Partnerwahl: Immer der Falsche?

April 2008 | Partnerschaft & Sexualität

Tipps für „Wiederholungstäter“ in Beziehungsfragen
 
In den ersten Monaten hat alles so gut ausgeschaut – und jetzt entpuppt er sich schon wieder als einer, der es mit der Treue nicht so genau nimmt? Diesmal schien alles anders – doch schon bald zeigt sich, dass sie schon wieder von der besitzergreifenden Sorte Frau ist? Was kann der Grund dafür sein, dass man auf der Suche nach dem oder der Richtigen fürs Leben immer wieder an die Falschen gerät? Lässt sich die ständige Wiederholung der ewig gleichen negativen Erfahrungen vermeiden?
Und wenn ja, wie?
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Ich habe mich vor zwei Jahren von meinem Mann getrennt, weil ich es nicht ertragen habe, dass er mir ständig untreu war“, schreibt Barbara, 36, in einem Internet-Forum für Menschen mit Beziehungsproblemen. „Vor einem halben Jahr habe ich dann einen neuen Partner kennen gelernt, der am Anfang nur Augen für mich hatte, nach einiger Zeit aber auch damit begonnen hat, mit jeder halbwegs Hübschen zu flirten. Ich denke wieder über eine Trennung nach und frage mich, wieso ich immer an die Falschen gerate?“

Auch er gerate immer an die Falschen, schreibt im selben Forum Peter, 42 Jahre alt. „Ich möchte gern mit einer Frau zusammen sein, mich aber nicht fix binden und auch keine Kinder in die Welt setzen. Nun habe ich schon mehrere Beziehungen mit Frauen hinter mir, die anfangs sagten, sie könnten sich so eine Form des Lebens zu zweit auch gut vorstellen, nach einiger Zeit aber wollten, dass ich meine Einstellung ändere. Ich habe mich dann immer gleich von ihnen getrennt, will aber nicht, dass sich das alles immer wieder wiederholt. Was soll ich tun?“

Mit ihrem Problem stehen die beiden Hilfesuchenden nicht alleine da. Das zeigen nicht nur die vielen Einträge in dem Forum, die in die gleiche Richtung gehen. Das zeigt auch ein Blick in die Statistik: In Wien enden fast zwei Drittel der Ehen vor dem Scheidungsrichter, im übrigen Österreich wird im Durchschnitt die Hälfte der Bünde aufgelöst, die ursprünglich fürs Leben geschlossen worden waren.

Was genau heißt falsch?
Dass es nicht einfach zu ertragen ist, wenn sich der gewählte Partner oder die gewählte Partnerin in einer langen Reihe von Falschen schon wieder als der oder die Falsche entpuppt, weiß die Allgemeinmedizinerin, Psychiaterin, Psychotherapeutin und Kabarettistin Dr. Regina Hofer nur zu gut. In ihrer Praxis in Wien habe sie häufig mit Betroffenen zu tun, sagt sie, und sie beschreibt auch gleich, wie sie ihnen hilft. „Wenn jemand zu mir kommt und sagt: ,Hilfe, ich gerate immer wieder an die Falschen, ich halte das nicht mehr aus, wie kann ich das ändern?‘, dann setze ich mich zuerst einmal mit der Frau oder dem Mann hin und wir versuchen gemeinsam zu klären, was sie oder er an den Falschen überhaupt als falsch empfindet.“
Steht fest, dass man es zum Beispiel für falsch hält, wenn die gewählten Partnerinnen heiraten und Kinder bekommen möchten, man selber aber nicht, oder findet man heraus, dass es für einen unerträglich ist, wenn sich die Partner à la Don Juan durchs Leben bewegen, „dann wissen wir, was wir in Zukunft nicht wollen, und der nächste Schritt steht an“, sagt Dr. Hofer. „Der besteht in der Überlegung, warum es dazu kommen kann, dass die Betroffene oder der Betroffene immer wieder einen Partner oder eine Partnerin mit den falschen Attributen wählt.“

Warum immer ich?
Die Antwort auf diese Frage sei in den meisten Fällen in der Beziehung zu den Eltern oder anderen Erziehungsberechtigten zu finden, „also zu jenen Menschen, die uns zeigen, was Liebe ist – oder eben auch nicht“, sagt Dr. Hofer. Der Mensch strebe nach der Wiederholung dessen, was er in der Beziehung zum Vater oder zur Mutter erlebt hat und suche sich später Partner, die so ähnlich wie der Vater oder die Mutter sind, und die sich auch so ähnlich wie der Vater oder die Mutter verhalten.
Dr. Hofer: „Hatte man eine glückliche Kindheit mit gelungenen Beziehungen zu den Eltern, hat man meistens die Fähigkeit entwickelt, sich auch im späteren Leben glückliche Beziehungen aufzubauen. Wird die Beziehung zum Vater oder zur Mutter als negativ empfunden, versuchen viele immer wieder, dieses Unglück zu überwinden und landen immer wieder bei den falschen Partnern.“

