Hautkrebs: Schwarz oder weiß?

Juni 2007 | Medizin & Trends

Immer mehr Jüngere leiden an weißem Hautkrebs
 
Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt und steigt. Trotz der intensiven Aufklärung über die Schattenseiten der Sonnenstrahlen. Die gute Nachricht: Dank der höheren Sensibilisierung wird der äußerst bösartige „schwarze Hautkrebs“ inzwischen meist so früh erkannt, dass er zum Großteil geheilt werden kann. Experten warnen aber, dass die Anzeichen des „weißen Hautkrebses“ immer noch zu wenig bekannt sind, und sie müssen feststellen, dass neuerdings immer mehr jüngere Menschen betroffen sind.
 
Von Mag. Karin Kirschbichler

In Österreich werden pro Jahr 20.000 bis 30.000 neue Hautkrebsfälle entdeckt, 2000 bis 3000 Menschen erkranken an einem Melanom, dem sehr aggressiven, so genannten schwarzen Hautkrebs, an dem hierzulande jährlich fast 300 Personen sterben. Wesentlich häufiger werden die verschiedenen Ausprägungen des weißen Hautkrebses diagnostiziert, die nicht ganz so gefährlich sind und weniger Todesfälle verursachen, aber keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden sollten.

Dass die Zahl der Erkrankungen in Österreich wie auch in den übrigen Ländern mit überwiegend hellhäutiger Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten dramatisch angestiegen ist und weiterhin steigt, erklärt Hautkrebsexperte Univ. Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Leiter der Abteilung für Allgemeine Dermatologie an der Medizinischen Universität Wien, so: „Der wesentlichste bekannte Faktor in der Entstehung von Hautkrebs ist zweifelsohne das ultraviolette Licht. Dies gilt sowohl für den schwarzen Hautkrebs, das Melanom, als auch für die beiden wesentlichen Formen des weißen Hautkrebses, das Basalzell-Karzinom und das Plattenepithel-Karzinom. Obwohl durch Aufklärungskampagnen in der Bevölkerung ein ,Sonnenbewusstsein‘ geweckt werden konnte und die Gefahren der UV-Strahlen heute weitgehend bekannt sind, wird dennoch häufig die notwendige Vorsorge unterlassen, das heißt Vermeidung von Sonnenbränden und entsprechender Sonnenschutz. Auch die unkontrollierte Anwendung von Solarien ist für die Zunahme der Erkrankungen mit verantwortlich.“

Was Prof. Pehamberger, der auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie ist, und seine Kollegen am meisten beunruhigt: „Wir müssen immer mehr jüngere Patienten mit der Diagnose Hautkrebs konfrontieren. Der Altersgipfel ist von 50 auf etwa 40 Jahre herunter gegangen. Wenngleich das Melanom bei Kindern äußerst selten vorkommt, sind jedoch Kinder gleichermaßen zu schützen, da die Sonnenbrände früher Jahre in späterer Folge zu Hautkrebs führen können.“

Neue Therapieansätze bei weißem Hautkrebs
Hautkrebs ist im Unterschied zu allen anderen Krebsarten mit freiem Auge sichtbar. Neben den verbesserten ärztlichen Diagnosemöglichkeiten ist das ein wesentlicher Grund dafür, dass trotz der steigenden Zahl der Erkrankungen die Zahl der Todesfälle zurückgegangen ist. Die meisten Menschen wissen inzwischen, wie ein bösartiges Melanom aussieht und gehen rechtzeitig zum Arzt. Wird Hautkrebs im Frühstadium erkannt, so sind die Heilungschancen mittlerweile sehr hoch.

