Vorsicht, Fußpilz!

November 2008 | Kosmetik & Pflege

Was wirklich dagegen hilft
 
Er lauert in Hallenbädern, in Umkleidekabinen, auf Teppichböden, wird begünstigt durch Fußschweiß, enge Schuhe und luftundurchlässige Strümpfe: Fußpilz. In MEDIZIN populär erklären Expertinnen, wie man sich vor einer Ansteckung schützt und das Problem im Fall des Falles wieder los wird.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Wenn die Haut an den Füßen juckt, schuppt, sich rötet und feucht aufweicht, ist ein Besuch beim Hautarzt fällig. Aller Voraussicht nach wird der Dermatologe beim Auftreten dieser Symptome eine Pilzerkrankung (Mykose) feststellen. Tinea pedis, wie Mediziner den Fußpilz nennen, zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten der Haut und wird durch mikroskopisch kleine Pilze, sogenannte Dermatophyten, hervorgerufen. Bei weitem am öftesten schlägt ein Erreger namens Trichophyton rubrum zu. Er verursacht keineswegs nur einen kosmetischen Makel, sondern mitunter auch starke Schmerzen.

Lässt man den Fußpilz unbehandelt weiter wachsen, kann er sich auf die Zehennägel und andere Körperregionen ausbreiten. Besonders gefährdet sind die Hände, die Leistengegend, die Achselhöhlen, die Innenseiten der Oberschenkel und diverse Hautfalten wie beispielsweise bei Frauen jene unter den Brüsten. „Außerdem stellen die aufgeweichten Hautstellen und Wunden, die bei einer Mykose auftreten, Eintrittspforten für Bakterien dar“, erläutert Dr. Astrid Mayr, Mikrobiologin und Pilzdiagnostikerin am Department für Hygiene, Mikrobiologie und Sozialmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck. „Die bakteriellen Erreger wiederum können schwere Hautentzündungen wie die Wundrose hervorrufen, die unter Umständen ernste Komplikationen bis hin zur Blutvergiftung nach sich ziehen kann.“

Übertragen wird der Fußpilz zwar prinzipiell von Mensch zu Mensch, selten aber durch direkten Hautkontakt. Die Gefahr haftet vielmehr den winzigen Hautschüppchen an, die wir tagtäglich unbemerkt verlieren und die sich unter anderem in unseren Schuhen, Strümpfen, Teppichen und Badematten sammeln. Dort kann der zähe Pilz problemlos die für ihn kargen Bedingungen überdauern. Steigt dann eine andere Person mit bloßen Füßen darauf, kommt er wieder in das feucht-warme Milieu, das seine Vermehrung ankurbelt. „Der Pilz kann besonders leicht in die Haut eindringen, wenn die Füße aufgequollen oder kleine Verletzungen, Risse und Schrunden vorhanden sind“, sagt Dr. Mayr.

Krankheit der Sportler und Immungeschwächten

Grundsätzlich besiedeln Pilze auch die Haut von gesunden Menschen, allerdings in vernachlässigbar geringer Menge. Ist die Immunabwehr geschwächt, der Säureschutzmantel beeinträchtigt oder die Durchblutung der Füße vermindert, haben die Erreger leichtes Spiel und vermehren sich massenhaft. So tritt die Erkrankung bei Diabetikern, Rauchern und älteren Menschen häufiger auf. Fußfehlstellungen, erbliche Veranlagung und mangelnde Hygiene sind weitere Risikofaktoren, und es finden sich mehr Männer als Frauen unter den Betroffenen.

Besonders weit verbreitet ist der Fußpilz bei körperlich aktiven Menschen. Vor allem Fußballer, Schwimmer und Jogger fürchten den „Athlete’s Foot“, zu Deutsch: Sportlerfuß. Pilzexpertin Mayr: „Die Hauptursachen für den Athlete’s Foot sind das durch den Schweiß entstehende warm-feuchte Mikroklima in den Schuhen und die ständige Reibung an den Zehen, die minimale Verletzungen verursacht. Beides schafft ideale Bedingungen für das Einnisten von Pilzsporen. Zusätzlich sind die von den Sportlern gemeinsam benutzten Duschen und Umkleidekabinen wahre Tummelplätze für die Erreger.“

Nicht-Sportler sollten das häufige Tragen von engen Schuhen, Gummistiefeln und Socken aus synthetischen Materialien nach Möglichkeit vermeiden. „Ein großes Risiko sind nackte Füße in öffentlichen Saunaanlagen, Hallenbädern und Fitnesscentern“, sagt Astrid Mayr und empfiehlt, in solchen Einrichtungen Badeschuhe anzuziehen.

