Zu viel Cholesterin

Mai 2009 | Ernährung & Genuss

Wie man mit richtiger Ernährung gegensteuert
 
Der aktuelle Österreichische Ernährungsbericht des Bundesministeriums für Gesundheit bringt es ans Licht: Zu viele Österreicherinnen und Österreicher essen zu viel Cholesterin. Experten beklagen, dass trotz der Informationskampagnen der vergangenen Jahre die Gefahr erhöhter Cholesterinwerte nach wie vor unterschätzt wird. Lesen Sie, warum man die Blutfettwerte regelmässig untersuchen lassen, im Fall des Falles rechtzeitig ins Lot bringen und selbst mit der richtigen Ernährung gegensteuern sollte.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Der Österreichische Ernährungsbericht des Bundesministeriums für Gesundheit lässt uns gar nicht gut aussehen: Wir Österreicher bewegen uns zu wenig, essen zu viel – und vor allem das Falsche. Auf dem Speiseplan stehen allzu oft fettes Fleisch, fette Wurst, Pommes frites, Chips, Schlagobers, Schokolade & Co. So ist nicht nur die Zahl der Übergewichtigen gegenüber 2003, dem Erscheinungsjahr des Vorgängerberichts, bei Erwachsenen auf bis zu 42 Prozent gestiegen. Der Großteil der Österreicherinnen und Österreicher ernährt sich zunehmend ungesünder, so dass statistisch gesehen Männer jeden Alters und Frauen über 65 Jahren weit mehr als die täglich maximal empfohlenen 300 Milligramm Cholesterin zu sich nehmen.

50 Prozent sind betroffen

„Man kann davon ausgehen, dass nahezu 50 Prozent aller Österreicher einen erhöhten Gesamtcholesterinwert haben“, sagt Primar Univ. Prof. Dr. Friedrich Hoppichler, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg und Vorstand des präventivmedizinischen Instituts „SIPCAN save your life“. Hohe Cholesterinwerte sind eine Gefahr für die Gesundheit, beklagt Hoppichler, „die oft unterschätzt wird“. Allein ein Anstieg des LDL-Cholesterins um ein Prozent bewirkt schon einen einprozentigen Anstieg der Herz- und Kreislauferkrankungen. Ist der Wert des „bösen“ LDL-Cholesterins sehr hoch und/oder der Wert des „guten“ HDL-Cholesterins sehr niedrig, steigt das Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken. Auch ein hoher Anteil an Triglyzeriden – das sind Neutralfette im Blut – begünstigt die Entwicklung einer Arteriosklerose. Durch sie drohen eine Verengung der Herzkranzgefäße oder der Halsschlagader, ein Schlaganfall, eine Herzerkrankung, Arterienverschlüsse mit nachfolgenden Amputationen, ein lebensbedrohlicher Herzinfarkt. Andere Krankheitsbilder sind Potenzstörungen oder Demenzerkrankungen. Besonders bedrohlich wird es, wenn sich zu den überhöhten Cholesterinwerten und einer ungünstigen Zusammensetzung der Cholesterin-Untergruppen noch andere Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsarmut, Nikotinkonsum, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus gesellen: Das Gefäßrisiko potenziert sich dann um ein Vielfaches. Fast 40.000 Menschen sterben jedes Jahr an Infarkten, Schlaganfällen & Co., in Europa sind es 4,35 Millionen, weltweit zwölf Millionen.

Nicht spürbar, gut behandelbar

Weil ein hoher Cholesterinwert nicht spürbar ist, rät Primar Hoppichler dazu, ihn vorsorglich beim Arzt bestimmen lassen – dies nach zwölfstündigem Fasten, da der Wert der Triglyzeride von der zugeführten Nahrung beeinflusst wird. Rechtzeitig und richtig behandelt, könnten nach drei Monaten die idealen Werte erreicht werden.
Aber welche Werte sind ideal? Der Grenzwert des „bösen“ LDL ist individuell verschieden und abhängig von bereits bestehenden Risikofaktoren und Begleiterkrankungen. „Bei Gesunden liegt der LDL-Zielwert unter 130 bis 160 mg/dl“, sagt Hoppichler. Bei Menschen, die bereits an Herz- und Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck leiden oder einen Herzinfarkt hinter sich haben, seien LDL-Werte von unter 100 bzw. unter 70 anzustreben. Der Wert des „guten“ HDL sollte bei Frauen über 50 mg pro dl liegen, bei Männern über 40. Der Wert der Triglyzeride sollte idealerweise unter 150 mg pro dl Blut betragen. Altersspezifische Unterschiede gebe es bei diesen Richtlinien nicht, sagt Experte Hoppichler.

So bessern sich die Werte

Was tun, wenn die gemessenen Werte nicht diesen Idealen entsprechen? Hoppichler: „Bei Gesunden können die Cholesterinwerte mit einer Ernährungsumstellung auf cholesterinarme Ernährung, die Bestandteil einer Lebensstilveränderung ist, um 15 Prozent gesenkt werden.“ Die Lebensstilveränderung basiert auf fünf Säulen: Ernährungsumstellung, Übergewicht abbauen, nicht rauchen, mehr bewegen, Stress abbauen. „Damit kommt es nicht nur zur Reduktion des schädlichen LDL-Cholesterins und der Neutralfette, sondern vor allem durch ein Ausdauertraining zum Anstieg des HDL-, also Schutzcholesterins“, sagt Hoppichler.

