Haut im Stress

Februar 2008 | Kosmetik & Pflege

Entspannungsprogramm für eine geschmeidige Körperhülle
 
Einige Monate Kälte und Heizungsluft hat unsere Haut bereits ertragen müssen. Jetzt, gegen Ende der unwirtlichen Winterzeit, macht sie bei vielen Menschen Probleme. Lesen Sie in MEDIZIN populär die besten Tipps, wie Sie das empfindliche Organ bei dieser Strapaze unterstützen können, damit es glatt, geschmeidig und rosig aus dem Winterschlaf erwacht.
 
Von Mag. Astrid Bauer

Der Winter will der Haut regelrecht ans Leder. Während unsere empfindlichen inneren Organe durch verschiedene Schalen, Hohlräume und Flüssigkeiten im Körperinneren geschützt liegen, ist unsere Haut in ihrer Funktion als Abgrenzungsorgan zur Umwelt an der Körperoberfläche allen äußeren Einflüssen wehr- und beinahe schutzlos ausgeliefert. Natürlich versuchen wir unsere Haut zu schützen und verpacken unsere Hülle der Jahreszeit entsprechend – mehr oder weniger intensiv. Und dennoch: Nicht alle Körperteile (zum Beispiel Gesicht oder Hände) lassen sich vollständig verstecken.

Besonders gegen Ende der unwirtlichen Winterzeit – ausgezehrt von Wind, Wetter, niedrigen Temperaturen, trockener Heizungsluft – macht unsere Haut Probleme. Dr. Klaus Toblier, Facharzt für Dermatologie in Baden, weiß warum: „Hier greifen verschiedene Faktoren in negativer Weise ineinander. Bei niedrigen Temperaturen ist die hauteigene Talgproduktion schon von Haus aus reduziert. Durch dieses reduzierte Maß an gebildetem Hautfett (Talg, Lipiden) ist die Haut im Winter grundsätzlich fettärmer und trockener als zum Beispiel im Sommer. Niedrige Temperaturen und Minusgrade trocknen unsere Haut noch zusätzlich stark aus.“

Weiters wird unsere Haut durch die Heizungsluft strapaziert und verliert so weiters von innen nach außen Feuchtigkeit, weil durch die Austrocknungserscheinungen auf der Haut die Barrierefunktion reduziert ist. Im Winter sind drei Faktoren wirksam:
* vermindert gebildetes Hautfett,
* Austrocknung von außen und
* Feuchtigkeitsverlust von innen nach außen. Die angegriffene Haut beginnt zu jucken, zu spannen, wird schuppig-trocken und gerötet – es bilden sich Ekzeme.

Winterfest von Kopf bis Fuß
Mit besten Absichten und mit sämtlichen Reinigungs- und Pflegetipps „bewaffnet“ (siehe Kasten) sind wir bestrebt, unsere exponierten Körperstellen gegen den Winterstress zu verteidigen. Doch auch andere weniger „öffentliche“ Körperstellen leiden unter der kalten Jahreszeit und wollen Beachtung.

So sind zum Beispiel unsere Füße den ganzen Winter über gut versteckt, was jedoch nicht bedeutet, dass sie diese Zeit auch gut wegstecken. In bester Absicht werden die armen frierenden Füße in warme Wollsocken gepackt. Das ist ja auch gut so – vorausgesetzt man fristet derart gewappnet den ganzen Tag bei zig Minusgraden im Freien. Doch wer tut das schon? Stattdessen sind die Temperaturen in geheizten Räumen so hoch, dass die Füße transpirieren und die Haut quillt. Ein Geheimtipp gegen dieses Problem sind deodorierende Fußcremen, die auch an den Zehenzwischenräumen angewandt werden sollten.

Abends können (Fuß-) Öle die geschundenen Füße wieder auf Vordermann bringen und für den nächsten Tag fit machen. Ein Einsatz, der sich spätestens im nächsten Sommer bezahlt macht, wenn die Füße wieder „Freigang“ haben.

Wie sich Männerhaut rüstet
Während Frauen schon seit jeher großen Wert auf die ausreichende (Winter-) Pflege legen, haben nun auch Männer die eitle Seite an sich entdeckt. Im Prinzip gelten die gleichen Empfehlungen wie bei den Damen – meist darf es jedoch um einen Hauch fettärmer sein. Die Männerhaut ist nämlich oftmals etwas fettiger oder öliger, meist auch etwas robuster, neigt aber andererseits häufiger zu dem im Winter gerne auftretenden Talg­drüsenekzem. Das äußert sich als fettige Schuppung und Rötung im Augenbrauenbereich, im Bereich der seitlichen Nasen- und Mundpartie und im Bartbereich. Außerdem ist Männerhaut durch das Rasieren schneller „beleidigt“. „Für sie empfiehlt sich eine Pflege mit Zusatzinhaltsstoffen wie Sucralfat, welches die rasurgestresste Haut beruhigt. Ciclopiroxolamin und Zinkpyrithion sind Stoffe, die speziell dem Talgdrüsenekzem entgegenwirken“, weiß Dr. Toblier.

