Die richtige Pflege im Intimbereich

April 2009 | Kosmetik & Pflege

Was falsche Intimhygiene anrichten kann
 
Die richtige Pflege im Intimbereich – ein heikles und oft auch unbekanntes Terrain. Ärztinnen und Ärzte beklagen, dass vor allem viele junge Frauen zu wenig Ahnung davon haben. Dabei kann eine gestörte Vaginalflora zu erns­ten Erkrankungen führen. Wie man die üblen Folgen vermeiden kann, erklärt ein Experte für MEDIZIN populär.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Die Mehrzahl der Frauen wird von Zeit zu Zeit davon belästigt: von Brennen, Jucken, Ausfluss, üblem Geruch oder Trockenheit in ihrer intimsten Region. Es sind die Anzeichen eines Ungleichgewichts der Scheidenflora, das unbehandelt oft schwere Entzündungen nach sich zieht. Wenn die Krankheitserreger in Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke wandern, kann es zu Komplikationen kommen, die im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit führen. Manche Infektionen lösen in der Schwangerschaft auch Fehl- oder Frühgeburten aus. Die Folgen mangelnder Hygiene, könnte man meinen.

Tatsächlich trifft meist das genaue Gegenteil zu. „Der wohl häufigste Fehler in der Intimhygiene ist das zu intensive Reinigen der Genitalzone“, sagt Prim. Dr. Gottfried Gamperl, Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Landesklinikum Thermenregion Hainburg. Der Gynäkologe verweist auf die grundlegenden anatomischen Unterschiede zwischen Frau und Mann: „Durch die Vagina, die Gebärmutter und die Eileiter besteht eine offene Verbindung zwischen Umwelt und Bauchhöhle. Deshalb sind Frauen besonderen Belastungen und Gefahren ausgesetzt, und es bedarf bei ihnen einer prinzipiell anderen Intimpflege als bei Männern.“

Milde Reinigungsmittel

Für beide Geschlechter gilt: Der Körper sollte mit milden Pflegeprodukten gereinigt werden, die auf den Säureschutzmantel der Haut abgestimmt sind. Die unsichtbare, hauchdünne Hülle aus Drüsenabsonderungen und natürlich vorkommenden Bakterien schützt vor Krankheitserregern und weist einen pH-Wert von 5,5 auf. Zu häufiges, intensives Waschen vor allem mit heißem Wasser und alkalischer Seife setzt dem schwachsauren Schutzfilm stark zu.

„Für den äußeren Intimbereich der Frau gelten dieselben Regeln wie für den übrigen Körper: Waschen mit mäßig warmem Wasser und einer möglichst geringen Menge eines pH-hautneutralen Reinigungsmittels“, erläutert Dr. Gamperl. „Zwischen den Schamlippen allerdings beginnt jene Zone, die eine spezielle Behandlung verlangt, denn der pH-Normalwert in der Vagina ist mit 4,4 noch einmal deutlich niedriger.“

Dieser innere Säureschutzmantel der Scheide ist besonders anfällig für Seifenmittel und die noch aggressiveren Intimsprays. Letztere enthalten häufig Parfüm- und Alkoholzusätze, die die Schleimhaut reizen und die Vaginalflora schädigen. Bricht dann der natürliche Schutz zusammen, können etwa Bakterien, die aus dem Darmbereich aufsteigen, die gefürchteten Entzündungen hervorrufen. Gamperl: „Die Vagina selbst braucht überhaupt nicht gereinigt zu werden. Von Scheidenspülungen ist dringend abzuraten, sie sind nur bei krankhaften Veränderungen auf ärztliche Anordnung hin notwendig.“

Besser waschen als wischen

Vorsicht walten lassen sollte auch, wer sich täglich im Rahmen des Duschens die Haare wäscht. Denn dabei gelangt das meist stark alkalische Haarshampoo in die Intimzone und kann auf Dauer der Scheidenflora schaden. „Hier sehe ich als praktikable Lösung, sich die Haare mit vornüber gebeugtem Kopf zu waschen“, rät Dr. Gamperl. Außerdem empfiehlt der Gynäkologe, das äußere Genital mit speziell ausgewiesenen Pflegeprodukten auf Milchsäure- oder Molkebasis zu reinigen sowie auf Feuchttücher zu verzichten. Ebenso wenig eignen sich Waschlappen zur Intimhygiene, weil sie bei mehrfacher Verwendung Brutstätten für Krankheitskeime sind. „Grundsätzlich sollte man mit jeder Art von Tüchern und Toilettenpapier immer vom Genitale in Richtung After wischen und niemals umgekehrt, um keine Darmbakterien zu verschleppen“, sagt der Frauenarzt.

