Die Irrtümer rund um das Trinken

Mai 2009 | Ernährung & Genuss

Nicht während des Essens, nicht vor dem Sport trinken, insgesamt aber möglichst viel trinken, vor allem wenn man erkältet ist: Rund ums Trinken kursieren viele Empfehlungen, nicht alle sind richtig. Dr. Kurt A. Moosburger, Internist, Ernährungs- und Sportmediziner in Hall in Tirol, hat sich für MEDIZIN populär auf Fehlersuche begeben. Hier seine Liste weit verbreiteter Irrtümer.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

1  Jeder sollte mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken.

Falsch.
„Mehr als zwei Liter am Tag zu trinken, ist völlig irrational, denn übermäßig hohe Trinkmengen haben keine Vorteile für den Organismus“, sagt Moosburger. „Es reicht völlig aus, täglich 1,5 Liter Flüssigkeit über Getränke und über die Nahrung zu sich zu nehmen.“ Diese Menge benötige der menschliche Körper, um Nährstoffe zu verwerten, Giftstoffe auszuschwemmen, sowie um die Organe, den Bewegungsapparat und das Gehirn, kurz: den Menschen insgesamt funktionsfähig und fit zu halten. Mehr trinken sollte man nur beim Sport, beim Aufenthalt in heißen Klimazonen und wenn man Risikopatient für Nierensteine ist bzw. eine Niereninsuffizienz hat.

2   Während des Essens sollte man nichts trinken.

Falsch.
Hinter dieser Annahme steht: Die Flüssigkeitsaufnahme während des Essens bewirke, dass die Verdauungssäfte verdünnt werden, was wiederum dazu führe, dass der Körper die Nährstoffe aus der Nahrung nicht aufnehmen könne. Moosburger: „Das Trinken zum Essen bewirkt weder eine Verdünnung der Salzsäure im Magen, die für die Eiweißverdauung wichtig ist, noch der Verdauungsenzyme, die von der Bauchspeicheldrüse produziert werden und in den Dünndarm fließen.“ Gerade um Nährstoffe überhaupt aufnehmen, verwerten und in den Muskeln speichern zu können, brauche der Körper ausreichend Flüssigkeit.

3  Wer erkältet ist, sollte viel trinken.

Falsch.
Wer unter Halsweh, Schnupfen, Husten und Heiserkeit leidet, also unter den typischen Symptomen einer Erkältung, der sollte viel trinken, heißt es. Denn durch die erhöhte Flüssigkeitszufuhr würden sich der Schleim in den Bronchien und das Sekret in der Nase besser lösen und verflüchtigen. Auch würden die Viren und Bakterien, die die Erkältung ausgelöst haben, durch das viele Trinken schneller aus dem Körper ausgeschwemmt. Für diese Annahme gebe es keinen wissenschaftlichen Nachweis, sagt Moosburger. „Dass eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr eine Erkältung schneller zum Abklingen bringt, ist ein Mythos.“
 
4   Kaffee trinken trocknet aus.

Falsch.
Kurt Moosburger erläutert: „Kaffee besteht fast zu 100 Prozent aus Wasser, daher kann er wie Wasser gewertet werden, wenn es darum geht, auf die ausreichende Trinkmenge zu kommen.“ Das oft empfohlene Glas Wasser zum Kaffee brauche man daher zwar nicht, um der Austrocknung durch Kaffee vorzubeugen, da Kaffee nach den Ergebnissen zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen eindeutig nicht entwässernd wirke und sich nicht negativ auf die Flüssigkeitsbilanz des Körpers auswirke. „Aber wer zum Kaffee ein Glas Wasser trinken möchte, soll es einfach tun.“  

5   Fruchtsäfte sind gesund.

nicht immer.
„Fruchtsaft ist nicht gleich Fruchtsaft“, sagt Moosburger. „Am gesündesten ist frisch gepresster Obstsaft, weil durch das Pressen die wertvollen Inhaltsstoffe des Obstes in den Saft übergehen.“ Auch gesund: Fruchtsaft, der nach Angaben des Herstellers „zu 100 Prozent direkt gepresst“ wurde. Die Angabe „ohne künstlichen Zuckerzusatz“ bedeutet keinen höheren Gesundheitswert, weil Fruchtsaft selbst schon relativ viel Zucker enthält, und zwar Fruchtzucker und Traubenzucker. „Fruchtnektar, Konzentrat und Sirup sind eher als Genussmittel zu betrachten.“

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