Akne mit 40?

März 2009 | Kosmetik & Pflege

Wenn Erwachsene Hautunreinheiten haben
 
Hautunreinheiten sind echte Spielverderber. Sie tauchen scheinbar immer dann auf, wenn man etwas Besonderes vorhat und besonders hübsch aussehen möchte. In manchen Fällen sind sie aber mehr als eine vorübergehend schlechte Laune der Natur – und immer mehr Frauen in den 30-ern und 40-ern leiden an Akne. Für MEDIZIN populär erklärt eine Expertin, woran es liegen kann, wenn die Haut rebelliert, und sagt, was dagegen hilft.
 
Von Mag. Astrid Bauer

Wer kennt das nicht? Das erste Rendezvous, ein schönes Abendessen, ein Theaterbesuch stehen bevor – und mitten im Gesicht macht sich ein Wimmerl breit! Der eine oder andere Pickel ist ja gerade noch zu verschmerzen, aber was, wenn die Hautunreinheit mehr ist als eine vorübergehend schlechte Laune der Natur und sich die Wimmerln „vermehren“? „Die Akne-Erkrankung zeigt sich in verschiedenen Facetten. Ihr Spektrum reicht von ein paar Mitessern bis zu erbsen- oder sogar nussgroßen Pusteln“, erklärt Dr. Sibylle Wichlas, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie in Wien die verschiedenen Erscheinungsformen.

In der Entstehung der unliebsamen Hautkrankheit spielen die männlichen Geschlechtshormone eine zentrale Rolle. In der Pubertät, wenn der Hormonspiegel steigt, sind Pickel also eher die Regel als die Ausnahme. „Schätzungen zufolge leiden fast 90 Prozent der Jugendlichen in dieser Zeit an einer mehr oder weniger starken Akne. Die meisten trösten sich damit, dass die unreine Haut irgendwann der Vergangenheit angehört, doch nicht immer verschwinden die Pusteln mit dem Erreichen des Erwachsenenalters von alleine“, weiß Sibylle Wichlas. Besonders bei Frauen kann diese Hautkrankheit deutlich länger bestehen bleiben oder sogar im Alter von 30 oder 40 Jahren erstmals auftreten. Und die Zahl der Patientinnen, die sich auch nach der Pubertät noch mit dem Problem beschäftigen muss, steigt laut Aussagen der Expertin weiter an.

Lebensstil hinterlässt Spuren

Die Ursachen für das immer häufigere Auftreten von Akne beim Erwachsenen sind noch nicht eindeutig geklärt. Bewiesen ist aber: Akne zeigt familiäre Häufung. Wenn beide Eltern Akne hatten, dann liegt die Wahrscheinlichkeit für ihre Kinder, an Akne zu erkranken bei über 50 Prozent. Auch der Lebensstil leistet seinen Beitrag zum (unreinen) Hautbild: Während Akne bei Menschen in ursprünglichen Lebensformen (z. B. Amazonasindianer) kaum vorkommt, sind in den westlichen Industrienationen die meisten Menschen zumindest in der Pubertät betroffen. Außerdem wird auch der Einfluss von hormonellen Schwankungen und Stress immer wieder diskutiert.

Teufelskreis Stress

„Im Rahmen von Studien konnte nachgewiesen werden, dass insbesondere Frauen in stressigen Berufen mit permanenter Anspannung unter der Problematik der ,Spätakne‘ leiden“, erklärt die Hautärztin. Stress führt nämlich zu einer vermehrten Produktion der männlichen Hormone und das begünstigt die Pickelbildung. Umgekehrt verursachen Pickel wiederum Psycho-Stress: ein Teufelskreis.
Akne-ähnliche Hautveränderungen können aber auch durch bestimmte Medikamente wie Kortisonpräparate, Medikamente gegen Epilepsie oder Antidepressiva ausgelöst werden. Manche Menschen reagieren sogar auf Vitamine (z. B. B 6 und B 12), vor allem, wenn diese in hohen Dosen eingenommen werden, mit einer Verschlechterung des Hautzustandes.

Hilfen gegen unreine Haut

Die moderne Aknetherapie beruht auf der Anwendung von Substanzen, die in erster Linie den Abfluss der Talgdrüsen begünstigen. Dazu versucht man zunächst, die Verhornung zu normalisieren. Die Substanzen, die hier zum Einsatz kommen, wirken zusätzlich antibakteriell und antientzündlich. Unterstützend kann auch eine Antibiotikatherapie zur Bekämpfung des Aknebakteriums hilfreich sein. Bei Frauen können auch Hormonpräparate Anwendung finden, die das Hormongleichgewicht stabilisieren und so zu einer Verbesserung des Hautzustandes beitragen.

Wer wenig Lust auf einen Medikamenten-Cocktail hat, kann aufatmen. In der Akne-Therapie kommen zusehends alternative Methoden zum Einsatz: Laser- und lichtbasierte Behandlungsformen etablieren sich immer mehr. Sie verfeinern das Hautbild, und außerdem schafft man es mit dieser Methode, die vor allem bei der Altersakne auftretenden, unschönen erweiterten Äderchen zu veröden.