Egal, welche Form von Hautkrebs der Arzt festgestellt hat: Die totale operative Entfernung ist in jedem Fall die Therapie der Wahl. Prof. Pehamberger: „Ist dies nicht möglich oder bestehen Frühformen des Plattenepithel-Karzinoms und des Basalioms so stehen uns heute neue Therapieansätze mit immunologisch wirkenden Salben zur Verfügung.“

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Die häufigsten Arten von Hautkrebs

Weißer Hautkrebs:

  • Basalzell-Karzinom
    Das auch Basaliom genannte Basalzell-Karzinom ist der weitaus häufigste Tumor der Haut. Es macht sich durch kleine, oft gruppenweise angeordnete hautfarbene bis bräunliche Knötchen mit perlmutterartigem Glanz bemerkbar, die sehr langsam, über Monate oder Jahre hinweg, wachsen. Im späteren Verlauf können diese Knötchen zu einem größeren Knoten verschmelzen, geschwürig aufbrechen und bluten. Erste Anzeichen für ein Basalzell-Karzinom können aber auch schlecht heilende Wunden sein.
    Da Basaliome in erster Linie durch UV-Licht hervorgerufen werden, befallen sie vorzugsweise die so genannten Sonnenterrassen, also die sehr exponierten Stellen der Haut wie Gesicht, Nacken und Hände. Basalzell-Karzinome bilden im Normalfall keine Tochtergeschwülste, also Metastasen, können aber, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, wachsen und tiefer liegendes Gewebe zerstören.
  • Plattenepithel-Karzinom
    Dieser bösartige Tumor, auch Spinaliom genannt, ist der zweithäufigste Hautkrebs. Seine Vorstufe, die so genannte aktinische Keratose, ist ein Alarmsignal dafür, dass sich die Haut für exzessive Sonnenbäder früherer Jahre rächt: Werden diese rötlichen bis bräunlichen, leicht schuppenden Flecken oder Erhebungen nicht rechtzeitig behandelt, so können sich daraus oft erst nach Jahren bösartige Plattenepithel-Karzinome entwickeln. Zeigen sich schmutzigfarbige, derbe Knoten mit einer warzigen und zerklüfteten Oberfläche auf der Haut, so besteht dringender Handlungsbedarf, da Spinaliome in bis zu zehn Prozent der Fälle Metastasen entwickeln und sich auf andere Organe ausweiten können. Plattenepithel-Karzinome können nicht nur vor allem stark sonnenexponierte Stellen, sondern auch die Schleimhaut zum Beispiel im Mund oder Kehlkopf befallen.

Schwarzer Hautkrebs:

  • Malignes Melanom
    Das maligne Melanom ist die bösartigste Form von Hautkrebs, die Zahl nimmt weltweit dramatisch zu, immer mehr jüngere Menschen sind betroffen. Das Melanom ist deswegen so gefährlich, weil es schon in frühen Phasen Metastasen bilden kann. Der wichtigste Auslösefaktor: das UV-Licht.
    Schwarzer Hautkrebs beginnt in der Regel als dunkelbrauner bis schwarzer Fleck auf der Haut, der mit der Zeit erhaben und knotig werden kann. Im Unterschied zum gutartigen Muttermal ist das Melanom meist asymmetrisch, unregelmäßig begrenzt und größer als sechs Millimeter. Melanome können aber auch aus bestimmten Muttermalen entstehen (siehe Kasten), weshalb Menschen, die sehr viele Muttermale haben (mehr als 40) als besonders gefährdet gelten. Schwarzer Hautkrebs kann prinzipiell an jeder Stelle der Haut entstehen, bevorzugt befällt er jedoch jene Zonen mit höherer UV-Belastung.

 

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Sonnenbrand und Krebs:
Weil die Haut nie vergisst

Was für viele der schönste Nebeneffekt des Sonnenbades, ist für die Haut die reinste Notwehr: Bräune ist nämlich nichts anderes als ein Schutzmechanismus vor den eindringenden UV-Strahlen, die die Zellen dazu anregen, schützendes Pigment zu bilden. Gleichzeitig mit der Bräune entwickelt die Haut auch eine so genannte Lichtschwiele, eine Art Verdickung, die einen zusätzlichen Schutz darstellt.
Wie lange dieser Eigenschutz der Haut anhält, ist von Mensch zu Mensch verschieden, hängt vom Hauttyp ab. Ist die Schwelle überschritten, kommt es zum bekannten Sonnenbrand. Egal, wie schnell oder langsam es einen erwischt: Die Haut ist geschädigt! An der Oberfläche sieht es zwar so aus, als hätte sie sich erholt. Tief im Inneren zeigt sich aber, dass der Schaden unwiderruflich ist. Die Folgen: vorzeitige Hautalterung und – unter Umständen – Hautkrebs.

Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Sonnenbrände in der Kindheit und der späteren Entstehung von Tumoren. Prof. Pehamberger: „Die Haut vergisst nie. Die Zahl der im Leben durchgemachten Sonnenbrände, auch in der Kindheit, korreliert direkt mit dem Hautkrebsrisiko. Daß heißt: In der Kindheit durchgemachte Sonnenbrände können jene Schäden am genetischen Material der Zellen hervorgerufen haben, die im späteren Alter zu Hautkrebs führen.“

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Haut-Check

Darauf sollten Sie achten
Hautkrebs ist der einzige Krebs, der sichtbar ist und sich an der Körperoberfläche quasi unter unseren Augen entwickelt. Nutzen Sie die Chance der Früherkennung, damit der Tumor geheilt werden kann, bevor er sich ausbreitet und lebensbedrohlich wird!

Selbstuntersuchung mindestens zweimal jährlich
Gehen Sie systematisch vor, von der Kopfhaut bis zu den Fußsohlen. Achten Sie auf gutes Licht und nehmen Sie für weniger gut einsehbare Körperstellen einen Spiegel oder den Partner zu Hilfe. Schon nach dem zweiten oder dritten Mal haben Sie sich die Besonderheiten Ihrer Haut so gut eingeprägt, dass Ihnen Auffälligkeiten sofort ins Auge stechen. Melanom-Warnzeichen sind das Neuauftreten von oder Veränderungen an Muttermalen, wie sie in der ABCD-Regel umschrieben sind:

A = Asymmetrie. Muttermale sind gleichmäßig rund oder oval, Melanome wachsen stärker in eine Richtung, sind also asymmetrisch.
B = Begrenzung. Muttermale sind in der Randzone scharf zur umliegenden Haut begrenzt. Melanome zeigen eine zackige und unregelmäßige Begrenzung. Dunkel gefärbte Stellen und helle Haut gehen scheinbar übergangslos ineinander über.
C = Colorit (Farbe). Muttermale weisen einen einheitlichen hell- bis dunkelbraunen Farbton auf. Melanome sind durch verschiedene braune und schwarze bzw. rötliche und auch graue Farbtöne gekennzeichnet.
D = Durchmesser. Muttermale bleiben nach ihrer anfänglichen Wachstumsphase über viele Jahre gleich groß. Melanome wachsen ständig und rasch. Auch ein Muttermal, das größer ist als sechs Millimeter, sollte ärztlich untersucht werden.

Untersuchung durch den Arzt einmal jährlich, Risikogruppen zweimal
Hautärztinnen und Hautärzte können oft schon mit freiem Auge das Krebsrisiko von auffälligen Hauterscheinungen abschätzen. Mit dem so genannten Auflichtmikroskop können die Mediziner nicht nur Details an der Oberfläche von verdächtigen Pigmentmalen erkennen, sondern auch tiefer in die Haut hineinschauen, ohne ein Skalpell zu benützen. Die so genannte digitale Auflichtmikroskopie bietet schließlich den Vorteil, dass Bilder von Hautauffälligkeiten gespeichert werden können, um ihre weitere Entwicklung genau zu beobachten.

Achtung: Muttermal-Check nicht gleich nach dem Sommerurlaub!
Prof. Pehamberger: „Die Muttermalkontrolle sollte nicht unmittelbar nach dem Sommerurlaub erfolgen, da durch die Sonne und Bräunung auch die Pigmentzellen in den Muttermalen zur vermehrten Produktion von Melanin angeregt werden können. So kann es hier zu Veränderungen kommen, die aber nicht notwendigerweise bösartig sind. Kontrolluntersuchungen sollten besser in der kälteren Jahreszeit durchgeführt werden.“

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