Hepatitis B & C im Vormarsch

Dezember 2008 | Medizin & Trends

Wie man die Leber vor Krankheiten schützt
 
Sie werden „stille Killer“ genannt: Hepatitis B und Hepatitis C können nach vielen Jahren ohne Beschwerden zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Weltweit sind die beiden Infektionskrankheiten im Vormarsch, auch in Österreich. Lesen Sie, wie man sich vor einer Ansteckung schützt.
 
Von Mag. Michael Krassnitzer

Weltweit sterben 1,5 Millionen Menschen pro Jahr an Hepatitis B und C. Nicht weniger als 500 Millionen Menschen sind mit diesen beiden Krankheiten infiziert. Dabei wissen die meisten Infizierten nichts von ihrer Infektion!
Die in letzter Zeit publizierten Fakten klingen alarmierend: Allein hierzulande sind laut Angaben der Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ) 80.000 Menschen mit Hepatitis C infiziert. Und etwa 42.000 Menschen tragen den Hepatitis B-Erreger in sich – Tendenz steigend: Die Krankheit befindet sich wieder im Vormarsch, warnt die HHÖ.
Besteht Grund zur Panik? „Nein“, beruhigt Univ. Prof. Dr. Harald Hofer, Facharzt an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin: „Global sind Hepatitis B und Hepatitis C ein riesiges Problem. Aber in Österreich ist eine Neuinfektion mit Hepatitis B außerhalb bestimmter Risikogruppen selten. Und auch Neuinfektionen mit Hepatitis C kommen nur sporadisch vor.“

Woher der Anstieg?
Wieso dann die steigenden Zahlen bei Hepatitis-Erkrankungen? Hofer hat zwei Erklärungen dafür: Zum einen sind es nicht die Krankheitsfälle, sondern die Diagnosen, die zunehmen. Weil das Bewusstsein für Hepatitis B und Hepatitis C größer geworden ist, werden die Erkrankungen auch häufiger diagnostiziert. Einer milden Erhöhung der Leberwerte, welche früher oft auf Alkoholkonsum oder schlechte Ernährung zurückgeführt wurde, kann auch eine Virushepatitis zugrunde liegen.
Zum anderen werden chronische Virushepatitis-Erkrankungen vor allem bei Menschen mit Migrationshintergrund beobachtet: Einwanderer aus Ländern, in denen es – wie die „World Hepatitis Alliance“ beklagt – weder ein ausreichendes Bewusstsein noch den politischen Willen gibt, diese Erkrankungen zu bekämpfen. Obwohl die Infektionsquelle im Nachhinein meist nicht mehr eruierbar ist, kann man laut Hofer davon ausgehen, dass diese Menschen ihre Erkrankung mitgebracht haben.
In Österreich werden seit 1998 alle Neugeborenen gegen Hepatitis B geimpft. Neuinfektionen bei Kindern sind damit praktisch ausgeschlossen. In Zukunft jedoch könnte es sich auch hier zum Schlechteren wenden: „Es gibt eine Tendenz in der Bevölkerung, Impfungen als nicht notwendig oder gar schädlich zu betrachten“, kritisiert Hofer: „Gerade bei Hepatitis B stimmt das nicht!“

Hepatitis B
Hepatitis B ist eine hoch ansteckende Lebererkrankung, die durch ein Virus übertragen wird. Sie ist etwa 100 Mal ansteckender als HIV. Die Übertragung läuft über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Speichel, Urin, Stuhl, Sperma, Vaginalschleim, Blut oder Blutplasma. Eine Ansteckung über Tröpfcheninfektion, z. B. durch Anhusten, ist nicht möglich.

Die Risikogruppen sind:

  • Menschen mit häufigem Partnerwechsel und ungeschütztem Geschlechtsverkehr.
  • Reisende in Länder mit hohem Durchseuchungsgrad der Bevölkerung. Gefahrenregionen sind Südostasien, afrikanische Länder südlich der Sahara, Alaska und die Amazonas-Region.
  • Drogenkranke, die sich Suchtgifte spritzen.
  • Personen in medizinischen Berufen, die häufig mit infektiösen Körperflüssigkeiten in Berührung kommen.
  • Neugeborene, deren Mutter mit Hepatitis B infiziert ist.