Dazu hat die Expertin zwei klassische Beispiele parat: Da wäre einmal das Mädchen, dessen Vater immer abwesend und/oder abweisend war. Als erwachsene Frau wählt sie einen Mann, der auch oft abwesend und/oder abweisend ist, um zu versuchen, zu schaffen, was sie als Kind nicht schaffte: Dass sie den Mann verändert und er sich mehr um sie kümmert. Ihr Scheitern ist mit ähnlich hoher Wahrscheinlichkeit programmiert wie das des Buben, der nicht erträgt, dass die Mutter immer um ihn herum ist. Später wird er in einer Partnerschaft zu einer Frau versuchen, den kindlichen Ärger zu rächen, indem er sich immer wieder von seiner Frau distanziert, viel arbeitet, häufig auf Dienstreisen geht, allein Urlaub macht.

Freilich liege es nicht immer an den Eltern, dass man immer wieder an den oder die Falsche gerät, sagt Dr. Hofer und zählt mögliche andere Ursachen auf: Man hat zu hohe Erwartungen an einen zukünftigen Partner oder eine zukünftige Partnerin, ein zu geringes Selbstwertgefühl, um der Partnerin oder dem Partner zu sagen, was einem nicht passt oder was man sich wünscht. Oder man hat die Beziehung zu einem Ex-Partner oder zu einer Ex-Partnerin noch nicht abgeschlossen und war eigentlich gar nicht reif für den Start in eine neue Partnerschaft.

Wie komme ich aus dieser Falle?
Wenn man weiß, warum man immer an die Falschen gerät und was genau falsch an den Falschen ist, bleibt eigentlich nur noch die Frage: Wie kommt man da heraus? Wie kann man es schaffen, die ständige Wiederholung der ewig gleichen negativen Erfahrungen zu vermeiden? Dr. Hofer: „Dazu muss man sich zunächst überlegen, welche Art von Beziehung man in Zukunft möchte und was man von dieser Beziehung erwartet.“ Daraus ergeben sich wiederum Bedürfnisse, wie: „Ich will mit einer Frau zusammen sein, aber nicht mit ihr zusammen leben.“ Oder: „Ich wünsche mir eine Partnerschaft mit einem Mann, der vorhat, mir treu zu bleiben.“ Je genauer man seine Bedürfnisse für sich definiere, desto besser.

Hat man dann jemanden als Partner oder Partnerin in spe ins Auge gefasst, sollte man sich nicht gleich innerlich binden, sondern sich zunächst Zeit geben, um zu erfahren: Wie hat sich der eine oder die eine in bisherigen Beziehungen verhalten? Und entspricht dieses Verhalten wirklich dem Verhalten, das ich mir in einer Beziehung wünsche?

Wenn man diese Frage bejahen kann, sei die Gefahr, wieder in die Wiederholungsfalle zu tappen gering, sagt Dr. Hofer. Noch geringer sei sie, wenn man den Partner oder die Partnerin immer wieder über die eigenen Bedürfnisse informiert, die sich im Lauf der Beziehung auch ändern können. Dies möglichst konkret, möglichst positiv und möglichst in Ich-Form formuliert: „Ich wünsche mir, dass…“
Kann sich der Auserwählte oder die Auserwählte nicht vorstellen, die geäußerten Wünsche zu erfüllen, sollte man zu sich selber stehen und sich sagen, wenn das oder jenes nicht geht, was ich mir so wünsche, will ich auch die Beziehung nicht. Darauf zu hoffen, dass sich die Dinge ändern, sei, so sagt Dr. Hofer, mit großer Wahrscheinlichkeit vergebliche Liebesmüh’. „Und wer immer nur auf die Realisierung von Illusionen wartet, wird unglücklich.“

Je älter, desto chancenreicher
Egal, ob Frau oder Mann: Mit zunehmendem Alter werde die Chance, den Richtigen oder die Richtige zu finden und eine glückliche Partnerschaft führen zu können, größer, sagt Dr. Regina Hofer. Das habe gleich zwei Gründe: Je älter man ist, desto besser kenne man sich selbst und wisse, was man braucht, um glücklich zu werden. Außerdem, so die Wiener Allgemeinmedizinerin, Psychiaterin, Psychotherapeutin und Kabarettistin, habe man aus Erfahrungen gelernt und wisse besser als in jungen Jahren, wie man sich über seine Bedürfnisse mitteilt und Wünsche so äußert, dass sie auch erfüllt werden.

   

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