Schwere Beine?

Juli 2008 | Medizin & Trends

Wie man Venenbeschwerden lindern kann
 
Jetzt kommt sie wieder, die Zeit, in der vielen Menschen geschwollene, schwere Beine zu schaffen machen. Das Problem ist aber nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden. Lesen Sie in MEDIZIN populär, wie Venengeplagte gut durch den Sommer kommen.
 
Von Mag. Astrid Bauer

Auch wenn sie noch so unangenehme Beschwerden verursachen: Mit Krämpfen haben die Krampfadern nichts zu tun. Ihr Name leitet sich vielmehr vom alten Begriff der „krummen Ader“ her. Der Mediziner nennt sie Varize, das kommt vom lateinischen Wort „varix“ für „Knoten“. Das Krankheitsbild selbst wird Varikose genannt. Medizinisch betrachtet handelt es sich dabei um Erweiterungen des oberflächlichen Venensystems.
Krampfadern (Varizen) gibt es in verschiedenen Ausprägungsformen. Sie reichen von zarten blauen, in der Haut gelegenen Äderchen (Besenreiser) bis hin zu dicken, strangförmigen, teilweise über dem Hautniveau liegenden Krampfadern (Stammvarizen). Die verschiedenen Formen betreffen rund 60 Prozent aller Menschen, und zwar Männer genau so häufig wie Frauen. Stammvarizen finden sich bei etwa 15 Prozent der Menschen und eine eigentliche Krampfadern-Erkrankung, welche zu schweren Hautveränderungen bis hin zum offenen Bein führen kann, bei immerhin etwa drei Prozent.

Was schwächt die Venen?
Die Entwicklung von Krampfadern hat mehrere Gründe. Die wesentliche Ursache liegt in einer vererbten Bindegewebsschwäche, gekoppelt mit altersbedingten Bindegewebsveränderungen. „Die weite Verbreitung von Venenleiden ist unter anderem dadurch bedingt, dass sich etwa ab dem dritten Lebensjahrzehnt die Venenstruktur generell zu verändern beginnt“, erklärt Univ. Prof. Dr. Erich Minar, Facharzt für Innere Medizin und Gefäßspezialist in Wien. Die Folge ist eine übersteigerte Dehnung der Gefäße, die zu einer Funktionsstörung der Klappen in den oberflächlichen Venen führt. Es gelingt dem Venengewebe dann nicht mehr, die Klappe zu schließen. Damit steigt der Druck in den Venen wegen des erhöhten Blutvolumens an und presst Flüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe. So kommt es zur Schwellungsneigung. Und somit ist auch klar, warum sich in der heißen Jahreszeit das Problem verschlimmert: Wärme weitet die Gefäße.

Die Risikofaktoren
Verstärkt werden Auftreten und Symptome von Krampfadern durch verschiedene weitere Faktoren. Dazu zählen: Bewegungsarmut, Übergewicht, statische Belastungen durch vorwiegend stehende oder sitzende Tätigkeit und die Einnahme der Anti-Baby-Pille.
Langes Stehen oder Sitzen ist vor allem für Menschen mit angeborener Venenschwäche ungesund. „Die Wadenmuskulatur pumpt bei jeder Bewegung durch Druck auf die Venen Blut in Richtung Herz. Die Venenklappen sorgen dafür, dass das Blut nach oben fließt und nicht in die Beine absackt. Durch körperliche Passivität versagt die Wadenmuskelpumpe aber irgendwann den Dienst und das Blut strömt zurück. Durch diesen vermehrten Blutfluss in die falsche Richtung werden die oberflächlichen Venen ausgeweitet und es entstehen Krampfadern“, erläutert Gefäßspezialist Minar.
Bei Frauen kommt es häufig während der Schwangerschaft zu einer deutlichen Zunahme der Beschwerden – von Besenreisern bis Varizen. Erstere verursachen zwar meist keine Beschwerden, stellen aber vor allem für Frauen ein ästhetisches Problem dar. Bei echten Krampfadern hingegen ist eine Therapie nicht nur aus kosmetischen Gründen angeraten. Unbehandelt drohen auf lange Sicht Entzündungen, Ekzeme und bei der schwersten Form sogar Beingeschwüre. Daher sollte man sich schon bei den ersten Alarmzeichen von einem Arzt untersuchen lassen.

