Der Uro-Check für die Frau

Januar 2008 | Medizin & Trends

10 Minuten für die Gesundheit
 
Frauen sind beim Urologen selten anzutreffen. Der gilt immer noch als „Männerarzt“. Leider, wie die Fachärztinnen und Fachärzte betonen, denn Frauengesundheit ist auch „urologisch“. Um Erkrankungen von Harntrakt und Niere verhindern bzw. rechtzeitig behandeln zu können, wurde nun der „Uro-Check für die Frau“ ins Leben gerufen: eine zehnminütige Untersuchung, bei der für die Patientinnen keinerlei Kosten anfallen.
 
Von Mag. Karin Kirschbichler

Bei mir sind es immerhin 30 Prozent“, sagt Dr. Astrid Zeitelberger-Renz, Fach­ärztin für Urologie und Andrologie in Wien, auf die Frage, wie viele Frauen sie in ihrer Ordination behandelt. Bei ihren männlichen Kollegen sind die weiblichen Patienten in noch geringerer Zahl anzutreffen. „In der Öffentlichkeit gilt der Urologe eben immer noch als Männerarzt“, bringt es Univ. Prof. Dr. Walter Stackl, Primarius der Urologischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie, stellvertretend für seine Berufskollegen auf den Punkt. Ein Blick in die Statistik zeigt aber, dass Frauengesundheit sehr wohl eine „urologische“ Angelegenheit ist:

  • Jede zweite Österreicherin leidet im Lauf ihres Lebens mindestens einmal an einem Harnwegsinfekt, wie die Blasenentzündung in der Fachsprache genannt wird.
  • Rund 850.000 Frauen sind hierzulande von Harninkontinenz betroffen, das heißt, sie verlieren unfreiwillig Harn.
  • Bei immer mehr Frauen muss die Diagnose Blasenkrebs, aber auch Nierentumor gestellt werden.

Schmerzhaft: Harnwegsinfekt
Wird ein Harnwegsinfekt zu spät oder nicht richtig behandelt, so besteht die Gefahr, dass das Problem immer wieder auftritt, chronisch wird und die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Und das kann schlimme Folgen haben, „im Extremfall bis zum Nierenversagen oder zur Notwendigkeit der künstlichen Harnreinigung, der Dialyse, führen“, verdeutlicht Urologin Zeitelberger-Renz das „Urologische“ an der Frauengesundheit. Faktum sei jedenfalls, so schlagen Experten Alarm, dass noch nie so viele junge Frauen mit Nierenentzündung in Krankenhäusern behandelt wurden wie in den letzten zwei, drei Jahren.

Frauen, die plötzliche Unterbauchschmerzen haben, vermehrten Harn­drang verspüren, ein Brennen beim Wasserlassen sollten möglichst rasch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, zumal wenn sich zu diesen Beschwerden auch noch Blut im Harn und Fieber gesellen. Schuld an Harnwegsinfekten sind Bakterien, die von außen in die Harnröhre gelangen. Wenn sie nicht von der körpereigenen Immunabwehr abgefangen werden können, steigen diese Keime in die Blase auf und verursachen Entzündungen.

Dass dieses oft sehr schmerzhafte Leiden viel mehr Frauen als Männer trifft, liegt an der Anatomie: Die Harnröhre der Frau ist wesentlich kürzer als die des Mannes, so dass der Weg der Bakterien bis zur Blase deutlich kürzer ist. Außerdem liegt die Harnröhrenmündung bei den Frauen in unmittelbarer Nähe zu Scheide und Darmausgang. Von dort können Keime, vor allem Kolibakterien, auf kürzestem Weg in die Harnwege gelangen und für einen Infekt sorgen. „Kälte und Stress können das Auftreten von Harnwegsinfekten ebenfalls begünstigen“, ergänzt Dr. Zeitelberger-Renz. Diese Faktoren schwächen das Immunsystem, das dem Kampf gegen eindringende Bakterien dann nicht gewachsen ist.

Tabuisiert: Inkontinenz
„Darüber spricht man nicht, da kann man sowieso nichts machen!“: Diese Meinung vertreten auch heute noch viel zu viele Menschen, die von Harninkontinenz betroffen sind. Eine Million Österreicher, so schätzen Experten, verlieren unfreiwillig Harn, 85 Prozent davon sind Frauen. Nur fünf Prozent dieser 850.000 Patientinnen begeben sich in ärztliche Behandlung. Der Rest nimmt das Problem als gegeben hin, die Beeinträchtigung der Lebensqualität in Kauf und zieht sich aus Scham mehr und mehr aus dem Gesellschaftsleben zurück.

„Der Fortschritt in der Urologie hat es möglich gemacht, dieses Problem wirklich heilen bzw. bessern zu können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die Betroffenen einem dafür kompetenten Urologen mitteilen, dann erst können logischerweise die entsprechenden Schritte gesetzt werden“, sagt Prim. Univ. Doz. Dr. Helmut Heidler, Abteilungsvorstand der Urologie am Linzer AKH und stv. Fachgruppenobmann der Urologie der Oberösterreichischen Ärztekammer.

Die Möglichkeiten, die der modernen Medizin zur Verfügung stehen, richten sich nach der Art und Schwere der Inkontinenz. Sie reichen vom Beckenbodentraining über die medikamentöse Therapie bis zum operativen Eingriff. „Die Aussichten auf Heilung bzw. Besserung belaufen sich auf 90 Prozent“, bringt Heidler ein weiteres Argument dafür, warum Frauengesundheit auch „urologisch“ ist. Wer bei körperlicher Anstrengung wie beim Husten, Niesen oder Heben schwerer Lasten Harn verliert, ohne einen Harndrang zu verspüren, bzw. wer unter zwanghaftem Harndrang leidet, der nicht mehr unterdrückt werden kann, sollte den Weg zur Urologin, zum Urologen nicht scheuen.

