Sauna: Heißes Bad in heißer Luft

Februar 2008 | Medizin & Trends

Gesund Saunieren für Groß und Klein
 
Ob im Urlaub oder daheim, ob mit der Familie oder allein: Ein Schwitzbad tut gut, entspannt und beugt Krankheiten vor. Vorausgesetzt, man hält sich an wichtige Spielregeln, die leider viel zu oft ignoriert werden. Welche das sind, erklärt für MEDIZIN populär der Salzburger Allgemeinmediziner und Kneipp-Arzt Dr. Hans Karl Gasperl.
 
Von Mag. Michael Krassnitzer

Winterzeit ist Saunazeit. Denn in der kalten Jahreszeit steigert das Bad in heißer Luft nicht nur das subjektive Wohlbefinden, sondern tut auch der Gesundheit gut: Regelmäßige Saunagänge wirken sich positiv auf das vegetative Nervensystem aus und stärken das Immunsystem. „Durch die warme Kleidung bekommt der Körper nur wenige Temperaturreize. Zugleich entsteht durch Stress eine psychische Überreizung“, erklärt der Salzburger Allgemeinmediziner Dr. Hans Karl Gasperl: „Die Sauna schafft hier einen willkommenen Ausgleich. Als Kneipp-Arzt kann ich regelmäßiges Saunieren nur empfehlen.“

Sauna ist nicht gleich Sauna. In verschiedenen Ländern gibt es unterschiedliche Sauna-Varianten: vom Hamam, dem türkischen Dampfbad, bis zur Banja, der russischen Variante der Sauna. Auch hierzulande gibt es unterschiedliche Formen: Dampfbad, Biosauna und Trockensauna. Am häufigsten ist in Österreich jedoch jene Form der Sauna anzutreffen, die auf die finnische Sauna-Tradition zurückgeht: ein stark beheizter Raum mit geringer Luftfeuchtigkeit. In dieser klassischen Sauna herrschen Temperaturen von 80 bis 105 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von weniger als 30 Prozent.

Abschließender Höhepunkt des Saunabesuchs ist der Aufguss: Dabei wird Wasser auf die heißen Steine im Saunaofen gegossen, so dass sich die Luftfeuchtigkeit und die gefühlte Temperatur schlagartig erhöhen. Nach jedem Saunagang, der zwischen acht und 15 Minuten lang dauert, sind Abkühlung und eine Ruhephase angesagt. Abkühlen kann man sich an der frischen Luft, durch Wälzen im Schnee, mit dem Kaltwasserschlauch – herzfern, also an den Füßen oder Händen, beginnend –, unter der kalten Dusche oder in kalten Tauchbecken.

Künstliches Fieber
Der Aufenthalt in der Sauna bewirkt ein künstliches Fieber. Die Temperatur im Körperinneren steigt auf bis zu 39 Grad, die Hauttemperatur kann sich auf bis zu 42 Grad erhöhen. Wie auch echtes Fieber aktiviert das künstliche Fieber die Abwehrmechanismen des Körpers: das Immunsystem kommt in Schwung. So sind Sie gegen Erkältungen gewappnet. Die Blutgefäße weiten sich, die Durchblutung wird stärker. Der Wechsel zwischen Hitze und Abkühlung beeinflusst den Blutdruck, regt Kreislauf und Stoffwechsel an, die Blutgefäße werden gleichsam „trainiert“. Ein niedriger Blutdruck kann stabilisiert, ein mäßig erhöhter gesenkt werden. Das Schwitzen reinigt die Haut gründlich und schonend. Schon ein einziger Saunabesuch steigert kurzzeitig das persönliche Wohlbefinden.

Diese Langzeiteffekte kommen allerdings nur bei regelmäßigem Saunabesuch voll zum Tragen. Kneipp-Arzt Dr. Gasperl empfiehlt, das Schwitzbad zweimal pro Woche aufzusuchen.

Besonders positiv wirkt sich regelmäßiges Saunieren auf das vegetative Nervensystem aus, das viele Vitalfunktionen des menschlichen Organismus steuert. Im vegetativen Nervensystem gibt es zwei Gegenspieler: den Sympathikus, der anregend und leistungssteigernd wirkt, und den Parasympathikus, der für Ruhe und Entspannung verantwortlich ist. Welches der beiden Systeme durch den Saunabesuch aktiviert wird, liegt auf der Hand: der Parasympathikus. In der Sauna entspannen sich Psyche und Muskeln.

