Ständig müde?

April 2008 | Medizin & Trends

Was tun, wenn die Frühjahrsmüdigkeit nicht weichen will?
 
Sie fühlen sich fürchterlich schlapp und ausgelaugt? Und das, obwohl die Blütezeit der Frühjahrsmüdigkeit bereits vorbei ist? Nun, es kann sein, dass Sie dieses Phänomen einfach besonders hart trifft. In diesem Fall werden Ihnen unsere Expertentipps und -tricks helfen, um die nötige Power zurückzugewinnen. Will die Müdigkeit trotz allem nicht weichen, ist aber höchste Vorsicht angesagt.
 
Von Mag. Wolfgang Bauer

Es ist schon verrückt: Da werden die Tage endlich länger, die Natur erblüht, die Vögel zwitschern immer lauter, die Uhren sind wieder auf Sommerzeit gestellt – doch manche Menschen fühlen sich so gar nicht fit für die schönste Zeit. Bleierne Müdigkeit, permanentes Schlafbedürfnis, Antriebslosigkeit, ein Kreislauf, der ebenso im Keller ist wie die Stimmung, Kopf- und Gliederschmerzen – das sind die Kennzeichen ihres Frühlingsbeginns. Es sind lästige Symptome, keine Frage. Doch Krankheitswert kommt diesen Beschwerden nach Ansicht der Wiener Allgemein- und Ganzheitsmedizinerin Dr. Susanne Schunder-Tatzber nicht zu. „Es handelt sich vielmehr um Anpassungsprobleme des Organismus, der sich erst vom Winter auf den Frühling umstellen muss“, so die Ärztin.

Gewöhnlich sollte sich dieser Anpassungsvorgang des Organismus bis etwa Mitte April dem Ende zuneigen. Doch für alle, deren Lebensgeister in diesem Jahr nicht und nicht in Gang kommen wollen, seien an dieser Stelle die wichtigsten und effektivsten Strategien zusammengefasst, mit deren Hilfe der Winter endgültig aus den Gliedern weichen sollte. Und wenn dies alles nichts hilft, dann sollten Sie den Weg zum Hausarzt nicht scheuen, denn dann könnte eine ernsthafte Krankheit hinter dem Symptom Müdigkeit stecken.

Was vom Winter übrig bleibt
Laut Dr. Susanne Schunder-Tatzber hat die Müdigkeit und Antriebslosigkeit am Beginn des Frühjahrs folgende Ursachen:

Der Hormonhaushalt ist bei vielen noch zu stark auf Winter eingestellt. So ist zum Beispiel vom „Schlafhormon“ Melatonin, das in der lichtarmen Jahreszeit verstärkt produziert wird, noch zu viel im Organismus vorhanden. Andererseits ist der Vorrat des „Glückshormons“ Serotonin, dessen Vorhandensein wiederum sehr stark vom Licht abhängt, während des Winters langsam zur Neige gegangen. Die Serotonin-Produktion muss daher erst angekurbelt werden.

Die Temperaturschwankungen machen zu schaffen. Gerade zu Beginn des Frühlings kommt es häufig zu großen Temperaturunterschieden – den kalten und mitunter noch frostigen Morgenstunden stehen recht warme Tagestemperaturen gegenüber, auf Tage mit warmem Föhn wiederum folgen oft Schlechtwettereinbrüche mit einer kurzfristigen Rückkehr des Winters. Das kann den Kreislauf belasten.

Die Ernährung ist immer noch zu schwer. Gerade während der kalten Wintermonate neigt man dazu, schwerere und fettreichere Kost zu sich zu nehmen. Jetzt im Frühjahr benötigt der Organismus jedoch vermehrt Vitalstoffe, die die Lebensgeister wecken.

Der Körper ist noch wie eingerostet, träge, faul, die letzten sportlichen Aktivitäten liegen bereits Monate zurück.
 
