Gesunde Augen: Die besten Tipps

Februar 2008 | Medizin & Trends

So bleiben Sie möglichst lange scharfsichtig
 
Dank der modernen Medizin sind Augenkrankheiten heute in vielen Fällen heilbar oder zumindest gut behandelbar, doch die Zahl der Menschen, die Augenprobleme haben, steigt.
Lesen Sie in MEDIZIN populär, was Sie tun können, damit Sie möglichst lange scharfsichtig bleiben, und was die dringend empfohlene regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt alles ans Licht bringen kann.
 
Von Mag. Karin Kirschbichler & Mag. Sabine Stehrer

„Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt“, so beschreibt der Turmwächter in Goethes Faust den Zweck seines Daseins – und meint damit nicht nur sich selbst, sondern das Augenwesen Mensch schlechthin. 80 Prozent der Eindrücke und Wahrnehmungen, die wir im Laufe eines Tages sammeln, gelangen über das Auge in unser Gehirn. Aber der „Seher“ von damals hat mit dem heutigen nicht mehr viel gemeinsam. „Ich blick’ in die Ferne,/ Ich seh’ in der Näh’,/ Den Mond und die Sterne,/ Den Wald und das Reh“ – zählt der Wächter auf dem Turm die „Augenblicke“ seines Tages auf. Heute lassen wir kaum noch den Blick schweifen, alles ist viel näher gerückt. Nur bei wenigen Tätigkeiten, etwa beim Autofahren, braucht es ab und zu noch Fernsicht. Ansonsten sind es Bildschirme mit Bildern und Buchstaben, auf die aus geringer Distanz das Augenmerk gerichtet wird.

Bildschirm trocknet Augen aus
Die betrüblichen Aussichten: Das ständige In-die-Nähe-Sehen bewirkt, dass sich die Augen immer schlechter auf die Weite einstellen können. Kurzsichtigkeit ist die häufigste Augenveränderung in den Industrienationen, in Österreich sind 50 Prozent der Unter-30-Jährigen betroffen. Dazu trocknet Bildschirmarbeit die Augen regelrecht aus, rund 20 Prozent der Bevölkerung leiden bereits am so genannten „trockenen Auge“, klimatisierte und verrauchte Luft verschlimmert das Problem, die Ozonbelastung und Schadstoffe wie Feinstaub tun ihr übriges.

Rauchen ist Gift für die Augen
Apropos Rauchen: „Die wenigsten wissen, dass Rauchen der größte Feind des Auges ist“, sagt Dr. Wolfram Geyer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie im niederösterreichischen Herzogenburg und in der Augenlaserklinik Wien. Der Schaden, den rund 2,3 Millionen Raucherinnen und Raucher in Österreich riskieren, kommt nicht nur von außen, indem der Rauch von Zigarette & Co die Hornhaut austrocknet, sondern vor allem von innen: Rauchen schädigt die Gefäße auch des Auges, die Durchblutung wird gestört, die Versorgung der Sehorgane mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen beeinträchtigt, Sinneszellen der Netzhaut sterben ab, Sehschärfe geht verloren. „Rauchen ist ein eindeutiger Risikofaktor für das vermehrte und beschleunigte Auftreten einer Makuladegeneration, einer ,Verkalkung‘ der Netzhaut, die unbehandelt zu schweren Beeinträchtigungen des Sehvermögens führt“, warnt Augenarzt Geyer.

Stress kann ins Auge gehen
Und auch Stress kann ins Auge gehen: Man weiß inzwischen, dass die so genannte Retinopathia centralis serosa eindeutig durch körperlichen und seelischen Stress verursacht wird. Diese Erkrankung der Netzhaut, die, wie Dr. Geyer sagt, „mit einer erheblichen Sehleistungseinschränkung einhergehen kann, betrifft vor allem jüngere Männer und Frauen. Man vermutet, dass sie ausgelöst wird, wenn der Wert des Stresshormons Cortisol im Blut dauerhaft erhöht ist.“

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Die vier Säulen der Augengesundheit
Zwar treten manche Augenprobleme genetisch gehäuft auf, das sind zum Beispiel Schielen, Sehfehler wie die Kurzsichtigkeit, der grüne Star (Glaukom) oder die altersbedingte Makuladegeneration. „Diesen Risikogruppen sind regelmäßige augenärztliche Untersuchungen besonders anzuraten“, sagt Geyer. Manchmal sind Augenerkrankungen die Folge von Primärerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Autoimmunerkrankungen, die zuerst behandelt werden müssen, um Sehstörungen möglichst zu vermeiden. Und Alterserscheinungen wie zum Beispiel das Nachlassen der Lesefähigkeit (in der Nähe) lassen sich nicht wirklich verhindern. Dennoch kann man vieles tun, um die Augen möglichst lange gesund zu erhalten. Richtige Ernährung, ausreichende Schonung, maßvolles sportliches Training und regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchung heißen die vier Säulen der Augengesundheit:

