Gelbliches Gesicht, bläuliche Nägel?

November 2008 | Medizin & Trends

Was Körperverfärbungen verraten
 
Trüber, dunkler Urin kann eine Niereninfektion oder Lebererkrankung anzeigen, eine verfärbte Zunge Probleme mit dem Magen, bläuliche Fingernägel sind womöglich ein Hinweis auf Lungenhochdruck. Ob Augen, Nägel, Harn oder Zunge – lesen Sie in MEDIZIN populär, wie Sie Körperverfärbungen deuten können.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Man ist nicht unbedingt eitel, wenn man sich täglich vor dem Spiegel eingehend betrachtet. Im Gegenteil: Wer sein Äußeres regelmäßig prüft und obendrein gelernt hat, körperliche Veränderungen richtig zu deuten, leistet damit einen wichtigen Beitrag zur eigenen Gesundheitsvorsorge, ist Dr. Joachim Huber, Internist, Kardiologe, Sport- und Flugmediziner in Wien, überzeugt. „Uns wurde beigebracht, nicht eitel zu sein, sich nicht ständig in den Spiegel zu schauen. Ich empfehle aber, dass man sich regelmäßig anschaut und testet, sprich berührt“, betont der Mediziner. „Denn die Präventivmedizin beginnt bei uns selbst.“
Die genaue Betrachtung des Äußeren zur Vorsorge hat Tradition. „Früher hat eine Mutter ihre Kinder einmal wöchentlich gebadet, geschrubbt, sie genau beobachtet und auf Veränderungen geachtet“, berichtet Huber. Ein wenig Zeit für die regelmäßige „Nabelschau“ sollte man sich auch heutzutage nehmen. Auf diesem Weg fallen körperliche Veränderungen rascher auf, die Symptome können schneller und gezielter abgeklärt und behandelt werden.

Gesicht
Die kritische Selbstprüfung beginnt beim Gesicht. Ein frischer, rosiger Teint zeugt von blühender Gesundheit. Eine blasse Haut hingegen kann ein Hinweis auf eine verminderte Durchblutung, z. B. in Folge einer Kreislaufstörung, sein. Ist der Teint gräulich, so ist womöglich eine Körperfunktion, etwa die Entgiftungsleistung der Nieren, gestört. Menschen mit einer gelblichen Gesichtsfarbe, die außerdem hellen Stuhlgang haben, sollten die Leber untersuchen lassen. „Wenn man sich zusätzlich fiebrig und krank fühlt, kann auch eine Gelbsucht (Hepatitis A) dahinterstecken“, ergänzt der Internist. Noch eine Auffälligkeit: „Fleckige, weiß-gelbliche Knötchenerhebungen im Gesicht können ein Hinweis auf eine Fettstoffwechselstörung sein.“

Augen
Dunkle Ringe unter den Augen deuten bei Frauen, die unter starker Regelblutung mit großem Blutverlust leiden, mitunter auf einen Eisenmangel. „Bei jungen Menschen sind Augenringe oft ein Signal des Körpers, den Lebensstil zu verändern“, nennt Joachim Huber eine weitere mögliche Ursache. „Der Körper sagt: Schlaf mehr, treib Sport, trink mehr Wasser etc.“ Wer zusätzlich tief liegende Augen, Wasseransammlungen im Bereich unterhalb der Augen sowie Mundgeruch hat, bei dem liegt die Ursache womöglich in einer Nierenerkrankung oder in nicht sanierten Zähnen. Auch trübe Augen, wenn sie mit dem Nachlassen der Sehkraft einhergehen, sollten ärztlich untersucht werden. „Abgesehen von einer harmlosen Linsentrübung (Katarakt), die gut zu behandeln ist, können auch andere Erkrankungen dahinterstecken“, erklärt der Facharzt. „Wenn etwa die Bindehaut nicht mehr weiß, sondern leicht gelblich ist, könnte das auf eine Fehlfunktion der Leber hinweisen.“ Wenn zu den gelblichen Augen der Stuhl sehr hell, der Harn bierbraun ist, liegt wahrscheinlich eine Gallenstauung vor. „Von einem harmlosen Gallenstein bis hin zu einem bösartigen Tumor in den Gallenwegen kann das alles bedeuten“, erläutert Huber. Ist die Bindehaut gerötet, so sind die Augen aus irgendeinem Grund gereizt. Man sollte überprüfen, ob man die Kontaktlinsen sachgerecht trägt und pflegt oder ob gegen verwendete Kosmetika eine Allergie besteht.

