Essen Sie genug Eisen?

Mai 2009 | Ernährung & Genuss

Wie wichtig Eisen für die Gesundheit ist
 
Blasse, trockene Haut, sprödes Haar und brüchige Nägel – alles Symptome, die auf einen Eisenmangel deuten können. Lechzt der Körper nach Eisen, kann er aber auch mit Abgeschlagenheit und Konzentrationsproblemen reagieren. Für den Eisenmangel gibt es viele Gründe, einseitige Ernährung ist einer davon. Lesen Sie in MEDIZIN populär, wie man das Problem erkennt, behandelt bzw. gar nicht erst bekommt.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Rund zehn Milligramm Eisen sollten Männer täglich zu sich nehmen, Frauen, die mit jeder Monatsblutung zusätzlich Eisen verlieren, benötigen sogar 15 Milligramm, damit der Körper ausreichend mit dem wichtigen Spurenelement versorgt ist. Doch genau an der „eisernen Gesundheit“ fehlt es vielen: Jeder Vierte ist im Laufe seines Lebens von Eisenmangel betroffen.

Die Hauptrisikogruppe ist weiblich – neben Frauen mit starker Monatsblutung und Schwangeren gelten Mädchen in der Pubertät als besonders gefährdet, wie Univ. Prof. Dr. Irene Kührer, Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie und Oberärztin an der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien, berichtet: „Bei Mädchen, bei denen die Monatsblutung einsetzt und die womöglich gleichzeitig einseitige Diäten machen, tritt der Eisenmangel besonders häufig auf.“

Die Anfangssymptome sind meist recht unspezifisch. „Dazu zählen Konzentrationsstörungen und Müdigkeit, es kommt zu Kopfschmerzen und bei schwerer Ausprägung zu Atemlosigkeit“, veranschaulicht die Ärztin. „Außerdem wird die Haut bleich, trocken und neigt zu Einrissen, die Haare werden spröde – auch Haarausfall ist eines der möglichen Symptome.“ Weiters klagen die Betroffenen über Appetitlosigkeit, Nervosität und Reizbarkeit, Schwindel und Herzklopfen.

Aufschlussreicher Bluttest

Obwohl so häufig, wird ein Eisenmangel oft fehlinterpretiert – die Patienten erhalten dann etwa mit der Diagnose Depression Antidepressiva statt Eisen. Dabei gibt schon ein einfacher Bluttest Aufschluss darüber, ob im Blut genug Eisen vorhanden ist oder ob man bereits von einer Eisenmangelanämie, auch Blutarmut genannt, betroffen ist.

Warum Eisen so wichtig ist? Als Baustein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin ist das Eisen vor allem für den Sauerstofftransport im Körper zuständig. „Die Aufgabe von Hämoglobin ist, Sauerstoff zu binden, im Blut von den kleinen Lungenbläschen abzuholen und zu jeder Zelle zu bringen“, erklärt Kührer. „Damit dieses Transportprotein für den Sauerstoff ideal funktioniert, brauchen wir Eisen.“ Rund 70 Prozent des Eisens im Körper sind an Hämoglobin gebunden, etwa 30 Prozent liegen als Speichereisen in Leber und Milz gebunden vor.    

Die Ursachen

Wie kommt es zu einem Eisenmangel? Neben dem bereits erwähnten Blutverlust aufgrund einer starken Regelblutung kommen andere chronische Blutungen als Verursacher in Frage. „Beispielsweise können Blutverlust im Stuhl und Bluthusten – beides ernsthafte Krankheitszeichen – eine Eisenmangelanämie verursachen“, weiß Irene Kührer, die auch Ernährungsmedizinerin ist.

Auch eine einseitige Ernährung kann für den Mangelzustand verantwortlich sein. Wird eine Diät über längere Zeit durchgeführt, kommt es zu einem latenten Eisenmangel. „Das erste Warnzeichen sind leichtere Erschöpfungszustände“, so die Medizinerin. „Vor allem junge Mädchen, die die Folgen der einseitigen Kost oftmals unterschätzen, sind davon betroffen.“ Zu einem Mangel kann es auch kommen, wenn der Körper das Eisen nur schlecht verwerten kann – sei es, weil die Aufnahme im Darm aufgrund einer chronischen Erkrankung gestört ist oder weil – altersbedingt – ein Mangel an Magensäure die Eisenverwertung beeinträchtigt.