So wird’s endlich Frühling
Aus der Liste der Ursachen wird rasch ersichtlich, was man tun muss, um die Müdigkeit hinter sich zu lassen. „Versuchen Sie mit der Natur mitzuleben, nehmen Sie die Veränderungen im Freien bewusst wahr und steigern Sie Ihre sportlichen Aktivitäten“, empfiehlt Dr. Schunder-Tatzber. Die wichtigsten Expertentipps und -tricks:

Sonne tanken
Weil die Produktion des Glückshormons Serotonin vom Sonnenlicht abhängt, zählt die Sonne zu den besten, einfachsten und billigsten Mitteln, um die Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben.
Tipp der Ärztin: „Tanken Sie Sonne bei ausgedehnten Spaziergängen im Freien. Noch besser kommt Ihre Vitalität in Schwung, wenn Sie draußen in der frischen Luft Sport betreiben, also joggen, Nordic walken oder Rad fahren.“

Dem Körper heiß und kalt geben
Wasseranwendungen nach Pfarrer Kneipp bringen den schlappen Organismus wieder auf Vordermann und erleichtern die Gewöhnung an die Temperaturschwankungen des Frühlings. So zum Beispiel mit Wechselduschen am Morgen (achten Sie darauf, dass Sie mit „kalt“ aufhören). Aber auch Schwitzen in der Sauna mit anschließendem Kältereiz in Form einer kalten Dusche vertreibt die Müdigkeit.
Tipp der Ärztin:
„Besonders bewährt hat sich der Kneippsche Armguss, den man auch tagsüber am Arbeitsplatz durchführen kann. Über einem Waschbecken lässt man kaltes Wasser von den Fingern langsam bis zum Ellbogen aufwärts und dann wieder zurück zu den Fingern auf die Haut fließen. Dann das Gleiche mit dem anderen Arm machen, anschließend nicht abtrocknen, sondern das Wasser lediglich abstreifen.“

Vitalstoffe zuführen
Stellen Sie Ihre Ernährung auf leichte vitamin- und mineralstoffreiche Kost um, und essen Sie davon mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt. Das sorgt dafür, dass gleichmäßig Energie zugeführt wird. Also beispielsweise Vollkorngebäck mit leichten Aufstrichen, die zum Beispiel die Heilkräuter des Frühjahrs enthalten – wie etwa Bärlauch. Auch frische Salate mit Löwenzahn, Sauerampfer oder Gän­seblümchen verschaffen Energie pur.
Tipp der Ärztin: „Viel trinken ist jetzt besonders wichtig. Doch verringern Sie den Konsum von Alkohol und den typischen Aufputschmitteln des Winters – Kaffee und Schwarztee. Trinken Sie vermehrt Kräutertees und Mineralwasser.“

Fehlende Vitamine ersetzen
Häufig fehlen dem Körper nach dem Winter die Vitamine C und E sowie die Mineralstoffe und Spurenelemente Magnesium, Kalium, Selen und Zink.
Tipp der Ärztin: „Als besonders gute Lieferanten dieser lebenswichtigen Stoffe gelten Zitrusfrüchte, tropische Früchte wie Papayas oder Kiwis, aber auch Paprika, Kohlgemüse, Kartoffeln und Karotten verpassen dem Körper den nötigen Vitamin-Schub.“

Immer noch müde? Bitte Vorsicht!
Wer trotz der genannten Maßnahmen die Müdigkeit und Antriebslosigkeit nicht und nicht los wird, sollte nach Ansicht von Dr. Susanne Schunder-Tatzber unbedingt seinen Hausarzt oder seine Hausärztin kontaktieren. Denn die ständige Schlappheit kann ein Hinweis sein auf

  • eine Depression: Vielfach zeigt sich eine depressive Erkrankung an Symp­tomen wie Niedergeschlagenheit und Müdigkeit;
  • eine Schilddrüsenunterfunktion: Mit Abgeschlagenheit reagieren auch Menschen, deren Körper mit zu wenig Jod und zu wenig Schilddrüsenhormonen versorgt wird;
  • ein Burn out-Syndrom: „Burn out“ heißt übersetzt „ausgebrannt“, die Betroffenen fühlen sich schlapp, frustriert, ziehen sich zurück;
  • eine nicht zur Gänze auskurierte Erkältung oder Grippe: Wer eine entsprechende Infektion nicht richtig auskuriert hat, reagiert oft bereits nach geringsten Aktivitäten mit Erschöpfung.

                  

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