Was man selbst tun kann

Zur fachgerechten Behandlung der „Pickelhaut“ stehen gut wirksame Präparate zur Verfügung. Diese speziellen, auf den Hautzustand individuell abgestimmten Mischungen verschreiben Hautarzt oder Hautärztin. Sie beraten auch in Sachen Reinigung der aknegeplagten Haut, denn, so Wichlas: „Wesentlich ist eine dem Hauttyp angepasste Reinigung.“
Oberstes Gebot der Pflege in Eigen­regie ist aber: Nicht an Pickel herumdrücken, da dies meist unschöne Narben hinterlässt und/oder die Entzündung verstärken sowie den Verlauf der Hauterkrankung negativ beeinflussen kann.

Wie Narben verschwinden

Leider kann im Rahmen tiefergehender Entzündungsprozesse manchmal auch ohne zusätzliches, selbstverschuldetes Herumdrücken Gewebe zugrundegehen – zurück bleiben auch hier Narben. Was die meisten nicht wissen: Gegen die Narben kann man etwas tun. Neueste Methoden versprechen Abhilfe. Da Aknenarben meist ein unterschiedliches Erscheinungsbild haben (spitz, tief, rund, flach, erhaben etc.), soll eine Kombinationsbehandlung am wirksamsten sein.

Eine wesentliche Säule in der Narbentherapie stellt die „Fractional-Laser-Therapie“ dar. Bei dieser Methode werden mikroskopisch kleine Löcher in die Haut gelasert. Fachärztin Wichlas erklärt, wie es funktioniert: „Zwischen diesen bewusst gelaserten winzigen Kanälchen befinden sich unbehandelte Hautareale, von denen aus eine rasche Heilung einsetzt. Das Verfahren macht sich also die Selbstheilung der Haut zunutze und so fügt sich das Ergebnis harmonisch in das natürliche Erscheinungsbild der Haut ein. Dadurch ist sowohl eine weitestgehende Rückbildung des Narbengewebes als auch eine deutliche Verkleinerung der Porengröße zu erwarten.“

Zusätzlich oder als eigenständige Methode sind Hyaluronsäure- und/oder Peelingbehandlungen sehr sinnvoll, um die Haut zusätzlich zu glätten. Bei einzelnen sehr spitzen und tiefen Narben kann ein operatives Entfernen eine weitere Verbesserung darstellen. Risiko und das zu erwartende Ergebnis müssen hier aber sorgfältig und unter Absprache mit einem Facharzt abgewogen werden.

Wahr oder falsch?

  • Schokolade macht Pickel.
    Falsch!
    Das ist nicht erwiesen. Fest steht nur, dass Pickel durch die oft fette und einseitige Ernährung in den Industriestaaten eher begünstigt werden. Achten Sie also auf eine ausgewogene Ernährung (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse) und trinken Sie ausreichend (Wasser).
  • Zahnpaste hilft gegen Wimmerln.
    Wahr!
    Bestimmte Wirkstoffe, die in Zahnpasten enthalten sind, können die Abheilung des einen oder anderen Pickels begünstigen, jedoch verhindern bzw. reduzieren sie auf keinen Fall das Neuauftreten von Akne.
  • Stress verursacht unreine Haut.
    Wahr!
    Stress regt die Produktion des Nebennierenrindenhormons Testosteron an – und das begünstigt die Pickelbildung.
  • Make-up verstopft die Poren.
    Falsch!
    Das Abdecken der Unreinheiten hat einen optisch und psychisch positiven Effekt: Man sieht besser aus, fühlt sich besser. Moderne Produkte können besten Gewissens angewendet werden.
  • Sonne reinigt die Haut.
    Die Sonnenbestrahlung ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann durch ihre anti-entzündliche Wirkung das Hautbild durchaus verbessern. Allerdings kann durch die Sonne auch ein Akne-Schub provoziert werden.
  • Sport macht Pickel.
    Wahr!
    Schweiß auf der Haut enthält zwar keine Bakterien, lockt diese aber vermehrt an, was Pickelbildung begünstigen kann. Tragen Sie deshalb schweißabsorbierende Baumwollkleidung, reinigen Sie die Haut nach dem Schwitzen.

 

Rebellische Haare:

Woran kann es liegen, wenn die Haare struppig sind und sich einfach nicht bändigen lassen?

Dr. Sybille Wichlas
Das kann durchaus einfach einmal am falschen Shampoo liegen, an der trockenen Heizungsluft oder kalten Jahreszeit. Jedoch können sich dahinter auch ernstzunehmende Erkrankungen wie z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Autoimmunerkrankung verstecken. Deshalb sollte bei Neuauftreten und Fortbestand des Symptoms ein Hautarzt aufgesucht werden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Haaren und Hormonen?
Ja! Bei Östrogenmangel, wie er z. B. in den Wechseljahren auftritt, werden die Haare trockener. In der Schwangerschaft ist jedoch das Gegenteil der Fall: Durch den hohen Östrogenspiegel sind die Haare seidig glänzend und dicht.

Gibt es zyklusbedingte Tage, an denen Frauen einfach mit struppigen Haaren leben müssen?
Am ehesten knapp vor, während und bis knapp nach der Menstruation, da ist der Östrogenspiegel am niedrigsten.

Buchtipp:
Lindlbauer, Bauer, Gesund & schön von Kopf bis Fuß. Alles über Haut, Haare, Nägel, ISBN 978-3-902552-15-0, 250 Seiten, € 19,90, Verlagshaus der Ärzte

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