Krampfadern: Was dagegen hilft

Februar 2007 | Medizin & Trends

Moderne Therapieformen im Überblick
 
Etwa jede zweite Frau und jeder dritte Mann leiden unter mehr oder weniger ausgeprägten Krampfadern. Wer sich im Winter für eine Behandlung entscheidet, hat nicht nur gute Chancen, im Sommer wieder makellose Beine zeigen zu können, sondern leistet damit auch einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit. Denn Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches, sondern oft auch ein medizinisches Problem, das therapiert werden muss, um gefährliche Folgeerkrankungen zu verhindern. MEDIZIN populär gibt einen Überblick über die modernen Therapiemethoden.
 
Von Mag. Karin Kirschbichler

Auch wenn das Leiden krampfartige Beschwerden verursachen kann, steckt hinter den Krampfadern ein anderer sprachlicher Hintergrund: das mittelhochdeutsche Wort „krump“ für krumm, das Auskunft gibt über den gekrümmten und geschlängelten Verlauf der vor allem an den Beinen befallenen Blutgefäße.

Krampfadern sind „ausgeleierte“ Venen, die ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen können, einer Aufgabe, die man als Schwerstarbeit bezeichnen kann. Die Funktion der Venen im Blutkreislaufsystem besteht ja darin, das Blut zum Herzen zurückzuführen – und dabei stets im Kampf gegen die Schwerkraft zu bestehen. Zu Hilfe kommen ihnen dabei in erster Linie die so genannten Venenklappen, die im Abstand von zwei bis fünf Zentimetern an den Venenwänden liegen und einen Rückstau des Bluts verhindern.

Sind die Venenwände erweitert, so können die Venenklappen nicht mehr richtig schließen und es kommt zu einem Rückfluss und folglich Stau des Bluts in den Beinen: Krampfadern, von den Medizinern Varizen genannt, entstehen, die in ihrer geschlängelten Form auch sichtbar hervortreten können.
Für die Venenschwäche gibt es unterschiedlichste Ursachen. Vererbung ist bei zirka 90 Prozent der Betroffenen der Hauptgrund, zu langes Stehen oder Sitzen, Bewegungsmangel, Übergewicht, ballaststoffarme Ernährung, Alkohol- und Nikotinmissbrauch, Schwangerschaft und Pilleneinnahme sind weitere Risikofaktoren. „Nicht zuletzt spielt auch das Lebensalter eine Rolle bei der Entstehung von Venenproblemen in den Beinen: Die Gefäßwand verliert mit den Jahren an Elastizität und leiert aus“, fügt Prim. Dr. Friedrich Anton Weiser, Vorstand der chirurgischen Abteilung des Herz-Jesu-Krankenhauses in Wien, hinzu.

Erste Anzeichen
Wer zu Krampfadern neigt, sollte möglichst früh ärztliche Hilfe suchen. Am besten schon dann, wenn sich erste Anzeichen einer Venenerkrankung zeigen wie geschwollene Beine, abendliches Ziehen oder Kribbeln und so genanntes Ameisenlaufen in den Beinen. Mit den heute zur Verfügung stehenden modernen Diagnosemöglichkeiten kann der Zustand der Venen, Venenklappen und des Blutflusses schmerzfrei festgestellt werden, um anschließend die optimale und individuelle Therapie zu empfehlen. Das ist wichtig, denn: „Wird der gestörte Blutfluss in den Venen nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu Komplikationen wie Hautverfärbungen, Venenentzündungen und Thrombosen bis hin zum offenen Bein kommen.“

In Bewegung bleiben
Bei erblicher Veranlagung kann die Entstehung von Krampfadern zwar nicht verhindert werden, aber mit einer entsprechenden Lebensweise kann man das Problem lindern und den Verlauf der Venenerkrankung positiv beeinflussen. Besonders wichtig ist es, die Beinmuskelpumpe auf Trab zu halten, um die Venen beim Bluttransport zu unterstützen. Bewegung ist dabei das Um und Auf. Als besonders venenfreundliche Sportarten nennt Primar Weiser Nordic Walking, Laufen, Radfahren, Wandern, Skilanglauf, aber auch Schwimmen. Auch mit gezielter Venengymnastik können die Venenbeschwerden gelindert werden. Zudem gibt es spezielle Kuren, die helfen können.

