Thomas Geierspichler

Dezember 2008 | Prominente & Gesundheit

„Alles ist möglich, dem, der glaubt“
 
Bei den Paralympischen Spielen in Peking hat er heuer eine Bronze- und eine Goldmedaille geholt und beim Marathon auch gleich den Weltrekord gebrochen. Vor vier Jahren kam er mit fünf Medaillen von den Paralympics in Athen heim, vor acht Jahren errang er die Bronzene bei den Paralympics in Sydney. Darüber hinaus ist Thomas Geierspichler mehrfacher Welt-, Europa- und Staatsmeister im Renn-Rollstuhlfahren.
Auf den Rollstuhl angewiesen und querschnittgelähmt ist der 32-Jährige, der in Salzburg-Anif lebt, seit einem unverschuldeten Autounfall, den er mit 17 hatte. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt der Ausnahmeathlet, wie er über den Glauben an Gott zum Sport gefunden hat, wie er trainiert, wie er sich regeneriert, warum er vor seinem Haus einen „UFO-Wartelandeplatz“ angelegt hat und was Weihnachten für ihn bedeutet.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Geierspichler, nachträglich herzliche Gratulation zu Ihren sensationellen Erfolgen in Peking!

Thomas Geierspichler
Danke! Ich habe mich selber auch sehr über die Gold- und die Bronzemedaille gefreut. Inzwischen freue ich mich aber fast noch mehr darüber, dass ich den Weltrekord im Marathon gebrochen habe. Denn das war mein Ziel.

Sie haben die Strecke in einer Minute, 40 Sekunden und sieben Hundertstel bewältigt. Wie haben Sie das geschafft?

Ich bin nun schon seit zehn Jahren im Spitzensport und habe immer viel trainiert, also vier bis sechs Stunden jeden Tag. Darüber hinaus heißt mein Lebensmotto: Alles ist möglich, dem, der glaubt. Was es wirklich ausgemacht hat, ist, dass ich die Vision gehabt habe, dass ich es schaffen werde. Ich habe an mich selber geglaubt.

Leider ist bei sportlichen Höchstleistungen auch das Thema Doping nicht weit. Wie stehen Sie dazu?

Wenn es so weit wäre, dass ich meine sportlichen Ziele nicht mehr erreichen könnte, ohne zu dopen, würde ich den Sport sein lassen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, zu dopen, ich könnte danach nicht mehr ruhig schlafen. Und angenommen, ich hätte als Gedopter Erfolge, so könnte ich mich darüber gar nicht freuen, das ganze Leben lang nicht, ich wüsste ja immer, dass ich die Erfolge nicht auf der Basis der Wahrhaftigkeit erzielt hätte.

Sie haben sich immer wieder zu Ihrem Glauben an Gott bekannt und erzählt, dass Gott Ihnen dabei geholfen hat, aus der Krise herauszufinden, in die Sie nach dem Unfall geraten waren, auch aus Ihrer Drogen- und Alkoholabhängigkeit, die damit verbunden war.

Ich habe drei Jahre lang gesoffen und gekifft, um zu bewältigen, was durch den Unfall geschehen ist. Über einen Freund habe ich dann zum Glauben an Gott gefunden und darum gebetet, dass Gott meinen Körper heilt. Aber er hat meine Seele geheilt und mich zum Sport und in ein glückliches Leben geführt, an dem ich große Freude habe.

Was machen Sie, um sich von den olympischen Spielen oder anderen harten Wettkämpfen zu erholen?

Da bleibe ich daheim in Salzburg-Anif und entspanne mich in meinem eigenen Haus. Ich schlafe viel und liege auch sonst viel herum, sehe viel fern. Ich trainiere aber auch, nur eher locker und nicht so lang.

Auf dem UFO-Wartelandeplatz, den Sie vor Ihrem Haus angelegt haben?

(Lacht) Nein, der hat eine andere Funktion. Der UFO-Wartelandeplatz ist ein Platz, an dem sich Leute treffen können, um sich über ihre Visionen auszutauschen und vielleicht gemeinsam Projekte zu entwickeln, die behinderten Menschen helfen, aber auch anderen. Mal schauen und abwarten.

Andere warten derzeit auf Weihnachten – was bedeutet das Fest für Sie?

Weihnachten ist ein Fest der Freude. Es hat also eine schöne Symbolik, die man nützen kann, um sich etwas zu wünschen, um Wünsche anderer zu erfüllen, um zu feiern, sich zu freuen. Aber eigentlich sollte man dafür keinen bestimmten Tag brauchen, sondern man sollte sich jeden Tag freuen. Anders ausgedrückt finde ich, man sollte sich jeden Tag sein Weihnachten machen.

Und Ihr größter Wunsch? Dass Sie eines Tages wieder gehen können?

Ich bin sogar überzeugt davon, dass ich eines Tages wieder gehen kann. Entweder wird es mir durch ein Wunder ermöglicht oder durch den medizinischen Fortschritt. Ich weiß auch schon, was ich dann als erstes mache. Ich gehe auf den Untersberg, und da nehme ich meine Freundin, die Rosi, mit. Meiner Mutter habe ich versprochen, dass ich dann mit ihr tanzen gehe. Aber bis es so weit ist, versuche ich und wünsche ich mir, im Rennrollstuhl noch schneller zu werden.

Ausgabe 12/2008

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