Tückisch: Blasenkrebs
Ein Harnblasentumor bleibt oft lange Zeit im Verborgenen, weil er meist keine eindeutigen Warnsignale aussendet. Zeigt sich mit freiem Auge sichtbares Blut im Urin, so bedeutet das bereits Alarmstufe Rot, die sofort zum Arzt führen sollte. Blasenkrebs kann sich aber auch wie der Harnwegsinfekt durch Brennen beim Wasserlassen, vermehrten Harndrang und Stechen nach der Entleerung bemerkbar machen. Um so wichtiger ist es, all diese Symptome ärztlich abzuklären, betont Dr. Michael Eisenmenger, Präsident des Berufsverbandes der österreichischen Urologen. Wie bei anderen Krebserkrankungen gilt auch beim Blasenkrebs: Je früher er erkannt wird, desto größer ist die Heilungschance.

Dass Frauengesundheit „urologisch“ ist, zeigt sich gerade beim Blasenkrebs, der seit einigen Jahrzehnten immer öfter bei Frauen diagnostiziert werden muss. 1983 wurden 385 Blasenkrebs-Patientinnen registriert, 2003 waren es bereits 462, Tendenz: weiter steigend, wie Experten befürchten. Woran das liegt? „Man vermutet, dass die steigende Zahl der Raucherinnen verantwortlich für die steigende Zahl der Blasenkrebs-Patientinnen ist“, erklärt Dr. Zeitelberger-Renz. Denn Rauchen gilt als Hauptursache für Blasenkrebs. Warum? „Die Giftstoffe im Tabakrauch gelangen über Lunge und Blutkreislauf durch die Nieren in den Harn, der bis zur Entleerung in der Blase gespeichert wird. Die Blase ist den Wirkungen der krebserregenden Stoffe aus Zigarette & Co also längere Zeit ausgesetzt.“

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Uro-Check
Was wird untersucht?

Am Beginn steht das Gespräch zwischen Arzt und Patientin, um die Art der Beschwerden zu erfassen. Um eine Diagnose stellen zu können, muss eine professionelle Untersuchung des Harns durchgeführt werden. Dazu dienen exakte Harngewinnung, Teststreifen, Mikroskop und bei Bedarf die Anlage einer Harnkultur. Um festzustellen, ob die Patientin Steine oder Tumoren hat, wird eine sonographische, also Ultraschall-Untersuchung von Blase und Nieren durchgeführt. Um herauszufinden, ob die Nieren ordnungsgemäß funktionieren, wird fallweise ein Bluttest erforderlich sein. Liegt ein Risiko vor, so wird der Patientin zu entsprechenden weiterführenden Untersuchungen wie zum Beispiel einer Blasenspiegelung geraten. Der Uro-Check dauert im Normalfall zehn Minuten, für die Patientinnen entstehen keinerlei Kosten.

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So bleibt die Blase gesund
Die besten Vorsorgetipps

  • Viel trinken
    Mindestens zwei Liter am Tag trinken, am besten Wasser oder Tee, das spült die Blase gut durch. Achtung: „Während einer Antibiotika-Therapie bei bereits vorliegendem Harnwegsinfekt sollte man nicht übermäßig viel trinken, weil das Antibiotikum sonst verdünnt wird und an Wirkung verliert“, weist Dr. Zeitelberger-Renz auf einen häufigen Irrtum hin.
  • Warm halten
    Unterkühlung schwächt das Immunsystem, das dann nicht mehr so gut in der Lage ist, Harnwege und Blase vor eindringenden Keimen zu schützen. Darum: Den nassen Badeanzug nach dem Schwimmen im Hallenbad sofort ausziehen, die kalten Füße nach dem Winterspaziergang möglichst schnell aufwärmen. Bauchfreie Kleidung und Miniröcke im Kasten lassen – zumal in der kalten Jahreszeit.
  • Entspannt entleeren
    Die Blase sollte regelmäßig entspannt, also ohne zu pressen, entleert werden. „Pressen kann bewirken, dass Keime in Richtung Niere gedrückt werden und dort Infektionen verursachen“, erklärt Dr. Zeitelberger-Renz.
  • Richtig reinigen
    Den Intimbereich von vorne nach hinten – niemals umgekehrt! – waschen, um das Eindringen vor allem von Darmbakterien möglichst zu verhindern. Von übertriebener Intimhygiene wird abgeraten, um die Scheidenflora gesund zu erhalten, denn auch sie hat eine wichtige Schutzfunktion. Da Koli- oder Hautbakterien auch beim Geschlechtsverkehr in den Harntrakt gelangen können, empfiehlt Dr. Astrid Zeitelberger-Renz: „Wasserlassen nach dem Sex! Das kann einem Harnwegsinfekt vorbeugen.“
  • Gesund essen
    Ausgewogene Ernährung ist auch für die Blase gesund, weil sie für ein starkes Immunsystem sorgt. Darüber hinaus ist wissenschaftlich erwiesen, dass Preiselbeersaft oder Preiselbeer-Extrakte in Form von Tabletten oder Kapseln gut für die Blase sind: Sie helfen mit, das Anhaften von schädlichen Keimen an die Schleimhaut zu reduzieren. Ebenso kann die Ansäuerung des Urins wirken: Dazu nehme man zum Beispiel abends jeweils einen Esslöffel Apfelessig zu sich.

    WebTipp www.urologisch.at

             

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