Den Krampfadern den Kampf ansagen!
Um sich ein klares Bild vom Ausmaß der Erkrankung zu verschaffen und daraus die Therapie-Maßnahmen abzuleiten, wendet der Arzt eine Reihe von Techniken an. Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Ausmaß des Krampfaderleidens vollständig zu erkennen, um die geeignete therapeutische Vorgehensweise festlegen zu können. Im Rahmen der Anamnese wird vom Arzt festgestellt, wie stark die subjektiven Beschwerden sind und ob eine familiäre Häufung der Erkrankung vorliegt. Darauf folgt die körperliche Untersuchung. Dabei sind oft schon auf den ersten Blick die knotenartig veränderten Krampfadern deutlich unter der Haut sichtbar. Die weiterführende Diagnose mittels Ultraschall entscheidet dann, was gegen das Problem unternommen werden sollte.

Die verschiedenen Behandlungsmethoden
Zu den allgemeinen physikalischen Maßnahmen gehören vor allem die Hydro- und Bewegungstherapie. Die Hydrotherapie führt in Form von Kaltwassergüssen, kalten Fußbädern oder Wassertreten in einer Kneipp-Anlage zu einer Besserung der subjektiven Beschwerden wie der Spannungs- und Schweregefühle in den Beinen. Das Ziel einer konsequenten Bewegungstherapie (insbesondere flottes Gehen, Radfahren, Schwimmen) ist die Förderung des venösen Rückstromes durch die Betätigung der Sprunggelenk- und Wadenmuskelpumpe.
Es gibt außerdem einige gute Venenmittel mit nachgewiesener Wirksamkeit. Diese Medikamente stärken die innere Auskleidung der Venen, sodass diese für den Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe weniger durchlässig werden. Flüssigkeitseinlagerungen, die für das Spannungs- und Schweregefühl verantwortlich sind, werden vermindert, und die Versorgung des Gewebes wird verbessert.
Bei besonders hartnäckigen und starken Ausprägungen kann man die Krampfadern auch operativ entfernen. Hier gibt es inzwischen verschiedenste Methoden, die ständig weiterentwickelt werden. Welche geeignet ist, muss im Einzelfall vom Arzt entschieden werden. Ob nicht mehr funktionstüchtige Venen gezogen, verödet oder geschrumpft werden – die Verfahren werden immer schonender und können zum Teil schon ambulant durchgeführt werden.

Die neue Generation der Stützstrümpfe
„Die sicherlich älteste und effektivste Methode zur Behandlung venöser Erkrankungen ist immer noch die Kompressionstherapie mit Verbänden, Strümpfen oder Strumpfhosen“, so Prof. Minar. Durch Kompressionsstrumpf oder -strumpfhose, die mittlerweile in vielen modischen Farben und sommertauglichen Ausführungen angeboten werden, wird von außen auf das Körpergewebe Druck ausgeübt, wodurch die Venenklappen wieder funk­tionstüchtig werden und venöse Stauungen vermieden werden können.

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„Schwere Beine“ als Vorboten von Krampfadern?
Die Beschwerden in den Beinen können auch bei Venengesunden vorkommen! In manchen Fällen sind sie Vorboten von Krampfadern. Zur Sicherheit ist ärztliche Abklärung anzuraten.

Die typischen Symptome sind:

  • Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen (vor allem in der warmen Jahreszeit)
  • Neigung zu abendlichen, vorwiegend im Knöchelbereich liegenden Ödemen (Wassereinlagerungen)
  • Beschwerdezunahme bei längerem Stehen oder Sitzen und bei Wärme
  • Nächtliche Wadenkrämpfe
  • Die Beschwerden werden bei Bewegung meist besser

 

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Venenbeschwerden lindern

Die besten Tipps
Bei erblicher Vorbelastung kann man die Entstehung von Krampfadern zwar nicht verhindern, aber man kann den Verlauf günstig beeinflussen.

  • Bewegung
    Längeres Sitzen oder Stehen sollte vermieden werden! Ausdauersport übt ­einen positiven Einfluss aus, während Kraftübungen eher ungünstig sind.
  • Sonne und Hitze in Maßen
    Auf langes Sonnen, zu warme Bäder und Sauna sollte man verzichten.
  • Gewicht reduzieren
  • Beine hoch!
    Bei stärkerer Ödemneigung sollten die Beine zwischendurch immer wieder und auch nachts (z. B. mit einem Keilkissen) hoch gelagert werden.
  • Die richtige Kleidung
    Auf enge Kleider und hohe Absätze sollte man verzichten – das alles lässt die Venen weiter werden.

    

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