Osteoporose – Mehr Kraft für kranke Knochen

März 2007 | Medizin & Trends

Erste Erfahrungen mit neuer Therapieform
 
Ist der 50er überschritten, trifft es jede dritte Frau und jeden fünften Mann: Die Knochenmasse schwindet schneller als bei Gesunden, die Knochenstruktur löst sich auf, Knochenbrüche drohen. Osteoporose, wie die Mediziner das weit verbreitete Leiden nennen, ist aber kein unabänderliches Schicksal. Mit Hilfe von Medikamenten können kranke Knochen wieder kräftig werden. Neben Tabletten gibt es seit kurzem auch Spritzen. MEDIZIN populär über erste Erfahrungen mit der neuen Therapieform.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Maria S. war 63 Jahre alt, als sie die Diagnose erhielt: Osteoporose, altersbedingter, krankhaft schneller Knochenschwund. Bliebe das Leiden unbehandelt, sagte ihr der Hausarzt, würde die Gefahr von Knochenbrüchen unaufhaltsam steigen. Maria S. entschied sich nach einem ausführlichen Beratungsgespräch mit ihrem Arzt für eine Therapie mit Anti-Osteoporose-Spritzen. Jetzt, nur ein halbes Jahr und zwei Spritzen später, sind Arzt und Patientin gleichermaßen begeistert über den Erfolg der Behandlung. Nicht nur, dass der Verlust der Knochenmasse gestoppt werden konnte, die Knochen der mittlerweile 64-Jährigen sind sogar wieder kräftiger geworden. So kann sie auch die nächsten Jahre unbelastet ihre Hobbys ausüben, ausgiebige Bergtouren machen und sogar Skifahren und Tennis spielen.
Primar Univ. Prof. Heinrich Resch vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien ist Experte in Sachen Osteoporose. So wie bei Frau S. hat er mittlerweile bei vielen Patientinnen und Patienten nach der Verabreichung der Spritzen ausgezeichnete Erfolge erlebt. Und er erklärt, warum die neue Therapie so gut wirkt: „Wenn man die Präparate gegen die Osteoporose injiziert, gehen sie über die Blutbahn direkt ins Knochengewebe. So kann man den Knochensubstanzverlust rasch bremsen und die so genannte Knochenmineralisation fördern. Die Gefahr, Knochenbrüche zu erleiden, nimmt rapide ab.“

Alle drei Monate
Die Anti-Osteoporose-Spritze kann alle drei Monate, also viermal im Jahr, von der Hausärztin oder dem Hausarzt gegeben werden. Sie gilt als gut verträglich, Nebenwirkungen treten nur bei zehn Prozent der Betroffenen auf und beschränken sich auf Grippe-ähnliche Symptome, auch Muskelschmerzen, die schnell wieder vorüber gehen, können auftreten. Gedacht ist die Spritze für Osteoporose-Patientinnen und -Patienten, die eine Therapie mit Tabletten ablehnen. Entweder, weil sie grundsätzlich keine Pillen schlucken möchten (die Tabletten müssen täglich, wöchentlich oder mindestens einmal im Monat eingenommen werden), oder weil sie die Tabletten nicht vertragen. Wie eine Befragung von 500 Osteoporose-Patienten zeigte, führt die Einnahme der Anti-Osteoporose-Tabletten bei vielen zu Nebenwirkungen. 85 Prozent klagten über Schluckbeschwerden, Sodbrennen, Entzündungen der Speiseröhre, einen Druck auf den Magen oder ein anhaltendes Rumoren in Magen und Darm. „Diese Beschwerden stellen für viele eine große Belastung dar“, weiß Prof. Resch. „Wenn sie anhalten, nehmen die Patienten das Medikament dann seltener oder setzen es gänzlich ab, wodurch die Wirkung ausbleibt und die Erkrankung ungehindert fortschreiten kann.“

450.000 Betroffene
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Osteoporose weltweit eine der zehn am meisten verbreiteten chronischen Krankheiten. Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 50 sind von krankhaftem Knochenschwund betroffen. Hierzulande sind es 450.000 Menschen, bei denen aufgrund einer Knochenstoffwechselstörung der Verlust der Knochenmasse viel schneller vor sich geht als bei Gesunden.
Mit Medikamenten kann die Krankheit gut behandelt werden. Kombiniert wird die medikamentöse Therapie mit der Gabe von Kalzium und Vitamin D sowie idealerweise mit einem Bewegungsprogramm, das auf den individuellen Bedarf und die persönlichen Voraussetzungen abgestimmt ist. Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser. Das Problem ist, dass sich die Krankheit oft schleichend entwickelt und die Betroffenen anfangs nichts davon spüren. Damit sie trotzdem frühzeitig entdeckt werden kann, empfiehlt es sich daher, nach dem 50. Lebensjahr ein Risikoprofil zu erstellen und gegebenenfalls eine Knochendichte-Messung, ein Wirbelsäulenröntgen und Bluttests im Labor durchführen zu lassen.
Stellt sich heraus, dass man ein hohes Risiko hat, an Osteoporose zu erkranken oder bereits an Osteoporose leidet, bedeutet das übrigens nicht zwangsweise eine lebenslange Therapie. Wer sich so wie Maria S. dessen bewusst ist, dass sie selbst für ihre Gesundheit verantwortlich ist, und therapietreu bleibt, kann, so Prof. Resch, nach drei bis fünf Jahren auch einmal versuchen, die Behandlung zu unterbrechen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Knochen während der Therapiepause dicht bleiben, ist groß.“

Weitere Medikamente im Test
Als Alternative zur derzeitigen Osteoporose-Behandlung mit Tabletten und Spritzen, die zum Großteil aus so genannten Bisphosphonaten bestehen, wird derzeit in einer internationalen Studie mit 7200 Patientinnen und Patienten im Alter von 60 bis 90 Jahren geprüft, ob ein neuer Medikamentenzusatz die Therapie weiter vereinfachen kann. Die Substanz, ein Antikörper-ähnlicher Stoff, könnte ermöglichen, die Osteoporose mit einer Injektion unter die Haut zu behandeln, die nur noch alle sechs Monate aufgefrischt werden muss. Die 60- bis 90-jährigen Studienteilnehmer erhalten drei Jahre lang jedes halbe Jahr eine Spritze. Ob das reicht, um den Krankheitsfortschritt zu stoppen, oder sogar um eine Verbesserung der Knochensubstanz zu erzielen, wird sich noch heuer zeigen. Ebenfalls in Erprobung sind eine Spritze und eine Infusion, die nur einmal im Jahr verabreicht werden müssen.

 

So bleiben Knochen stark
So wie man den ganz normalen Knochenschwund verzögern kann, der bei jedem Menschen ab dem 30. Lebensjahr eintritt, kann man auch der Osteoporose vorbeugen: Zum Beispiel, indem man viel Kalzium zu sich nimmt, also regelmäßig Milch und Milchprodukte wie Joghurt oder Käse auf den Speiseplan setzt. Damit der Körper das Kalzium gut verwerten kann, braucht er allerdings auch Vitamin D, das durch die Einstrahlung von Sonnenlicht auf die Haut gebildet wird, aber auch gegessen werden kann: Besonders viel davon steckt in Fisch, Fleisch, Milch und Eiern. Gut tun den Knochen außerdem ein gezieltes Kräftigungstraining sowie Laufen, Schwimmen, Skilanglaufen oder Nordic Walking.

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