Eisenreiche Kost

Eine ausgewogene eisenhältige Ernährung ist deshalb gerade für die Risikogruppen – dazu zählen neben den genannten auch Kinder, Schwangere oder Ausdauersportler – eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme. Oberstes Gebot: reichlich „Eisenspender“ konsumieren und „Eisenräuber“ meiden. „Eisenspender sind jene Lebensmittel, die dem Körper besonders viel Eisen in jener Form zur Verfügung stellen, die besonders leicht aufgenommen werden kann“, sagt die Internistin. „Zu diesen Lebensmitteln zählen zum Beispiel Vollkornprodukte, grüne Gemüsesorten und Obst.“ Der Spinat ist allerdings nur aufgrund eines Irrtums – einem Fehler bei der Kommasetzung – in den Ruf einer „Eisenbombe“ geraten. Sein Eisengehalt ist in Wahrheit um eine Potenz niedriger als lange Zeit kolportiert – und jedenfalls nicht höher als der von anderen Gemüsesorten.

Als idealer Eisenspender hervorzuheben ist rotes Fleisch, weil sein Eisen vom Körper besonders gut verwertet werden kann. „Es genügt, zweimal in der Woche mageres Fleisch zu essen, um die Eisenspeicher zu füllen“, so die Fachärztin. Allerdings müssen ihrer Meinung nach auch Vegetarier, die sich bewusst ernähren, keinen Mangel befürchten. „Wenn sie zum Beispiel ausreichend Sesam oder Leinsamen verzehren, nehmen sie ausreichend Eisen zu sich.“

Ein wichtiger Tipp für die optimale Eisenaufnahme: Die eisenhaltige Kost immer mit Vitamin C kombinieren – zum Beispiel zum Essen ein Glas Orangensaft trinken oder über den Salat Zitronensaft träufeln – weil dadurch das Eisen besser resorbiert, also verwertet, werden kann. Gewarnt sei vor allen  „Eisenräubern“, allen voran Kaffee und Schwarztee. Auch wer ein Colagetränk oder Milch zum Essen trinkt, hemmt damit die Eisenaufnahme im Körper.

Medikamentöse Therapie

Wurde bereits eine Eisenmangelanämie festgestellt, reicht die eisenreiche Kost nicht aus – das Eisen muss zusätzlich medikamentös, meist in Form von Tabletten, zugeführt werden. „Nur in seltenen Fällen kann es nötig sein, statt Tabletten Eisenspritzen zu geben“, erklärt die Internistin. Was ist bei der Einnahme zu beachten? „Die Tabletten sollten unbedingt auf nüchternen Magen eingenommen werden, weil dann die Resorption am besten ist.“ Wenn der Magen empfindlich reagiert, sollte man seine Ärztin oder seinen Arzt nach Alternativen fragen. Die Dauer der Therapie? Irene Kührer: „Meist muss man die Eisentabletten vier bis sechs Wochen einnehmen, bis alle Eisenspeicher aufgefüllt sind und man sich wieder fit fühlt.“

Eisenspender

Sesamsamen 10,0 mg
Leinsamen 8,2 mg
Sonnenblumenkerne 6,3 mg
Sojabohnen 6,6 mg
Linsen 8,0 mg
Hirse 9,0 mg
Weizenmehl, Vollkorn 2,4 mg
Petersilie 6,0 mg
Spinat 4,1 mg
Brennnessel 4,1 mg
Feldsalat 2,0 mg
Brokkoli 1,3 mg
Mandel 4,1 mg
Haselnuss 3,8 mg
Getr. Aprikosen 4,4 mg
Rindfleisch, mager 2,2 mg
Schweinefilet 3,0 mg
Ente 2,5 mg
Kalbshaxe/-brust 3,0 mg

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