Baumwolle statt Kunstfaser

Eine weitere Ursache für Irritationen im äußeren Intimbereich und Scheidenausfluss bis hin zu Entzündungen ist die falsche Unterwäsche. Slips aus synthetischen Materialien schaffen ein schweißfeuchtes Milieu, in dem sich Krankheitserreger gut vermehren. Slipeinlagen mit Plastikschutz fördern den Wärme- und Nässestau zusätzlich. Gleiches gilt für zu enge Hosen, die keine Luftzirkulation zulassen. Die Folge sind oft weitere Entzündungen und die Neigung zu Pilzinfektionen. Hös­chen aus Baumwolle hingegen saugen den Schweiß auf und sorgen für eine optimale Durchlüftung.

Auch nasse Badekleidung sollte nicht zu lange auf der Haut bleiben, sondern gehört zum Trocknen auf die Wäscheleine. Wie übrigens auch das sorgfältige Abtrocknen der Intimzone – selbstverständlich mit dem eigenen Handtuch – zur richtigen Pflege zählt. Manche Frauen wiederum neigen durch Hormonmangel in der Menopause oder durch vorwiegend sitzende Tätigkeit zu einem Trockenheitsgefühl. Dr. Gamperl: „Dieses Problem lässt sich durch eine schleimhautverträgliche Fettcreme in den Griff bekommen, die möglichst dünn aufgetragen wird.“

Indessen liegen keine konkreten Studienergebnisse vor, ob die derzeit moderne Schamhaarentfernung die Intimhygiene verbessert oder verschlechtert. „Aus medizinischer Sicht ist die Intimrasur lediglich bei Filzlausbefall von Vorteil“, sagt der Experte. Gegebenenfalls empfiehlt er, die schonendere Rasur der chemischen Enthaarung oder gar der Epilation vorzuziehen.

Die Scheidenflora als Schutzwall

Die Vagina gesunder, geschlechtsreifer Frauen wird von bestimmten Milchsäurebakterien, den so genannten Döderlein-Stäbchen, besiedelt. Sie bauen Traubenzucker zu Milchsäure ab. Dadurch schaffen sie ein saures Milieu, das einen effektiven Schutz vor Infektionen bildet, weil die überwiegende Zahl der krankmachenden Bakterien unter solchen Bedingungen nicht gedeihen kann.

Übertriebene Intimhygiene bringt die Vaginalflora aus dem Gleich­gewicht und kann zu Scheidenentzündungen führen. Auch die Einnahme von Antibiotika schadet den natürlich vorkommenden Milchsäurebakterien, oft sind Pilzinfektionen die Folge.

Goldene Regeln für die Intimpflege

  • Tragen Sie Unterwäsche mit einem hohen Anteil an Naturfasern und wechseln Sie Ihre Slips täglich.
  • Waschen Sie nur die äußere Genitalregion mit lauwarmem Wasser und pH-hautneutralen Pflegeprodukten. Trocken Sie sich danach sorgfältig ab.
  • Die Scheide reinigt sich selbst. Führen Sie daher Vaginalspülungen nur auf ärztlichen Rat hin durch.
  • Verzichten Sie auf Intimdeodorants, parfümierte Feuchttücher und Slipeinlagen mit Plastikfolie.
  • Wischen Sie mit Toilettenpapier immer von der Scheide weg in Richtung After.
  • Suchen Sie eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen auf, wenn sich Ihr Scheidensekret deutlich in Farbe, Beschaffenheit oder Geruch verändert.

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