Die Zeit zwischen der Ansteckung bis zum Auftreten der Krankheit beträgt ein bis sechs Monate. Die ersten Beschwerden sind Appetitlosigkeit, Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen und leichtes Fieber. Später nimmt der Urin eine dunkle und der Stuhl eine helle Farbe an. Haut, Schleimhäute und Augen verfärben sich gelb. Daher nannte man diese Form der Hepatitis früher „Gelbsucht“. Diese akute Krankheitsphase dauert meist vier bis sechs Wochen an. Die Erkrankung selbst wird in der Regel nicht behandelt, der behandelnde Arzt verordnet lediglich körperliche Schonung, Alkoholverbot und  Absetzung aller Medikamente, welche die Leber belasten. In seltenen Fällen kann die Infektion zu einem akuten Leberversagen führen. Die meisten Patienten mit einer akuten Hepatitis B heilen die Erkrankung jedoch aus und sind nach diesen vier bis sechs Wochen wieder vollkommen gesund.
Bei etwa fünf Prozent der Betroffenen allerdings entwickelt sich eine chronische Leberentzündung. Diese verläuft meist ohne jegliche Beschwerden, jedoch kann der Erkrankte andere Menschen anstecken. Bei einem Teil der Patienten entwickelt sich nach durchschnittlich 15 bis 25 Jahren eine Leberzirrhose, die zu einem Versagen der Leberfunktionen oder zu Leberkrebs führen kann. Ist die Zerstörung der Leber weit fortgeschritten, kann das Leben des Kranken nur mit einer Lebertransplantation gerettet werden.
„In den letzten Jahren hat es eine Vielzahl von Verbesserungen der Therapie bei chronischer Hepatitis B gegeben. Wir haben heute eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, mit denen wir die Vermehrung des Virus effektiv hemmen und damit das Fortschreiten der Lebererkrankung verhindern können“, erklärt Hepatitis-Experte Hofer. Darüber hinaus kann man Hepatitis B durch eine Impfung äußerst wirksam vorbeugen. Die Impfung besteht aus drei Teilimpfungen, der Impfschutz hält mindestens fünf Jahre lang an.

Hepatitis C
Auch für die Hepatitis C ist ein Virus verantwortlich. Die Ansteckung mit dem Erreger erfolgt durch den Kontakt mit infiziertem Blut. Das Risiko einer sexuellen Übertragung ist im Vergleich zur Hepatitis B gering.

Ein Infektionsrisiko besteht bei:

  • Drogenkranken, die ihr Suchtmittel spritzen.
  • Empfängern von Organtransplantaten.
  • Piercings und Tätowierungen unter nicht sterilen Bedingungen.
  • Medizinischen Berufsgruppen, die mit infektiösem Blut oder Blutprodukten in Kontakt kommen.
  • Neugeborenen von infizierten Müttern.
  • Patienten, die vor 1992 Blutprodukte erhalten haben, z. B. bei einer Bluttransfusion oder einer Dialyse. Mittlerweile ist dieser Ansteckungsweg durch Tests weitgehend ausgeschlossen.