Richtige Ernährung

*  Besonders ungünstig sind fettreiche, tierische Lebensmittel wie fettes Fleisch und fette Wurst, Butter, Schmalz, fetter Käse, fette Milchprodukte wie Schlagobers, zuckerreiche Getränke und Snacks, mehr als drei Eier pro Woche, sowie frittierte Speisen und fettreiche Mehlspeisen, die gesättigte Fettsäuren und oft auch viele Transfettsäuren enthalten. Diese steigern den LDL-Anteil.

*  Pflanzliche Fette wirken sich hingegen positiv aus: Die einfach ungesättigten Fettsäuren in Olivenöl, Rapsöl, Avocados und Nüssen senken das LDL-, nicht aber das HDL-Cholesterin. Sonnenblumen- und Sesamkerne sind reich an so genannten Phytosterinen und können im Darm die Aufnahme des tierischen Cholesterins aus der Nahrung verringern und so das LDL reduzieren.

*  Die langkettigen, mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren in fetten Fischen wie Lachs, Hering oder Makrele senken vor allem die Triglyzeride.

*  Generell von Vorteil sind eher fettarme Zubereitungsarten, die Verwendung pflanzlicher statt tierischer Fette und eine ballaststoffreiche Kost mit vielen Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.

Nicht rauchen

Tabakkonsum verstärkt die Risikofaktoren, die auch durch einen erhöhten Cholesterinspiegel hervorgerufen werden können und eventuell bereits bestehen, nämlich: Bluthochdruck und oxidativen Stress, die zur Gefäßverengung führen und den Prozess der Arterienverkalkung beschleunigen.

Mehr Bewegung

Bewegungsmuffel sollten wissen: Körperliches Training bringt den Fettstoffwechsel in Schwung, denn es trägt dazu bei, dass die Größe der LDL-Partikel abnimmt und mehr Triglyzeride verstoffwechselt werden.

Stressabbau

Wer gestresst ist, sollte für Entspannung sorgen, denn Stress vergrößert die LDL-Partikel und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit der Ablagerung in den Arterien und der Gefäßverengung bzw. -verkalkung.

Liegt abgesehen von den hohen Cholesterinwerten noch eine Herz- oder Gefäßerkrankung vor, muss parallel zur Lebensstilveränderung eine medikamentöse Cholesterinsenkung eingeleitet werden. Die Medikamente müssen übrigens nicht dauerhaft genommen werden, um dauerhaft zu wirken. Das zeigte eine Langzeitstudie von Wissenschaftern der Universität Glasgow mit 6595 Männern, die hohe Cholesterinwerte hatten. Die eine Hälfte der Probanden bekam fünf Jahre lang einen Cholesterinhemmer verabreicht, die andere Hälfte schluckte ein Scheinmedikament. Nach 15 Jahren ab Therapiebeginn waren in der medikamentös behandelten Gruppe um 27 Prozent weniger Herzinfarkte vorgefallen und um 22 Prozent weniger Todesfälle durch Herzerkrankungen bzw. -infarkte.             

                               

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Ernährungstipps

Gut fürs Blut

Pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, denn sie enthalten gar kein Cholesterin. Lebensmittel, die einen niedrigen Fettgehalt haben, denn sie enthalten weniger Cholesterin und ungünstige gesättigte Fettsäuren. Das sind z. B. Hühner- und Putenfleisch, Putenwurst, Fisch (wobei fetter Fisch wie Lachs, Thunfisch, Hering und Makrele den Wert des „guten“ HDL im Blut sogar erhöhen), oder fettarme Milch und Milchprodukte.

Schlecht fürs Blut

Tierische Lebensmittel, denn sie enthalten Cholesterin und ungünstige gesättigte Fettsäuren. Beide stecken in großen Mengen in fettreichen Fleisch- und Wurstsorten und in Innereien, auch in Krusten- und Schalentieren wie Shrimps, Garnelen oder Hummer, in Chips, Pommes Frites, in Butter, Schmalz, fettreicher Milch, fettreichen Milchprodukten wie Schlagobers oder Käse sowie in fettreichen Süßigkeiten wie Schokolade oder Dessertcremen.

 

LDL, HDL: Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist für die Stabilisierung der Körperzellen notwendig. Als Bestandteile der Gallensäure ermöglicht es außerdem die Fettverdauung. Auch um verschiedene Hormone zu bilden, benötigt der Körper Cholesterin. LDL (low density lipoprotein) ist dazu da, das Cholesterin zu den Körperzellen zu transportieren. Befindet sich zu viel davon im Blut, so lagert sich der Überschuss an den Gefäßwänden ab und das Risiko für Arteriosklerose steigt. HDL (high density lipoprotein) baut nicht benötigtes Cholesterin ab. Ist der Wert zu niedrig, so kann überschüssiges LDL – mit dem oben beschriebenen Risiko – nicht ausreichend abtransportiert werden. Die Triglyzeride oder Neutralfette werden im Fettgewebe gespeichert und verursachen im Übermaß genossen Übergewicht – mit allen bekannten Folgen für die Gesundheit.

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