Kindersegen trotz Chemo- und Strahlentherapie

Mai 2007 | Medizin & Trends

Neue Methode macht’s möglich!
 
Müssen junge krebskranke Frauen mit Chemo- oder Strahlentherapie behandelt werden, kommt es zu einer Beeinträchtigung bzw. zu einem Verlust der Fruchtbarkeit. Jetzt gibt es eine Methode, mit deren Hilfe sich Frauen nach ihrer Heilung trotzdem ihren Kinderwunsch erfüllen können: das Tieffrieren und Wiedereinpflanzen von Eierstockgewebe.
 
Von Mag. Wolfgang Bauer

Die Diagnose traf sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Weichteilsarkom, also Krebszellen im Muskel- und Bindegewebe. Und zur Bekämpfung dieser bösartigen Veränderungen standen gleich mehrere belastende Behandlungen bevor: eine Operation, dazu Strahlen- und Chemotherapie. Doch damit nicht genug. „Als Nebenwirkung dieser Krebsbehandlungen drohte mir auch noch der völlige Verlust der Fruchtbarkeit“, erinnert sich die Patientin Verena S. (Name von der Redaktion geändert), die zum Zeitpunkt der Diagnose Anfang 30 war.

Ihren langgehegten Kinderwunsch wollte Frau S. trotzdem nicht aufgeben. Sie wurde von den behandelnden Onkologen auf eine neu entwickelte Methode aufmerksam gemacht, mit der man auch trotz einer nebenwirkungsreichen Tumortherapie die Fruchtbarkeit erhalten kann: das „Ovarian Tissue Banking“ (kurz OTB genannt, man kann es übersetzen mit „Aufbewahren von Eierstockgewebe“). Gemeint ist die Möglichkeit, Eierstockgewebe entnehmen, tief frieren und nach der Heilung der Tumorerkrankung wieder einpflanzen zu lassen. Frau S. wandte sich an die Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Allgemeinen Krankenhaus, neben der Universitäts-Frauenklinik in Innsbruck die einzige Stelle in Österreich, an der man diese Behandlung durchführt.

„Für Krebspatientinnen, die nach Abschluss ihrer Therapien und nach vollständigem Abklingen der Krebserkrankung Kinder haben möchten, gibt es praktisch keine Alternative zu dieser Methode“, sagt Univ. Doz. Dr. Martin Imhof von der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde. „Dabei entnimmt man der Patientin vor Beginn der Behandlungen einen Teil des Eierstocks. Wenn – wie bei Leukämie – eine Ganzkörperbestrahlung bevorsteht, wird der ganze Eierstock entnommen. Das Gewebe wird nach einer speziellen Schutzbehandlung durch einen computergesteuerten Frierautomaten langsam auf minus 196 Grad Celsius abgekühlt und bei dieser Temperatur gelagert“, so Doz. Imhof.

Empfindliche Eizellen
Während der Mann laufend Samenzellen produzieren kann, ist die Anzahl der Eizellen einer Frau von Geburt her festgelegt. Bei Einsetzen der Pubertät befinden sich etwa 300.000 Eizellen in den Eierstöcken. Monatlich gelangt eine Eizelle zur Reifung, während andere zugrunde gehen. Es erfolgt keine Nachbildung, die Anzahl der Eizellen nimmt also stetig ab. Zusätzlich können auch äußere Einflüsse – wie eine chemo- oder strahlentherapeutische Behandlung – diesen Vorrat beschädigen oder zerstören.

Das tiefgefrorene Eierstockgewebe kann auf diese Art praktisch jahrelang konserviert werden. Ist die Tumorerkrankung geheilt, wird das Gewebe sorgfältig aufgetaut und kann im besten Fall sogar an seinem ursprünglichen Ort wieder eingepflanzt werden. Durch hormonelle Befehle der Hirnanhangdrüse gesteuert, können nun wieder monatlich Eizellen heranreifen. Die Patientin könnte daher sogar auf natürlichem Weg ein Kind empfangen. „Bei uns am AKH lagert zur Zeit Gewebe von 78 Krebspatientinnen, die nach erfolgreicher Beendigung der Behandlungen ihren Kinderwunsch realisieren wollen“, so Imhof. Bisher wurde in Österreich noch kein Gewebe wieder eingepflanzt, aber es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis es so weit sein wird, schätzt der Experte. Er rechnet mit einem vollen Erfolg, denn in Tierstudien hat die OTB-Methode sehr gut funktioniert. Auch bei Menschen wurde sie weltweit bereits mehrmals erfolgreich angewandt.
Frau Verena S. ist seit einem Jahr tumorfrei. Zur Zeit denkt sie noch nicht an Nachwuchs. Sie ist aber glücklich, dass ihr diese Möglichkeit nach den belastenden Krebsbehandlungen noch offen steht.

Einfrieren für künstliche Befruchtung
Auch diese Möglichkeit gibt es: Nach dem Einfrieren und Auftauen kann man das Eierstockgewebe auch in andere Stellen am Körper einpflanzen, etwa im Unterarm oder im Bauch. Dort wächst das Gewebe an, Eizellen reifen heran. Diese werden entnommen, im Reagenzglas befruchtet und
in die Gebärmutter eingesetzt.
     

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