Saunieren, aber richtig! Nur so wird’s ein gesunder Genuss:

  • Nie mit vollem Magen in die Sauna!
  • Kein Alkohol vor dem Saunabesuch!
  • Betreten Sie die Sauna in entspanntem Zustand. Nicht direkt von der Arbeit oder von nervenaufreibenden Erledigungen beziehungsweise unmittelbar nach dem Sport in die Sauna. Gönnen Sie sich zuvor eine Ruhepause, eine genüssliche Dusche reicht schon!
  • Vor der Sauna gut abtrocknen! Nasse Haut verzögert das Schwitzen.
  • Für manchen Saunabesucher ist der Aufguss kein Genuss, zumal wenn die feuchte und daher besonders heiß wirkende Luft mit dem Handtuch im Raum verteilt wird. Dies ist eben Gefühlssache. Der Saunabesucher sollte nicht behindert werden, den Raum zu verlassen, wenn er sich dabei nicht wohl fühlt.
  • Kein Aufguss mit Alkohol! Dr. Gasperl: „Ich bin gegen die Verwendung von ätherischen Ölen und anderen Substanzen, absolutes Verbot hat bei mir ein Aufguss mit Alkohol.“ Aufgrund der hohen Lufttemperatur wird der Alkoholdampf besonders rasch über die Schleimhäute aufgenommen, so dass Kreislaufprobleme drohen, wie der Experte warnt: „Alkohol hat in und vor der Sauna nichts verloren!“

Wer darf, wer nicht?
Eine alte finnische Weisheit lautet: „Wer in die Sauna gehen kann, kann auch in die Sauna gehen.“ Will heißen: Ob jung, ob alt – sofern nicht bestimmte gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen, darf jeder seine Abwehrkräfte in der Sauna stärken. Nur älteren Personen, die zwar gesund sind, aber noch nie in der Sauna waren, empfiehlt Gasperl, zuvor den Hausarzt zu konsultieren. Besonders gesundheitsfördernd ist die Sauna für Menschen, die Probleme mit den Bronchien oder den Nebenhöhlen haben, weiß der Allgemeinmediziner aus Eben im Pongau.

Auch für Schwangere und Kinder ist ein vernünftiger Saunabesuch kein Problem – aber Temperatur und Feuchtigkeit sowie subjektives Empfinden sollen stimmig sein. In Finnland werden selbst Säuglinge mit ins Schwitzbad genommen. Nur in den letzen Wochen der Schwangerschaft ist von der Sauna abzuraten. Auch sollten Frauen, die ein Kind erwarten, auf das Kaltwasserbecken verzichten.

Wer unter deutlich erhöhtem Blutdruck leidet, muss deshalb nicht der Sauna entsagen. Hier werden Unterschenkelgüsse empfohlen, die kalte Dusche hingegen oder das Eintauchen in das kalte Wasserbecken sollten unterlassen werden. Auch Unterschenkelgüsse bzw. Beingüsse kühlen – aber bitte nicht zu plötzlich, denn sonst könnte es zu einem heftigen Blutdruckanstieg kommen. Bei niedrigem Blutdruck wird empfohlen, sich in der Sauna hinzulegen.

Wer an einer Herz-Kreislauferkrankung leidet – insbesondere Herzinfarkt-Patienten – sollte jedoch nicht in die Sauna, außer es wird nach entsprechender ärztlicher Untersuchung gebilligt. Bei fieberhaften Infekten – zum Beispiel grippale Infekte – und anderen Entzündungserkrankungen – dazu zählen auch akutes Rheuma oder Asthma – ist ein Saunabesuch nicht angebracht. Bei Krampfadern wird unter Umständen von der Sauna abgeraten. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Arzt!

„Die Sauna ist auch ein gesellschaftliches Ereignis“, weiß Dr. Gasperl. In Finnland und Russland werden an diesem Ort Geschäfte geschlossen und Politik gemacht, in Österreich steht mehr die Geselligkeit im Vordergrund. Nur übertreiben sollte man’s nicht. Je ruhiger man sich in der Schwitzkammer bzw. im Ruheraum verhält, umso intensiver ist der Erholungswert. „Es gibt Leute, die es fanatisch betreiben und jeden Tag in die Sauna gehen“, erzählt der Arzt: „Doch medizinisch bringt das gar nichts – im Gegenteil, man wird nur matt, schlaff und versetzt den Körper in einen negativen, krankmachenden Stresszustand. Ein- bis zweimal pro Woche ist ein ideales Training für den Körper.“ Auch hier gilt die Regel des Paracelsus: „Die Dosis macht das Gift.“

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Andere Länder – andere Sitten
In anderen Ländern herrschen andere Sitten in der Sauna. Sie sollten sich also immer nach den Gepflogenheiten erkundigen, wenn Sie im Urlaub in die Sauna gehen. Vergleichsweise harmlos: Das Wacheln mit dem Handtuch, um den beim Aufguss entstehenden Dampf in der Sauna zu verteilen, ist zum Beispiel in Finnland, der Heimat der Sauna, unbekannt. Dafür sollten Sie sich nicht wundern, wenn dort jemand mit einer Rute auf Sie losgeht. Das gegenseitige Schlagen mit weichen, eingelegten Birkenzweigen, das die Durchblutung der Haut fördert, gehört im hohen Norden zum Ritual.

Um einiges heikler ist die Kleiderordnung. Dass man die Sauna üblicherweise komplett nackt genießt, ist eine Besonderheit des deutschsprachigen Raumes und Skandinaviens. Wehe, Sie lassen in einer Sauna in Großbritannien oder in den USA die Hüllen fallen! Dort nämlich herrscht strikter Badekleidungszwang. In Frankreich und den südeuropäischen Ländern ist nacktes Saunieren nicht üblich, aber meist geduldet – allerdings nur bei strenger Geschlechtertrennung.
    

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