als zusätzlicher Faktor hinzukommt, reicht das aber nicht mehr aus, um Beschwerden zu vermeiden“, betont Deutinger.

 

Zu schwer für Körper und Seele
Um diesen Umstand zu verdeutlichen, präsentierte die Chirurgin kürzlich eine Studie über die gesundheitlichen Folgen von großen Brüsten, medizinisch als „Mammae magnae“ bezeichnet: „Wir untersuchten Frauen zwischen 20 und 40 Jahren mit einem beidseitigen Brustgewicht zwischen 418 und 3628 Gramm. Keine der Probandinnen war fettleibig, alle hatten einen Body-Mass-Index von maximal 25.“ Bei den Frauen wurden die Größe der Brust gemessen, die Wirbelsäule inklusive Magnetresonanz-Tomographie genau unter die Lupe genommen und ein Status über mögliche Depressionen erhoben. Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass vollbusige Frauen öfter an ausgeprägten, chronischen Schmerzen, Schäden der Wirbelsäule und Depressionen leiden als Geschlechtsgenossinnen mit „normaler“ Oberweite. „An der Wirbelsäule konnten wir bereits bei jungen Frauen eindeutige Veränderungen feststellen, auch wenn diese noch keine ausgeprägten Beschwerden wie Rücken- oder Nackenschmerzen hatten“, berichtet Deutinger. „Einige der untersuchten Frauen nehmen allerdings bereits regelmäßig Schmerzmittel, nicht wenige sind aufgrund des massiven Leidensdruckes auch in psychotherapeutischer Behandlung.“ 

Operation verkleinert und strafft
Erleichterung kann hier nur eine operative Brustverkleinerung bringen, für die sich viele Frauen auch gerne entscheiden. Dabei wird in einem Eingriff unter Vollnarkose überschüssiges Drüsen- und Fettgewebe aus der Brust entfernt. Die Ausprägung der Narben hängt von der Größe der Brust und der OP-Technik ab. Bei jungen Frauen wird der Eingriff so vorgenommen, dass die Fähigkeit zum Stillen erhalten bleibt. Der Warzenvorhof und das Drüsengewebe werden zudem angehoben, um die Brust nicht nur zu verkleinern sondern auch zu straffen. Wie die neue Körbchengröße ausfällt, hängt vorwiegend von den persönlichen Wünschen der Patientin ab: „Wichtig ist, dass der verkleinerte Busen zur restlichen Figur passt“, betont Deutinger, die anhand von Vorher-Nachher-Bildern verdeutlicht, welchen großen Unterschied diese OP machen kann: „250 Gramm Brustgewebe pro Seite entsprechen ungefähr einer Körbchengröße weniger.“

Kasse zahlt ab 500 Gramm pro Brust
Rund 40 Frauen verhilft Maria Deutinger pro Jahr durch eine Brustverkleinerung zu mehr Lebensqualität. Auch wenn die Indikationsstellung der Operation eindeutig ist, übernehmen die Krankenkassen den Eingriff oft nur mit Vorbehalt. „Seit circa zehn Jahren betrachten die Versicherungen die Operation als rein kosmetischen Eingriff, auch wenn es genügend Studien zum Thema gibt, die das Gegenteil belegen“, kritisiert die Ärztin. Die Entscheidung, ob der Eingriff von der Krankenkasse übernommen wird, hängt allein vom Gewicht des entfernten Brustgewebes ab, der im OP-Bericht protokolliert werden muss: „Ab 500 Gramm pro Brust wird der Eingriff meist ohne Probleme bezahlt“, sagt Deutinger, die dieses Limit allerdings  für unangemessen hoch hält:

Den obligaten Besuch beim Chefarzt empfinden die Frauen mit großer Oberweite bisweilen als Farce. Kein Wunder, da Männer das üppige Problem naturgemäß von einem anderen Blickwinkel betrachten: „Da kann es vorkommen, dass meine Patientinnen zu hören bekommen, sie sollten doch glücklich mit ihrem großen Busen sein“, verrät Deutinger.

Wird die Brustverkleinerung samt dreitägigem Spitalsaufenthalt nicht erstattet, müssen die Frauen die Kosten von zirka 4500 Euro selbst bezahlen. Eine große finanzielle Investition, die zumeist trotzdem getätigt wird, „weil die Lebensqualität danach einfach unbezahlbar besser wird“, wie Deutinger eine ihrer Patientinnen zitiert.

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Brustverkleinerung
Alles über die Operation

Vor dem Eingriff sollten sich Frauen umfangreich über die Details des Eingriff wie mögliche Risiken und Narbenbildung erkundigen. Dabei kann der jeweilige Chirurg auch ermessen, ob die Operation von der Krankenkasse bezahlt wird. Die objektive Grenze für die Kostenübernahme liegt bei 500 Gramm entfernten Brustgewebes pro Seite. Ein Wert, der eine sehr große Brust voraussetzt. Viele Ärzte unterstützen ihre Patientinnen aber bei den Verhandlungen mit der jeweiligen Krankenkasse. Insbesondere dann, wenn nachweislich körperliche Schäden durch den großen Busen aufgetreten sind.

Vor dem Eingriff wird eine eingehende Untersuchung mittels Mammographie und Ultraschall vorgenommen, um etwaige Veränderungen des Brustgewebes wie Tumoren auszuschließen. Das entfernte Gewebe wird zudem noch histologisch untersucht.

Der Eingriff selbst dauert je nach Brustumfang und Technik zwei bis vier Stunden. Er wird in stationärer Aufnahme unter Vollnarkose durchgeführt. Bei der gängigsten Methode setzt der Chirurg folgende Schnitte: Einen um den Vorhof, einen in der Unterbrustfalte und einen, der beide Schnitte senkrecht verbindet. Danach werden Brustwarzen und Milchgänge nach oben verschoben und  ästhetisch platziert. Je größer die Brust, desto umfangreicher müssen die Schnitte gesetzt werden. Um die Brust zusätzlich zu straffen, wird überschüssige Haut
entfernt.

In den vergangenen Jahren wurden zudem Techniken im Sinne eines „integrierten BHs“ entwickelt, wobei ein Teil der entfernten Haut unter die Brust geschoben und mit der Brustwand vernäht wird, wodurch die neue Brust zusätzlich Stabilität erhält.
           

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