Finger- & Fußnägel
Gesunde Nägel haben eine glatte, matt schimmernde Oberfläche, sie sind fest und zugleich biegsam. „Wenn die Nägel brüchig werden und eigenartig gerillt sind, sollte man überlegen, ob man sich beim Schneiden der Fingernägel regelmäßig das Weiße wegschneidet“, regt Joachim Huber an. „Dadurch wird nämlich das Nägelwachstum gestört, sodass man eines Tages womöglich aufgeworfene Nägel, so genannte Hexenkrallen, hat.“ Trübe, gräuliche Veränderungen der Fußnägel sind oft Anzeichen für einen Fußpilz, der unbedingt in ärztliche Behandlung gehört. Ganz anders sind bläuliche Nägel zu deuten. „Sind die Finger- oder Zehennägel bläulich verfärbt, so kann das auf einen Herzklappenfehler oder Lungenhochdruck hinweisen“, betont der Internist. Weiße Punkte auf den Nägeln können einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel anzeigen.

Zunge
Wenn die Farbe der Zunge anders als dunkelrosa ist, wird zuallererst ein Magenproblem vermutet. „Die Oberfläche der Zunge verändert sich sofort, wenn im Magen etwas nicht stimmt“, erklärt Huber. „Wenn sich plötzlich das Geschmacksempfinden ändert, muss man auch an Störungen im Zentralnervensystem denken.“ Weiters gilt die Zunge als wichtiger Sensor für die Zahngesundheit. „Kaputte Zähne oder eitrige Zahnherde können sich in Form eines veränderten Zungenbelags zeigen“, weiß der Facharzt. „Auch einige Kinderkrankheiten verändern die Farbe der Zunge.“

Sekrete
Wenn die Nase läuft und man transparentes Sekret zutage fördert, handelt es sich meist um einen harmlosen Schnupfen. Ist das Sekret gelblich oder grünlich, könnte eine Nasennebenhöhlenentzündung die Ursache sein. Und was steckt hinter wieder kehrendem Nasenbluten? „Das deutet auf Bluthochdruck hin“, erklärt Huber. Wird beim Husten Schleim produziert, sollte man sich in jedem Fall – ob der Schleim nun gelb oder grün ist – ärztlich untersuchen lassen. „Es kann sich dabei um einen Raucherhusten (COPD), aber auch um eine Tuberkulose handeln“, warnt der Arzt.

Urin
Eine wichtige Signalfunktion für die Gesundheit haben auch unsere Körperausscheidungen, etwa der Urin. Seine ideale Farbe: hellgelb. „Wenn der Urin ziemlich dunkel, z. B. orange, ist, liegt das meistens daran, dass man zu wenig trinkt“, betont Internist Joachim Huber. Brennen beim Urinieren ist oft ein Zeichen für eine Blasenentzündung. „Auch wenn der Urin trüb ist und übel riecht, kann das auf eine Blaseninfektion deuten. Wer außerdem ständig müde ist und eine gelblich-graue Gesichtsfarbe hat, bei dem steckt wahrscheinlich eine Niereninfektion dahinter“, weiß Huber. Ist der Harn bierbraun, so deutet das auf eine gestörte Leberfunktion.

Stuhl
Auch der Stuhl verrät einiges über die Gesundheit. „Jede Stuhlunregelmäßigkeit muss im Rahmen einer genauen Untersuchung abgeklärt werden, vor allem damit man Dickdarmkrebs rechtzeitig erkennt“, fordert Internist Huber. Ein Beispiel: „Sind die Stuhlabgänge bohnenartig klein, kann eine Dickdarmverengung aufgrund eines Tumors vorliegen. Man sollte sich dann schleunigst von einem Spezialisten, z. B. einem Gastro-Enterologen, untersuchen lassen.“ Blut und Schmerzen beim Stuhlgang werden oft von Hämorrhoiden verursacht, sollten aber abgeklärt werden. Allerdings: Übel riechender Harn und rot gefärbter Stuhl sind nicht immer Zeichen einer Erkrankung. Manchmal liegt die Ursache einfach im Essen: Wer ein Spargelgericht genossen hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Harn scharf riecht, rote Rüben verfärben den Stuhl rot.

„Trotz Selbstkontrolle zur Kontrolle“
So wichtig die genaue Selbstbetrachtung ist – wer Auffälligkeiten an sich entdeckt, sollte keineswegs an sich herumdoktern, sondern einen Arzt konsultieren. „Alle Beschwerden, die länger als zehn Tage andauern oder immer wieder auftreten, müssen ärztlich untersucht werden“, betont der Wiener Internist und Kardiologe Dr. Joachim Huber. Um gesund zu bleiben, sollte man sich außerdem an die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen halten. Huber: „Man sollte alle drei Jahre zum Augenarzt, alle zwei Jahre zum Internisten und jährlich zum Zahnarzt gehen. Frauen sollten jährlich ihren Frauenarzt, Männer ab 40 einmal im Jahr einen Urologen aufsuchen.“
   

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