Achtung, fertig, Mahlzeit!

Mai 2008 | Ernährung & Genuss

Convenience: Bequem kann auch gesund sein
 
Ob Packerlsuppe, Salatdressing oder Fertig-Spätzle: „Convenience Food“ heißt die Zauberformel im österreichischen Lebensmittelsektor, mit dem der Handel pro Jahr fast 600 Millionen Euro umsetzt. Doch nicht nur private Haushalte schwören aus Zeitgründen auf Fertiggerichte, auch Gastronomen bedienen sich mittlerweile aus dem reichhaltigen Angebot an „bequemer Kost“. Dass der Trend durchaus dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten Rechnung trägt, zeigt unser Streifzug durch die Verkaufsregale.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Zeit ist Luxus“, sagt Ernährungswissenschaftlerin und Gesundheitspsychologin Mag. Hanni Rützler. „Und weil Einkaufen und Kochen viel Zeit kosten, werden diese Tätigkeiten von immer mehr Menschen als unökonomisch eingestuft oder als Ballast über Bord geworfen.“ Die aktuellen Marktzahlen bestätigen es: Dosensuppen und Tütengerichte boomen wie nie zuvor. Dabei greifen nicht nur Jüngere und Berufstätige bei fertigen oder halbfertigen Nahrungsmitteln tüchtig zu, auch bei Rentnern und Personen mit wenig Kocherfahrung steht Convenience Food hoch im Kurs.
Gleichzeitig mit dem Run auf Fertigprodukte ist als gegenläufige Entwicklung das gestiegene Gesundheits- und Qualitätsbewusstsein vieler Verbraucher zu beobachten. Rützler: „Zwar kaufen 85 Prozent der Konsumenten Fertigware, aber nur 18 Prozent halten die Instantgerichte für ebenso gut wie selbst gekochte Mahlzeiten.“ Ist Convenience Food also nur eine Notlösung, gleichsam Essen auf die Schnelle, das mit schlechtem Gewissen verspeist wird?

Bequemlichkeit siegt
Nicht unbedingt, denn der Begriff ist weit gefasst. „Convenience“ kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Annehmlichkeit“, „Bequemlichkeit“. Bei Esswaren bezieht der Komfort sich immer auf die Erleichterung gegenüber der mühsameren Alternative. Etwa macht geriebener Emmentaler aus dem Beutel weniger Arbeit in der Küche als ein Käsestück, das man selbst raspeln muss.
Das Beispiel Kartoffel illustriert die Kategorisierung von Convenience Food nach dem Grad der Verarbeitung: Das Zubereiten des rohen Lebensmittels, des Erdapfels mit Schale, ist am aufwändigsten. Ungekochte, geschälte und eventuell in Scheiben oder Würfel geschnittene Kartoffeln aus dem Kühlregal rauben schon weniger Zeit. Dehydrierte Kartoffelflocken für Püree brauchen nur noch mit Wasser, Milch und etwas Fett ergänzt und aufgewärmt werden. Tiefgekühlte Fertigrösti oder Backrohr-Pommes frites schließlich sind ohne weitere Zutaten verzehrfertig. Nicht zu vergessen die Kartoffelchips, für deren Genuss man nicht einmal den Herd erhitzen, sondern nur noch das Säckchen aufreißen muss.

Die Probleme
 Freilich hat die Bequemlichkeit auch Nachteile. Mit jeder Verarbeitungsstufe sinkt der Gehalt an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen und steigt der Anteil an Salz, versteckten Fetten, raffiniertem Zucker und chemischen Zusatzstoffen, die etwa die Haltbarkeit verlängern. Beim erwähnten geriebenen Emmentaler aus dem Plastikbeutel verhindert untergemengte Kartoffel- oder Maisstärke ein Verklumpen.
Da Lebensmittel, denen man Wasser entzieht oder die durch Hitze konserviert werden, ihren Eigengeschmack großteils verlieren, bieten Fertiggerichte ein großes Einsatzgebiet für Geschmacksverstärker. Die unter Anhängern einer natürlichen Ernährung in Verruf geratene Glutaminsäure steht im Verdacht, das so genannte China-Restaurant-Syndrom auszulösen. Empfindliche Personen reagieren mit Mundtrockenheit, geröteten Hautstellen, Kopfschmerzen, Nackensteifheit und Übelkeit. Durch ein Zuviel an tierischen oder gehärteten pflanzlichen Fetten setzen sich überflüssige Kilos an den Hüften fest, und die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wächst. Ein zu hoher Zuckeranteil indessen fördert neben der Gewichtszunahme Diabetes und schädigt die Zähne.
Mitunter aber knausern die Hersteller auch bei den Zutaten, wie ein Test des Vereins für Konsumenteninformation zeigt: Billigeres Sonnenblumenöl und preisgünstigere Cashewkerne ersetzen in etlichen fertigen Pesto-Saucen hochwertiges Olivenöl und teure Pinienkerne, und der dem Originalrezept entsprechende Parmesan- oder Pecorino-Käse findet sich nur in geringen Mengen.
Anstatt die eigene Ernährung völlig in die Hände der Lebensmittelindustrie zu legen, lohnt es sich in jedem Fall, die Zutatenliste zu studieren. Genau dabei allerdings stoßen Allergiker auf Probleme: Mit allgemein gehaltenen Angaben wie „Farbstoff“ oder „Aroma“ ist ihnen nicht gedient.