Heilt nicht von selbst
Der Fußpilz wird mit pilzabtötenden Salben behandelt, die lokal auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. Bei schwerem Befall ist eine Therapie mit Tabletten nötig. Ist das Nagelbett verletzt, können die Erreger in den Zehennagel eindringen und zu hartnäckigem Nagelpilz führen, dessen Behandlung viel Sorgfalt und Geduld erfordert. Darauf verlassen, dass die Erkrankung von selbst wieder verschwindet, sollte man sich nicht, denn Fußpilz zeigt generell keine Selbstheilungstendenz.

Doktern Sie auch nicht mit Hausmitteln wie Essig an sich herum. Für ihre Wirkung gibt es keine wissenschaftlich haltbaren Belege. Einzig ratsam ist das Durchführen einer Therapie nach ärztlicher Anordnung, die man nicht zu früh abbrechen darf. Denn selbst wenn äußerlich keine Krankheitsherde mehr sichtbar sind, können mikroskopisch kleine Sporen oder das feine, weit verzweigte Fadengeflecht des Pilzes noch vorhanden sein. Unterstützen Sie die medikamentöse Therapie allenfalls, indem Sie in dieser Zeit auf zuckerhaltige Lebensmittel verzichten. Ansonsten halten Sie am besten die vorgeschriebene Behandlungsdauer mit dem Pilzmedikament genau ein, sonst laufen Sie Gefahr, dass der Fußpilz erneut auftritt.

Fußduschen veraltet
Da es weder Schutz- noch Heilimpfungen gegen Pilzerkrankungen gibt, ist in erster Linie die Vorbeugung wichtig, betont Dr. Astrid Mayr.
Übrigens: Die oft in Hallenbädern installierten Fußduschen, die per Knopfdruck eine Desinfektionslösung versprühen, gelten nach heutigem Wissensstand als überholt. Die korrekte Anwendung und eine ausreichende Einwirkzeit sind bei derartigen Anlagen nicht gewährleistet. Zudem fehlt bisher der definitive Nachweis, dass die verwendeten Desinfektionsmittel auch tatsächlich gegen diese Pilze wirken.

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So beugen Sie vor

Dr. Helga Procher-Markl, Fachärztin für Haut- und Gefäßerkrankungen in Neusiedl am See, gibt Tipps:

  • Benutzen Sie nur eigene Handücher und wechseln Sie sie regelmäßig. Schlüpfen Sie nicht in fremde (Haus-) Schuhe.
  • Achten Sie auf sorgfältig gepflegte Füße und Fußnägel.
  • Gehen Sie in öffentlichen Saunen, Schwimmbädern, Fitnesscentern und in Hotelzimmern nicht barfuß.
  • Trocknen Sie Ihre Füße nach dem Duschen, Baden und Schwimmen immer gut ab – vor allem auch die Zehenzwischenräume.
  • Meiden Sie Schuhe, Strümpfe und Socken aus synthetischen Materialien. Die Füße schwitzen darin zu stark. Verzichten Sie auf einengendes Schuhwerk und wechseln Sie Ihre Socken täglich.
  • Leiden Sie bereits an Fußpilz, sollten Sie auch Ihre Handtücher täglich wechseln und Ihre Socken bei mindestens 60 Grad waschen.

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Fußpilz ist nicht gleich Fußpilz

Dr. Astrid Mayr vom Departement für Hygiene, Mikrobiologie und Sozialmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck über die verschiedenen Formen des Problems:

„Ob die Behandlung von Fußpilz auf Dauer erfolgreich ist, hängt von einer exakten Diagnose ab“, sagt die Fachfrau für Pilzerkrankungen. „Das äußere Erscheinungsbild ist für die Diagnosestellung von besonderer Bedeutung.“ Und das kann sehr unterschiedlich sein:

Die häufigste Form von Fußpilz ist die Zehenzwischenraum-Mykose. Sie tritt vielfach zwischen der dritten und vierten sowie der vierten und fünften Zehe auf. An diesen Stellen rötet sich die Haut, weicht auf und juckt. Auch tiefe Hauteinrisse, verbunden mit erheblichen Schmerzen, sind möglich. Bei der Mokassin-Typ-Mykose ist vor allem die Ferse oder die gesamte Fußsohle betroffen. Es kommt dort zu vermehrter Hornhautbildung und trockener Schuppung der Haut.

Schließlich gibt es noch eine Ausprägungsart, die am Hohlfuß auftritt und für die Bläschenentwicklung, Rötung und Schuppenbildung charakteristisch sind. Pilzdiagnostikerin Mayr: „Bei Verdacht auf Fußpilz muss Hautmaterial mikroskopisch untersucht und der Erreger durch das Anzüchten einer Kultur bestimmt werden. Nur auf diese Weise kann man eine gesicherte Diagnose stellen und den Pilz wirksam bekämpfen.“ Ein Besuch beim Hautarzt ist also unbedingt erforderlich.
    

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