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Gymnastik für die Venen:

  • In der Luft Rad fahren
  • Bei leicht angehobenen Beinen die Zehen vor- und zurückbewegen
  • Beine leicht anheben und Scherenbewegungen


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Ein Überblick über die Methoden
Nicht immer müssen Krampfadern behandelt werden. Wenn sie aber Beschwerden verursachen, ist eine Therapie unerlässlich. Über die richtige Wahl kann je nach Art, Ort und Schwere der Erkrankung nur Ärztin oder Arzt entscheiden. Primar Dr. Friedrich Anton Weiser über die verschiedenen modernen Möglichkeiten, die einander zum Teil auch ergänzen können.

Konservative Therapien
Gymnastik und venenfreundliche Sportarten (wegen des hohen Pressdrucks ist Krafttraining nicht empfehlenswert) beschleunigen den Blutfluss und können das Venenleiden verbessern. Ärztlich
verordnete medizinische Kompressionsstrümpfe oder -verbände stützen die ausgeleierten Venen und steigern die Rückflussgeschwindigkeit des Bluts zum Herzen. Kneipp-Anwendungen und Tautreten bringen müde Venen ebenso in Schwung wie die Lymphdrainage, eine Methode, bei der mit leichten, streichenden Handbewegungen gestaute Flüssigkeit zum Abfließen gebracht wird. Medikamente mit Inhaltsstoffen aus rotem Weinlaub, Rosskastanien oder mit so genanntem mikronisiertem Diosmin können die Beschwerden lindern und die Venengesundheit fördern. Ihre Wirkung wird oft mit einer medizinischen Kompressionstherapie ergänzt.

Operative Therapien
Heute stehen etliche Möglichkeiten der Krampfadernoperation zur Auswahl: Nicht mehr funktionstüchtige Venen werden entweder verödet (Sklerotherapie), „gezogen“ (Stripping, Crossektomie), oder mittels Laser, Radiowellen etc. operativ entfernt. Als relativ neue, noch nicht hinlänglich getestete Methode gibt es die so genannte extraluminale Valvuloplastie: Dabei wird nach einer genauen Untersuchung der erkrankte Venenklappenbereich mit einem Kunststoff-Implantat umwickelt und dadurch so weit eingeengt, bis die Klappen wieder schließen und den Rückstau des Bluts verhindern.

Welche operative Therapie die beste ist, muss im Einzelfall von Ärztin oder Arzt entschieden werden. „Bei uns am Herz-Jesu-Krankenhaus machen die modernen Lasermethoden derzeit nur 30 Prozent bei den Krampfadernoperationen aus, da sich nicht alle Arten von Venenveränderungen dafür eignen“, sagt Primar Weiser und gibt zu bedenken: „Welche Methode auch angewandt wird: Patientinnen und Patienten, die erblich vorbelastet sind, müssen damit rechnen, nach einigen Jahren erneut Krampfadern zu bekommen.“


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Wussten Sie, daß …
… das Blutgefäßsystem eines Menschen zirka 100.000 Kilometer lang ist, also mehr als zweimal die Erde umspannen könnte?
Innerhalb eines Tages zirkuliert das Blut bei einem gesunden Menschen mehr als 1440 Mal durch den Körper, bei körperlicher Belastung noch öfter.


BuchTipp

Weiser, Herold, Klaghofer, Slavka, Riss
Schöne und gesunde Beine
Erfolgreich gegen Krampfadern, Besenreiser und Co.
Verlagshaus der Ärzte 2006, € 12,90
114 Seiten, ISBN 978-3-901488-95-5

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