Franz Küberl

Dezember 2007 | Prominente & Gesundheit

„Der Herrgott hat mich nach dem Unfall für eine Nachspielzeit aufgestellt“
 
Vor zwölf Jahren, 1995, ist der gebürtige Grazer zum Präsidenten der Caritas Österreich gewählt worden – seither steht mit ihm erstmals kein Geistlicher an der Spitze der erfolgreichen und renommierten Hilfsorganisation. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt der 54-jährige zweifache Familienvater, warum das Feiern des bevorstehenden Weihnachtsfests aus seiner Sicht so wichtig ist, wie er nach seinem Unfall vor vier Jahren, bei dem er eine schwere Kopfverletzung erlitt, so schnell wieder fit wurde, was er für seine Gesundheit tut und was Glück für ihn bedeutet.
 
Von Mag. Sabine Stehrer


MEDIZIN populär

Herr Präsident Küberl, Weihnachten naht. Wie wichtig ist es Ihrer Ansicht nach, das Fest zu feiern?

Franz Küberl
Weihnachten ist das Begründungsfest der christlichen Religion. Schon insofern ist es zumindest für Christen wichtig, das Fest zu feiern. Weihnachten feiern ist wie Feiern insgesamt aber auch wichtig, weil das Feiern Ausdruck des Lebens in einer Gemeinschaft ist und damit der spirituellen, beziehungsweise psychischen Gesundheit der Menschen gut tut.

Wie werden Sie den Heiligen Abend verbringen?

Ich werde wie jedes Jahr zunächst einige Caritas-Einrichtungen besuchen und Weihnachten anschließend mit meiner Familie feiern.

Die Caritas hat in Österreich und weltweit Hilfsprojekte laufen. Haben Sie ein Lieblingsprojekt, eines, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Jedes Projekt, das dabei hilft, dass ein Mensch besser leben kann, ist mein Lieblingsprojekt.

Sie leben das christliche Gebot der Nächstenliebe und setzen sich sehr stark für andere Menschen ein, auch dann, wenn dieser Einsatz mit Schwierigkeiten verbunden ist. Was motiviert Sie dazu?

Ich habe zwei Motivationsstränge. Zum einen motiviert mich das Evangelium. Zum anderen ist es der Gedanke an andere, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen, und das noch unter viel schwierigeren Bedingungen als ich. Ich habe zum Beispiel miterlebt, wie zu Kriegszeiten in Sarajevo Leute ihren Nachbarn Essen gebracht haben, obwohl die ganze Stadt unter Beschuss stand und jeder, der hinausgegangen ist, in Lebensgefahr war. In Afghanistan habe ich gesehen, wie ein Mann seine schwer kranke Frau mit dem Fahrrad 30 Kilometer ins Spital gebracht hat. An Erlebnisse wie diese denke ich, wenn etwas nicht gleich funktioniert, wenn ich mich ärgere und verzagt bin. Und das motiviert mich dann dazu, weiterzumachen.

Vor vier Jahren sind Sie in einem Hotel beim Aussteigen aus der Dusche gestolpert und mit dem Kopf gegen das Waschbecken geprallt. Dabei haben Sie sich so schwer verletzt, dass Sie bewusstlos wurden und ein paar Tage im Koma lagen. Danach waren Sie aber sehr schnell wieder fit. Wie haben Sie das geschafft?

Nachdem man mich gefunden hatte, und das hat eine Zeitlang gedauert, hat sich ein ganzes Heer an Rettern, Ärzten, Krankenschwestern und Therapeuten um mich gekümmert, und jeder Einzelne von ihnen hat sein Bestes gegeben. Ich habe mich einfach ihnen allen anvertraut, und sie haben mich sehr gut wieder hergestellt, was ich als großes Geschenk sehe. Oder sagen wir so: Der Herrgott hat mich nach dem Unfall für eine Nachspielzeit aufgestellt.

Hat sich seit dem Unfall Ihr Gesundheitsbewusstsein geändert?

Naja, was sich sicher geändert hat, ist, dass ich viel vorsichtiger aus der Dusche steige als früher (lacht). Was sich allerdings schon auch geändert hat: Ich lebe bewusster und handle bedingungsloser. Gesundheitsbewusst war ich eigentlich schon vor dem Unfall und auch körperlich ganz gut beieinander, das hat mir sicher auch dabei geholfen, rasch wieder auf die Füße zu kommen.

Wie erholen Sie sich vom beruflichen Stress?

Dazu gehe ich im Sommer Bergsteigen und im Winter Skifahren und Skilanglaufen. Oder ich setze mich mit Freunden zum Tarockspiel zusammen. Ich gehe aber auch sehr gern ins Theater und lese gern, und wenn ich Urlaub habe, verreise ich, weil ich fin­de, dass das ganz wichtig für die Erholung ist. Zuletzt habe ich mir einen Traum erfüllt, ich war in Afrika und bin auf den Kilimandscharo gestiegen.

Was bedeutet Glück für Sie?

Glück ist für mich, wenn man einen Beitrag dazu leisten kann, dass es anderen Menschen besser geht

Ausgabe 12/2007
   

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