Gut gekühlt 
Doch Convenience Food hat längst das Stadium des Dosen- und Tütenfutters überwunden. „Vor allem das so genannte Chilled Food, frische Lebensmittel ohne Konservierungsstoffe aus dem Kühlregal, ist drauf und dran, die Küche der Privathaushalte zu revolutionieren“, weiß Ernährungsexpertin Hanni Rützler, die in ihrem „futurefoodstudio“ Gastronomie- und Tourismusbetriebe sowie den Lebensmittelhandel bei der Entwicklung neuer kulinarischer Konzepte unterstützt.
Anfangs lagerten nur Pasta-Gerichte wie Tortellini in den Kühlregalen, später kamen Komponenten der klassischen Hausmannskost wie Spätzle oder Knödel hinzu, und heute locken bereits mundgerechte Obst- und Gemüsestücke, die oft sogar aus biologischem Anbau stammen. Gegen diese gesunden Ready-to-Eat-Mahlzeiten erscheinen traditionelle Dosenravioli oder Packerlsuppen wie Fertiggerichte aus der Steinzeit. „Trockenprodukte sind die einzigen Verlierer im boomenden Convenience-Food-Markt, auch wenn sie deutlich billiger als die modernen Chilled Foods sind“, berichtet Rützler. Und da Biowaren aus der gekühlten Vakuumverpackung die Sehnsucht nach Frische und Natürlichkeit stillen, greifen Konsumenten gerne tiefer in die Geldbörse.

Bequeme Profiköche 
Auch vor Restaurants und Gasthäusern macht der Trend zur Annehmlichkeit nicht Halt. Der Grund: Gastronomen wollen in kurzer Zeit viele Gäste bedienen und Arbeitskräfte ein­sparen. „In der Schweiz tobt gerade eine heftige Debatte um die Verwendung von Convenience-Produkten im Gastrobereich und die entsprechende Deklaration auf den Speisekarten“, sagt Food-Spezialistin Rützler. Der Kunde, der sich im Alltag mehr und mehr mit solchen Gerichten ernährt, so das Argument der Convenience-Gegner, möchte im Restaurant dann lieber Speisen essen, die wirklich frisch zubereitet sind. Ebenso befürchten Skeptiker, dass es zu einem Verlust an Kochkenntnissen in der Bevölkerung kommen könnte. „Nicht wirklich“, beschwichtigt Hanni Rützler, „denn das Thema Kochen ist zu magisch, um in Vergessenheit zu geraten. Aber es wandelt sich rasant. Es wird, befreit von der Last des Alltags, neu entdeckt und zu einem kreativen Akt, der Spaß machen darf.“

Die Bequemlichkeit hat auch Nachteile
Mit jeder Verarbeitungsstufe sinkt der Gehalt an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen und steigt der Anteil an Salz, versteckten Fetten, raffiniertem Zucker und chemischen Zusatzstoffen, die etwa die Haltbarkeit verlängern.

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Convenience-TIPPS
Worauf Sie beim Einkaufen und Zubereiten achten sollten

  • Ordnung und Sauberkeit im Verkaufsregal sprechen eine deutliche Sprache. Akzeptieren Sie keine Produkte mit beschädigter Verpackung und achten Sie stets auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.
  • Bevorzugen Sie Fertiggerichte aus überwiegend natürlichen Zutaten mit wenig Fett, Zucker und Salz. Der Blick aufs Etikett verrät Ihnen die Inhaltsstoffe.
  • Transportieren Sie Chilled Food rasch nach Hause und verarbeiten Sie die Ware möglichst frisch. Je länger die Lagerung, desto höher der Qualitätsverlust.
  • Kochtemperatur und -dauer sind ausschlaggebend für eine gelungene Mahlzeit. Halten Sie sich deshalb an die Zubereitungshinweise des Herstellers.
  • Planen Sie vollständige Fertigmahlzeiten höchstens dreimal wöchentlich in Ihren Speiseplan ein. Convenience Produkte lassen sich ganz nach Belieben mit frischem oder tiefgekühltem Gemüse, Blattsalaten und Rohkost ergänzen.
  • Verzichten sollten Sie hingegen auf die Aufbesserung mit fetten Komponenten wie Rahm, Mascarpone oder Käse – der schlanken Linie und Ihrer Gesundheit wegen.

Convenience-TRICKS
So kochen Sie schnell und essen gesund

  • Magenwärmer. Tiefkühlgemüse enthält mehr Nährstoffe als alte Lagerware aus dem Regal. Besonders außerhalb der Erntesaison können Sie deshalb getrost auf gefrorenes Suppengemüse zurückgreifen und sich das Waschen, Putzen und Schneiden ersparen. Zaubern Sie sich binnen weniger Minuten mit Wasser, Gewürzen und Kräutern eine gesunde Kraftbrühe. Ein paar Nudeln machen die Suppe sättigender, ohne die Verdauung zu belasten.
  • Fremdländisch. Wie wär’s mit mexikanischen Tortillas? Aus Chili-Fix, roten Dosenbohnen und etwas Fleisch oder Faschiertem bereiten Sie die flinke Sauce, die Sie in die gekauften Maisfladen füllen. Eine Handvoll frischer Salat sorgt für das gesunde Plus. Auch Thai-Pfannengerichten aus dem Tiefkühlsortiment sind, in Kombination mit Vollkornreis, eine leckere und bekömmliche Alternative.
  • Hits für Kids. Kinder mögen nicht nur Tiefkühlpizza oder Mikrowellen-Lasagne. Kurz gebratene Putenstreifen zum servierbereiten Eisbergsalat mit lustigen Sternchenkarotten richten sich genau nach dem Geschmack kleiner Genießer. Die bunte Obsttasse aus dem Kühlregal mit Ananashappen, Kiwischeiben und Erdbeerstücken rundet als appetitlicher Nachtisch das Powermenü ab.

                                

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