Steffi Graf

Juli 2008 | Prominente & Gesundheit

„Sport ist die optimale Schule fürs Leben“
 
Sie war Österreichs und Europas Nummer eins in Leichtathletik und feierte ihren größten Erfolg mit der Silbermedaille im 800-Meter-Lauf bei den Olympischen Sommerspielen des Jahres 2000. 2004 zog sie sich überraschend aus dem Hochleistungssport zurück. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt Steffi Graf (35), warum sie ihre Karriere als Sportlerin beendet hat, wie sie ihr neues Leben als Ehefrau und Mutter, Trainerin, Initiatorin von Sportprojekten, Sportjournalistin und Sportkommentatorin lebt, und wie sie sich fit und gesund hält.
 
Von Mag. Sabine Stehrer


MEDIZIN populär

Frau Graf, Sie arbeiten als Sportjournalistin und fahren demnächst für den ORF als Co-Kommentatorin zu den Olympischen Sommerspielen nach Peking. Nebenher trainieren Sie junge Athleten, haben Sportprojekte für Hobbysportler und Kinder – und Sie sind Ehefrau und Mutter. Haben Sie genug Zeit für sich selbst?

Steffi Graf
Nein! (lacht) Also, im Moment habe ich wirklich viel zu tun. Da ist es gut, dass ich in meiner Zeit im Hochleistungssport gelernt habe, mich von dem Gedanken an die vielen Dinge, die zu tun sind, nicht wahnsinnig machen zu lassen.

Apropos: Ihre Karriere im Hochleistungssport haben Sie ja eher unerwartet beendet. Warum?

Für die Öffentlichkeit war meine Entscheidung, mich zurückzuziehen sicher eine Überraschung. Ich habe aber lang damit gerungen, und ich denke heute, der eigentliche Anstoß war die Erkenntnis, dass ich meinen Körper trotz aller Anstrengung und Beherrschung nie voll und ganz unter Kontrolle haben kann. Das war im Juni 2002. Damals hat man bei mir im Zuge einer Routineuntersuchung einen Tumor in der Leistengegend gefunden. Nach der Operation hat sich Gott sei Dank herausgestellt, dass er gutartig war. Aber in der Zeit bis zur Operation haben sich die Wertigkeiten in meinem Leben total verschoben. Da habe ich bemerkt, dass ich abgesehen vom Sport schon auch noch etwas anderes will, zum Beispiel eine Familie gründen. Insofern bin ich heute fast dankbar für den Tumor, denn er hat mich in meiner persönlichen Entwicklung um ein großes Stück weitergebracht.

Sie sind seit 2005 mit dem Profi-Golfer Niki Zitny verheiratet und haben einen mittlerweile zwei Jahre alten Sohn. Soll die Familie noch größer werden?

Ja, unbedingt, ich möchte mindestens zwei Kinder, aber es muss so sein, dass ich so wie bei Lorenz auch beim zweiten Kind in den ersten Jahren die Möglichkeit habe, viel daheim zu sein. Ich finde, es ist für Mutter und Kind sehr wichtig, diese Zeit gemeinsam zu erleben.

Werden Sie Lorenz und Ihren möglichen weiteren Kindern ein sportliches Leben nahe bringen?

Weniger ein sportliches, aber ganz sicher ein bewegtes Leben. Lorenz hat zum Beispiel schon, seit er ein Jahr alt ist, keinen Kinderwagen mehr, und inzwischen gehen wir jeden Tag vier, fünf Kilometer gemeinsam spazieren. Hin und wieder macht Lorenz auch das Zirkeltraining mit, das ich daheim im Wohnzimmer mache. Und wenn er sich später einmal zu einem Sport hingezogen fühlt, wird mich das freuen, denn aus meiner Sicht ist Sport eine optimale Lebensschule. Man trainiert seinen Körper und seinen Charakter gleich mit und lernt viel über das soziale Miteinander. Außerdem tut Sport der Psyche gut, er sorgt für gute Laune. Das merke ich an mir selber. Wenn ich lange keine Zeit habe, um mich zu bewegen, werde ich richtig grantig und beginne, meine Mitmenschen zu nerven.

Halten Sie sich beim Essen an bestimmte Regeln?

Nein, da höre ich auf das, was mein Instinkt mir sagt. Schon in meiner Zeit als Sportlerin habe ich das gegessen, was mein Körper wollte. Ich achte aber darauf, dass die Lebensmittel, die bei uns auf den Tisch kommen, biologisch sind und in der Nähe produziert wurden.

Die Ärztinnen und Ärzte empfehlen, regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen…

…was für mich ganz selbstverständlich ist. Ich mache das einmal im Jahr, und zum Zahnarzt gehe ich sogar zweimal im Jahr. Ich lasse auch regelmäßig mein Blut untersuchen, denn ich neige zu Eisenmangel, und der will behoben werden.

Vermissen Sie Ihre Zeit im Hochleistungssport?

Der Sport war meine Bestimmung, und ich denke, ich habe viel daraus gemacht. Ich habe etwas geleistet, und dafür wurde ich reich belohnt. Das Siegen war mit intensiven Glücksgefühlen verbunden, und die vermisse ich. Ich habe inzwischen allerdings gelernt, diese Gefühle aus meinem Gedächtnis abzurufen und sie in Gedanken wieder neu zu erleben. Das ist auch etwas Schönes.

Ausgabe 07-08/2008
   

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