AUGENSCHMAUS
„Eine ausgewogene vitamin- und ballaststoffreiche, fettarme, fischreiche Ernährung hält uns insgesamt fit, hilft aber auch, Augenerkrankungen vorzubeugen“, weiß Dr. Geyer. Bestimmte Nahrungsmittel sind ein besonderer Augenschmaus. So schärfen Karotten tatsächlich die Sicht, weil Vitamin A das beste Futter für die Sinneszellen auf der Netzhaut ist. Als „Augenvitamin“-Spender rücken auch Paprika, Rote Rüben, Brokkoli, Vogerlsalat und Zitrusfrüchte ins Blickfeld. Auch grünes Gemüse hat es unseren Augen angetan. Spinat, Erbsen, Grünkohl & Co sind nicht nur Vitaminbomben, sondern enthalten auch Lutein, ein Stoff, dem man eine gewisse Schutzwirkung für unsere Netzhaut nachsagt, der aber auch in Form von Präparaten in der Behandlung bestimmter Augenerkrankungen zum Einsatz kommt. Die vielgerühmten mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren werden derzeit von Wissenschaftlern ins Auge gefasst: Ob und in welcher Weise die wertvollen Fette aus Lachs, Hering oder Nüssen nicht nur Balsam für Haut und Herz, sondern auch fürs Auge sind, muss noch endgültig geklärt werden. Was bereits eindeutig feststeht: Die Augen brauchen Flüssigkeit. Wenn man zu wenig trinkt, wird das Blut zähflüssig und die Augen können nicht optimal versorgt werden. Die bekannte Empfehlung 1,5 bis 2 Liter pro Tag, am besten Wasser, dient auch dem Wohl der Augen.

AUGENPFLEGE
Vor allem Bildschirmarbeiter sollten „Augenpflege“ betreiben. Darunter sind Ruhepausen ebenso zu verstehen wie Gähnen, bis die Augen feucht werden, bewusstes häufiges Blinzeln, regelmäßiges Lüften, ausreichende Luftfeuchtigkeit, optimale Bildschirmposition (50 bis 70 Zentimeter vom Betrachter) und richtiges Licht (hell, flimmer- und blendfrei). Brillenträger sollten ihren Augenarzt konsultieren, um zu klären, ob eine Bildschirmbrille verordnet werden soll. Das ist eine Sehhilfe, die auf die optimale Sehdistanz für die jeweiligen Arbeitsbedingungen eingestellt ist, für die die „normale“ Brille vielleicht nicht geschaffen ist. Apropos Brille: Auch Sonnenbrillen mit UV-absorbierenden Gläsern gehören selbstverständlich zur Augenpflege. Besonders für Kinder sind sie wichtig, um Folgeschäden zu verhindern.

AUGENTRAINING
Bewegung ist auch ein wichtiges Training für die Sehfähigkeit: „Alles, was die Durchblutung fördert und verbessert, ist gut für die Augen“, so Augenarzt Geyer. „Sportliche Aktivität in Maßen dient also auch einer verbesserten bzw. intakten Durchblutung am Augenhintergrund sowie am Sehnervenkopf und kann so mithelfen, Augenproblemen vorzubeugen.“ Zum umstrittenen Thema Augentraining selbst sagt Dr. Geyer: „Die Augen selbst kann man prinzipiell nicht trainieren“, und er weist auf einige wenige Ausnahmen hin: „Bei speziellen Krankheitsbildern wie Stellungsfehler der Augen vor allem in Kindesalter können die ,Defizite‘ durch gezieltes Augentraining verbessert werden, allerdings nur nach eingehender augenärztlicher Untersuchung und unter Mithilfe von speziell ausgebildetem und geschultem Personal, den so genannten Orthoptistinnen und Orthoptisten.“

AUGENUNTERSUCHUNG
Auch wenn man keine Probleme mit den Augen hat, sollte man ab 40 einmal im Jahr zur Augen-Vorsorgeuntersuchung gehen. „So können Erkrankungen bereits dann an ihren ersten Anzeichen erkannt werden, wenn die Betroffenen selbst noch gar nichts davon bemerken“, sagt die Wiener Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie Dr. Helga Azem. Die Früherkennung der Krankheiten bringe mit sich, dass diese geheilt oder in ihrem Verlauf gestoppt werden können, manchmal sogar, noch ehe sie merkbare Schäden angerichtet haben. Menschen unter 40 Jahren empfiehlt Dr. Azem, alle zwei Jahre zur Untersuchung zum Augenarzt zu gehen. Jugendliche und Schulkinder sollten wiederum einmal jährlich zum Augenarzt. „Nur so kann rechtzeitig erkannt werden, ob ein Sehfehler besteht.“ Bei Kindern im zweiten Lebensjahr sei die Untersuchung auf mögliches Schielen und auf die Brechkraft extrem wichtig. Dr. Azem: „Nur wenn Unstimmigkeiten erkannt werden, kann man verhindern, dass ein Auge sehschwach wird.“