Haut mit besonderen Ansprüchen
Besonderer Aufmerksamkeit bei der Winterpflege bedarf mit Sicherheit die Haut von Patienten, die an Hautkrankheiten wie Neurodermitis leiden, wobei hier neben am besten ärztlich abgestimmten Pflegemaßnahmen zusätzlich oftmals die haut­ärztliche Lichttherapie bzw. die UVB-Schmalspektrumtherapie zum Einsatz kommt. Diese Maßnahmen wirken sich auch gut bei Patienten mit Psoriasis (Schuppenflechte) aus und verbessern das durch den Winter zusätzlich stark gestresste Hautbild.

Cremen, cremen, cremen!
Egal ob alt oder jung, Männlein oder Weiblein, die Zauberformel heißt: Cremen, Cremen und nochmals Cremen! Man kann aber noch viel mehr tun. Zum Beispiel mit der ausreichenden Wasserversorgung von innen durch häufiges Trinken. Besonders gut eignen sich im Winter – abgesehen von Wasser – auch Ingwer-Wasser oder ayurvedische Tees, um den unbändigen Durst der Haut zu stillen. Auch Feuchtigkeit von außen ist wichtig. So sollte die ­Raumluft idealerweise einen Feuchtigkeitsgrad von zirca 60 Prozent aufweisen. Also: Wecken Sie Ihre Haut aus dem Winterschlaf und zeigen Sie der unwirt­lichen Jahreszeit die kalte Schulter!

Frühlingserwachen für die Haut
Die besten Tipps von Hautarzt Dr. Klaus Toblier

  • Da vor allem der Gesichtshaut Fett fehlt und Feuchtigkeit entzogen wird, müssen diese beiden Faktoren in optimaler Weise zugeführt werden.
  • Die Gesichtsreinigung sollte mit milder Reinigungsmilch oder einem seifenfreien Syndet unter Zusatz von Cold­Cream (Kälteschutzpräparat) erfolgen. Auf die Verwendung von alkoholischen Gesichtswässern, mechanischen Peelingprodukten und austrocknenden Gelen sollte im Winter verzichtet werden.
  • Die Winterpflege der empfindlichen Gesichtshaut muss eine Spur reichhaltiger, sprich fettreicher sein als die Pflege während der warmen Perioden. (Ausnahme: die ölige, zur Akne neigende Haut).
  • Da Flüssigkeiten und Wasser bei Minusgraden gefrieren und dadurch an der Haut Kälteschäden verursachen, sollte der Wassergehalt der Tagespflege reduziert bzw. der Harnstoff- und Glyceringehalt der Produkte gesteigert sein. Bei Temperaturen bis zu minus 10 Grad ist die Verwendung von Cold Cream gut, bei noch niedrigeren Temperaturen sind mineralölfreie Fettsalben zu empfehlen.
  • Tagsüber sollten je nach Hauttyp wasserreduzierte Lipocremes oder Wasser-in-Öl-Emulsionen angewandt werden. Auch der Zusatz von UV-Filtern im UVA- und UVB-Bereich, Harnstoff und Glycerin, Radikalfängern und Antioxidantien hat sich sehr bewährt.
  • Abends ist der Zusatz von Retinaldehyd, Tocopherol, milder bzw. gering konzentrierter Frucht- oder Milchsäure sowie Hyaluronsäure empfehlenswert. Diese Essenzen steigern die Regenerations- und Reparaturkapazität unserer Haut.
  • Prinzipiell sollten Hautpflegeprodukte außerdem frei von Paraffinen, Duftstoffen und Wollwachsalkoholen sowie bestimmten Emulgatoren sein.
  • Für die Lippen empfehlen sich Pflegestifte mit UV-Schutzsystemen. Diese Stifte sind übrigens auch für die empfindliche Nasenspitze gut geeignet.
  • Zur Wäsche des Körpers eignen sich ebenfalls seifenfreie Produkte mit Cold Cream-Zusatz, emulgatorarme Duschöle oder so genannte spreitende Ölbäder, die nach dem Bad einen feinen Fettfilm auf der Haut hinterlassen.

              

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