Die meisten Infizierten verspüren keine bzw. so geringe Beschwerden, dass sie keinen Arzt aufsuchen. Sie leben oft jahrelang, ohne irgendetwas von ihrer Infektion zu bemerken. Als Virusträger können sie allerdings andere Personen anstecken. Hepatitis C wird meist durch Zufall entdeckt, wenn im Rahmen einer Routineuntersuchung erhöhte Leberwerte oder beim Blutspenden Virusbestandteile im Blut festgestellt werden. Oder wenn die Leber schwer erkrankt. Denn wie bei der chronischen Hepatitis B führt auch die chronische Hepatitis C bei einem Teil der Betroffenen zur Entwicklung einer Leberzirrhose oder zu Leberkrebs.
Glück im Unglück haben jene Infizierten, die nach einer Inkubationszeit von zwei Wochen bis sechs Monaten eine akute Hepatitis C entwickeln. Denn je früher die Erkrankung behandelt wird, desto besser die Heilungschancen. Die akute Hepatitis C beginnt wie eine Grippe mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, leichtem Fieber und Druckschmerzen im rechten Oberbauch. Dann treten die typischen Symptome einer Leberentzündung auf: Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und Augen, Entfärbung des Stuhls, Dunkelfärbung des Urins.
Wenn eine Hepatitis C in diesem frühen Stadium behandelt wird, kommt es in mehr als 90 Prozent der Fälle zu einer Ausheilung. Im chronischen Stadium ist der Therapieerfolg geringer. „Aber auch die Therapie der chronischen Hepatitis C ist eine Erfolgsgeschichte“, freut sich Prof. Hofer. „Noch vor zehn Jahren konnten nur zehn bis 15 Prozent der Erkrankten geheilt werden. Zusätzlich sind an der Wiener Universitätsklinik derzeit neue Medikamente in klinischer Erprobung, die, wie Hofer betont, weitere Verbesserungen erwarten lassen.
„Um eine etwaige Infektion mit Hepatitis C möglichst früh zu erkennen, muss jede – auch geringe und einmalige – Erhöhung  der Leberwerte diesbezüglich abgeklärt werden“, betont Hofer. Sich ohne Verdacht auf Hepatitis C testen zu lassen, hält der Internist für übertrieben. Mit folgenden Einschränkungen: „Wenn ein bedenklicher Kontakt vermutet wird, man sich in einer Risikogruppe bewegt oder bewegt hat, macht ein Test schon Sinn.“

Weitere Formen der viralen Leberinfektion:

Hepatitis A-D-E

Hepatitis A
ist eine der häufigsten Reisekrankheiten und vor allem in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen verbreitet, besonders in Afrika, Asien und Lateinamerika, kommt aber auch noch in Südeuropa und den Mittelmeerländern vor. Die Übertragung erfolgt durch engen körperlichen Kontakt oder durch verunreinigtes Trinkwasser bzw. verunreinigte Nahrungsmittel. Die Krankheit mit den typischen Symptomen (Haut, Schleimhäute und Augen verfärben sich gelb, der Stuhl hell, der Urin dunkel) dauert meist zwei bis drei Wochen. Es kommt zu keiner Ausbildung einer chronischen Hepatitis mit dauerhafter Leberschädigung.

Hepatitis D
tritt nur gemeinsam mit Hepatitis B auf. Der Erreger wird entweder gemeinsam mit einer Hepatitis B übertragen, oder die Infektion erfolgt auf eine bereits bestehende chronische Hepatitis B. Das Risiko für die Ausbildung einer Leberzirrhose steigt bei einer Kombination von Hepatitis B und D deutlich an. Häufig zu finden ist diese Infektion in Südeuropa, im Mittleren Osten und Teilen des Fernen Ostens. In Österreich ist Hepatitis D sehr selten.

Hepatitis E
kommt nur in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen vor. Das Virus wird vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser verbreitet, aber auch durch Berühren von verschmutzten Gegenständen wie Toilettenspülungen, Türgriffen, Wasserhähnen, Besteck, Gläsern sowie durch Handgriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln. Eiswürfel, Speiseeis, ungeschältes Obst und Gemüse stellen ebenfalls eine Infektionsquelle dar. Die Akuterkrankung mit den üblichen Hepatitis-Symptomen dauert zwei bis drei Wochen, es kommt zu keiner chronischen Hepatitis mit dauerhafter Leberschädigung. Für Frauen im dritten Schwangerschaftsdrittel allerdings ist eine Hepatitis E-Infektion lebensgefährlich: Ein Fünftel der Infizierten stirbt daran.

BUCHTIPP:
Müller, Baumgart: Beleidigte Leber.
Hepatitis, Zirrhose, Leberkarzinom & Co.

ISBN 978-3-902552-11-2
148 Seiten, € 14,90 Verlagshaus der Ärzte
   

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