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Vorsicht Augenbäder!
Bäder oder Kompressen für die Augen sind Bestandteile des augenärztlichen Behandlungsspektrums und sollten nur auf ärztliche Anordnung durchgeführt werden. Vor Anwendungen in Eigenregie ist insbesondere dann abzuraten, wenn Zusätze aus Kräutern verwendet werden. Gewarnt wird ausdrücklich vor kamillenhältigen Zubereitungen, da sie die Schleimhaut austrocknen und Allergien hervorrufen können. Auch die beliebten Teebeutel-Anwendungen aus Grün- oder Schwarztee sind nicht für jedermann geeignet, da die Substanzen Allergien auslösen können. Was Sie bedenkenlos selbst tun können, um müde Augen munter zu machen: Spülen Sie mit beiden Händen fließendes Wasser auf die geschlossenen Augenlider. Wenn Sie das Augenbad morgens machen: Beginnen Sie mit warmem Wasser und beenden Sie die ­Kurzanwendung mit kaltem. Abends gehen Sie umgekehrt vor. Danach die Augen sanft trocknen und die gesamte Augenpartie mit einer milden Creme massieren.

 

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SO SCHAUT’S AUS
WIE DAS AUGE SIEHT
Durch die Regenbogenhaut (Iris) fällt das Licht ins Augeninnere und trifft dort auf die Augenlinse. Je nachdem, ob man in die Nähe oder in die Ferne sieht, zieht sich die Linse von selbst zusammen oder sie wird von feinen Muskeln auseinandergezogen. So leitet sie ein scharfes Bild an die Netzhaut (Retina) weiter, eine hochsensible Zone, die den Glaskörper des Auges von innen auskleidet. An der Netzhaut sind zwei Arten von Sinneszellen im Einsatz: die Zapfen und die Stäbchen. Die Zapfen sehen in Farbe, die Stäbchen in Schwarzweiß. Diese Zellen sind aber nicht gleichmäßig auf der Netzhaut verteilt. So gibt es eine Stelle mit besonders vielen Zapfen: Das ist die so genannte Makula, die Stelle des schärfsten Sehens. Und eine Stelle ganz ohne Sinneszellen: der so genannte blinde Fleck, an dem man gar nichts sieht. Von dort zieht der Sehnerv in Richtung Gehirn, wo die Sinneseindrücke weiter verarbeitet werden.

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Ich schau dir in die Augen
Was Augenärzte sehen können

Bei der Augen-Vorsorgeuntersuchung wird die Augengesundheit in mehreren Schritten untersucht.

  • Zunächst wird überprüft, ob sich die Bildung eines Glaukoms abzeichnet, das ist der Grüne Star. Augenärztin Dr. Helga Azem, die auch Vorsitzende der Bundesfachgruppe für Augenheilkunde und Optometrie der Österreichischen Ärztekammer ist: „Dabei messen wir den Augeninnendruck, untersuchen den Sehnerv, überprüfen seine Funktionsfähigkeit und kontrollieren das Gesichtsfeld.“ Werden Symptome für den Grünen Star gefunden, kann die Erkrankung durch Augentropfen in ihrem Fortschreiten gestoppt werden. Unbehandelt führt das Leiden zum Absterben von Nervenzellen im Sehnerv und auf diese Art und Weise zur schleichenden Erblindung.
  • In einem nächsten Schritt der Augen-Vorsorgeuntersuchung sehen sich die Augenärzte an, ob es Anzeichen für die Bildung des Grauen Stars gibt. Dr. Azem: „Bei dieser Erkrankung wird die Linse langsam trüb, und die oder der Betroffene leidet unter einem Blendungsgefühl, sieht grau und wie durch einen Nebelschleier.“ Geholfen werden könne durch eine Operation, bei der die trübe Linse durch eine künstliche Linse ersetzt wird.
  • „Was außerdem zur Vorsorgeuntersuchung der Augen gehört, ist die Untersuchung der Netzhaut“, sagt Dr. Azem. „Es könnte eine altersbedingte Makuladegeneration bestehen, die bei einer Früherkennung und einer Behandlung mit Lutein-Präparaten in ihrem Fortschreiten gestoppt werden kann.“ Bei einer akuten feuchten Makuladegeneration seien das rechtzeitige Erkennen und die rasche Behandlung die einzige Chance, das Sehvermögen zu behalten. * Weitere Untersuchungsschritte sind: Die Untersuchung auf Melanome, bösartige Tumore, die, wenn sie rechtzeitig entdeckt werden, noch ohne Verlust des Auges entfernt werden können. Die Untersuchung auf Entzündungen im Auge und auf das trockene Auge, die sich leicht behandeln lassen, unbehandelt aber zu massiven Beschwerden führen. Die Überprüfung der Sehschärfe.
  • Tipp: Zur Vorsorge-Untersuchung für die Augen sollte man seine Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen) mitnehmen und sicherheitshalber nicht mit dem eigenen Auto hin fahren. Denn müssen die Augen für die Untersuchungen eingetropft werden, sieht man an­schließend so schlecht, dass man fahruntauglich ist.

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